Touch Nr. 1 [TheNextArt, Juni 2017]

Die neue deutsche Crime-Mystery-Comicreihe „Touch“ habe ich euch, zusammen mit einem Interview von Erfinder, Autor und Zeichner HOK bereits vor einiger Zeit vorgestellt. Was ich euch jedoch bisher schuldig geblieben bin, sind Reviews zu dieser inzwischen zwei hefte umfassenden Serie. Denn die zweite Ausgabe ist gerade erst frisch erschienen und wie auch schon von der ersten Ausgabe gibt es neben der regulären Version, die ihr direkt über HOK und den Shop von TheNextArt beziehen könnt, auch eine Community-Edition für alle, die diese Ausgabe über Kickstarter mitfinanziert haben. Dich heute möchte ich euch erst einmal die erste Ausgabe vom Juni 2017 vorstellen. Ausgabe Zwei folgt dann am nächsten Samstag …

Touch Nr. 1

Autor: Heinz Olaf Klöppel
Zeichner:
Heinz Olaf Klöppel
Format:
Heft
Umfang:
32 Seiten
Verlag:
TheNextArt
Preis:
6,50 Euro

Jona Maza ist Polizistin. Aber nicht irgendeine Polizistin, sondern, dank einer ganz speziellen Fähigkeit Ermittlerin einer Sondereinheit, die speziell für die Opfer von wichtigen Personen gedacht ist. Sie muss schnell und diskret ermitteln, bevor irgendwelche Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. In ihrem aktuellen Fall hat sich ein Entwickler für militärische Software umgebracht, nachdem ihn seine Frau mit dem gemeinsamen Kind verlassen hat. Doch so einfach, wie es zunächst scheint, ist der Fall dann doch nicht …

Crime und Mystery zu mischen ist etwas, was sofort mein Interesse weckt. Als alter Fan der X-Akten und Twin Peaks bin ich recht schnell für solche Mischungen zu begeistern. Dementsprechend war ich auch hier sofort hellhörig und nachdem ich von HOK die ersten beiden Ausgaben als Vorabrduck-Exemplare erhalten habe, mit denen er sich bei diversen Verlagen vorgestellt hat, war ich endgültig überzeugt. Eine spannende Geschichte, einfühlsame Charaktere und für ein Erstlingswerk ansehnliche Zeichnungen zeigen, in welche Richtung HOK’s Reihe gehen soll.
Angelehnt an die klassischen US-Comics erzählt HOK in dieser Ausgabe eine noch kurze Geschichte, um seine Figuren vorzustellen und zu etablieren, ohne eine typische Originstory abzuliefern. Stattdessen wirft er den Leser gleich in die Geschehnisse und als dieser fühlt man sich auch sofort heimisch. Das liegt vor allem an den vielen verstecken und manchmal doch sehr offensichtlichen Anspielungen, die HOK in sein Werk verpackt.
Schon die Hauptfigur Jona Maza ist eine deutliche Anspielung an die Witchblade-Trägerin Sara Pezzini. Ihre hellseherischen Fähigkeiten, welche sich über ihre Haut manifestieren, wodurch sie niemanden wirklich berühren kann, da dies sonst zu einer Gefühlsexplosion führen könnte, erinnert an die Tragödie, mit der Rogue ihr Leben ertragen muss, wenngleich es hier nicht so dramatisch ist.

Die Zeichnungen sind durchaus ansehnlich und glänzen mit wunderbaren Hintergründen und sehr vielen Details. Auch anatomisch versucht Heinz Olaf Klöppel sein bestes und man merkt, mit wie viel Mühe und Liebe er seine Zeichnungen anfertigt. Dennoch gibt es hie rund da perspektivische Probleme. Dies zeigt sich mal in falschen Größen, gemessen an ihrer Position im visuellen Raum, oder an „schief“ gesetzten Fluchtpunkten bei einzelnen Accessoires, die HOK reichlich in den Panels verteilt, um die Orte möglichst lebendig zu gestalten. Gerade bei Gebäuden, Technik und Fahrzeugen scheint sich HOK sehr viel Mühe zu geben. Allerdings sieht man hier auch viel Arbeit am PC und den Einsatz von grafischen Hilfsmitteln. Das ist grundsätzlich nichts schlimmes, fällt aber hier in dieser Ausgabe aufgrund des eher „unsichereren“ Stils bei den Figuren deutlicher auf. Auch, dass HOK offensichtlich einige Elemente per Copy & Paste mehrfach verwendet. So erkennt man dies vor allem an Köpfen in verschiedenen Positionen, dass diese „kopiert“ werden. Ist es die Unsicherheit die Arbeit auf gleichem Niveau noch einmal abzuliefern, oder Arbeitsersparnis? Das möchte ich hier nicht beurteilen, da es sich auch um die erste Ausgabe handelt. Daher hoffe ich, dass HOK zukünftig nicht mehr so offensichtlich „kopiert“ da zwar auch andere Künstler dieses Prozedere anwenden (bestes Beispiel ist hier Greg Land oder Szymon Kudranski), bei denen es aber weniger offensichtlich ausfällt.

Doch trotz aller Kritik ist es erstaunlich, was HOK, mehr oder weniger, alleine auf die Beine gestellt hat. Mehr oder weniger deshalb, weil er ein wenig Unterstützung hatte, die für ein Erstlingswerk auch nicht alltäglich ist. Als Tuscher konnte Heinz Olaf Klöppel die beiden Künstler Ruben Gonzalez & Veronica Gontz gewinnen, die bereits für Marvel, DC, IDW und weitere Verlage arbeiten durften. Auch die Koloristin Liezl Buenaventura ist kein unbeschriebenes Blatt, wie ihre Arbeiten für Zenoscope und das Heavy Metal Magazine beweisen.
Für einen guten Anfang scheint also gesorgt zu sein und man merkt, mit wie viel Herzblut Heinz Olaf Klöppel an seinem Projekt arbeitet. Sieht man von den Kritikpunkten ab, die durchaus üblich sind für einen Erstling, kann sich „Touch“ durchaus mit seinen Mitbewerbern auf dem deutschen Comicmarkt messen, wobei es nicht allzu viele Crime-Mystery-Serien gibt. Ich hoffe und wünsche mir auf jeden Fall, das HOK mit „Touch“ genug Erfolg hat, um die Reihe weiterzuführen.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2017 HOK Comics/TheNextArt Verlag

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