Indie- & Undergroundcomics (Vol. 5) [Matt Eagle Nr. 1 & Touch Nr. 4]

Dieses Mal habe ich wieder zwei Vertreter aus der deutschen Comicszene und erneut sind sie aus dem Plem Plem Productions Verlag und TheNextArt Verlag. Ich muss aber auch ehrlicherweise gestehen, dass diese beiden Verlage die derzeit aktivsten der deutschen Indie-Szene sind, wobei ich sie eigentlich nicht mehr wirklich dazu zählen würde, wenn es nach dem Erfolg einiger Serien ginge. Aber genug der Vorrede …

Matt Eagle Nr. 1 [Juni 2019]

Autor: Sascha Dörp
Zeichner:
Sascha Dörp
Format:
Heft
Umfang:
28 Seiten
Verlag:
Plem Plem Productions
Preis:
6,00 Euro

Info: „Matt Eagle“ ist eine Hommage an die Actionfilme der 80er Jahre. Zur ersten Ausgabe gibt es mehrere, teils sehr streng limitierte Variantcover.

Matt Eagle ist nicht nur ein verdammt guter Cop, er ist auch ein Ex-Soldat und hat deswegen seine ganz eigene Art mit den Verbrechern umzugehen. Eigentlich arbeitet er alleine, da seine Partner keine lange Lebensdauer haben. Das ändert sich auch nicht wirklich, als Matt von seinem Boss einen neuen Partner aufs Auge gedrückt bekommt, selbst wenn dieser von seinem besten Freund empfohlen wurde. Doch alles ändert sich kurz darauf, als Matt zu einem Banküberfall gerufen wird …

Bereits von der ersten Seite an strahlt „Matt Eagle“ dieses Feeling der 80er Action-Movies mit Schwarzenegger, Stallone, Carl Weathers & Co. aus, das man nur kennt, wenn man selbst mit diesen Filmen aufgewachsen ist. Daher ist „Matt Eagle“ auch ganz klar vorrangig an diejenigen gerichtet, die in den 80er Jahren angehende Teenager waren und heute zwischen 35 und 50 Jahren alt sind. Denn nur wenn man die damalige zeit selbst einigermaßen miterlebt hat, kann man den vollen Umfang von „Matt Eagle“ genießen. Ist man jünger wird es schon schwierig, nicht etwa weil die Filme schlecht sind, teilweise waren sie das damals schon, aber sie haben eben ein Genre begründet/gefestigt, welches in den 80ern die Kinocharts dominierte, so wie die Mystery-Serien das TV in den 90ern. Knallharte Kerle, die mit viel Action, Blei und Muskeln, dafür aber umso weniger Worten, für Ordnung sorgten. In genau diese Kerbe schlägt Sascha Dörps neueste Kreation.
Aber nicht nur inhaltlich hat sich Dörp in die 80er zurückbegeben. Auch der Zeichenstil, der unverkennbar ist, sowie das Storytelling könnten direkt aus einem dieser Filme sein. Bei der Koloration, die übrigens von Marc Blinn („Metahuman$“ & „Riot“) stammt, hat man sich weniger an den Filmen dieser zeit orientiert, auch wenn die Einleitung dem Start einer VHS-Kassette nachempfunden ist, sondern vielmehr den grobgepunkteten Comics der 80er Jahre.

Für mich persönlich ist „Matt Eagle“ eines der Highlights des Jahres 2019. Nicht nur wegen der zahlreichen Anspielungen an die Ikonen des Actionkinos der 80er Jahre, sondern auch wegen der wirklich liebevollen und rundum gelungenen Aufmachung, die mich als Leser sofort in die 80er katapultiert hat. Wer schon damals die knackigen One-Liner von Schwarzenegger, Stallone, Van Damme und anderen mochte, wird sich hier sofort wie zu Hause fühlen. Ich für meinen teil kann kaum auf die nächste Ausgaben warten, an der Sascha derzeit schon fleißig sitzt.

Touch Nr. 4 [Mai 2019]

Autor: Heinz-Olaf Klöppel (HOK)
Zeichner: Heinz-Olaf Klöppel (HOK)
Format: Heft
Umfang: 28 Seiten
Verlag: The Next Art Verlag
Preis: 7,00 Euro
Info: Neben der regulären Ausgabe (in Deutsch und Englisch) gibt es noch ein Community-Variantcover (Exklusiv für Kickstarter-Unterstützer mit den Namen auf front und Backcover, auch in Deutsch und Englisch), sowie ein Sebastian Drewniok Variant (nur Deutsch) und ein John Roye Variant (nur Englisch).

Noch während ihrer, eigentlich illegalen Ermittlungen, an dem Entführungsfall der Tochter eines russischen Diplomaten, gerät auch Jona Maza selbst in die Fänge des Mörders, der nun mit zwei Geiseln die Polizei und deren Ermittler auf die Probe stellt ihn zu finden und zu verhaften. Doch es gibt kaum Spuren und ohne Jona und ihre Kräfte wird es auch nicht leichter alle zu finden. Dennoch scheinen alle Spuren in das verschlafene Örtchen Bergdorf zu führen …

Bisher gefiel mit „Touch“ ganz gut, auch wegen der Mischung aus Crime, Mystery, Drama und Fantasy, aber diesmal wirkt mir die Erzählweise sehr holprig, sodass es schwierig ist der Handlung wirklich zu folgen und es offenbaren sich auch einige Logiklöcher, allen voran das, wie Jona in die Fänge des Mörders gekommen ist, da es hierauf keine wirklichen Hinweise gibt. Einige Seiten nach ihrem letzten Auftritt ist die Tatsache einfach da und wird auch nicht näher erläutert. Offenbar hat HOK hier versucht auf die schnelle einige Handlungsstränge zusammenzuführen, was für meinen Geschmack ein wenig zu hektisch passiert, erst recht im Hinblick auf das Finale dieser Ausgabe, welches auch zu schnell inszeniert wurde.
Optisch hingegen gibt es nur wenig zu kritisieren. HOK wird mit jeder Ausgabe besser, vor allem was die Mimiken und Gestiken betrifft, hat aber noch immer ein paar Defizite in der Anatomie, vor allem wenn es um ungewohnte Körperhaltungen und Stellungen geht. Hier passen dann auch schon einmal die Länge der Extremitäten nicht so recht mit den Proportionen des restlichen Körpers zusammen. Aber auch dies sind Dinge, die man üben kann.

Sieht man einmal von den genannten Kritikpunkten ab, ist diese Ausgabe immernoch recht unterhaltsam, auch wenn es die bisher schwächste Ausgabe der Serie ist. Aber so sind die Erwartungen meinerseits an die nächste Ausgabe nicht ganz so hoch, was vielleicht auch wieder etwas Gutes ist. Aber es gibt ja auch noch die neue Spin Off-Serie „Thief Sisters“ und vielleicht gleicht diese die schwächere vierte Ausgabe der Hauptserie ein wenig aus.

Shoplinks:

„Matt Eagle“ Nr. 1 bei Plem Plem Productions bestellen.
„Touch“ Nr. 4 bei TheNextArt bestellen.

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