DC Comic Klassiker (8): Watchmen

Nachdem ich letztens schon die Marvel-Comic-Klassiker wiederbelebt habe, sind heute die DC-Comic-Klassiker an der Reihe. Und dafür habe ich mir nicht einfach nur irgendeinen Klassiker rausgesucht, sondern DEN Klassiker schlechthin.
Watchmen.
Watchmen gehört auch heute noch zu der einflussreichsten Grafik Novel weltweit. Auch wenn die Verfilmung vor ein paar Jahren die Fans eher enttäuschte als erfreute. Doch hier soll es eigentlich nur um die Comicvorlage und nicht die Verfilmung gehen.

Watchmen

In einer alternativen Welt, in der Amerika den Vietnamkrieg gewonnen hat und Nixon immer noch Präsident ist, sind Superhelden durch den in den siebziger Jahren beschlossenen Keene-Erlass verboten worden. Es gab nur zwei Möglichkeiten für die früheren Helden. Entweder sie offenbarten ihre bürgerlichen Identitäten und arbeiteten fortan für die Regierung, oder sie mussten sämtliche Superheldenaktivitäten einstellen. Andernfalls drohten ihnen massive Strafen.
Die meisten Helden halten sich auch an diesen Erlass, bis auf den Vigilanten Rorschach, der auch weiterhin unterwegs ist. Bis einer der früheren Helden, der Comedian, ermordet wird. Ab sofort beginnt Rorschach Ermittlungen anzustellen, und auch seine ehemaligen Freunde und Kollegin in diese Ermittlung einzubeziehen. Doch nicht alle glauben an seine Theorie des Maskenmörders und keiner scheint zu erkennen, dass hinter diesen anfänglich unbedeutenden Ereignissen ein großer Plan steckt. Ein Plan der Millionen Menschen das Leben kosten wird, und der die Freundschaften einiger Helden auf eine schwere Probe stellt …

Die Beerdigung des Comedian. Sehr schön zu erkennen die 3×3 Panelaufteilung.

Was zu Beginn eigentlich relativ einfach klingt, entwickelt sich bereits nach wenigen Seiten und Sätzen zu einem sehr komplexen Werk. Nichts ist, wie es zu Beginn scheint und Freundschaften sind manchmal genau die gleichen Lügen wie angebliche Feindschaften. Autor Alan Moore kreiert nicht einfach nur eine Welt voller Superhelden und lässt sie in ihr ein paar Abenteuer erleben. Nein, er gebiert Menschen mit Problemen, mit Fehlern und mit Eigenheiten. Egal welche Figur man sich ansieht, ob Held, Schurke, Polizist, Zeitungsverkäufer, Reporter oder kleiner „Mann“ von der Straße. Wirklich jedem Protagonisten schreibt Moore einen glaubhaften und komplexen Charakter „auf den Leib“. Sei es der Zeitungsverkäufer von der Straße, der seine Frau verloren hat und nun ängstlich in eine ungewisse Zukunft blickt, oder dessen lesbische Kundin, die um mehr Toleranz für ihren Lebensstil bittet, aber mit ihrer eigenen Lebensgefährtin auf keinen gemeinsamen Nenner im Leben kommt.

Oft kopiert und nie erreicht. Die Szenerie am Zeitungsstand.

Alan Moores oberflächlich betrachtetes Superheldenepos ist tatsächlich aber eine mehr als ernste Gesellschaftskritik vor dem Hintergrund eines nuklearen Erstschlags, der in der Mitte der achtziger Jahre allgegenwärtig war. Diese Angst spürt man auf jeder Seite und es gibt auch viele Kleinigkeiten, welche sich durch den gesamten Band ziehen, um die bevorstehende Bedrohung, manchmal auch unterschwellig, zu dramatisieren. Am augenscheinlichsten sind hierbei die Uhren (beginnend bei Kapitel Eins mit 11 Minuten vor 12), deren Zeiger mit jedem Kapitel um eine Minute weiterrücken und die nicht nur am Anfang eines jeden Kapitels zu finden sind, sondern auch innerhalb eines jeden Kapitels an vielen Stellen.

Gestatten, Dr. Manhattan.

Inzwischen gibt es viele Versionen dieses Klassikers. Von den Originalheften, über die ersten Trades oder auch die ersten deutschen Doppelausgaben des Carlsen Verlages bis hin zu den aktuellen Ultimate oder Absolute Editions. Welche Version jetzt die Beste ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn inhaltlich (abgesehen vom Bonusmaterial wie Skizzen, Covermotiven, Erläuterungen, Skriptsequenzen uvm.) unterscheiden sich diese kaum. Ich selbst habe mir, nachdem ich vor vielen Jahren den Carlsen-Komplettband ausgeliehen hatte, die Version von Panini geholt.
So viele Versionen es von diesem Klassiker bereits gibt, so viele Abhandlungen über das Werk existieren ebenfalls. Immer wieder gab es Autoren und Studenten, welche sich mit Alan Moores Watchmen auseinandersetzten und die darin angesprochenen Unzulänglichkeiten und Freiheiten, welche sich manche Helden herausnehmen, in Frage stellten. Selbst Alan Moore stellt diese Frage innerhalb des Bandes immer wieder mit dem Ausspruch „Wer wacht über die Wächter“, und fragt somit auch den Leser direkt, wer die Kontrollorgane überwacht, um deren vermeintliche Macht einzugrenzen. Schlussendlich bleibt er dem Leser die Antwort auf diese Frage aber auch ganz bewusst schuldig.

Das grausame Ende. Millionen von Opfern.

Schon alleine durch die Komplexität des Bandes kann und will ich nicht auf Einzelheiten, eingehen, denn ich glaube, nein ich weiß, dass man Watchmen selbst lesen muss, um es zu verstehen. Und das nicht nur einmal, sondern am besten mehrmals. Doch beim ersten Mal sollte man es tunlichst vermeiden die Anmerkungen, welche sinnvollerweise am Ende des Bandes untergebracht sind, schon vorher zu lesen, da man sich sonst einen Großteil des Lesevergnügens nimmt. Stattdessen ist es sinnvoller, die Geschichte unvoreingenommen und unbelastet zu genießen und sich dann den Anmerkungen zu widmen, bevor man das gesamte Epos mit einem neuen Blickwinkel und erweitertem Wissen ein zweites (oder drittes) Mal auf sich wirken lässt.

Drei verschiedene Panelgrößen auf eienr Seite in der 3×3 Struktur.

Gleiches gilt für die vor ein paar Jahren, im Fahrwasser des Filmes entstandenen Miniserien, welche als Prequels zu Watchmen fungieren sollen und die Helden von Alan Moores Werk genauer vorstellen sollten. Doch wie auch der Film, kamen diese Miniserien nur bedingt bei den Fans an, da die Charakterisierungen in Watchmen alleine schon sehr ausführlich geraten sind, und durch die Miniserien nicht etwa bekräftigt, sondern teilweise sogar vollständig umgekrempelt und ihrer Glaubwürdigkeit beraubt wurden. Den Bänden „Before Watchmen: Rorschach“ und „Before Watchmen: Minuteman“ habe ich mich in früheren Reviews bereits angenommen. Während einiges davon sowohl inhaltlich, als auch optisch dem Original durchaus gerecht werden, gibt es Ausgaben, die vollkommen an Watchmen vorbei gehen und nicht mehr sind, als einfach Superhelden- oder Crime-Storys, die nur auf der Welle des Erfolges von Watchmen mitschwimmen wollen.

Mit Dr. Manhattan über dem Mars.

Wo wir gerade bei der Optik der Before Watchmen-Bände sind. Diese lassen sich, mit Ausnahme von Darwyn Cookes „Minuteman“ nur schwerlich mit dem Artwork von Dave Gibbons vergleichen. Dies liegt aber nicht nur an den fast 30 Jahren, die dazwischen liegen, sondern auch an Dave Gibbons unvergleichlichem Stil. Ich höre jetzt schon wieder viele Kritiker unken, dass Gibbons letztendlich doch auch nur ein Zeichner von vielen aus den Achtzigern ist, und das sein Stil doch so überhaupt nicht einzigartig sei. Und ja, vielleicht hätte Watchmen auch mit einem anderen Zeichner funktioniert und ebenfalls ja, wenn jemand sagt, dass es außer Gibbons weitere Zeichner gab, die einen wesentlich eigenständigeren Stil hat.

Auch auf dieser doppelseitigen Splashpage ist die 3×3 Struktur zu erkennen.

Dennoch denke ich, dass Watchmen ohne Dave Gibbons Artwork nicht das wäre, was es heute ist. Das liegt aber nicht nur an Gibbons detailreichen Zeichnungen, die auch ohne Farbe schon außergewöhnlich genug sind, sondern auch an der Panelaufteilung, welche im Grunde ein einfache 3 x 3-Aufteilung ist. Sprich drei Zeilen mit bis zu drei Panels. Und auch wenn diese Aufteilung storybedingt gelegentlich durchbrochen wird, indem einige der Panels so zusammengezogen werden, das sie größere Panels bilden, auch über die jeweils eigenen Zeilen hinaus, bis hin zu einem ganzseitigen „Pin-Up“, so ist die Grundstruktur doch jederzeit sichtbar. So erzeigt Gibbons in dem ganzen Durcheinander und der Komplexität von Alan Moores Geschichte, dennoch eine gewisse Struktur und Einfachheit.

Die Zeit läuft …

Tatsache ist, dass man an Alan Moores und Dave Gibbons Meisterwerk „Watchmen“ nicht vorbeikommt, wenn man auch nur ansatzweise an guten Geschichten interessiert ist. Selbst dann, wenn man kein wirklicher Comicfan ist, oder erst durch den Film oder etwas anderes auf Watchmen aufmerksam wurde. SO, oder so ist Watchmen nicht umsonst ein so umjubeltes Werk, bei dem sich New York Post („Ein Klassiker!“), New York Times („Ein Meilenstein!“) und das Time Magazine („Watchmen zählt zu den wichtigsten Werken des 20. Jahrhunderts.“) dermaßen einig sind. Für welche Fassung ihr euch letztendlich auch entscheidet, ist euch und eurem Budget überlassen, solange ihr den Band überhaupt ins Auge fasst und zu Gemüte führt. Es gibt nicht viele Werke, von denen man sagen kann, dass man etwas verpasst, wenn man sie nicht gelesen (oder gesehen, oder gehört) hat, aber Watchmen ist definitiv eines davon. Für mich war dieser neuerliche Ausflug in Alan Moores doch teilweise verstörende Zukunftsvision auch gleichzeitig wieder ein Erlebnis.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1986-2015 DC Comics / Panini

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