Genius Loci Weimar 2018 (Ein Rückblick)

„Make Walls Talk!“ war der Slogan des diesjährigen siebten Weimarer Licht- und Soundspektakelfestivals Genius Loci. Drei Fassadenprojektionen und vieles mehr, luden von Freitag dem 10. August bis Sonntag den 12. August zu einer außergewöhnlichen Erkundungstour von Weimar ein. Doch was ist Genius Loci, von dem ich bereits 2017 berichtet habe, was fand wo statt und noch ein bisschen mehr, möchte ich euch hiermit vorstellen …

Das Genius Loci in Weimar ist ein seit 2012 stattfindendes Projekt, bei dem Künstler mit Licht- und Soundinstallationen Geschichten erzählen, Gefühle erwecken und vieles mehr. Doch dies bedeutet viel Vorbereitung, viel Technik und ebenso viele Ideen. Wie viel genau, das haben ein paar schlaue Köpfe einmal zusammengetragen.
2018 gab es für Genius Loci genau 73 Wettbewerbseinsendungen, von denen drei Gewinner für die diesjährigen Fassadenprojektionen ausgewählt wurden. Alle 73 können auf der Internetseite www.genius-loci-weimar.org, bei den jeweiligen Standorten (Goethehaus, Universitätsbibliothek, Haus der Frau von Stein), angesehen werden.
Für die Fassadenprojektionen wurden 2018 eine Leuchtkraft von 250.000 Lumen aufgewendet. Zum Vergleich, eine 60-Watt-Glühbirne hat eine Leuchtkraft von 730 Lumen. Somit entspricht dies einer Leuchtkraft von mehr als 340 60-Watt-Glühbirnen für alle drei Fassadenprojektionen.
Um die drei Schauplätze, die jedes Jahr ausgewählt werden zum Leuchten zu bringen, werden ca. 5000 Meter Kabel verlegt und es sind mehr als 200 fleißige Hände notwendig, um das Festival zu verwirklichen.

Seit 2012 gab es etwa 350 Einreichungen zu Genius Loci. Jede Einreichung besteht aus einem 30-sekündigen Video, welches direkt auf den jeweiligen Spielort angepasst ist und den Geist des Ortes („Genius Loci“) einfangen soll.
So kam es auch, dass Genius Loci inzwischen mit bereits über 100 Künstlern auf der ganzen Welt zusammengearbeitet hat. Unter anderem aus Brasilien, Frankreich, Japan, Italien, Polen, Venzuela, Russland, Österreich, Jordanien, Tschechien, Ungarn, Portugal, der Türkei und natürlich aus Deutschland.
Genius Loci ist multikulturell und möchte digitale Denkmalpflege betreiben. Spannende Ort neu entdecken und den geist des jeweiligen Ortes zum Leben erwecken. Hierfür wird historisches Erbe mit modernen Medien kombiniert um ein außergewöhnliches Festival zu erschaffen.

Doch genug der allgemeinen Infos. Was gab es dieses Jahr alles zu sehen? Die drei Videomapping-Shows werde ich etwas detaillierter vorstellen, aber das ist natürlich nicht alles gewesen. Es gab, wie auch schon in den letzten Jahren, eine Festivalroute, die interessierte Besucher an alle Schauplätze führte. Nunja, fast alle. Denn einer der Schauplätze, das E-Werk, liegt etwas weiter ab, von der Route. Hier fanden das AV-Live-Kino (am Freitag und Samstag, jeweils ab 22:00 Uhr), der Genius Loci Club (Freitag und Samstag, jeweils ab 23:00 Uhr) und der Genius Loci Talk (Samstag ab 13:00 Uhr, nur nach Voranmeldung) statt. Die jeweiligen Locations waren das Lichthauskino, sowie der Kesselsaal E-Werk. Da ich an dieser Location jedoch nicht vertreten war, kann ich jhier auch keine Bilder und weiterführende Infos liefern.

Das diesjährige Genius Loci LAB fand an der Mensa im Park statt. Letztes Jahr war die Location der Theaterplatz mitsamt Nationaltheater und Bauhaus-Museum. Doch dieses Jahr diente der Innenhof der Mensa am Park auf dem erweiterten Campus der Bauhaus-Universität internationalen Künstlern als Leinwand für ihre Fassadenprojektionen und Live-Shows mit illuminierter Bürobrücke und vielem mehr.
Im Rahmen des Genius Loci LAB gab es auch das Projekt Raumstation. „Sprechende Stadt! – Wenn die Stadt beginnt zu revoltieren“ ist der Slogan dieses Projekts, bei dem vergessene, gemiedene und dysfunktionale Orte zum Leben erweckt werden. Während der Dämmerung werden Hinterhöfe, versteckte Plätze, Korridore, Türen und Büsche zu sprechenden urbanen Objekten, die ihre Geschichten mit den Stadtbewohnern und Festivalbesuchern teilen. Um alle Orte zu finden musste man nur zur Zentrale beim Genius Loci LAB kommen, um dort eine Schatzkarte und ein Toolkit zu erhalten, um die Stadt somit auf eine neue Art und Weise kennenzulernen und die dysfunktionalen Orte aufspüren zu können.
Aber auch für dieses Projekt hatte ich in diesem Jahr leider keine Zeit. Daher auch hier keine Bilder und weiterführende Infos. Aber vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr, mehr als nur die drei Hauptattraktionen zu besuchen.

Bevor ich nun zu den drei Fassadenprojektionen komme, möchte ich noch ein weiteres Projekt der Wegeinstallationen vorstellen. Auf dem Beethovenplatz stand der Klima-Pavillon, in direkter Nähe des Haus der Frau von Stein. In dem Kugelgebäude gab es die Möglichkeit sich auszuruhen und gleichzeitig atmosphärische Videoshows jünger Künstler zum Thema Umwelt anzusehen. Aber auch Videos und Dokumentationen aus den letzten sechs Jahren Genius Loci gab es zu bestaunen.
Weitere Wegeinstallationen waren die Audioinstallation „.inf“ im Innenhof der Universitätsbibliothek. Felix Teufel und Paul Schengbar luden ein zu einer Reise durch die Zeit und Vergänglichkeit mit in Echtzeit generierten Bildern zu stetig wechselnden Klanglandschaften. Die Einzelbilder wurden dabei nach einem Algorithmus mit zufälligen Verhaltensmustern berechnet und waren jedes Mal einzigartig und nicht reproduzierbar.

Mit „YPOV“ gab es, frei nach der Frage: „What is Your Point Of View?“ eine Lichtinstallation, die dazu aufrief, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren. So verschwommen Lichter je nach Betrachtungswinkel zu Kreisen, Dreiecken, Rechtecken oder kaleidoskophaften Strukturen aus Licht.
Beim diesjährigen Genius Loci sollten Wände nicht nur sprechen. Es gab auch das Projekt „A Wall is A Screen“, bei dem eine Gruppe von Menschen durch die Stadt lief, ähnlich einer Stadtführung, durch die Innenstadt wanderte und Halt an geeigneten Projektionsorten machten, um dort Kurzfilme zu zeigen. Ist ein Film zu Ende ging die Wanderung weiter, zum nächsten geeigneten Ort. Der Treffpunkt war die linke Seite des Deutschen Nationaltheaters am Theaterplatz. Freitag um Samstag ging es dann ab 22:00 Uhr je zwei Stunden auf Tour.

Nun möchte ich natürlich noch die drei Hauptinstallationen vorstellen. Beginnend mit der Fassadenprojektion an der Bauahaus-Universitätsbibliothek. Das 5-köpfige Künstler-Kollektiv aus Bremen versucht mit ihrem Projekt „Inside Out“ eine permanente Medieninstallation zu etablieren, indem Informationen der Nutzer der Bibliothek nach außen getragen werden. Hierfür analysiert ein Algorithmus die Suchergebnisse der Nutzer und generiert daraus Informationen, die auf die Fassade projiziert werden.

Als Nächstes ging es zum Goethehaus, nur wenige Minuten von der Universitätsbibliothek entfernt. Hier startete, wie auch die anderen Shows im 30-Minutenrythmus, „Alchemy“ von 404.zero, die ihre Installationen bereits seit 2015 unter anderem im Bolschoi-Theater zum Circle of Light-Festival, dem Moskauer Planetarium und beim MEDIASPANK aufführen.
Ausgedrückt durch einen generativen Computercode will 404.zero Moderne Alchemy im faustischen Sinne auf die Suche nach dem Stein der Weisen führen. Genau wie Goethe thematisieren sie die Frage nach toter Materie und dem lebendigen Gefüge, überlassen die Suche jedoch letztendlich dem Betrachter selbst.

Die letzte Hautattraktion fand am Haus der Frau von Stein, ebenfalls nur wenige Laufminuten vom Goethehaus entfernt, statt. Hier vereinten das junge Studio MultiScalar die Historie des Ortes, zusammen mit seiner an eine Theaterbühne erinnernde Architektur, um mit Simulation, Animation und Abstraktionen den Dialog der „Muse und Genie“ zu inszenieren.
Den Schwerpunkt bildeten dabei die Beziehung zwischen Goethe und Christiane, deren Entwicklung, mit dem Einfluss Schillers und dem Beginn der Disharmonie bis zum Finale.

Copyright aller verwendeten Bilder und Videos © 2018 Thomas „Mueli77“ Mülbradt

Genius Loci im Web:

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