Der Selbstmörderclub [Splitter, August 2012]

Auch heute möchte ich euch mit einer besonderen Review begeistern, und ich bedanke mich beim Splitter Verlag, für die Bereitstellung dieses Rezensions Exemplares.

Der Selbstmörderclub

Edelmänner sind Ehrenmänner. So denkt man das jedenfalls landläufig. Doch als ein junger Prinz, namens Florizel, aus Langeweile einen seltsamen und sehr elitären Club aufsucht, ist es vorbei mit der Ehre. Zumindest dem Club gegenüber verhält er sich alles andere als ehrenhaft. Denn dieser Club ist der Treffpunkt von Menschen, welche des Lebens überdrüssig sind, denen aber der Mut fehlt, es selber zu beenden.
Also treffen sie sich hier bei einem mysteriösen Kartenspiel, bei dem zum Einen das Opfer und zum Anderen der Henker ermittelt wird. Am Abend darauf erscheint dann ein Edelmann weniger im Club. Prinz Florizel will, trotz ehrenhafter Zusage, diesem Treiben nicht tatenlos zusehen und „sprengt“ den Club. Doch er ahnt nicht, was für eine Tragödie er damit in Gang gesetzt hat …

Das Schicksal schlägt zu.

Was passiert, wenn sich zwei Künstler wie Clément Baloup und Eddy Vaccaro einem Roman von Robert Louis Stevenson annehmen, zeigt dieser Band eindrucksvoll. Zwar wurde das Vorbild nur sehr frei adaptiert, aber der Vater dieser Geschichte ist noch immer unverkennbar. Dennoch schafft es Baloup, einen ganz eigenen Stil einfließen zu lassen. Sein Erzählstil ist ein wenig lockerer und direkter, als der von Stevenson, und dennoch verändert sich dadurch das Grundgefühl der Story kein bisschen. Die Geschichte rund um den Prinzen und seine selbst gewählte Tragödie ist spannend erzählt und kann auch mit ein paar gekonnten Überraschungen punkten.

Wem kann man noch vertrauen?

Die Zeichnungen sind hierbei so ein Ding für sich. Gleich eines vorweg, schlecht sind sie nicht. Doch man muss den manchmal etwas eigenwilligen Stil auch mögen. Die Bilder sind stark skizzenhaft und fallen schon durch die Tatsache, dass sie keine festen Panelränder besitzen ins Auge. Hinzu kommt noch eine sehr außergewöhnliche Farbgebung, die sich einzig und alleine auf verschiedene Nuancen von ein- und derselben Farbe konzentrieren. Kaum ein Panel weißt mehrere Farben gleichzeitig auf. Oftmals werden sogar ganze Szenen in ein und demselben Farbton präsentiert, immer nur in verschiedenen Helligkeits- und Intensitätsstufen.

Was wird die Beiden erwarten?

FAZIT:

Der Selbstmörderclub ist außergewöhnlich und faszinierend zugleich. Auch wenn die Geschichte mitsamt ihren Zeichnungen anfangs verstörend wirken mag, so stellt sich doch sehr schnell eine Art Abhängigkeit ein. Man muss einfach wissen, wie es weitergeht, und ertappt sich immer wieder dabei, wie man die Bilder nach Details absucht, die einem so nicht gleich auffallen. Und davon gibt es reichlich in den aquarellfarbenverwöhnten Gemälden.

London in seiner ganzen Pracht.

Baloup und Vaccaro liefern ein überzeugendes und fesselndes Gesamtwerk ab, welches von Anfang bis Ende überzeugen kann. Was mir persönlich jedoch gefehlt hat, wären ein paar kurze Erläuterungen und Infos zu den beiden Künstlern. Jeweils ein Profilfoto und eine Auflistung der bisherigen Werke ist mir persönlich zu wenig. Da wäre durchaus mehr drin gewesen.

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