2020 Visions Band Nr. 2 [Dantes Verlag, Mai 2021]

2020 ist vorbei, 2021 inzwischen auch, und auch wenn sich 2021 irgendwie wie eine Fortsetzung von 2020 angefühlt hat, trifft das bei dem zweiten Band von 2020 Visions nicht so wirklich zu. Zwar werden auch hier wieder zwei Geschichten präsentiert, so wie sich Jamie Delano das Jahr 2020 im Jahr 1997 vorgestellt hat, aber anders als das reale Leben gibt es hier kaum Wiederholungen. Doch bevor ich zu viel verrate, lasse ich euch an meinen Gedanken und Erfahrungen mit diesem Band teilhaben …

2020 Visions Band Nr. 2

Autor/in: Jamie Delano
Zeichner/in:
James Romberger, Steve Pugh
Format:
Hardcover
Umfang:
152 Seiten
Inhalt:
2020 Visions (1997) 7-12
Verlag:
Dantes Verlag
Preis:
22,00 Euro

Einige ehemalige US-Staaten sind inzwischen in den Händen der Muslime und wenn man Muslime, Schwarz und der strengen Scharia-Gesetzgebung hörig ist, erwartet einen auch ein echt gutes Leben, wie in Detroit zum Beispiel. Wenn du aber weiß bist, und dann auch noch homosexuell, trifft dich das Leben mit voller Härte und du kannst nur noch bei einem der vielen Ressourcen-Tycoons anheuern, um ein einigermaßen lebenswertes Leben zu leben. Doch wirklich einfach, ist es auch hier nicht, wie der junge Ethan McWirther feststellen muss, der noch immer auf der Suche nach seinem Zwillingsbruder Adam ist, der, nachdem sie nach der Geburt getrennt wurden, ein deutlich besseres Schicksal in die Wiege gelegt bekam. Denn er ist ein sogenannter „Goldener Junge“. Er ist nicht nur erfolgreich, sondern auch in einer Welt von zeugungsunfähigen Männern oder zeugungsfähigen, aber mit mittelmäßigem Erbgut ausgestatteten Männern das, was man auch gut mit einem Prachtexemplar eines Zuchtbullen vergleichen könnte. Aber so glücklich wie sein Leben scheint, ist es leider auch nicht. Denn auch wenn Adam ein Prachtexemplar ist, Sex hat er noch nie gehabt und irgendwie ekelt und fürchtet er sich sogar vor Frauen …

Anders als im ersten Band, der zwei thematisch ähnliche Geschichten, aber dennoch grundsätzlich andere Storys enthielt, sammelt sich hier eine zusammenhängende Storyline, die aus zwei verschiedenen Blickpunkten erzählt wird. Auch wenn beide im Grunde eigenständig gelesen werden könnten und die Überschneidungen nur auffallen, wenn man beide gelesen hat, ergibt sich hier ein wesentlich homogeneres Leseerlebnis.
Zwei Schicksale, zwei Menschen, ein dennoch irgendwie ähnliches Leben, denn trotz unterschiedlicher Voraussetzungen sind beide Zwillingsbrüder unglücklich. So zeigt Jamie Delano erneut, dass die Umgebung zwar im gewissen Sinne die Persönlichkeit formt, aber auch ein nicht geringer Teil durch das Erbgut vorgegeben ist. Beide Geschichten beginnen eher ruhig mit der Vorstellung der Figuren, steigern sich dann langsam mit der Einführung weiterer Figuren, dem Knüpfen sozialer Bündnisse und gipfeln in einem finalen Entscheidungsprozess.

Optisch unterscheiden sich beide Story-Hälften kaum voneinander. James Romberger und Steve Pugh haben ähnliche, wenn auch nicht direkt vergleichbare und dennoch grundverschiedene Zeichenstile. Bei James Rombergers „Deserteur“ wirkt alles wie mit einer Stiftdicke gezeichnet und getuscht, was einen leicht animationsartigen Stil erzeugt, wogegen Steve Pugh mit unterschiedlich dicken Lines arbeitet und die Details so feiner wirken und filigraner wirken.
Was Pugh hingegen deutlich besser kann, als Romberger ist, die bessere Darstellung von Emotionen über die Mimik der Figuren. Hier scheint es oft so, dass Rombergers Figuren eher gefühlskalt sind, da sie meist ein und denselben Gesichtsausdruck besitzen, egal was gerade passiert.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Koloration beider Geschichten. Während „Repromann“ eher in belebten Städten oder Wüstensiedlungen spielt und die Farben entsprechend eher heller, sandfarbener sind, überzeugt „Deserteur“ mit erdfarbenen und grünen Farbtönen. Selbst die ersten Seiten, die noch in Detroit spielen, sind vorrangig braun gehalten, statt blau, gelb oder weiß, wie in „Repromann“.

Wer vom ersten Band bereits überzeugt war, kann hier nichts falsch machen. Ich persönlich finden den zweiten Band sogar deutlich besser, als den ersten, was vor allem daran liegt, dass hier ein zusammenhängendes Werk präsentiert wird. Erneut ist es zudem erstaunlich, wie viele Parallelen es zur aktuellen Zeit und gesellschaftlichen Entwicklung gibt. Gerade der muslimische Aspekt, der nach wie vor, auch ausgelöst durch 9/11, was Delano überhaupt nicht wissen konnte, als er die Geschichten 1997 verfasst hat, seine Auswirkungen hat. Erstaunlich ist aber vor allem, das auch wenn die zweite Story eine eher hoffnungsvollere sein soll, die damalige „Zukunft“ insgesamt dennoch eher düster und lebensfeindlich ist, bzw. als solche dargestellt wird.
Ich für meinen Teil hoffe, dass Delanos Werk, auch wenn es Übereinstimmungen zum Leben gibt, größtenteils Fiktion bleiben wird.
Doch egal ob nun Band 1 oder 2, oder gar alle beide, ihr erhaltet wieder unglaublich gute Storys, mit grandiosem Artwork, hervorragender redaktioneller Betreuung und ein Gesamtwerk, welches außerhalb des Mainstreams durchaus einen Blick wert ist.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1997-2021 DC / Vertigo / Dantes Verlag

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