In diesem, heutigen, Review Kurzüberblick wird es fantastisch. Mit dem ersten Band von Quästor und dem vierten Band von Finsternis …
Qästor Nr. 1: Menage à Troja [Splitter, Juni 2012]
Troja ist gefallen. Doch statt zu feiern, sieht Idomeneus nur die Qual, die diese List hinterlässt. Tote Männer und Jungen, vertriebene und gefangene Frauen und Mädchen. Troja war ein Schlachtfeld und so beschloss Idomeneus Decalionid, zusammen mit seinem Schildträger Aeson Simonides, Quästor zu werden und fortan nur noch für Gerechtigkeit zu sorgen. Die Zeit vergeht und Idomeneus und Aeson haben sich einen beachtlichen Ruf als Quästor-Partner erarbeitet. Sogar soviel, dass Auftraggeber aus anderen Ländern zu ihnen kommen. Wie die rätselhafte Klytia, die beide anheuern will. Doch ein paar Mekaridien (Spinnen, oder krabbenähnliche Roboterwesen) wollen dies verhindern. So bleibt den Dreien nichts als die Flucht …
Quästor #1: Menage à Troja ist eine faszinierende Geschichte mit viel Action und ebenso viel Humor. Neben dem passenden Setting gibt es immer wieder Anspielungen an aktuelle Serien und Ereignisse. So erwähnt Idomeneus im Gespräch mit Klytia, dass der Philosoph und Dichter Homer ihn in die Kunst der Gedichte und Reimform eingewiesen hätte. So kommen sie auch auf seine Frau Marge, und seinen Sohn Bartholomäus zu sprechen. Und dies ist nur eines der vielen Beispiele, die Autor Jean-Luc Sala eingebaut hat.
Das Artwork von Nocila Saviori bildet mit seinem leicht überzeichneten Design eine gelungene Symbiose, um dies doch recht abgedrehte Geschichte glaubhaft zu präsentieren. Ein zu realistischer Zeichenstil hätte der Geschichte mehr geschadet. Doch auch wenn das Artwork etwas cartoony ist, wird mit detaillierter Gewaltdarstellung, ähnlich Frank Millers 300, nicht gespart.
FAZIT:
Quästor macht Spaß und weiß zu unterhalten. Nur geschichtlich korrekte Angaben darf man hier nicht erwarten. Vielmehr stehen Spaß, eine spannende und fantastische Geschichte und leicht abgedrehte Figuren im Vordergrund. Und mit diesen Zutaten macht der Band alles richtig. Schade nur, dass nach 48 Seiten schon wieder alles vorbei ist. Dafür ist die großformatige Aufmachung im Hardcover sehr gelungen, was auch den etwas gehobenen Preis rechtfertigt. Leider ist Splitter aber auch mit Bonusmaterial, wie Hintergrundinfos oder Ähnlichem sehr sparsam. Oder um es anders zu sagen, es ist so gut wie nicht vorhanden. Selbst die Kurzbiografien der involvierten Künstler fällt mit einer 5-zeiligen Veröffentlichungsübersicht eher dürftig aus.
Finsternis Nr. 4: König Ti-Harnog [Splitter, Februar 2014]
Das Königreich steht vor dem Untergang, nachdem auch noch Königin Kirgrad hinterrücks ermordet wurde. Die Jahre vergehen und Prinzessin Tifenn wächst zu einer jungen, schönen und mutigen Thronfolgerin heran. Doch ihr Reich kann sich nicht mehr gegen die geflügelten Bestien wehren und so bleibt ihr nur eine Chance. Sie macht sich mit allen noch verbliebenen Untertanen und Gefolgsleuten auf den Weg zu König Ti-Harnog, der ein alter Freund ihres verstorbenen Vaters war. Bei ihm hofft sie auf Unterstützung und einen sicheren Unterschlupf. Doch bereits die Reise dorthin birgt viele Gefahren in sich …
Autor Bec (Christophe Bec) konnte bereits mit einigen sehr erfolgreichen Arbeiten auf sich aufmerksam machen. Neben Absolute Zero, Carthago und Prometheus (alle bei Splitter) konnte er auch mit dem dreiteiligen Drama Pandämonium (Egmont) überzeugen (das Review dazu gibt es hier). In Finsternis verschlägt es den Leser in eine mittelalterliche Fantasywelt, die von Drachen und Monstern bevölkert ist. Doch es bleibt dramatisch und spannend, wenn Bec die Schicksale von Tifenn, Ioen und Arzamas weitererzählt. Dabei spielt neben der in diesem Genre üblichen Action auch die zwischenmenschliche Psyche eine sehr wichtige Rolle.
Das alles würde jedoch nicht funktionieren ohne die wirklich detailverliebten und farbenprächtigen Bilder von Iko, der für Finsternis seine erste professionelle Arbeit abliefert. Dies merkt man den Bildern jedoch keineswegs an. Sie wirken routiniert und überzeugen mit korrekter Anatomie und perspektivischer Darstellung. Hier wird auch sichtbar, wie wichtig eine möglichst reale Darstellung für die Geschichte vonnöten ist. Mit einem cartoonartigerem Look würde Finsternis einen sehr großen Teil seines Reizes verlieren.
FAZIT:
Mit dem vierten Band der Reihe Finsternis geht Bec souverän in der Handlung weiter. Dennoch fehlt mir hier die Tiefe, wie ich sie aus Pandämonium kenne. Aber auch das Artwork von Iko kann überzeugen und weiß mit einem sehr realistischen Stil zu gefallen. Fans der Serie und Freunde von Mittelalter-Fantasy werden sicherlich ihre Freude haben, alle anderen sollten erstmal einen Blick riskieren.

