Die Adoption Nr. 2: La Garúa [Splitter, April 2018]

Den ersten Band habe ich euch nun bereits vor fast genau einem Jahr hier vorgestellt. Heute folgt nun der zweite Band, den ich mir letztens über meinen neuen Comichändler bestellt habe, der aber auch bereits seit Ende April im Handel erhältlich ist. In „Die Adoption: Qinaya“ stand die kleine Adoptivtochter Quinaya voll im Mittelpunkt. Band Zwei setzt nun 18 Monate nach dem Ende des ersten Bandes ein …

Die Adoption Nr. 2: La Garúa

Autor: Zidrou
Zeichner: Arno Monin
Format: Hardcover/Album
Umfang: 72 Seiten
Inhalt: L’adoption: La Garúa
Verlag: Splitter Verlag
Preis: 16,80 Euro

Eineinhalb Jahre ist es nun her, dass die Polizei ausgerechnet auf Gabriels Geburtstagsfeier seinen Sohn Alain festnimmt. Der Tatvorwurf Kindesentführung! Er und seine Frau Lynette sollen die kleine Qinaya nicht ganz rechtmäßig adoptiert haben. Nun sind 18 Monate vergangen und Gabriel landet mit einem Linienflug in Lima. Sein Sohn Alain, der alle Schuld auf sich genommen hat, um seine Frau Lynette zu schützen, sitzt für 3 Jahre im Gefängnis, während Lynette zurück nach England gegangen ist und die Scheidung eingereicht hat. Alle haben mit Qinaya abgeschlossen, nur Gabriel nicht. Er hat einen Detektiv beauftragt, um die kleine Qinaya zu finden. Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben. Qinaya ist gewachsen und hat ihre Zeit in Frankreich vergessen. Sie hat eine glückliche Familie und zurück bleibt ein alter Narr, der gehofft hat, etwas wiederzubekommen, das es schon lange nicht mehr gibt. Der Rückflug platzt auch, weil alle Flüge innerhalb des nächsten Monats ausgebucht sind und so muss Gabriel in einem Land bleiben, welches ihm fremd ist und nur emotionale Schmerzen bereitet. Doch plötzlich taucht Marc Legendre auf, der Gabriel anbietet ihm seinen Rückflug zu überschreiben, da er mit der Suche nach seiner Tochter noch nicht fertig ist. Gabriel ist erfreut und nimmt das Angebot dankend an. Doch die Situation ändert sich, als er und Marc Freundschaft schließen …

Der erste Band von „Die Adoption“ lebte vor allem durch die langsam wachsende Beziehung zwischen Gabriel und Qinaya. Dass das Ende dann wiederum so abrupt und tragisch war, beutelte mich als Leser schon massiv. Umso mehr erhoffte ich mir von der Fortsetzung, dass die geschichte ebenda ansetzt, wo Band Eins endete und die Thematik zwischen Gabriel und Qinaya erneut aufgreift. Leider wurde ich, was diese Erwartungen betrifft enttäuscht. Nicht nur, dass Autor Zidrou mal eben 18 Monate überspringt und die Ereignisse dieser Zeit in nur fünf Panels abhandelt, schmerzt schon ein wenig. Aber selbst die kleine Qinaya verkommt in band Zwei nur noch zu einer Statistin, wobei ihr dennoch eine übergeordnete Aufgabe zugeschrieben wurde, doch dazu später mehr. Ganze vier Seiten taucht die nun ältere Qinaya in diesem Band auf und dies in nur noch 19 Panels. Von „Beziehung“ keine Spur mehr. „¡Achchi Gabriel“ ist nun nur noch ein Besucher mit einem Geschenk. Und dennoch endet diese letzte persönliche Begegnung mit einem hochemotionalen Bild, als Gabriel von Qinaya ein handgemaltes Bild erhält, auf dem er mit ihr zu sehen ist, gemeinsam in seiner Metzgerei. Doch dies ist nicht Qinayas wichtigste Aufgabe in diesem Band.

Wie schon zuvor, setzt auch der zweite Band auf den Aufbau einer Beziehung. Nur ist es diesmal kein kleines Mädchen, dass die Gefühlswelt von Gabriel durcheinanderbringt, sondern ein Mann Ende fünfzig, der selbst mit einem Verlust zu kämpfen hat. Fast zwanzig Jahre trennen die Beiden und dennoch entwickelt sich recht schnell eine Freundschaft. Eine Freundschaft, an der beide wachsen. Eine Freundschaft ohne Zwang. Eine Freundschaft, die beide Beteiligten voranbringt. Während Marc nach seiner Tochter sucht, die bei einem Erdbeben offenbar getötet wurde. Nun braucht er die Sicherheit der Identifikation und den Leichnam seiner Tochter, um diese nach Belgien überführen zu können. Für beide Männer heißt es mit einem Verlust klarzukommen, loszulassen, Abschied zu nehmen und sich wieder auf das eigene Leben, welches unweigerlich voranschreitet, einzulassen. Die Erkenntnis hierüber kommt den beiden Männern, als sie einen Flug über die Nazca-Linien gebucht haben. Und so taucht die kleine Qinaya, mit ihrem blauen Lieblingshäschen und dem rosa Kinderfahrrad mit Stützrädern, ein letztes Mal am Ende des Bandes auf, nur um dann wortlos zu verschwinden.

Auch dieser Band würde wieder nicht funktionieren, wenn nicht erneut Arno Monin sein unnachahmliches Talent eingesetzt hätte, um die Szenarien von Zidrou visuell und emotional umzusetzen. Erneut lässt sich bereits an den Mimiken der beteiligten Figuren deren Gemütszustand treffend ablesen. Aber nicht nur Mimiken beherrscht Monin nahezu perfekt, auch die Gestiken und Körperhaltungen sprechen für sich und bedürfen keinerlei erklärender Textboxen. Sowieso sind die wenigen Textboxen, die man in diesem Band findet, fast ausschließlich Gedanken oder Worte aus der Erzählerperspektive Gabriels. Auch sonst gibt es kaum „störende“ Objekte, die die fast schon malerischen Werke Monins verdecken und obwohl er versucht ein möglichst realistisches Gesamtbild zu erschaffen, sind seine Figuren oftmals eher karikativ dargestellt, wodurch aber wieder das Hauptaugenmerk auf die zu transportierenden Emotionen gelegt werden kann. Hinzu kommt noch die stimmungsvolle Farbgebung, welche ebenfalls maßgeblich zu Emotionen, die dem Leser hier präsentiert werden, beitragen. Während der erste Band noch vorwiegend bunt und fröhlich ist, dominieren diesmal die gedeckteren Farben und regen zum Nachdenken an. Die Stimmung ist überwiegend melancholisch und nur gelegentlich gibt es kurze Momente, in denen farbenfrohe Hoffnung aufkeimt.
Auch diesmal zeigt sich, dass man bei Splitter gut daran tat, sich für das großformatige Hardcover zu entscheiden, da dies den Bildern sichtlich zugutekommt. Gerade das oftmals skizzenhafte in Monins Zeichnungen wirkt auf den wunderschön und lässt den Leser so am Entstehungsprozess der Bilder teilhaben.

Natürlich werde ich einen Teufel tun, und euch das Ende spoilern. Die vorhin erwähnte Szene mit Qinaya habe ich daher so allgemein, wie nur irgend möglich gehalten. Denn es passiert noch so vieles mehr. Was genau allerdings, das müsst ihr schon selbst herausfinden. Sicher ist der Band mit seinen 16,80 Euro nicht gerade der günstigste, schaut man sich aber Umfang, Aufmachung und Qualität der Verarbeitung an, die wie gewohnt bei Splitter hervorragend ist, dann sieht das schon wieder ganz anders aus. Abgesehen davon hat Qualität nun einmal ihren Preis und diesen ist „Die Adoption: La Garúa“ auf jeden Fall wert. Als kleine Info noch am Rande. Während Band Eins den Titel „Qinaya“ trug und damit das kleine Mädchen in den Mittelpunkt schob, hat man sich bei Band Zwei für „La Garúa“ entschieden. Auch diesmal handelt es sich um einen Namen, allerdings nicht von einer Person, sondern von dem Küstennebel, der oft die Skyline von Lima verschluckt, genauso wie die Zeit die Erinnerungen von Qinaya an „¡Achachi Gabriel“ verschluckt hat.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2017-2018 Bamboo Édition / Zidrou / Monin / Splitter Verlag

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