Endzeit/Ever After (Grown Up Films, 2018)

„Endzeit“ Anke Neugebauer/ZDF/Arte/ Grown Up Films/kinderfilm GmbH

Wie letzte Woche versprochen liefere ich euch heute das Review zur Verfilmung von Olivia Viewegs Graphic Novel „Endzeit“. Nachdem ich euch letzten Sonntag die beiden veröffentlichten Fassungen, einmal die von 2012 vom Schwarzer Turm Verlag und die 2018 bei Carlsen erschienene Version gegenübergestellt habe, folgt heute sozusagen eine dritte Fassung. Der Film wurde 2017 in Weimar und Jena, sowie an vielen Standorten in der Umgebung dazwischen gedreht und feierte seine Weltpremiere am 7. September 2018 auf dem „Toronto International Film Festival 2018“ unter dem internationalen Titel „Ever After“, wo er auch durchweg gute Kritiken erhielt. Die Deutschlandpremiere fand am 16. Januar 2019 während des „Filmfestival Max Ophüls Preis“ in Saarbrücken statt. Nach Schweden, Vietnam, Mexico, den USA, Großbritannien und Südkorea, startet der Film am 22. August 2019 nun endlich auch in den deutschen Kinos. Ich hatte nun die Chance und Möglichkeit mir den Film bereits vorab mit meinen Kindern, allen voran meiner Tochter, die ein begeisterter „Endzeit“-Fan ist und beide Graphic Novel-Fassungen gelesen hat, anzuschauen und möchte mit diesem Review meine Eindrücke und Meinung mit euch teilen.

Endzeit

Internationaler Titel: Ever After
Genre:
Horror, Drama

Herstellungsland: Deutschland
Herstellungsjahr: 2018
FSK: 16
Länge: 90 Minuten
Bildformat: 16:9 (Cinemascope 2.35:1)
Tonformat: 5.1, Stereo
Sprachfassung(en): Originalversion (Deutsch), Originalversion mit englischen Untertitel
Darsteller: Gro Swantje Kohlhof (Vivi), Maja Lehrer (Eva), Trine Dyrholm (Gärtnerin), Barbara Philipp (Heimleitung), Axel Werner (Alter Mann), Amy Schuk (Renata), Muriel Wimmer (Isabelle)
Regie: Carolina Hellsgård
Drehbuch: Olivia Vieweg
Kamera: Leah Striker
Schnitt: Ruth Schönegge, Julia Oehring
Musik: Franziska Henke
Szenenbild: Jenny Roesler
Maskenbild: Katrin Westerhausen (SFX), Astrid Stebich, Aisha King
Kostümbild: Teresa Grosser
Produzentin: Ingelore König
Producerin: Claudia Schröter
Produktion: Grown-Up Films
Koproduktion: ZDF – Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE
Redaktion: Christian Cloos (ZDF – Das kleine Fernsehspiel), Doris Hepp (ZDF/ARTE), Birgit Kämper (ARTE)

Vor zwei Jahren haben Zombies die Erde überrannt und nur zwei Städte haben überlebt. Während man in Weimar sämtliche Infizierten sofort tötet, wird in Jena an einem Heilmittel geforscht. Zwischen den beiden Städten pendelt ein automatisierter Zug, der beide Städte mit den notwendigen Hilfsmitteln versorgt. In Weimar lernen sich bei Arbeiten am Zaun die junge manchmal naive Vivi (22) und die energische und einzelgängerische Eva (26) kennen. Nachdem bei den Arbeiten am Zaun eine Frau angefallen und getötet wird, entscheiden sich die beiden ungleichen Freundinnen unabhängig voneinander, den Zug nach Jena zu nehmen. Doch dieser bleibt aufgrund einer Panne auf halber Strecke stehen und die ab hier müssen sie sich zu Fuß weiter durchschlagen, gegen eine Welt voller Zombies und mit den eigenen Geheimnissen im Rücken.

„Endzeit“ Leah Striker/ZDF/Arte/ Grown Up Films/kinderfilm GmbH

Ähnlich wie schon bei den Graphic Novels möchte ich von der Handlung nicht mehr verraten, als notwendig ist, um die Spannung zu erhalten, für all jene, die sich den Film gerne noch im Kino anschauen möchten. Was mir und auch meiner Tochter nach der ersten Sichtung des Film allerdings auffiel war, dass es sich bei der Filmhandlung um eine Mischung aus der 2012er und der 2018er Graphic Novel handelt. Olivia Vieweg, die nicht nur die beiden Graphic Novels schrieb und zeichnete, sondern auch das Drehbuch für den Film adaptierte. Aus welchen Gründen sie sich für eine Mischung der beiden Handlungen entschied, kann ich leider nicht sagen, dazu müsste ich sie einmal fragen, was ich eventuell noch nachholen werde, aber ich muss gestehen, dass der Film dadurch eine neue Daseinsberechtigung erhält. Denn wer nur die Graphic Novels kennt, egal ob nur eine der beiden Fassungen oder beide, der wird auch am Film gefallen finden und sich über die „Änderungen“ freuen, das so jede Version etwas eigenständiges besitzt. Wer nun alle drei Versionen kennt, der wird auch viele der in der Handlung von „Endzeit“ aufkommenden Fragen beantwortet bekommen. So tauchen auch die Gärtnerin und Renata im Film auf, und erhalten so ihre Relevanz in der Handlung. Allerdings sollte man den Film auch wirklich aufmerksam verfolgen, da sonst die Gefahr besteht Dinge und Informationen zu verpassen, die später dann zu vermeintlichen Logiklöchern führen könnten. So geschehen als wir den Film zum ersten Mal ansahen. Doch bei der erneuten Sichtung wurde uns klar, dass es nur unserer Aufmerksamkeit geschuldet war, dass wir später wichtige Dinge verpasst hatten. Doch zurück zum Film und seiner Handlung. Der Hauptschwerpunkt liegt trotz des apokalyptischen Settings und den Zombies bei der Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Wobei es ein Element gibt, welches in der Relevanz der Handlung sogar noch zwischen die beiden Frauen gerät. Für mich persönlich ist beispielsweise Vivi die Hauptfigur dieser Erzählung. Als zweites, sofern man sie als Figur betrachten würde, wäre Mutter Natur, die hier allgegenwärtig ist, sich verlorene Territorien zurückerobert und sogar mit ihren Mitteln versucht den „Virus“ Mensch auszurotten oder zu übernehmen. Erst dann kommt Eva, deren Hauptaufgabe darin liegt, die Charakterentwicklung von Vivi voranzutreiben. Spürbar wird dies besonders im ersten Teil des Films, als Eva Vivi gegenüber noch sehr abweisend und zynisch ist. Maja Lehrer spielt diese Rolle auch ausgezeichnet, vor allem ihre Mimik wirkt immer wieder überraschend direkt, ehrlich und emotional. Aber auch Gro Swantje Kohlhof zeigt in ihrer Rolle als Vivi eine Menge Talent, bleibt aber dennoch für meine Erwartungen ein kleines Stück hinter ihrer Schauspielkollegin zurück. Zu oft wirken ihre schauspielerischen Leistungen zu technisch und zu wenig emotional. Wenn sie dann aber endlich einmal aus ihrem „schauspielerischen Häuschen der Sicherheit“ herauskommt, überrascht sie ebenfalls mit überzeugenden Handlungen.

„Endzeit“ Anke Neugebauer/ZDF/Arte/ Grown Up Films/kinderfilm GmbH

Neben den Darstellern und der Handlung lebt ein Film aber auch noch von anderen Dingen. Einen maßgeblichen Einfluss hat auch die Regisseurin und dies schreibe ich in diesem Fall bewusst in der weiblichen Form. Denn „Endzeit“ ist zum größten Teil, und nur mit wenigen Ausnahmen, von Frauen realisiert worden. Drehbuch, Produktion, Regie, Musik, Kamera, Schnitt, nahezu fast jeder Posten lag in weiblicher Hand. Als Regisseurin konnte die schwedische Autorin und Regisseurin Carolina Hellsgård gewonnen werden. Hellsgård versteht es sehr gut, die Handlung und Figuren von „Endzeit“ so in Szene zu setzen, dass die allgegenwärtige Bedrohung durch die Zombies zwar ständig präsent, aber nicht zwingend sichtbar sein muss. Allein die Tatsache, dass zu sehr auf künstliche Natureffekte wie Sonnenauf- und untergang gesetzt wird, trübt gelegentlich die Stimmung. Zwar sehen solche Szenen oftmals sehr stimmungsvoll und bedeutungsschwanger aus, aber nur wenn sie nicht zu oft eingesetzt werden.
Ein klein wenig anders ist es mit der musikalischen Untermalung. Diese ist über große Teile des Films hinweg relativ unauffällig, fast schon unsichtbar und tritt nur einmal in den Vordergrund, als Vivi und Eva ihr Nachtlager auf einem Hochsitz aufschlagen und einen alten Walkman reaktivieren. Dennoch ist die Musik, für die Komponistin Franziska Henke verantwortlich zeichnet, ebenso wie die Zombies ständig präsent und eher unterschwellig wahrnehmbar. Gerade zum Ende hin ist es, auch aufgrund der immer weniger werdenden Dialoge und Monologe, vorrangig die Musik, die die Handlung und Emotionen des Films transportieren.
Mit einer 16er Freigabe ist der Film, zumindest in meinen Augen, fast schon zu hoch angesetzt, da es effektiv nur zwei wirklich bedenkliche Szenen gibt, und hier sieht man weder die Handlung, noch übertriebene Blut- oder Gore-Effekte. Abgetrennte Körperteile sind auch in anderen vergleichbaren Filmen/Serien, weitaus häufiger vorhanden und bei einer der beiden Szenen, die ich als bedenklich erachte, hat es mit Zombies nur bedingt zu tun, und ist eher psychologischer Natur einzuordnen. Hier ist es vorrangig die Fantasie des Zuschauers, welche die Ereignisse von der Leinwand im Kopf weiterführt. Hier hätte in meinen Augen wahrscheinlich eine FSK 12 gereicht, aber das zu beurteilen bin ich nicht berechtigt. Es soll lediglich deutlich machen, dass „Endzeit“ anders funktioniert, als andere Zombie-Endzeit-Filme funktioniert und vollkommen andere Schwerpunkte setzt.

„Endzeit“ Anke Neugebauer/ZDF/Arte/ Grown Up Films/kinderfilm GmbH

Nun, ihr merkt, dass ich kaum etwas Negatives zum Film zu berichten habe. Dies liegt nicht etwa daran, dass der Film perfekt wäre, das ist er bei weitem nicht, aber ich habe durch die beiden Graphic Novels einfach eine andere Sicht darauf und zudem kommt meine Einstellung dazu, alles möglichst ohne Erwartungen und frei von Vorurteilen zu genießen. Hierdurch kann ich weitaus schlechter enttäuscht und viel leichter begeistert werden. Eine Einstellung, die ich mir in den letzten Jahren durch diverse Umstände angewöhnt habe, und die mein Leben seither wesentlich positiver gestaltet hat. Daher wäre mein Rat an all jene, die den Film gerne sehen möchten: Lest zuerst die Graphic Novel, egal welche Version, und dann schaut euch den Film an, ohne ihn zwingend mit einer der beiden Versionen zu vergleichen. Filme verlieren immer im Vergleich mit ihrer literarischen Vorlage, sind aber dennoch als eigenständige Versionen oftmals gar nicht so schlecht geraten. Wer sich aber auf „Endzeit“ einlassen möchte, und mit der richtigen Einstellung an den Film herangeht, nicht zwingend eine weitere Version von „The Walking Dead“ erwartet, wird positiv überrascht werden, auch wenn ein gewisser mahnender Zeigefinger aus Richtung des Klimaschutzes, nicht verleugnet werden kann. Übrig bleibt ein wunderschönes Endzeit-Zombie-Drama, ein weiblicher Buddy-Movie mit zwei durchaus starken Darstellern und einer dritten eher spirituell vorhandenen Hauptfigur.

Copyright aller verwendeten Fotos und Videos, soweit nicht anders angegeben © 2018-2019 Grown Up Films, ZDF/Das kleine Fernsehspiel, ARTE, farbfilm verleih

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