Das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry [17. Auflage, 2012 – Fischer Taschenbuch]

Dominik_AVAEs ist schon lange her, dass ich mich so sehr von einem Buch habe fesseln lassen. Dieses Buch wirkt bei dem Leser anhaltend im Gedächtnis nach. Das Gleichgewicht der Welt erscheint bereits in der 17. Auflage und hat derzeit 114 fünf Sterne Rezensionen bei Amazon. Allein dieser Umstand kann eigentlich nur bedeuten, dass dieses Buch keineswegs schlecht oder auch nur mittelmäßig ist.

 

Rohinton Mistry - Das Gleichgewicht der WeltRohinton Mistry – Das Gleichgewicht der Welt

Klappentext:

Dieser Roman ist ein großes Fest. Er schlägt den Bogen von einer heiteren Komödie bis zum bewegenden Porträt einer Familie. Rohinton Mistry ist wahrhaftig ein literarischer Kartograph. Er schafft es, in einem Stadtviertel die Schattenseiten, den Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents einzufangen“
Michael Ondaatje

Bombay 1975: Vier Menschen treffen aufeinander. Ihre Lebenswege verknüpft Rohinton Mistry mit Einfühlsamkeit und Meisterschaft zu einem großen Roman: Wir begegnen Dina Dalal, einer Frau Anfang Vierzig, und Maneck Kohlah, einem jungen Studenten aus dem Himalaja; dem unglaublich optimistischen Ishvar Darji und seinem widerspenstigen Neffen, zwei Schneidern, die vom Land in die Stadt geflüchtet sind. Seine großen erzählerischen Bögen spannt Mistry von den grünen Tälern des Himalaja bis in die Gassen von Bombay, wo sich die Menschen dichter und dichter drängen. Er berichtet von den chaotischen Zuständen während der indischen Staatsgründung ebenso wie von der Zeit des Ausnahmezustands unter Indira Gandhi. Wir hören die Geschichten von dem Haarsammler Rajaram, von dem geschäftstüchtigen Bettlermeister, der eine ganze Bettlerarmee kommandiert, oder von Mr. Valmik, dem Korrekturleser, der eine Allergie gegen Druckerschwärze entwickelt. „Laß mich ein Geheimnis verraten“, sagt Mr. Valmik zu Maneck: „So etwas wie ein uninteressantes Leben gibt es nicht“. Auf nichts trifft das mehr zu als auf Mistrys mitfühlende Erkundung menschlicher Stärke und ihrer Zerbrechlichkeit. In „Das Gleichgewicht der Welt“ läßt er den ganzen indischen Subkontinent vor den Augen des Lesers entstehen – ein Kosmos, der nur auf den ersten Blick fremd erscheint.

Rohinton Mistry ist 1952 in Bombay geboren und lebt nun in Kanada (Toronto). Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, sein bekanntestes Werk ist aber „Das Gleichgewicht der Welt“.
Gleich zu Beginn der Geschichte im Prolog treffen die vier Hauptcharaktere aufeinander.
Das Buch beschreibt nach und nach die gesamte Lebensgeschichte eben jener Charaktere.
Im Folgenden möchte ich jeweils die vier Hauptdarsteller, sowie einige ausgewählte Nebencharaktere, die bedeutend für die Geschichte und deren Verlauf sind, vorstellen.

Dina Dalal

Dina ist die Tochter eines Allgemeinmediziners. Sie hat einen älteren Bruder namens Nusswan. Bei einer ärztlichen Mission kam ihr Vater ums Leben. Nusswan, der nun verheiratet war, richtete seine Aufmerksamkeit auf die Erziehung von Dina.
Nusswan seine Erziehungsmethoden ziehen Dina stark in Mitleidenschaft. Sie hat es die nächsten Jahre nicht leicht. Nusswan möchte, dass Dina bald heiraten wird, doch Dina wehrt sich gegen auserwählte Liebschaften. Nachdem ihre Mutter verstorben ist, und Dina ausgezogen ist, lernt sie Rustom kennen und lieben. Sie werden ein Paar und heiraten darauf. Das gewählte Glück hält an, doch Rustom kommt auf tragische Weise ums Leben. So ziehen die Jahre dahin, Dina verliert sich in ihren schönen Erinnerungen. Dina erlernt das Handwerk eines Schneiders. Doch mit den Jahren werden ihre Augen schlechter und sie schafft es nicht mehr, ordentlich zu nähen. Dina ist oftmals finanziell abhängig von ihrem Bruder Nusswan, sie hat darauf nie wieder geheiratet und lebt in einer kleinen bescheidenen Hütte.

Maneck Kohlah

Maneck Kohlah und seine Familie leben am Rande des Himalaja. Dort ist die Landschaft noch unberührt von fortschreitender Modernisierung. Seine Familie betreibt Gemischtwarenladen. Maneck lernt bereits sehr früh, seinen Eltern im Gemischtwarenladen zu helfen.
Mit der Zeit jedoch findet der Fortschritt und die Modernisierung auch im angrenzenden Himalaja Gebirge seinen Einzug. Die Zeiten ändern sich und vor allem Maneck sein Vater leidet darunter sehr. Das Verhalten von Mr. Kohlah wird mit der Zeit immer seltsamer. Die Eltern entscheiden sich Maneck fortzuschicken. In Sorge um eine gute Zukunft schickten sie Maneck auf ein Internat. Maneck fiel diese Zeit nicht sehr leicht. Viel lieber wäre er in seinem Heimatdorf geblieben und hätte im Gemischtwarenladen ausgeholfen. Als die Familie darauf ihn auch noch auf ein College in der großen Stadt (Bombay) schickt, wird sein Leben keineswegs besser. Das Studium in Kühltechnik entwickelte sich für Maneck zu einem grausamen Schicksalschlag. Zwischen Mord, und starker Demütigung versucht er seinem Schicksal zu entkommen. Maneck seine Mutter war früher mit Dina Dalal auf einer Schule. Diese Umstände erlauben Maneck, nicht weiter im Studentenheim gequält zu werden, sondern bei Dina Dalal als Mieter einzuziehen.

Ishvar Darji und Omprakash (kurz:Om)

Die Geschichte von Ishvar und Om ist äußerst vielseitig und aufregend. In ihrem Dorf außerhalb der großen Stadt waren sie Schuster gewesen. Isvhar und Om lernten entgegen dem Kastensystem das Handwerk eines Schneiders. Dieser Umstand brachte unter anderem der gesamten Familie den Tod. Nur Ishvar (Onkel von Omprakash) und Om überlebten auf ihrer Flucht. Sie kamen bei einem sehr guten Freund ihrer verstorbenen Familie unter. Ashraf (Moslem) und seine Familie kümmerten sich wie um ihre eigenen Kinder um Om und Isvhar. Jedoch trugen die politischen Schwierigkeiten dazu bei, dass Om und Isvhar aus Sicherheitsgründen die Zuflucht verlassen mussten. Sie machten sich als Schneider auf den Weg nach Bombay und finden einen Job bei Dina Dalal…
Wenn der Leser nun die Hintergrundgeschichten der jeweiligen Hauptpersonen kennengelernt hat, entwickelt sich die Geschichte ab einem gewissen Zeitpunkt an, konzentriert auf ein gemeinsames Schicksal voran.
Maneck, der studiert, bei Dina wohnt und Miete zahlt, Om und Ishvar die sehr hart arbeiten müssen, und Dina, die ihre harte Seite nach und nach beiseitelegt.

Rajaram der Haarsammler

Om und Ishvar lernen Rajaram in den Slums kennen. Er lebt von schönen langen teils lockigen Haaren, die er seinen Opfern abschneidet. Diese werden für „viel“ Geld in verschiedene Länder exportiert. Unter anderem können aus diesen Haaren Perücken hergestellt werden.
Unter den drei entsteht eine tiefe Freundschaft, bis ein Mord die Runde macht…
Alle auf der Straße sprechen von einem Haardieb …

Der Bettlermeister

Durch seine Hilfe können Om und Isvhar wieder bei Dina arbeiten. Menschen, die auf der Straße leben, gibt der Bettlermeister seinen Schutz. Der Bettlermeister hat einen sehr großen Einfluss auf die Polizei, sodass diese die ärmsten, die unter seinem Schutz stehen, in Ruhe lässt. Nicht selten kommt es nämlich vor, dass Straßen geräumt werden, Slums gestürmt werden oder ähnliche Verbrechen an Obdachlosen geschehen.
Om und Ishvar arbeiten bei Dina zu Hause als Schneider, leben aber in den Slums in der Stadt.
Hier erleben beide die seltsamsten „Abenteuer“. Nun nicht nur einmal hat der Leser das Gefühl, dass das Leben für Om und Ishvar kläglich enden wird. Das was Om und Isvhar in den Slums, später auch in Arbeitslagern und auch in Familienplanungszentren erleben, geht eindeutig unter die Haut.
Immer wieder zwischendurch keimt Hoffnung auf, so zum Beispiel, wenn Om und Maneck miteinander unterwegs sein dürfen, oder Dina und Ishvar sich liebevoll unterhalten.
Das Leben ist nicht leicht, und das merkt der Leser beinahe an allen Ecken und Enden des gesamten Buches.
Leid und Hoffnung wechseln sich ab, wobei das Leiden stets zu überwiegen scheint.
Dieses Buch liest sich von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend. Vor allem liest es sich ehrlich von Anfang an. Ich habe mich mit den Charakteren identifizieren können, mit jedem auf seine Art und Weise. Die Charaktere werden äußerst menschlich beschrieben. Sie wachsen dem Leser, bedingt durch die ausführlich beschriebene Hintergrundgeschichte der jeweiligen Personen, ans Herz. Jeder hat sein eigenes Päckchen Leid, Elend, Zuversicht und Hoffnung auf dem Rücken zu tragen.
Zum Schluss keimt beim Lesen die Hoffnung auf und man liest automatisch immer schneller. Das Ende ist absolut anders als erwartet. Dieses Buch beantwortet aber auf logische Art und Weise alle aufkommenden Fragen. Das Ende dieses Buches ist, auch wenn es so überhaupt nicht erwartet wird, in sich schlüssig. Diese Geschichte behält der Leser im Kopf, sie verschwindet nicht einfach so wieder. Das Buch regt zum Nachdenken an, über Schicksalschläge und über persönliche Probleme.
So „schlecht“ wie es den beschriebenen Personen in diesem Buch ergeht, so anders sind die Wertvorstellungen von Gesellschaft und Leben in unterschiedlichen Ländern.

Für dieses Buch gibt es meinerseits eine klare Kaufempfehlung! Einzig und allein ein gewisses Interesse für den indischen Subkontinent, sowie die Andersartigkeit der Lebensweise dieser Menschen, sollte der Leser mit sich bringen.

Copyright des Covers © 2012 Rohinton Mistry und Fischer Taschenbuch Verlag.

Dieses Buch kann man unter anderem hier bei Amazon erwerben.

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