Der Engel Nr. 5.2 (von 5) [TheNextArt, September 2017]

10 Jahre „Der Engel“. 10 Jahre in denen ein Comic und ein Künstler einen beachtlichen Weg zurückgelegt haben. 10 Jahre, in denen unglaublich viel passiert ist. Doch Moment einmal. Ist „Der Engel“ Nr. 1 nicht erst im Juni 2009 erschienen? Ja, ist es. Aber das war auch nicht die erste Geschichte. Bereits einige Zeit vorher entstand als Abschluss eines einjährigen Comic-Design-Kurses eine „Der Engel“-Shortstory (die ihr übrigens auf MyComics nachlesen könnt) und dann brauchte es von der Idee, bis zur ersten Umsetzung auch noch eine gewisse Zeit. Also ja, man kann das Geburtsjahr von „Der Engel“ durchaus guten Gewissens mit 2007 angeben. Nun ist im vorigen Monat die finale Ausgabe 5.2 erschienen und das habe ich natürlich zum Anlass genommen, mir jetzt noch einmal alle Ausgaben am Stück, inklusive des großen Finales, durchzulesen …

Der Engel Nr. 5.2

Gerade erst wurde der Firmensitz des Vision-Medienkonzerns, wo sich Medienmogul Victor Borsali als neuer Bürgermeister von Berlin feiern lassen wollte, durch einen Angriff des rechten Feldmarschalls Von Druppach dem Erdboden gleichgemacht. Aber Borsali hat überlebt, genauso wie seine Tochter Bianca, die wiederum die Freundin von Max, dem Engel von Berlin ist, der wiederum auf einem der gekaperten Hubschrauber des Feldmarschalls ebenfalls auf dem Weg zum Ort des Geschehens ist. Unterstützt wird er dabei von Cestus, dem ehemaligen Nazi aus Von Druppachs Truppen, der ihnen jedoch den Rücken gekehrt hat. Jedoch wird dieser Wahlsonntag nicht so enden, wie es sich Borsali und auch Von Druppach vorgestellt haben …

Tja, ein Finale, das eines Finales würdig ist. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht vom Inhalt verraten, da es immer noch das Beste ist, dies selbst zu lesen. Ich begleite die Serie und auch Tomppa, nun seit ziemlich genau 6 Jahren. Damals wurde ich auf die Serie durch einen Comicfreund im Paniniforum auf die Serie aufmerksam und habe daraufhin Kontakt mit Tomppa aufgenommen und die ersten beiden Ausgaben bestellt. Seitdem verfolge ich die Serie recht aktuell und zeitnah und jede Ausgabe ist mit einer lieben Widmung oder sogar Sketch versehen. Wie übrigens auch bei Tomppas Projekt „The Counselor“, welches aus dem Talenthouse Contest „Create Your Own Superhero“ unter der Schirmherrschaft von Stan Lee hervorging. Doch ich schweife ab, da es hie rund heute ja um das vorläufige Finale von Tomppas „Der Engel“-Serie gehen soll.

Trotzdem sich die Serie (und das beziehe ich jetzt nur auf die reinen Heftveröffentlichungen) über 8 Jahre erstreckt, ergibt sich eine wunderbare und in sich aufbauende, schlüssige und spannende Handlung. Ich muss zugeben, dass sich mir das volle Potenzial erst jetzt erschließt, da ich die Serie wirklich noch einmal komplett am Stück gelesen habe. Schon vorher hat mich die Serie mit ihrer Entwicklung, den Figuren und Schauplätzen fasziniert, doch nun bin ich einfach nur restlos begeistert. Zwar greift Tomppa, wie viele andere Autoren auch, das Thema der Rechtsradikalität auf (inzwischen gibt es viele Comics, gerade aus Deutschland, die sich diesem Thema widmen), aber Tomppa erzählt keine autobiografische Geschichte. Es ist keine Story, die mit dem drohenden Zeigefinger daherkommt, auch wenn die „Nazis“ sichtlich die Bösen und unsympathischen Figuren sind, und uns klarmachen möchte, wie schlimm diese Entwicklung doch ist, wenngleich da durchaus als Intention spürbar ist. Nein, „Der Engel“ ist vor allem eine Superheldengeschichte mit einem tragischen Helden, geboren aus einem Verlust in einer Welt, die sich kaum schlimmer hätte entwickeln können. Mit erstarkten Rechtsradikalen, machthungrigen und geldgierigen Firmenmogulen und einer verängstigten Bevölkerung. Aber Tomppa zeigt auch, dass jeder in der Lage ist, etwas zu verändern, auch wenn er darstellt, dass die Mittel seines Helden manchmal nicht unbedingt die richtigen sind. Und dies zeigt sich in einer spür- und sichtbaren Entwicklung seiner Serie und vor allem den Figuren. Mit jeder Ausgabe reift nicht nur die Handlung und die Zeichnungen, auf die ich gleich noch näher eingehe, sondern auch die Figuren, allen voran Hauptprotagonist Max.

Vergleicht man nun den rein optischen Teil der ersten Ausgabe mit dem aktuell vorliegenden Heft, so is vor allem der „neue Stil“ sichtbar. Von den zu Beginn noch etwas skizzenhaften, anatomisch ungelenken und an Alex Ross erinnernden „Gemälde“ mit Gouache hat sich Tomppa ganz erstaunlich weiterentwickelt. Ich muss gestehen, dass mich dieser Wechsel zu Beginn, das war ab der vierten Ausgabe, etwas verschreckte, da mir die Gouache-Technik und die damit entstandenen Bilder sehr gut gefielen. Verstärkt wurde dies dadurch, dass Tomppa. Der hier vermehrt mit dem Computer zeichnete, versuchte den Gouache-Stil zu kopieren, was in meinen Augen nur bedingt funktionierte. So hatten seine Zeichnungen zwar einen großen Entwicklungsschritt gemacht, was sich besonders gut an den getuschten Zeichnungen, die als Bonus enthalten waren, zu erkennen war, die mir in ihrer „Reinheit“ weitaus besser gefielen, als die „kolorierten“ Versionen, die dann im Heft verwendet wurden. Doch bereits ab Ausgabe 5.1 hat sich dies wieder, auch in meinen Augen, zum besseren gewendet. Und so sehen die Zeichnungen in dieser Finalausgabe besser aus denn je. Mit filigranen Details und einer spürbaren Dynamik, dem neuen verbesserten Gefühlt für Dramatik und den richtigen Blickwinkel, stellt „Der Engel“ Nr. 5.2 für mich das visuelle Highlight der bisherigen Entwicklung Tomppas, einschließlich „The Counselor“ dar. Action, Dramatik, Gestik und vor allem die Mimik sprechen ihre eindeutigen Sprachen und vermitteln Gefühle pur. Das angst- und schmerzverzerrte Gesicht von Bianca, das wütende und siegessichere Gesicht Von Druppachs, als auch das arrogante und selbstverliebte Gesicht Borsalis, sind Beweise für die erstaunliche Entwicklung, die Tomppa hier durchgemacht hat.

Und was bleibt mir nun nach diesen 6 Jahren in denen ich Tomppa und den Engel begleitet habe zu sagen? Nun, zum einen, dass ich unheimlich stolz bin, diese Entwicklung miterlebt zu haben und zum anderen, dass es hoffentlich nicht das Ende des Engels ist. Zwar lässt das Ende des Heftes eine mögliche Fortsetzung zu, aber das hat ja an sich noch nichts zu sagen. Abgesehen davon würde ich mich über eine vollständige Komplettveröffentlichung in Form eines Paperbacks inklusive der Shortstory, ebenfalls freuen. Aber das sind persönliche Gedanken, und selbst wenn Tomppa und TheNextArt die gleiche Idee hätten, wäre das frühestens in ein paar Jahren möglich. Ja, vielleicht sogar zu Beginn einer zweiten Miniserie mit Max, Bianca und Cestus.
Also schließe ich diese Rezension mit dem Hinweis und gut gemeinten Tipp: Legt euch die Serie zu, lest sie, und am besten lest ihr sie am Stück. Denn so offenbart sie ihr gesamtes Potenzial und ihr habt die meiste Freude daran.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2017 Tomppa / TheNextArt Verlag

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