Hammerharte Horrorschocker #37: Der Vampir mit den eisernen Zähnen [Weissblech Verlag, Oktober 2014]

Dominik_AVADie Horrorschocker – Ausgaben gehen in die 37. Runde.
Im Grunde genommen ist es für 3.90 Euro schier unmöglich, einen Fehlkauf zu machen.
Diese Ausgabe enthält drei in sich abgeschlossene Kurzgeschichten. Die Qualität der Hefte sowie der einzelnen Geschichten bleibt wie gewohnt auf hohem Niveau.
Zwei von drei Geschichten konnten mich beinah hundertprozentig überzeugen. Diese enthalten für den Leser unerwartete, aber in sich stimmige Pointen am Ende der jeweiligen Geschichten.
Die zweite Geschichte schafft es leider nicht, ihr volles Potenzial auf nur fünf Seiten zu entfalten. Somit bleibt diese kurze Geschichte zwar für den Leser im Ansatz interessant, jedoch schafft sie es nicht, den Leser für sich, im Sinne einer gelungenen Pointe, am Schluss zu überzeugen.

Horrorschocker #37

Covergestaltung innen und außen: Levin Kurio

DER VAMPIR MIT DEN EISERNEN ZÄHNEN
Text Levin Kurio
Zeichnungen und Farben Kolja Schäfer

Auf rund zwölf Seiten hat diese Geschichte genug Raum, sich für den Leser zu entfalten. Der Leser wird aufgrund mysteriöser Vorfälle (es geht ein Vampir umher) auf dem riesigen Friedhof von Gorbal direkt in den Bann der Geschichte gezogen. Die Kinder, die zu später Stunde sich auf dem Friedhof versammeln und für Unruhe sorgen, tragen einen beachtlichen Teil der Geschichte bei. Wären es keine Kinder, dafür aber erwachsene Menschen, dann hätte ich diese Geschichte nicht so intensiv empfunden. Kinder passen hervorragend als einleitende Unruhestifter in diese Geschichte hinein. Die Polizei geht der Sache nach, ganz nebenbei werden auch noch zwei weitere Jungen vermisst. Sehr gut gefällt mir, dass wir Erwachsenen es alles am besten Wissen. Die Erwachsenen Wissen, wer schuld an all dem hat: Es sind die bösartigen Comichefte bzw. im Allgemeinen die bösartigen Medien. Wieder einmal merkt der Leser, dass Spaß und Freude der Macher die Geschichte am Leben halten. Der Spagat zwischen Ironie und interessanter Geschichte ist hier sehr gut gelungen.
„Comichefte! Gewissenlose Zeitschriftenhändler und Verleger verbreiten diese Machwerke!“
Eine mehr als gelungene Anspielung auf den Weissblech Verlag selbst 😉
Allein diese kleine Anspielung macht die Geschichte zu etwas Besonderem. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst, und weiß dennoch den Leser gekonnt zu unterhalten, ohne dabei auch nur in geringster Weise unpassend bzw. albern zu wirken!
Und wäre das auf nur zwölf Seiten nicht genug, kommt die Pointe am Ende der Geschichte sehr gelungen daher. Der Leser ist überrascht und hätte dieses Ende mit Sicherheit nicht so erwartet.
Zeichnerisch gefällt mir besonders gut der zur Geschichte passende „altbackene“ Farbton. Er passt hervorragend zu der im Jahre 1954 spielenden Geschichte. Ebenfalls sind die Zeichnungen sehr deutlich und klar definiert. Hier kann der Leser beim ersten Anblick alles direkt wahrnehmen und passend der Geschichte zuordnen. Text und Zeichnungen harmonieren, Sprechblasen und Erzähltext halten sich harmonisch die Waage.
Ganz klar eine sehr gelungene Geschichte.

Der Vampir mit den eisernen Zähnen

Der Vampir mit den eisernen Zähnen

ICH WERDE BELAGERT!
Text und Zeichnungen The Lep
Farben Marte und Levin Kurio

Auf nur fünf Seiten ist die folgende Geschichte eher kurz geraten.
Sprechblasen und Erzähltext dominieren die ersten paar Seiten, ehe es gegen Ende etwas gemächlicher wird. Der Leser wird zwar nicht umgehend vom Text erschlagen, dennoch merkt man den geringen Platzanteil. Vielleicht verstärkt der gelb hinterlegte Erzähltext diesen Eindruck?
Mit der Pointe habe ich am Ende überhaupt nicht gerechnet, auch wenn sie vielleicht für die Geschichte passend sein mag, ich kann mich mit diesem Schluss irgendwie nicht so richtig anfreunden. Für mich etwas unstimmig und leicht verwirrend. Zeichnerisch ist das Ganze ebenfalls klar definiert. Die Farbgebung ist hier jedoch eher kräftig.
Dialog und Handlung der Hauptperson passen meinem Empfinden nach nicht hundertprozentig überein, da die Reaktion von Johannes als Heiko umgebracht wird, irgendwie abgehakt (nicht flüssig) bzw. nicht der Story entsprechend dynamisch wirkt.
Somit bleibt die Geschichte für den Leser ein interessanter Ansatz, dieser hätte jedoch auf mehr Seiten konsequenter ausgearbeitet werden können.

Johannes Gerlach wird belagert

Johannes Gerlach wird belagert

SCHEITERHAUFEN
Text und Zeichnungen Levin Kurio
Farben Marte und Levin Kurio 

Mit der dritten Geschichte ist ebenfalls ein auf acht Seiten begrenztes Highlight in diesem Heft vertreten.
Ähnlich wie bei der ersten Geschichte wird der Leser umgehend in ihren Bann gezogen. Mit Sicherheit tragen die hübsche junge Dame und die mysteriöse alte Vettel (Hexe) einen Teil dazu bei. Der Leser sympathisiert direkt zu Beginn mit der jungen Frau, sie nimmt den Bewohnern des Dorfes ihr Leiden. Ähnlich wie eine Heilerin hilft sie den Kranken und armen Menschen. Diese Gabe wird ihr jedoch zum Verhängnis.
Dieses Ende und die damit verbundene Pointe ist abermals genial platziert. Wieder einmal habe ich dieses Ende in keinster Weise kommen sehen. Es erinnert mich seltsamerweise etwas an die zweite Geschichte, hat jedoch damit eigentlich gar nichts zu tun. Dieses Ende ist mehr als gelungen und völlig unerwartet. So müssen kurze Geschichten sein, spannend, einen Sympathieträger enthalten und ein für den Leser völlig unerwartetes Ende präsentieren.
So schafft es die Geschichte, nicht direkt aus dem Gedächtnis zu verschwinden.
Zeichnerisch ist wie bei den anderen Geschichten auch, alles in bester Ordnung. Die junge Dame ist hübsch und attraktiv gezeichnet (Kala lässt grüßen?). Die Farbgebung ist auch hier kräftig und passend zur Geschichte.

Hexen gehören auf den Scheiterhaufen

Hexen gehören auf den Scheiterhaufen

Alles in allem enthält dieses Heft nur einen kleinen fünfseitigen „Ausfall“. Selbst dieser „Ausfall“ mag Geschmackssache sein! Die beiden anderen Geschichten Punkten auf voller Linie.
Hier sollte man nicht zögern, direkt kaufen.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2014/2015 Weissblechverlag

Dieses Heft kann man in jedem gut sortierten Comic Laden erwerben.

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