Review Kurzüberblick (27) [Supreme Nr. 1 & Der Superpenner]

Im heutigen Review Kurzüberblick möchte ich neben dem inhaltlichen Neustart von „Supreme“ unter der Federführung von Alan Moore und Joe Bennett auch ein Comicheft vorstellen, welches nur zusammen mit der Berliner Obdachlosenzeitung „Strassenfeger“ erhältlich war.

Comic Review Kurzüberblick

Supreme Nr. 1 [Februar 2000]

Autor: Alan Moore
Zeichner: Joe Bennett, Keith Giffen, Rick Veitch
Format: Heft
Umfang: 52 Seiten
Inhalt: Supreme (Vol. 2) 41-42
Verlag: Panini Comics
Preis: 5,95 DM

Supreme findet sich plötzlich in einer Welt wieder, in der alles doppelt zu existieren scheint. Wie ein doppelt belichtetes Foto überlagern sich hier die Realitäten. Doch auf einmal wird er von anderen Supremes angegriffen und dann eskortieren ihn diese auch noch in eine unwirkliche Welt, die Supremacy, wo unendlich viele Versionen von ihm selbst existieren, angeführt von Majestät Supreme dem Fünften, der ihm offenbart, dass er der neueste Supreme ist und er etwas geschafft hat, was keiner vor ihm erreichte. Er hat den Weg nach Supremacy gefunden, noch bevor er überhaupt in Aktion getreten ist …

Alan Moore gilt als einer der einflussreichsten Autoren der Comicneuzeit. Neben seinen eigenen Werken, wie „Watchmen“, „V wie Vendetta“ oder „From Hell“ hat er auch viele bereits existierende Comichelden neu definiert, wie „Swamp Thing“, „Superman“ oder das eben hier vorliegende „Supreme“. Doch während mir Swamp Thing recht gut gefallen hat, wirkt Supreme hier irgendwie unausgegoren und halbfertig. Als hätte man Moore nur wegen seines Namens hinzugezogen und der hatte eigentlich keine wirkliche Lust dazu. Die gezwungenen Anspielungen sind ebenfalls nur halb so komisch, wie sie vermutlich sein sollen und Moores Supreme wirkt farblos und uninteressant.
Wesentlich besser gefallen mir da schon die Zeichnungen von Joe Bennett, auch wenn diese, streng genommen, typische 90er Jahre-Kost sind. Sowohl vom Stil her, als auch die Farbgebung, macht da keine Ausnahme. Gerade Image war für diesen Stil bekannt, weshalb er auch oftmals als Imagestil bezeichnet wird, aber das nur am Rande.

Dieses Heft wanderte vor langer Zeit durch ein Konvolut in meine Sammlung, genau, wie das Witchbade Sonderheft Nr. 11 aus dem letzten Kurzüberblick. Auch hier habe ich mich vorrangig wegen der Bilder entschieden die Ausgabe zu behalten, und natürlich wegen des großen Namens von Alan Moore. Nachdem ich es nun gelesen haben denke ich aber, dass ich es verkaufen kann, sofern es überhaupt Interessenten hierfür gibt. Behalten muss ich es nun nicht mehr wirklich. Dazu ist es einfach zu belanglos.

Superpenner [Januar 2014]

Autor: Stefan Lenz
Zeichner: Stefan Lenz
Format: Heft
Umfang: 32 Seiten
Inhalt: Superpenner
Verlag: ohne Impressum
Preis: Beilage zu Strassenfeger Nr. 1/2014 (1,50 Euro)

Alles beginnt mit einem Praktikanten, der eine geheime Flüssigkeit aus dem BND-Gebäude in ein seltsames Labor bringen soll. Doch weil das Originalgefäß nicht in seinen Flaschenhalten an seinem Fahrrad passt, füllt er die Flüssigkeit einfach in eine leere Bierflasche um. Auf dem Weg zu seinem Zielort bekommt er allerdings Hunger, sodass er an einer Imbissbude haltmacht, wo ein Penner in den Besitz dieser Flasche kommt und die seltsame Flüssigkeit trinkt. Schon kurz darauf zeigen sich merkwürdige Kräfte und die Eigenschaft, dass er immer, wenn er Bier trinkt, kurzzeitig einen gesteigerten Metabolismus aufweist, was ihm einfach gesagt Superkräfte verleiht. Ab sofort ist er als Superpenner in Berlins Straßen unterwegs und muss sich schon wenige Tage später mit der Berliner Bestie, einem mutierten Monster naziähnlicher Wissenschaftler, auseinandersetzen …

Superkräfte nach Bierkonsum? Kommt euch das bekannt vor?
Ja, irgendwie gibt es hier Ähnlichkeiten mit Plem Plem Productions „Tracht Man“. Nur, dass dieses Heft hier wesentlich älter ist und auch nur einfache Superkräfte bei Genuss von Bier generiert, wohingegen Tracht Man je nach Biersorte unterschiedliche Kräfte erhält. Allerdings würd eich hier nicht von einer Kopie ausgehen, zumal ich auch nicht glaube, dass Christopher Kloiber als Bayer von der Existenz dieses Berliner Projekts von Stefan Lenz Kenntnis gehabt hat.
Und somit wäre ich auch schon beim Künstler. Stefan Lenz ist der kreative Kopf hinter Superpenner und hat für die Umsetzung dieser Geschichte, von der ersten Idee bis zum fertigen Heft gute drei Jahre gebraucht. Wer jetzt meint, dass dies eine sehr lange Zeit ist, um ein 32 Seiten-Heft fertigzustellen, der sollte bedenken, dass Stefan Lenz dies nur in seiner Freizeit tat, weil er auch noch seinen Lebensunterhalt auf andere Weise bestreiten musste. Auch, wenn ihm mit der Berliner Werbeagentur „Scholz & Friends“ ein erfahrener Partner zu Seite stand.
Doch nun möchte ich gerne auf das Werk an sich eingehen. Stefan lenz orientiert sich bei seiner Geschichte an den typischen US-Superheldencomics des Golden und Silver Ages, wie beispielsweise „Superman“ oder „Spider-Man“. Aber auch frankobelgische Elemente lässt er einfließen, und sei es nur durch offensichtliche Hommages, wie das abschließende Festbankett um ein Lagerfeuer, wie es bei „Asterix“ Tradition ist. Inklusive einem an den Baum gefesselten Barden, in Form von McFitti. Doch auch das Bier, welches hier den Platz des Zaubertranks einnimmt, spricht eine klare Sprache für persönliche Vorlieben. Aber auch bekannte Berliner Figuren wie Didi und Stulle bekommen einen kurzen Auftritt.
Während die Geschichte recht einfach gehalten ist, stellt sie doch in erster Linie eine Superhelden-Origin dar, inklusive einem ersten Schurken-Aufeinandertreffen, wirken die Zeichnungen bereits ausgereifter. Hier zeigt sich die Erfahrung des freien Texters und Konzeptioners, wie er sich selbst bezeichnet. Wer schon das eine oder andere Mal in Berlin war, wird auch viel davon wiedererkennen. Und damit ist nicht nur die Landschaft, sondern auch das typische Flair der Hauptstadt gemeint.

Der Superpenner war ein Projekt, um den Verkauf der Obdachlosenzeitung „Strassenfeger“ anzukurbeln. Kurzzeitig wird das sicher auch funktioniert haben, vor allem wegen Comicsammlern, wie mir. Denn als ich von diesem Heft erfuhr, habe ich sofort meinen Großcousin in Berlin kontaktiert, mit der Bitte mir dieses Heft zu besorgen. Inzwischen ist das auf 20.000 Stück limitierte Heft bei Sammlern eine gesuchte Rarität und pendelt preislich zwischen 5 und 30 Euro. Lesenswert ist die Ausgabe auf jeden Fall.

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