KAIJOE [Plem Plem Productions/UglyBug, November 2018]

Wer mich kennt, weiß, dass ich auch offen für Neues und Außergewöhnliches bin. Neu ist das Imprint „UglyBug“ von Plem Plem Productions und Thorsten Brochhaus auf jeden Fall. Und außergewöhnlich ist die erste Veröffentlichung „KAIJOE“ erst recht und das obwohl es sich nicht einmal Lukasz Kowalczuks erste Veröffentlichung bei Plem Plem Productions handelt. Die erschien nämlich bereits in WHOA! Comics Nr. 7 und hat damals bereits aus der Masse gestochen.

KAIJOE

Autor: Lukasz Kowalczuk
Zeichner: Lukasz Kowalczuk
Format: Heft (Großformat)
Umfang: 20 Seiten
Verlag: Plem Plem Productions
Preis: 6,00 Euro

Das Monster Gargantuna greift die Menschen an und die einzige Hilfe, der Roboter Oldizer unterliegt schon nach wenigen Minuten. Doch plötzlich taucht ein vermeintlicher Helfer auf, der auf den Namen Patrick hört und ein weiteres Monster namens Chaugnar zu Hilfe ruft. Aber Chaugnar entpuppt sich als noch größere Gefahr, als es Gargantuna war und somit bleibt der Menschheit nur noch eine Chance: KAIJOE!

Auf dem Backcover heißt es: „Macht dumme Comics für schlaue Leute.“, und ja, igrendwie stimmt das auch. Denn KAIJOE wirkt auf den ersten Blick wie ein abgedrehtes Science-Fiction/Fantasy-Märchen, entpuppt sich aber auch als durchdachte und zynische Gesellschaftskritik inklusive einer märchen/fabeltypischen Moral. Natürlich kann man die Aussage vom Backcover ernst nehmen, oder ebenso zynisch/sarkastisch sehen, wie Lukasz Blick auf die Gesellschaft, Tatsache ist aber, dass „KAIJOE“ mehr ist, als es oberflächlich zu sein scheint. Hinter teils kruden und dann auch wieder vertraut wirkendem Artwork versteckt sich eine penibel inszenierte Story, die auf mehreren Ebenen funktioniert. Wer nur ein einfaches Märchen möchte, der kann sich auch genau dem hingeben. Wer allerdings die Worte und Bilder intensiver auf sich wirken lässt, gelangt auf eine höhere Metaebene, fast schon eine neue Ebene der Erkenntnis. So sind einige dieser Erkenntnisse mal mehr und dann wieder weniger offensichtlich, einige kommen sogar mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl daher.

Einen Zaunpfahl spürt man manchmal auch beim Artwork auf dem Kopf. Schräg, schräger, am schrägsten. So, oder ähnlich könnte man den Stil der Ausgabe bezeichnen. Auf den ersten Blick eher einfach strukturiert könnten die Bilder fast schon abschreckend wirken, wenn man sich nicht bewusst ist, auf was man sich hier einlässt. Ja, wer realistische und naturgetreue Zeichnungen sucht, der wird enttäuscht werden. Fantasie, Expressionismus, das Ungewöhnliche steht hier im Vordergrund. Starke Linien, grelle Farben, eher disharmonische Farbkombinationen und Figuren, die auf den ersten Blick alles andere als charmant, oftmals sogar eher abstoßend, sind. „KAIJOE“ ist auch kein Comic. Wenn man es schon so richtig kategorisieren will, dann würde es noch am ehesten als Light Novel durchgehen. Zwar sind die Bilder/Zeichnungen gegenüber dem Text in der Überzahl, aber es gibt nur wenig comictypische Elemente. Kaum Sprechblasen (2), Textboxen oder Soundwörter (2). Es ist sogar so, dass die gesamten Zeichnungen visuell akustisch gesehen sogar eher stumm daherkommen. Aber es gibt auch Zeichnungen, die einem ungewohnt vertraut vorkommen, wie im letzten Absatz bereits erwähnt. Dies liegt unter anderem in Kowalczuks Einflüssen. So gibt es zum Beispiel eine Seite, die mich persönlich sofort an ein altes Gameboy RPG (ala „Mystic Quest“) erinnerte. Sowohl von der Darstellung als auch von der Farbgebung her.

Ja, „KAIJOE“ ist ein Experiment. Nicht nur für den Verlag, auch für den Leser. Durch das bereits erwähnte „WHOA! Comics“ Nr. 7 habe ich zwar in etwa geahnt, was mich erwarten könnte, aber ich muss gestehen, dass ich dennoch nicht wirklich darauf vorbereitet war. Schon damals hatte mich Kowalczuk eher fragend zurückgelassen, was diesmal zwar nicht der Fall war, aber dennoch habe ich nach dem Lesen ein merkwürdiges Gefühl gehabt. Nicht negativ, auch nicht wirklich positiv, aber auch nicht verunsichert oder fragend, sondern einfach nur merkwürdig. Dennoch hat es mir gut gefallen. Es ist fast wie bei einem sehr guten Horrorfilm, bei dem man zwar weiß, dass alles nur ein Film ist, man aber danach trotzdem das Gefühl hat, nicht alleine zu sein, obwohl man es real ist. Sprich ein wohliges und dennoch beunruhigendes Gefühl. Ein paradoxes Gefühl, sozusagen.
Davon kann es gerne mehr geben.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2017-2018 Lukasz Kowalczuk / Plem Plem Productions/UglyBug

Shoplink:

„KAIJOE“ bei Plem Plem Productions bestellen.

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