Asterix Review Special (61): Der Papyrus des Cäsar [Egmont, Oktober 2015]

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Auch diesen Monat bin ich etwas später, was mit den Ereignissen der letzten Wochen zu tun hatte. Da war viel aufgelaufen und hatte sich somit angestaut, was zuerst einmal abgearbeitet werden musste. Daher gibt es das Asterix Review Special des Monats April ein klein wenig verspätet und bringt euch auch „nur“ ein wiederverwertetes Review, welches ich aber noch ein wenig ergänzt habe, im Vergleich zur Erstveröffentlichung. Ich hoffe, dass ich die nächsten Reviews dann wieder pünktlicher präsentieren kann, wobei es ja nun auch nicht mehr so viel Material gibt, im Augenblick. Aber es wird sich schon noch ein bisschen was finden lassen …

Mit einer Startauflage von 4 Millionen Exemplaren, wovon alleine 1,5 Millionen auf den deutschsprachigen Markt entfallen, erscheint am 22. Oktober 2015 das bereits 37. Abenteuer der beiden Gallier, und immerhin schon das zweite des neuen Kreativteams Jean-Yves Ferri und Didier Conrad zeitgleich in ganz Europa. Die Rahmenhandlung nutzt das reale Werk „De bello gallico“ von Julius Cäsar, welches von Ferri jedoch um ein sechsteiliges fiktives Kapitel mit dem Titel „Rückschläge im Kampf gegen die unbeugsamen Gallier in Aremorica“ erweitert wurde. Dessen sechs Unterkapitel spielen wiederum jeweils auf ein früheres Abenteuer an. „Tour durch Gallien“ („Tour de France“, der 6. deutsche Band), „Der Avernerschild“ (Band Nr. 11), „Die spanische Geisel“ (Band 14, „Asterix in Spanien“), „Agent Destructivus“ (Band 15, „Streit um Asterix“), „De Trabantenstadt“ (Band Nr. 17) und „Korsika“ (der 20. Band , „Asterix auf Korsika“). Das originale Werk Cäsars wurde bereits kurz im 24. Band „Asterix bei den Belgiern“ thematisiert, als Cäsar zu Beginn die Belgier als den tapfersten gallischen Stamm bezeichnet, was das kleine gallische Dorf um Asterix natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann.

Bevor ich nun mit der Einleitung und den Hintergrundinformationen abschließe, möchte ich noch auf einige der Anspielungen in diesem Band eingehen. Das gewisse Veröffentlichungen, wie die von Edward Snowden, der in diesem Band als Bigdata auftritt, oder auch das umstrittene Werk Cäsars für eine mediale Aufmerksamkeit sorgen ist nicht neu. Und so finden sich auch gleich drei bekannte Tageszeitungen in etwas abgewandelter Form in diesem Band mit „Imago“ wird auf die „BILD-Zeitung“ verwiesen, „Tempus“ ist, wie es der Wortstamm schon vermuten lässt, „Die Zeit“ und hinter „Roma Generalis“ steckt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Das gut ausgebaute Netz an Brieftauben liegt dem Kurznachrichtendienst „Twitter“ zugrunde und auch Wikileaks-Sprecher Julian Assange darf sich über eine kurze Erwähnung freuen, genauso wie die „Reporter ohne Grenzen“, die durch Polemix als „Kolpoteur ohne Grenzen satirisch dargestellt werden.

Und damit geht es nun ohne weitere Umschweife zum Review:

Asterix_36_Softcover_low_resAsterix Nr. 36: Der Papyrus des Cäsar

Cäsar geht unter die Schriftsteller und will sich mit seinem Werk „Kommentare zum Gallischen Krieg“ ein Denkmal setzen. Doch leider ist da dieses kleine dunkle Kapitel, mit einem Dorf, welches bis heute erbittert Widerstand leistet. Und weil sich dies in Cäsars Werk nicht wirklich gut machen würde, rät ihm sein Berater Syndicus, jenes Kapitel zu streichen. Syndicus stumme Schreiberlinge, die Numiden, sind von dieser Idee jedoch alles andere als begeistert, fügen sich aber die Anordnung. Bis auf einen, der sich mit besagtem Kapitel aus dem Staub macht und dieses an den gallischen Kolporteur Polemix übergibt. Der macht sich sofort auf den Weg in jenes unbeugsame gallische Dorf, in dem unter anderem die beiden gallischen Helden Asterix und Obelix leben, um es für die Nachwelt zu erhalten. Doch Syndicus kann dies nicht zulassen und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass Cäsar durch dieses dunkle Kapitel ein Schaden zugefügt wird …

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Autor Jean-Yves Ferri nimmt sich mit der Wikileaks-Affäre einem recht aktuellen Thema an. Die Wahrheit und wie damit in unserer Zeit damit umgegangen wird, ist dabei das Kernthema des neuen Asterix-Abenteuers. Ferri versteht es jedoch blendend, nicht einfach nur mit dem erhobenen Zeigefinger deutlich zu machen, was seine Meinung dazu ist, sondern verstrickt dies gekonnt in ein humorvolles Abenteuer, welches an die Glanzzeiten von René Goscinny und Albert Uderzo erinnert. Er vermischt historische Fakten, ein paar zumindest, mit witzigen Situationen und pointenreichen Dialogen und erzeugt dadurch die aus früheren Werken bekannte Stimmung, welche ich (wer die Asterix Review Specials aufmerksam verfolgt weiß das) in den letzten Uderzo-Bänden so sehr vermisst habe. Trotz ernster Thematik schwingt eine gewisse Leichtigkeit mit, welche das Thema dennoch nicht verwässert, oder ins Lächerliche zieht. Am besten gefällt mir persönlich jedoch der Epilog, über den ich hier aber kein Wort verlieren werde. Damit hat Ferri in meinen Augen einen ganz besonderen Bogen zu Goscinny und Uderzo geschlagen und irgendwie hat es sogar den Anschein, dass dies der eigentliche Grund für die Wahl der Thematik war. Denn immer wieder gibt es Momente, Szenen oder Textpassagen, die genau hierauf zuarbeiten.

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Mit dem zweiten Band aus der Feder von Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad macht sich auch ein leichter Stilwechsel bemerkbar, der in „Asterix bei den Pikten“, zumindest in meinen Augen, noch nicht so spürbar war. Während Ferri seine Arbeit grandios macht, gibt es Bilder von Didier Conrad, welche mir nicht ganz so gut gefallen. Besonders bei der Darstellung von Asterix und Miraculix gab und gibt es immer wieder Kleinigkeiten, die mir einfach nicht so recht gefallen wollen. Sei es das Aussehen generell, oder die Haltung der Figuren, welche ungewollt komisch oder gar „verschoben“ wirkt. Immer wieder fällt mir auf, dass manche Figuren in gewissen Situationen, keinen Hals zu besitzen scheinen. Hier wirkt es, als hätte Conrad die Köpfe einfach so auf die Schultern „gepflanzt“, was aber nicht einmal unfreiwillig komisch wirkt, sondern einfach nur falsch. Auch die Mimik wirft so manches Mal Fragen zur Anatomie auf, die ich mir nicht einmal mit künstlerischer Freiheit erklären kann. Sieht man aber von diesen kleinen Kritikpunkten ab, so gibt es erneut tolle Landschaften, detailreiche Szenarien und mit Slapsticks ausgeschmückte Panels zu sehen. Immer wieder gab es Panels, ja sogar ganze Seiten, bei denen ich innehalten musste, und sie einfach nur bewundert habe. Ich muss aber dennoch gestehen, dass Didier Conrads Stil in diesem Band deutlicher zum Tragen kommt, als es noch im Letzten der Fall war. Aber ich denke, dass es auch nur eine Frage der Zeit ist, bis man sich an diese kleinen Dinge, welche er ein wenig anders macht als Uderzo, gewöhnt hat.

Asterix_Band_36_Panel1_low_resDie Meinungen zum neuesten Asterix sind erneut sehr positiv ausgefallen und auch meine Erwartungen wurden fast vollends erfüllt. Ich wollte ein weiteres frisches Abenteuer, mit dem Witz und Charme der alten Bände haben, aber dennoch eine aktuelle Thematik, die nicht plump präsentiert wird. Ferri und Conrad haben es geschafft dem gallischen Duo neues Leben einzuhauchen und sich seit dem letzten Band sogar noch ein wenig gesteigert. Wirkte „Asterix bei den Pikten“ noch ein wenig unsicher und zaghaft, so steht „Der Papyrus des Cäsar“ voll im Comicleben. Und mit immerhin 1,5 Millionen Exemplaren Startauflage, scheint sich auch die Nachfrage in Deutschland wieder zu erhöhen. Diese war immerhin, leider auch wegen der letzten Uderzo-Bände stark eingebrochen. Aber Jean-Yves Ferri und Didier Conrad haben das Vertrauen der Fans zurückerobert und sind dabei neue Fans zu rekrutieren.

Asterix_Band_36_Panel5_low_resCopyright aller verwendeten Bilder © 2015-2018 Les Éditions Albert René / Egmont Ehapa Media / Egmont Comic Collection

Die bisherigen Review-Specials:

  1. Asterix der Gallier
  2. Die goldene Sichel
  3. Asterix und die Goten
  4. Asterix als Gladiator
  5. Tour de France
  6. Asterix und Kleopatra
  7. Der Kampf der Häuptlinge
  8. Asterix bei den Briten
  9. Asterix und die Normannen
  10. Asterix als Legionär
  11. Asterix und der Avernerschild
  12. Asterix bei den Olympischen Spielen
  13. Asterix und der Kupferkessel
  14. Asterix in Spanien
  15. Streit um Asterix
  16. Asterix bei den Schweizern
  17. Die Trabantenstadt
  18. Die Lorbeeren des Cäsar
  19. Der Seher
  20. Asterix auf Korsika
  21. Das Geschenk Cäsars
  22. Die grosse Überfahrt
  23. Obelix GmbH & Co. KG
  24. Asterix bei den Belgiern
  25. Der grosse Graben
  26. Die Odyssee
  27. Der Sohn des Asterix
  28. Asterix im Morgenland
  29. Asterix und Maestria
  30. Obelix auf Kreuzfahrt
  31. Asterix und Latraviata
  32. Asterix plaudert aus der Schule
  33. Gallien in Gefahr
  34. Asterix & Obelix feiern Geburtstag
  35. Asterix & Friends (Browsergame)
  36. Asterix der Gallier (Film)
  37. Asterix (Gameboy/NES)
  38. Asterix in Novaesium
  39. Asterix und Kleopatra (Film)
  40. Asterix (SNES)
  41. Gallische Geschichten mit Asterix und Obelix
  42. Asterix & Obelix (Gameboy)
  43. Asterix erobert Rom (Film)
  44. Asterix erobert Rom – Das Buch zum Film (Album, Neuauflage)
  45. 12 Prüfungen für Asterix
  46. Asterix and The Great Rescue (Sega Mega Drive)
  47. Asterix – Sieg über Cäsar (Film)
  48. Uderzo von seinen Freunden gezeichnet
  49. Asterix – The Great Rescue (Game Gear/Master System)
  50. Uderzo – Der weite Weg zu Asterix
  51. Asterix & Obelix (SNES)
  52. Asterix bei den Briten (Film)
  53. Asterix – Streit um Gallien (Playstation)
  54. Asterix bei den Pikten
  55. Asterix – Die Trabantenstadt (3DS)
  56. Asterix in Italien
  57. Die Trabantenstadt (Limitierte Sonderausgabe)
  58. Asterix – Operation Hinkelstein (Film)
  59. Asterix bei den Belgiern (Limitierte Sonderausgabe)
  60. Asterix Review Special (60): Asterix and the Secret Mission (Game Gear)

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