Review Kurzüberblick (12) (Der Fall E.P. Jacobs & Transmetropolitan Nr. 2)

Der heutige Review-Kurzüberblick könnte gegensätzlicher kaum sein. Während sich das erste Kurzreview mit dem Leben und Schaffen eines Comickünstlers befasst, dreht sich das zweite Review um ein echtes Arschloch, welches man trotzdem irgendwie lieb haben muss …

Comic Review Kurzüberblick

Der Fall E.P. Jacobs: Ein leben für den Comic [Carlsen, März 2014]

Edgar Pierre Jacobs ist einer der großen belgischen Comickünstler neben Hergé und André Franquin. Doch der Weg zu seinem erfolgreichsten Comic, Blake und Mortimer, war nicht immer ganz einfach. Er war schon immer ergeizig, konnte sich aber nie so recht entscheiden, was er nun wirklich wollte. So spielte er eine Zeit lang am Theater, schneiderte Kostüme und fertigte Illustrationen für Kataloge an, bevor er endlich bei den Comics landete. Gemeinsam mit Hergé steuerte er lange Zeit Comicabenteuer für die Zeitschrift Tintin bei. Doch auch nach seiner aktiven Zeit bewegte E.P. Jacobs noch die Menschen. Bis er schließlich 1987 einsam und traurig stirbt.

Rodolphe legt gemeinsam mit dem Zeichner Louis Alloing eine liebevolle und trotzdem spannende Biographie, über einen Mann vor, der charismatischer kaum sein könnte. Er kämpft mit sich, mit seinem Erfolg und seinen eigenen Wünschen. Nicht immer ganz einfach, aber immer willensstark und zielstrebig. Und dies schaffen die beiden Comic-Künstler gekonnt darzustellen. Trotzdem merkt man deutlich, dass Rodolphe ein großer Fan von Jacobs ist, und auch ein wenig die „Fanbrille“ auf hat, auch wenn er sich redlich um eine gewisse Objektivität und Neutralität bemüht. Einen negativen Kritikpunkt gibt es trotzdem. Während die Biografie zu Beginn noch recht ausführlich ist, sich vielen Punkten im Detail widmet, rast sie gegen Ende förmlich über mehrere Jahre hinweg und wirkt dadurch ein wenig gehetzt.
Die Zeichnungen von Alloing sind solide und passen sehr gut zu Jacobs eigenem Stil. Somit entsteht sofort eine gewisse „Familienzugehörigkeit“. Auch wirkt der zwar minimalistische, aber trotzdem realistische Zeichenstil wohltuend und passt zu den geschilderten Ereignissen. Lediglich die oftmals fehlende Dynamik der Bilder kann ich bemängeln, da manche Panels wie ein Stillleben aussehen und so überhaupt kein Leben versprühen wollen.

FAZIT:

Comic-Biografien haben es selten leicht. Dies ist auch bei Der Fall E.P. Jacobs keine Ausnahme. Zwar gehöre ich zu denen, die Blake und Mortimer kennen, und somit auch E.P. Jacobs, dennoch habe ich auch schon die Erfahrung machen müssen, dass gewisse frankobelgische Comics (Asterix mal außen vor) nur ein Nischendasein fristen. Abseits der breiten Masse an Superheldencomics ist dieser Band zwar eine angenehme Lektüre, kann sich mit der Leichtigkeit der Mainstreamkost nicht messen. Mir persönlich gefällt das sehr gut, aber meine Erfahrungen, auch aus meinem Comic-Umkreis, zeichnen leider ein anderes Bild. Verdient hat der Band diese Missachtung jedoch nicht.

Transmetropolitan Nr. 2: Der neue Abschaum [Panini, September 2013]

Bereits Band 1 der neuen Fassung von Panini hat mich restlos überzeugen können (siehe Review hier). Zum einen sind die Hardcover wunderschön im regal anzusehen und zum anderen ist die Geschichte um Spider Jerusalem, einen schmierigen, notgeilen und drogensüchtigen Reporter und Autoren, einfach nur genial geschrieben und ebenso kongenial visuell umgesetzt. Auch in Band Nummer 2 setzt sich diese Qualität fort und diesmal muss sich Spider einem Dämonen der Vergangenheit stellen, als er die Präsidentschaftswahl in Form einer Kolumne kommentieren soll. Leider sind sämtliche Kandidaten nicht nach Spiders Geschmack und auch sonst kotzt ihn dieses ganze verlogene Politikgelabere tierisch an.

Irgendwie erinnert mich das nach wie vor an das reale Leben. Politiker lügen das Blaue vom Himmel herab und hintenrum wird betrogen, was das Zeug hält. Klar ist bei Transmetropolitan alles ein klein wenig überzogen, aber genau dies macht auch einen ganz großen Reiz der Serie aus. Spider ist zwar, wie auch die Politiker die er aus tiefster Seele hasst, ebenfalls ein Arschloch erster Klasse, welches seine Mitmenschen ausnutzt und dann links liegen lässt, trotzdem kann man diesem Schleimer einfach nicht wirklich böse sein. Ein Grund hierfür ist seine offene Ehrlichkeit, mit der er regelmäßig aneckt und Freunde kann man so auch nicht finden.
Als ob das aber alles nicht schon reichen würde, bekommt Spider von seinem Boss eine neue Assistentin vor die Nase gesetzt, die er aber wie viele andere Menschen in seinem Umkreis nicht respektiert, geschweige denn richtig wahrnimmt. Zumindest solange bis er sie vögelt. Das wiederum bringt aber neue Probleme mit sich, die aber jetzt den Rahmen dieses Reviews sprengen und die Spannung verderben würde.

Klar merkt man der Serie an einigen Ecken ihr Alter an. Dies gilt jedoch vor allem für den visuellen Teil, der trotz alledem genial aussieht. Störend sind lediglich digitale Nachbearbeitungen einiger Szene, Seiten und Panels, welche das sonst so harmonische Gesamtbild stören. Besonders auffällig ist das bei Glanz- und Leuchteffekten, sowie Rauch. Hier sind immer wieder Pixel zu sehen, welche die digitale Nachbearbeitung etwas schlampig wirken lassen. Ob dies jetzt jedoch nur meinen Band, die gesamte deutsche Auflage, oder sogar die Originalvorlage betrifft, kann ich leider nicht sagen. Hierzu fehlt mir das Vergleichsmaterial.
Ebenso fehlt mir leider auch das Geld die geniale Serie weiterzuverfolgen, weshalb Band 2 vorerst der Letzte sein wird. Vielleicht sieht es bei mir ja irgendwann finanziell besser aus, sodass ich die restlichen Bände nachholen kann, oder ich wünsche sie mir zu Weihnachten oder Geburtstag. Da gibt es ja auch noch ein paar Möglichkeiten. So oder so ist es schade, jetzt eine Zwangspause einlegen zu müssen, da mich die Reihe echt in ihren Bann gezogen hat.

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