Liga Deutscher Helden Nr. 1 [Contentkaufmann, Oktober 2017]

Vor Kurzem erhielt ich eine Anfrage, ob ich etwas rezensieren könnte. In diesem Fall war es die „Liga Deutscher Helden“ die bereits seit Oktober 2017 mit der Veröffentlichung ihres ersten eigenen Heftes auf sich aufmerksam machte. Die kleine Bruderserie der „Austrian Super Heroes“ sammelt eine illustre Schaar an deutschen Comickünstlern. Heute gibt es zum Auftakt das erste Review und am kommenden Samstag dann das zur aktuellen zweiten Ausgabe.

Liga Deutscher Helden Nr. 1

Autor: Jan Dinter, Oliver Naatz
Zeichner: Martin Frei, Gerhard Schlegel
Format: Heft
Umfang: 36 Seiten
Verlag: Contentkaufmann, Wien
Preis: 4,90 Euro

Zuerst wird Frankfurt a.M. von einer mutierten Hirschkuh angegriffen, die die Liga Deutscher Helden zwar souverän, aber dennoch nur unter Aufbietung aller Kräfte aufhalten und dann, nur wenige Stunden später läuft ein kleiner Junge in München Amok, der sich dank seiner epigenetischen Mutation in eine Art Riesenroboter verwandelt …
Außerdem gibt es einen Rückblick auf das Leben des Captains und seine Jugend während des zweiten Weltkriegs. Hier zeigten sich auch erstmals seine Fähigkeiten, die ihm jedoch kein Glück brachten …

Wenn man sich das Who is Who aller beteiligten Künstler ansieht, liest es sich wie die Garde der aktuellen deutschen Comickünstler. Jan Dinter, Stefan Dinter, Oliver Naatz, Gerhard Schlegel, Martin Frei, Marc Schmitz, usw. Alle aufzuzählen würde fast das Review sprengen. Und irgendwie muss ich gestehen, dass dies oftmals auch ein Manko sein kann. Teamserien sind grundsätzlich ein schwieriges Pflaster, da man anders als bei Solohelden sich auf sämtliche Mitglieder konzentrieren muss, plus deren zwischenmenschliche Beziehungen. Genau hier liegt auch das Problem der LDH. Ein ganzes Team an Helden und die Einzigen, die in dieser Ausgabe charakterlich auffallen, sind der Captain (aber auch nur, weil seine Origin zum Teil enthüllt wird) und der Jeck, der einfach nur unheimlich nervt. Aber nicht wegen seiner Sprache, was eigentlich ein netter Gag ist, jeden in seinem Dialekt sprechen zu lassen und dennoch scheinen sich alle perfekt zu verstehen, sondern eher wegen seiner Art und Weise, die mir persönlich überhaupt nicht zusagt. Okay, man könnte argumentieren, dass dies ja erst Ausgabe 1 ist, aber immerhin ist diese erste Miniserie auch nur auf 3 Ausgaben angelegt und so müsste ich schon zeitig versuchen, die Leser für die Figuren zu begeistern. Ein weiteres Problem ist die Sprache allgemein. Zwar versuchen die Macher hier die Sprache als Stilmittel einzusetzen, um Figuren zu charakterisieren, Stimmungen zu transportieren und den jeweiligen Zeitgeist einzufangen. Doch in diesem Fall wirkt es zumeist affektiert und aufgesetzt.

Während am eigentlichen Inhalt und der Charakterisierung der Helden durchaus noch Verbesserungsbedarf besteht, sind die Zeichnungen durchaus gelungen. Zwar lässt sich ein gewisser Independent-Charakter nicht verleugnen, aber dies mach tauch wiederum einen gewissen Charme aus. Das Storytelling passt, und auch die perspektivische Darstellung ist zumeist sehenswert. Kleinere Makel lassen sich zwar erkennen, sind aber zu verschmerzen. Was mich jedoch merklich stört, sind diese gezwungenen Cameos, die einem immer wieder „entgegenlächeln“. Dies mag zwar für die porträtierten ein netter Gag sein, aber wenn es wie hier so offensichtlich ist, verdirbt es einen Großteil des ansonsten so guten Gesamtbildes.
Zu diesem trägt auch maßgeblich die Farbgebung von Jan Hoffmann, Oliver Kammel, Frans Stummer, Andi paar und Thomas Aigelsreiter bei. Die Arbeitsteilung fällt dabei zum Glück qualitativ nicht auf.
Optisch ebenfalls gelungen ist die zweite Story, bei der es aber wirkt, als könnte sich der Künstler Gerhard Schlegel nicht so recht für einen Stil entscheiden. Auch scheint es, dass nachträglich am Storytelling und der Panelaufteilung „gefeilt“ wurde, weil einige Panels aussehen, als hätte man sie vergrößert, oder verkleinert, damit sie in die Reihenfolge passen. Denn anders als bei anderen Panels, wo dickere und dünnere Outlines einen räumlichen Effekt suggerieren sollen, wirken diese Panels dadurch deplatziert.

Die Idee ist nicht schlecht, aber auch nicht Neu. Mit „Tracht Man“ von Christopher Kloiber und „Der Engel“ von Tomppa, gibt es immerhin schon einige deutsche und sogar regionale Superhelden. Daher wirkt diese erste Ausgabe wie ein Versuch de Erfolg „Austrian Super Heroes“ auch auf dem deutschen Sektor zu wiederholen. Dies gelingt in meinen Augen noch nicht ganz, da sich die beteiligten Künstler nicht einig zu sein scheinen, wo die Serie hingehen soll, und ob sie nur als Spin-Off zu den ASH funktioniert, oder auch eigenständig agieren kann. Ein Anfang ist auf jeden Fall gemacht und vielleicht entwickelt sich dies ja bereits in der nächsten Ausgabe.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2017-2018 Contentkaufmann und der beteiligten Künstler

Shoplink:

Die Hefte und mehr im Shop bestellen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.