Merry Christmas Review 2014 (Spider-Man Weihnachtsspecial Nr. 1)

Wie auch schon letztes Jahr, will ich euch auch dieses Jahr mit einem Merry Christmas Review beglücken. Dafür habe ich wieder einmal in meiner Comicsammlung gewühlt und das Spider-Man Weihnachtsspecial aus dem Jahr 1999 ausgegraben. Davon gab es zwar nur diese eine Ausgabe, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Mal schauen, wie die Geschichten in den 15 gealtert sind. Gut, oder schlecht und kann ich mich überhaupt noch daran erinnern? Mal sehen …

Spider-Man Weihnachtsspecial Nr. 1
[Panini, Dezember 1999]

Peter und Mary Jane haben gerade erst verkraftet, dass Ben (Reilly, der zwischenzeitliche Spider-Man → ein Resultat der Klonsaga) gestorben ist, als neue Ereignisse sie einholen. Direkt neben ihnen, ihn Mary Janes und Tante Annas altem Wohnhaus ist eine junge Mutter mit einem taubstummen Mädchen eingezogen, wodurch Peter, alias Spider-Man sehr vorsichtig sein muss, wenn er sich nun in das Haus schleichen möchte. Noch schlimmer wird es aber, als Jill Stacy, eine Freundin von Peter und Mary Jane, sie in ein neues und absolut hippes Cafe einladen möchte. Dumm nur, dass es sich dabei um das Daily Grind handelt, das Stammlokal von Peters Klonbruder Ben, und daher für die Pete und MJ überhaupt nichts Neues ist. Und dann wären da noch die Technomancer, die Mithilfe eines alten Artefaktes, der Kugel von Sara-Kath, Unheil über New York und die Welt bringen. Richtig gefährlich wird es, als Buel – Herr der Gremlins plötzlich auftaucht und Spider-Man nur noch mit magischer Hilfe von Dr. Stephen Strange den Hauch einer Chance hat …
Die zweite Geschichte bringt Venom auf den Plan. Der missversteht einen Regierungsauftrag, nach dem er den Herausgeber des Daily Bugle, J. Jonah Jameson, einschüchtern soll. Stattdessen will der ihn einfach kaltmachen, umlegen, ausweiden, oder einfach nur töten. Aber ausgerechnet jetzt muss Peter Parker in JJJ’s Büro sein und ausgerechnet jetzt muss Peter auch noch schwer erkältet sein. Trotzdem stellt er sich dem Kampf …

Was man nicht alles tut um ein Weihnachtsspecial an den Man(n), oder die Frau, zu bringen.
Die Rückseite des Heftes ziert dieser „schöne“ Weihnachtsbaum.

Wie jetzt? Das ist der Inhalt des Weihnachtsspecials, höre ich euch schon sagen. Und ja, das ist es. Keine Weihnachtsgeschichte. Keine Winterstory. Das einzig Weihnachtliche an dem Heft ist der stilisierte Tannenbaum auf der Rückseite. Eigentlich ganz schön enttäuschend könnte man sagen. Aber die Intention war damals nicht ein Weihnachtssonderheft zu veröffentlichen, sondern mit diesem 116 Seiten Monster etwas Boden bei den Heftserien gutzumachen. Das ist teilweise gelungen, denn der Dreiteiler um die Technomancer hätte sonst eineinhalb Hefte füllen müssen.
Inhaltlich sind beide Geschichten nur Mittelmaß, wobei der von Todd Dezago verfasste und vom begnadeten aber leider viel zu früh verstorbenen Mike Wieringo gezeichnete Dreiteiler mit Dr. Strange ein Stück weit besser wegkommt, als Venoms Auftrag der von Larry Hama erdacht und vom Tom Lyle umgesetzt wurde.
Todd Dezago und Larry Hama sind beides keine Autoren von besonders tiefgründigen Geschichten, wobei Dezago dessen durchaus fähig ist. Hier jedoch hat er eine lockere Geschichte verfasst, die vor allem eines will, unterhalten. Das dabei auch die eine oder andere witzige Szene und haufenweise lockere Sprüche enthalten sind, versteht sich fast von selbst. Die, für mich, einzige emotionale Stelle ist am Ende, als Dezago und Wieringo den Story-Arc ihrem Freund und ebenfalls viel zu früh aus dem Leben geschiedenen Mark Gruenwald widmen. De rhat viele, genaugenommen sehr viele, Jahre die Geschicke von Captain America verfasst und einen wirklichen tollen Run an Amerikas Idol hingelegt. Nicht zu verwechseln mit dem wirklich unterirdischen American Idol.

Danksagung für einen großen Comickünstler.

So wie der Technomancer Dreiteiler inhaltlich ein Stück vorne liegt, hat er auch visuell die Nase vorn. Nichts gegen Tom Lyle, aber seine Bilder altern halt leider sehr schnell. Vor allem seine frühen Arbeiten und erst recht die mit Venom. Heute sehen die auch mit rosa Fanbrille teilweise echt grauenhaft aus. Anders ist es mit Mike Wieringo. Sein leicher Mangastyle, die klaren Linien und die spürbare Dynamik zaubern auch heute noch sehr viel Energie in die Bilder. Selbst wenn die Figuren nur still stehen und sich unterhalten fühlt man das Leben in ihnen.
Negativ fallen mir an dem Heft eigentlich nur die etwas hölzernen Übersetzungen von Michael Strittmatter auf. Er macht seine Arbeit sehr gut, und übersetzt auch sehr sinngetreu, aber leider fehlen vielen seiner Texte das Leben. Die Sprache wirkt oftmals streng und wie aus einem Lehrbuch. Und wenn wirklich einmal lockere Szenen kommen, wirkt es fast schon unnatürlich, weil der gesamte Rest so steif scheint. Besonders auffällig ist das bei dem Venom-Abenteuer, und das, obwohl sich hier durch Peters Erkältung einige witzige sprachliche Momente ergeben. Auch Venoms Namensverballhornungen für seinen Erzfeind Spider-Man sind nach dem zweiten, bzw. dritten Mal schon nicht mehr witzig. Dies liegt aber neben Strittmatters Übersetzung auch an Hamas Skript.

Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht.
Oder war das andersherum?

Als Weihnachtsspecial ist das Heft ein deutlicher Reinfall. Als Ergänzung zur damaligen Heftserie und zur Unterhaltung jedoch ganz lesenswert. Auch im Bezug auf die Fortführung der Klonsagaereignisse nach Bens Tod aus der regulären Heftserie. Zusammen mit Wieringos grandiosen Artwork versetzt mich der Band zwar nicht in Weihnachtsstimmung, aber es stimmt mich wenigstens ein wenig fröhlich.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen frohe Weihnachten 2014, einen fleißigen Weihnachtsmann und eine schöne Zeit im Kreise der Freunde und Familien.

Ein klein wenig Weihnachtsgeist am Ende des Dreiteilers.
Mehr ist es wirklich nicht.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1997-2014 Marvel & Subs. / Panini

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