Alandal Nr. 1 [Dantes Verlag, Dezember 2023]

Die Philippinen im 18. Jahrhundert. Der berühmte spanische Fechtmeister Sevillano Rodriguez hat die spanische Flotte verlassen und lebt mit seiner Tochter seit 12 Jahren unerkannt auf der Insel Subuhon. Doch Rodoriguez hat scheinbar noch weitere Geheimnisse und auch seine Tochter scheint mehr zu sein, als es den Anschein hat. Als dann auch noch die spanische Kirche und einige hohe Männer mit involviert sind, wird es richtig mysteriös …

Die spanische Inquisition und die Philippinen sind im Grunde keine neue Geschichte, und so stellt auch dieser Band auf den ersten Blick nichts besonderes dar. Doch da in diesem Fall der Blickwinkel ein anderer ist, ergibt sich eine neue Erzählweise. Und so baut sich nach anfänglicher Verwirrung schnell eine dichte Geschichte, um Verrat, Familie und Hoffnung auf, die dennoch mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Die Geschichte selbst stolpert leider ziemlich vor sich in, verzettelt sich in verschiedenen Figuren, die auftauchen, groß umschrieben werden, aber zumindest in diesem ersten Band, noch keine große Bedeutung haben. Zu viele der Randfiguren werden zu stark ausgearbeitet präsentiert und lenken den Leser damit ab. Da hilft es bedauerlicherweise auch nicht, dass die Geschichte an sich zwar interessant ist, aber nicht so recht vorwärtskommen will.

Im Gegensatz zur Handlung selbst sind die Zeichnungen über jeden Zweifel erhaben. Zwar wirkt alles auf den ersten Blick chaotisch, doch „Alandal“ ist kein Comic, den man liest, wie andere Comics. Hier wird nicht nur wert auf Details gelegt, sondern auch das große Ganze. Deshalb hat Alex Niño auch jedes Kapitel wie ein fortlaufendes Gemälde angelegt. So setzt sich jede Seite dieses quer angelegten Hardcovers auf der nachfolgenden Seite fort. Auch, dass Niño vorrangig Schwarz, Weiß und verschiedene Grautöne als gesamte Farbpalette ausgewählt hat, unterstreicht den außergewöhnlichen Look dieses Bandes. Als Leser ist es wichtig, die Bilder auch immer wieder aus einer gewissen Entfernung zu betrachten. Denn nur so erkennt man das Gesamtkunstwerk, welches Alex Niño hier geschaffen hat.

„Alandal“ stellt sicher eine ganz besondere Veröffentlichung dar, da etwas wie das hier, meines Wissens nach bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Die Art und Weise, wie Kunst hier geschaffen wurde, ist schon außergewöhnlich. Leider bleibt die Handlung selbst hinter der optischen Pracht hinterher, was das Gesamtwerk in meinen Augen etwas schmälert. Auf rein zeichnerischer Ebene wäre dieser Band ein absolut imposantes Kunstwerk, welches seinesgleichen sucht. Da steht auch die Art der Veröffentlichung durch den Dantes Verlag nicht hintendran. Wie üblich wird dies nämlich mit Anmerkungen und Extras ergänzt. Wer also etwas Ungewöhnliches sucht, ist mit „Alandal“ bestens bedient, sofern man sich mit den Problemen in der Handlung abfinden kann.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2022-2024 J. Philip Ignacio / Alex Niño / Dantes Verlag

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