Der Engel Nr. 4 (von 5) von Tomppa [TheNextArt, April 2015]

Lange hat es gedauert. Für meinen Geschmack viel zu lange, aber manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. So ist es auch mit Tomppas „Der Engel“, einer wunderbaren Geschichte in einem zukünftigen Berlin, welches von Fremdenhass, Angst und Machtgier zerstört wird. Damit ich mich auch wieder richtig schön in die Geschehnisse einfinden konnte, habe ich die Chance genutzt und alle bisher erschienen drei Ausgaben natürlich vorher noch einmal gelesen. Das ist auch bitter nötig, denn immerhin liegen zwischen Heft 3 und 4 ganze 3 Jahre und so gut ist selbst mein Gedächtnis nicht mehr. Abgesehen davon wirkt dadurch die Geschichte umso intensiver. Die Reviews zu den Heften 1 und 2, sowie Heft 3 findet ihr unter den Links, die ich euch extra noch einmal gesetzt habe.

Der Engel Nr. 4 (von 5)

Drama im Krankenhaus.

In Berlin wachsen die Spannungen, nachdem Bürgermeister Aydogan bei einem Attentat getötet und Max‘ Freundin Bianca bei einer Demonstration schWer ist der Gegewer verletzt wurde. Max ist auch als Engel von Berlin bekannt und von seinem Beginn als Superheld darauf bedacht die Kriminalität, allen voran den Fremdenhass zu bekämpfen. Schon einmal hat er einen Freund verloren, weil er tatenlos zusah und nicht einschritt. Noch einmal soll das nicht passieren. Aber er scheint nicht der Einzige zu sein. Bei der Demonstration, während der auch Bianca verletzt wurde, traf er auf einen weiteren Kämpfer gegen die Skinheads und Faschisten der Stadt. Die Presse hat ihn, wegen seiner Verwendung von Eisen, welche er um seine Fäuste geschnallt hat, Cestus getauft. Der Engel macht sich auf die Suche nach Cestus und kommt hinter ein schockierendes Geheimnis um den Drahtzieher der vergangenen Ereignisse …

Jagd über die Dächer Berlins.

Zum ersten Mal bekommt Tomppa bei seiner Serie Unterstützung für das Storytelling. Denn sein guter Freund und TheNextArt-Kollege Robert Heracles, mit dem er auch die drei Ausgaben umfassenden Abenteuer seiner nächsten Kreation The Counselor verfasst, greift ihm ab sofort unter die Arme. Zum Glück geschieht dies nur behutsam, sodass es zu keinem Bruch in der Erzählform und Geschwindigkeit kommt, weshalb alle bisherigen Ausgaben so ein schönes homogenes Gesamtbild in ihrer Erzählstruktur ergeben. Die Story ist weiterhin spannend und durch die nun wesentlich stärkere emotionale Bindung fällt es dem Leser leichter mit dem Helden mitzuleiden. Das soll nicht heißen, dass dies in den bisherigen Ausgaben fehlte, aber der Zugang fiel mir hier ein wenig leichter.
Zwar bleibt es dabei, dass Tomppas eigentliche Grundidee, die der Akzeptanz gegenüber Ausländern und eigentlich allen Menschen ist und er präsentiert dies nach wie vor ein wenig mit dem Holzhammer, aber wenn ich ehrlich bin, ist dieser direkte Weg vielleicht auch der Beste. Genau aus diesem Grund ist die bewusst gewollte Ähnlichkeit der Gegner zu den Nazis des Zweiten Weltkrieges mitsamt ihrem Stil, Auftreten und allem was dazugehört, samt Flagge mit rotem Grund und schwarzem Kreuz auf einem weißen Kreis nicht nur als Stilmittel anzusehen, sondern vor allem auch als eine Art Zerrspiegel, den Tomppa der Gesellschaft vorhält. Auch wenn es im realen Leben nicht ganz so einfach ist mit der Trennung zwischen Gut und Böse oder Schwarz und Weiß.

Wer ist der Gegner?

Während die Neuerungen in der Story eher minimal ausfallen, gibt es im Artwork massive Veränderungen, die mir als Freund und Kenner der ersten Ausgaben natürlich sofort aufgefallen sind. Entgegen seiner früheren Behauptungen am Computer eine Niete zu sein, und deshalb (nicht nur deshalb, aber auch) vor allem analog zu zeichnen und zu kolorieren (mit den wunderschönen Goucha-Farben) wurde hier erstmals digital gearbeitet. Sicher ist es sauberer und auch der dadurch resultierende stärkere Kontrast steht dem Heft sehr gut, aber in manchen Punkten finde ich es persönlich sehr schade, dass Tomppa hier den Stil gewechselt hat. Beim Counselor hat es mich nicht gestört, immerhin war es hier etwas Neues und Eigenständiges, aber hier macht es mich schon ein wenig traurig.

LineArt von Seite 3.

Ich muss allerdings auch sagen, dass seine Zeichnungen nicht schlechter geworden sind, durch das Fehlen der Goucha-Farben. Es ist genaugenommen sogar eine sehr positive Entwicklung zu spüren, welche sich vor allem in der Dynamik niederschlägt. Auch die immer noch spärlich eingesetzten Farben (hauptsächlich Rot) wirken durch die Computerkoloration kräftiger. Nur leider verliert „Der Engel“ hierdurch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Independentszene, wo viele der Veröffentlichungen am Computer koloriert werden, was im Grunde zwar nichts Schlechtes ist, aber leider auch nichts Außergewöhnliches mehr. Und so gefallen mir persönlich die reinen Schwarz/Weiß-Zeichnungen, welche am Schluss als eine Art Bonus enthalten sind, fast schon ein Stück weit besser, als die Farbvarianten im Heft.

Und über allem wacht der Engel.

Trotz der Kritik am Artwork, welches dennoch grundsätzlich sehr gut ist, bleibt „Der Engel“ eine tolle Miniserie. Leider erwartet mich in Zukunft wohl erstmal nur noch ein Heft, und wie es danach weitergeht, weiß sicher auch Tomppa noch nicht wirklich. Aber zum Glück kommt da ja noch sein Counselor, auf den ich mich auch sehr freue. Und vielleicht kehrt der Engel ja auch bald wieder, und nur ganz vielleicht trifft er dabei auch auf den Counselor, was ich mir sehr wünschen würde.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2015 Tomppa / TheNextArt

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