Das Selbstmordparadies (Dōmu, 童夢) [Alpha Comic Verlag, 1994-1995]

ACHTUNG!
Dieser Artikel sollte nicht von Jugendlichen unter 16 Jahren gelesen werden!

Heute möchte ich mich einem besonderen Werk von einem besonderen Künstler widmen. Es handelt sich um den Manga-ka und Regisseur (u.a. „Akira“, „Manie-Manie“, „Robotic Angel“, „Steamboy“ und „Memories“) Katsuhiro Otomo (jap. 大友 克洋, Ōtomo Katsuhiro), der vor allem durch sein großes und umfangreiches Werk Akira Weltruhm erlangt hat. Doch schon vorher hat er mit Dōmu (童夢) erste Anerkennung erhalten.
Dōmu erschien von 1980 bis 1981 in vier Kapiteln im Schwestermagazin „Action Deluxe“ der „Manga Action“. In Deutschland wurde das Werk unter dem Namen „Das Selbstmordparadies“ in drei Bänden innerhalb der Reihe „Schwermetall präsentiert“ beim Alpha Comic Verlag von 1994 bis 1995 veröffentlicht. Doch wie gut oder schlecht ist dieses Frühwerk…?

Schwermetall präsentiert #67:
Das Selbstmordparadies #1

Mysteriöse Vorfälle erschüttern die Siedlung. Ist dieser Mann die Ursache dafür…?

Ein große Hochhaussiedlung in Japan wird der Schauplatz mysteriöser Todesfälle. Nach und nach begehen immer mehr Menschen innerhalb dieser Siedlung Selbstmord, ohne jegliche Motive oder andere Anzeichen, die diesen Schritt rechtfertigen würden. Die Polizei beginnt ihre Ermittlungen und wird schnell selber mit hineingezogen. Zuerst findet ein Polizist den Tod und danach der ermittelnde Hauptkommissar. Wie bei den vorangegangenen Toden, sind auch diese dem ersten Anschein nach Selbstmorde. Das einzige Indiz welches alle Fälle miteinander verbindet, ist die Tatsache das den Opfern ein persönliches Stück fehlt. Hier ein Ring, da eine Mütze, oder auch die Pistole des Polizisten, immer nur Kleinigkeiten und selten von Wert.
Die Ermittlungen gehen weiter und führen zu zwei Personen, welche in der Siedlung leben…
… ein alter Mann und ein junges Mädchen.

FAZIT:

Explizite Darstellungen sind keine Seltenheit in „Dōmu“.

Der Beginn von Katsuhiro Otomos Meisterwerk „Domu“ – Das Selbstmordparadies ist faszinierend, beklemmend und klaustrophobisch zugleich. Die düsteren und atmosphärischen Bilder erzeugen eine sehr dichte Stimmung der Angst, gepaart mit einer fast brutal detailreichen Darstellung der Geschehnisse. Auch ohne die Tech-Amleihen sind gewisse Parallelen zu seinem späteren Werk Akira schon erkenn- und spürbar.
Die Charakterisierung der einzelnen Figuren kommt dabei auch ohne zu filigrane Zeichnungen oder tiefschürfendem Psychoprofilen hervorragend herüber, und lässt den Leser schon nach wenigen Seiten und Auftritten mit fast jeder Person mitleiden.

Schwermetall präsentiert #69:
Das Selbstmordparadies #2

Bei diesem Kampf scheint niemand sicher zu sein…

Die Jagd nach dem Mörder (oder demjenigen der für die mysteriösen Selbstmorde verantwortlich ist) gehen weiter. Dabei spielen ein alter Mann und ein junges Mädchen zwei sehr gewichtige Rollen, welche fast einem Zweikampf mit ein paar Schachfiguren gleichen. Nach einem solchen Kampf, bei dem jenes Mädchen Zeuge und Opfer einer dieser „Schachfiguren“ wurde, liegt sie nun im Krankenhaus und der alte Mann kann nun ungestört „weiterspielen“.
Aber so leicht gibt sich seine „Gegnerin“ nicht geschlagen und es kommt zu einem direkten Kampf zwischen den beiden, bei dem die halbe Siedlung in Mitleidenschaft gezogen wird.

FAZIT:

Die hohe Selbstmordrate in der Siedlung kommt nicht von ungefähr…

Die Ermittler haben es nicht einfach den Geschehnissen auf die Spur zu kommen. Erst recht nicht, wenn es sich wie hier um offenbar übernatürliche Phänomene handelt. Die Angriffe der beiden Hauptverursacher werden brutaler und vor allem großflächiger. Hat am Anfang noch ein jedes Opfer „einfach nur“ Selbstmord begangen, fangen nun jene Bauernopfer an mordend durch die Siedlung zu ziehen und dabei eine Spur des Todes hinter sich zurückzulassen.
Die beklemmende Spannung steigt weiter, und das obwohl die Urheber der mysteriösen Vorfälle dem Leser bereits bekannt sind, und dennoch ist es extrem spannend mitzuerleben, wie zum einen die Ermittler, als auch die Bewohner der Siedlung den Geheimnissen auf die Spur zu kommen versuchen.

Schwermetall präsentiert #73:
Das Selbstmordparadies #3

Der finale Kampf fordert leider auch unschuldige Opfer…

Der Kampf zwischen dem alten Mann Chô-San und dem Mädchen Etsuko mündet in einer monumentalen Schlacht der Geister und geistigen Kräfte. Dabei legen die beiden die halbe Siedlung in Schutt und Asche. Doch als Auslöser für die Zwischenfälle ermitteln die Kommissare nur Chô-San, und der ist nach dem finalen Kampf mit Etsuko nur noch ein Häufchen Elend. Bei der Verhörung auf dem Polizeirevier wird sein geistiger Zustand noch offensichtlicher, der einem Kleinkind gleicht. Daher wird er auch weder verurteilt noch angeklagt, sondern die taten seinen „Marionetten“ zugesprochen.
Etsuko hat seit dem Zwischenfall die Siedlung zusammen mit ihrer Mutter verlassen und kehrt nur noch einmal zurück um mit Chô-San die letzte Rechnung zu begleichen…

FAZIT:

Am Ende bleibt nicht viel ausser Schutt und Asche, und sehr viel Rauch…

Das Finale von DOMU – Das Selbstmordparadies ist monumental. Anders lässt es sich kaum beschreiben. Gewaltige Bilder die in diesem Albumformat einfach nur hervorragend zur Geltung kommen, gepaart mit der dichten, mysteriösen und spannenden Atmosphäre dieses Thrillers, machen „Das Selbstmordparadies“ zu einem wahren Meisterwerk. Nicht umsonst wurde DOMU mit dem Großen Science Fiction Preis 1983 ausgezeichnet.
Wer an dichten und bildgewaltigen Thrillern gefallen findet, und dem grafischen Stil eines Mangas nicht abgeneigt ist, der sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Allzuviel falsch machen kann man mit dieser Veröffentlichung defintiv nicht.

Wer jetzt neugierig geworden ist und dieses frühe Kunstwerk ebenfalls lesen möchte dem wünsche ich viel Glück. Denn leider sind diese drei Bände (vor allem der Erste) nicht mehr so einfach zu bekommen. Gelegentlich kann man bei Ebay noch ein Schnäppchen machen, aber im Durchschnitt liegen die Preise bei 4 bis 12 Euro für die Bände 2 und 3 und etwa um die 20 Euro für Band 1, sofern er aufzutreiben ist.

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