Into The Mirror Nr. 1 [Plem Plem Productions, April 2015]

Schon seit mehr als 3 Jahren war es in der Produktion. Viele Veränderungen gab es, unter anderem einen Zeichner- und Formatwechsel, aber jetzt ist es endlich erhältlich. Die Rede ist von Into the Mirror Nr. 1, einem weiteren Titel von Plem Plem Productions Beyond Reality-Label. In diesem Review will ich den Band ein wenig unter die Lupe nehmen.

Into The Mirror Nr. 1

John Miller ist ein Ex-Cop, der sich jetzt als privater Ermittler durch das Leben schlägt. Allerdings ist sein Leben mehr als nur Scheiße. Es ist ein Haufen Mist, den irgendjemand unter einem noch größeren Haufen Mist verbuddelt hat. So empfindet es John wenigstens. Da hilft es auch nicht, dass sein Ex-Partner Hank noch immer zu ihm hält und versucht ihm dabei zu helfen sein Leben in den Griff zu bekommen.
Doch plötzlich ändert sich sein Leben drastisch. Ein toter Mann, der ihm auch noch zum Verwechseln ähnlich sieht, stürzt aus Johns Kleiderschrank und John findet sich in einem anderen, neuen Leben wieder, in dem er noch mit seiner Frau zusammenlebt, Kinder hat und ein erfolgreicher Detective ist. Alles könnte so schön sein, wenn nicht plötzlich rätselhafte Morde um ihn geschehen würden, die alle mit ihm im Zusammenhang zu stehen scheinen. Nun liegt es an John, den Täter zu stellen und dieses Rätsel zu lösen.

Was bleibt, wenn man selbst unzufrieden ist?

Zwar war mir der Beginn der Geschichte schon durch das bereits zu Beginn erwähnte Gratis Comic Tag Heft von 2012 bekannt, aber was Christopher Kloiber, jetzt mit tatkräftiger Unterstützung von Elbe Billy, umgesetzt hat, ist einfach nur sagenhaft. Die Geschichte mit ihrer Wendung, der Charakteraufbau und das Setting. Es passt einfach alles zusammen. Ähnlich wie bei „The Changer“ gibt es eine actiongeladene und dramatische, mit Überraschungen gespickte Story, die einen sofort fesselt. Bereits bei den ersten vier Seiten beginnt man als Leser mit John Miller mitzuleiden, ihn aber auch gleichzeitig zu hassen. Einerseits ist sein Leben im Arsch und man weiß nicht wieso, und er tut einem einfach leid. Andererseits möchte man ihn auch in eben jenen mal kräftig reintreten, damit er sein Leben wieder in den Griff bekommt. Diese fein ausgearbeitete Charakterisierung zieht mich zum Beispiel sofort in den Bann. Leider fallen dadurch die vielen anderen Figuren weitaus weniger detailliert aus und bleiben stellenweise etwas eindimensional und Klischeehaft. Doch wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um die erste von voraussichtlich drei Ausgaben handelt, kann man es noch verkraften, da weitere Entwicklungen nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich sind. Außerdem ist der Titel auch Programm, denn Spiegel spielen in „Into The Mirror“ eine wesentliche Rolle. Diese spiegeln nämlich nicht nur aktuelle Geschehnisse wieder, sondern enthalten gelegentlich auch Hinweise und mehr. Man muss also nur die Augen offenhalten.

Ein neues Leben?

Auch grafisch ist Into The Mirror auf ähnlichem Niveau wie „The Changer“. Die Zeichnungen von Tarek El Bebbili, alias Elbe Billy, sind sehr dynamisch und verleihen den Figuren eine fast schon lebensechte Aura. Gestik und Mimik in wunderbarem Einklang und der leichte Stilwechsel, ab etwa der Hälfte ist auch eine gelungene Überraschung. Zeichnet sich Johns Leben zu Beginn noch in düsterem Schwarz/Weiß mit einigen Graustufen (sieht man einmal von einer kurzen Sequenz in Sepiatönen ab), so wird es ab dem Moment seines „neuen“ Lebens plötzlich farbig. Auch wenn die Farben eher sanft in Pastelltönen gehalten sind. Elbe Billy ist vor allem für seine Arbeit an „Die Chroniken der Kakerlaken“, gemeinsam mit Steff Murschetz, bekannt, hat aber auch bereits für Plem Plem Productions einen Gastbeitrag in „Gestatten Mr. Kill“ beigesteuert.

Dramatische Wendung.

Wer jetzt, wie ich auch, noch das Gratis Comic Tag-Heft von 2012 sein eigen nennt, kann sogar einen direkten Vergleich anstellen, wie sehr sich der Stil entwickelt hat. Dies liegt vor allem daran, dass für die Previewseiten damals noch Kristina Reigber verantwortlich war. Ihr Stil hatte mich damals sehr beeindruckt und ich hatte lange auf eine Veröffentlichung gewartet. Nun hat sie stattgefunden, allerdings mit Elbe Billy als Zeichner. Zuerst war ich ein wenig erstaunt, muss aber auch anerkennen, dass Elbe Billy seine Arbeit wirklich sehr gut macht. Warum dieser Wechsel stattfand, weiß ich persönlich nicht, und ich denke auch nicht, dass es im nachhinein wirklich wichtig ist. Allerdings ist es auch nicht unüblich zwischen einem Preview und einer finalen Fassung noch Änderungen vorzunehmen, oder sogar Stile komplett zu wechseln. Für meinen Geschmack kommt mir die finale Fassung ein Stück weit mehr entgegen, auch in Anbetracht der Entwicklung, welche Plem Plem Productions in den letzten beiden Jahren gemacht hat, ohne dabei Kristinas hervorragende Arbeit herabzuwürdigen. Ich hoffe und wünsche mir aber, dass Plem Plem eventuell doch noch einen Comic mit der jungen talentierten Dame umsetzt.

Wer steckt dahinter?

Mit stattlichen 8,90 Euro ist Into The Mirror leider kein finanzielles Leichtgewicht. Allerdings kommt der Band mit einem etwas erweiterten Umfang von 52 Seiten, gegenüber anderen Titeln des Verlages, daher. Außerdem hat sich Plem Plem mit dem Format als Prestigeband (sprich geleimter Buchrücken und keine Klammerheftung wie sonst üblich) für eine wesentlich edlere Aufmachugn entschieden, die dem Titel sehr entgegenkommt. Bei den angekündigten drei Ausgaben ist das auch ein Betrag, den man leichter verschmerzen kann, wenn man, wie hier, dafür ein so beachtliches Werk im Gegenzug dafür erhält. In diesem Sinne halte ich es mit dem durchaus passenden Spruch auf dem Backcover des Bandes und fordere euch auf: „Wirf einen Blick hinter den Spiegel.“

Copyright aller verwendeten Bilder © 2015 Plem Plem Productions

„Into The Mirror“ Nr. 1 bei Plem Plem Productions bestellen.

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