Halloween Special Review (1): Whoa! Horror #1 [Plem Plem Productions, Mai 2012]

Heute ist Halloween und was liegt da näher, als sich mit ein wenig Horror und Grusellektüre zu befassen. Deshalb bekommt ihr heute die volle Dosis, in Form von drei Halloween Reviews …

Whoa! Horror #1

Der Sinn des Lebens, oder bereits die Suche nach eben jenem, kann zu einer Lebensaufgabe werden. Andersherum kann aber auch das Leben an sich ohne Sinn nicht unbedingt zufriedenstellend verlaufen. Doch was passiert, wenn sich ein paar kürzlich aus dem Leben geschiedene Personen treffen, ohne das sie über ihr Ableben bescheid wissen? Am einfachsten ist es da natürlich, wenn dem Leser erstmal erklärt wird, wer wer ist und weshalb er oder sie, sich in dieser illustren Runde befindet. Sei es der erfolgreiche Schauspieler, der in der Hochzeitsnacht von seiner Vergangenheit eingeholt wird, der fanatische Priester, welcher über JuhuTube seinen Glauben verbreitet oder der Nerd, der einfach nicht von seiner Lieblingsserie lassen kann, selbst als Zombies die gesellschaftliche Ordnung zerstören.

Wozu die Gier nach einer Serie alles führen kann.

Verantwortlich für diesen Beitrag zum diesjährigen ersten Comic Clash ist der kleine Independent-Verlag Plem Plem Productions unter Leitung von Mastermind Christopher Kloiber. Zusammen mit dem Autor Henning Mehrtens und den Zeichnern Enrique Ruiz, Dennis Schattauer , Yvonne Matzat Onischke und Joachim Seibel will das Team dem Sinn des Lebens auf die Schliche kommen. Dies versuchen die Comicschaffenden vor allem dadurch zu erreichen, dass jede Story von einem anderen Künstler umgesetzt wird. Jeder Künstler nimmt sich somit einer anderen tragischen Todesgeschichte an, mit jeweils einer anderen unbewussten Moral. Sei es die Gier, die Ignoranz, die Lust oder der Fanatismus. Doch die eigentliche Antwort wollen alle Beteiligten bewusst unbeantwortet lassen.

Vier Personen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Die Geschichten sind allesamt sehr gut aufgebaut, ohne dabei wirklich zu überraschen. Das ist in diesem Genre inzwischen auch sehr schwer. Dennoch wissen die Storys zu gefallen, was vor allem an dem fast schon klassischen Aufbau liegt. Der Charakterisierung der Figuren folgt ein kurzer Werdegang, dann baut sich langsam die Spannung auf, gefolgt von einem plötzlichen Ende. Dabei ist es irrelevant, ob der Tod am Anfang der Geschichte erfolgt, oder erst am Ende. In beiden Möglichkeiten gibt es dennoch das gleiche und altbekannte Grundmuster. Doch es gibt auch eine Ausnahme und das nicht nur im Storyaufbau, sondern auch der gesamten Präsentation. Die Geschichte von dem Mädchen, das einfach nicht sterben kann und das mehr eine Art Kurzroman, als ein Comic ist, hat mich persönlich am meisten fasziniert. Hier findet sich einfach alles. Spannung, Romantik, Action und Dramatik. Vor allem der gesamte Storyaufbau inklusive dem Finale sind ein rundum gelungenes Meisterwerk und zeigt, das der Autor hier eins mit seinem Werk geworden ist.

Bis das der Tod sie scheidet …

Grafisch kann das wechselnde Artwork für einen Independentcomic mit einer Auflage von insgesamt 500 Stück durchaus überzeugen. Das Frontcover ist für meinen Geschmack zwar etwas zu dunkel geraten, wodurch einige Details leider verloren gehen, dafür entschädigt aber das geniale Filmposter auf der Rückseite. Hier wird ein Film von einer in der Story vorkommenden Person dargestellt, als ob dieser wirklich existieren würde. Selbst vor prominenten Darstellern und Filmschaffenden wird hierbei nicht haltgemacht.
Im Inneren dominieren dagegen Schwarz/Weiß und Grau. Farben sucht man hier vergebens, aber Sie fehlen auch nicht. Stattdessen wird gezielt mit Graustufen und harten Schattierungen gespielt. Dabei fällt auf, das sowohl klassische analoge Zeichenmethoden, wie auch moderne Computerbearbeitung angewendet werden. Immer passend zur jeweiligen Geschichte und ohne dabei die Bilder zu erdrücken.

Der Glaube verbreitet sich auch über Videoportale, wie ein Virus.

FAZIT:

WHOA! Horror #1 kann der Beginn von etwas ganz Besonderem werden. Fast schon in der Tradition der Simpsons Treehouse of Horror-Comics von Bongo könnte Plem Plem hier einer Anthologiereihe schaffen, die auch über Jahre erfolgreich sein, und neben bekannten Größen der deutschen und internationalen Comiclandschaft auch neuen aufstrebenden Comickünstlern eine Chance bieten kann.
Dafür muss man sich zukünftig auch nicht zwingend dem Comic Clash anschließen, sondern könnte zum Gruselfest der Feste, und zwar Halloween, einen Beitrag unter einem gewissen Motto bereitstellen. Dieses Mal war es der Sinn des Lebens, das nächtse Mal sind es vielleicht die skurrilsten Tode oder die schrecklichsten Katastrophen oder die grausamsten Alieninvasionen, oder, oder, oder …
Die Palette der Möglichkeiten ist schier unendlich, und wenn sich die Macher dessen auch bewusst sind, dann steht Plem Plem schon bald auf einer Stufe mit Cross Cult, Panini, Carlsen, Egmont & Co, oder aber wenigstens den typischen Horrorvertretern wie Weissblech.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2012 Plem Plem Productions

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(Verlagsvergriffen) Im Shop von Plem Plem Productions stöbern.

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