NiGuNeGu Nr. 1 [Pyramond, Juni 2018]

Es gibt Comicprojekte, die verfolgt man schon eine ganze Weile. Man erfreut sich in ihnen, hofft mit den Künstlern auf Erfolg und sieht wie sie Stück für Stück vorankommen. Hier ein kleiner Schritt, da ein neues Ziel und dort eine geschaffte Etappe. Und dann ist der Tag da, an dem das Projekt plötzlich größere Anerkennung bekommt. Der Tag, an dem es eine Auszeichnung erhält. Und nein, nicht einfach eine Auszeichnung von einer Jury, die sich für belesen, allwissend und unangreifbar hält, sondern von den Fans. Die Leser, das Publikum, diejenigen, die dem Projekt vielleicht schon ebenso lange folgen, oder länger, oder auch erst seit Kurzem. Familienmitglieder, die ihren Liebsten den Erfolg wünschen, an ihre Idee glauben. Sprich all jene, die den Künstlern wirklich wichtig sind. Diejenigen, für die sie die Arbeit auf sich nehmen. Zwei dieser Künstler sind Oliver Mielke und Hannes Radke und ihr Projekt heißt:

NiGuNeGu Nr. 1

Martin und Arne sind zwei ganz normale Typen. Arne ist ein echt netter Kerl. Jemand, den man gerne zum Freund hat. Der zuverlässig ist, einem zuhört, hilfsbereit und eben absolut vertrauensvoll. Ein echter Nice Guy eben. Martin hingegen ist der typische Nerd. Comics, Serien, Videospiele, Brettspiele, Trading Card Games, Filme, Musik. In seinem Repertoire findet sich so gut wie alles, was einen echten Nerd ausmacht. Doch es gibt eines, das ist bei beiden gleich. Sie haben einfach kein Glück mit den Damen. Martin ist noch Jungfrau und Arne wird von den Frauen regelmäßig ausgenutzt. Durch einen Zufall lernen sich Martin und Arne, die beide in Hildesheim leben, kennen. Trotz einiger Startschwierigkeiten werden sie so etwas wie Freunde und beschließen ihrem Glück gemeinsam auf die Sprünge zu helfen, indem sie einen Flirtcoach, einen Guru, um Hilfe bitten …

Erzählt man anderen von „NiGuNeGu“, hört man so ziemlich fast immer als Erstes: „Wie heißt das?“, und ja, der Name ist schon etwas merkwürdig. Naja, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Denn NiGuNeGu ist einfach nur die Abkürzung der drei Hauptfiguren. Da wäre Arne der Nice Guy, Martin der Nerd und dann noch der Flirtcoach, der Guru. Und schon ist das Wortspiel fertig. Eigentlich recht simpel, aber dennoch einprägsam und außergewöhnlich. Als Zweites kommt die fast obligatorische Frage danach, was das denn nun ist. Und antwortet man dann mit: „Bromantic Comedy Comic“, folgt fast ausnahmslos: „Was soll denn das sein, habe ich ja noch nie gehört!“ So, und ab diesem Moment beginnt auch der letzte Skeptiker, hellhörig zu werden. Ein Comic, der die Themen Romantik, Comedy und Freundschaft miteinander verbindet. Denn so neu, wie man zunächst denken mag, ist das Genre bzw. die Bromanze gar nicht. Denn eine Bromanze ist schlichtweg die Nicht-Sexuelle-Freundschaft zwischen zwei Männern. Und Bromance-Comedys gibt es einige. Ein paar bekannte Beispiele, gerade aus dem Filmsektor wären da „Hangover“, „Ey Mann, wo is‘ mein Auto“ oder „Jungfrau (40), männlich, sucht …“. Streng genommen kann man sogar bereits Stan Laurel und Oliver Hardy, alias Dick & Doof zum Genre der Bromantic Comedy zählen, aber das nur am Rande.

Doch, was ist „NiGuNeGu“ nun genau? Im Grunde ist das ganz einfach erklärt. Es geht um die Freundschaft zwischen zwei Männern, die mit wem weiblichen Geschlecht bisher keine, oder fast ausschließlich negative, Erfahrungen gemacht haben, zumindest wenn es um Beziehungen geht. Oliver Mielke erzählt eine Geschichte von Freundschaft und dem Weg zur Liebe. So manch einer könnte sich durchaus in den teils doch sehr von Klischees behafteten Figuren wiederfinden, aber genau dies macht auch einen gewissen Reiz aus. Denn sind wir doch einmal alle ehrlich. So ein klein wenig Arne und Martin, steckt doch in jedem von uns. Aber zurück zu den Klischees. Oliver Milke nutzt die Klischees nicht einfach nur, um seine Figuren zu charakterisieren, sondern auch um der Geschichte eine leicht ironische Note zu verleihen. Einen Unterton, der zwar beständig mitschwingt, dabei aber niemals dominant über der Handlung oder den Figuren schwebt. Sicherlich sind einige Situationen sehr stark überzeichnet, aber dies passt in der Form auch gleich wieder zum Grundton der Geschichte. Doch egal welche Figur man sich nun herauspickt, jede hat gewisse klischeehafte Charakterzüge verpasst bekommen. Egal ob die süße Wohnheimnachbarin mit der Riesenoberweite und dem niedlichen Lächeln, oder der großkotzige Mädchenschwarm, dem Worte wie Rücksicht und Respekt fremd sind, der reiche Schnösel, der glaubt mit dem Geld seines Vaters alles erreichen zu können, oder die typische gute Freundin, die immer da ist, heimlich verliebt und toll aussieht, aber nie sexuell wahrgenommen wird, und noch viele andere …

Hat man einmal den Band in der Hand, erinnert einen sofort alles an einen Manga. Auch das Artwork selbst hat einen leichten Manga-Style. Doch ist dies nicht beabsichtigt und stellt einfach nur Hannes Radkes Stil dar, der mir bereits bei anderen Geschichten sehr gut gefallen hat. Erwähnenswert wären da vor allem sein Beitrag zur vierten Mr. Kill-Ausgabe, und die beiden WHOA! Comics-Beiträge „R.A.I.D.R.“ und „Of Words Forgotton“. Mir persönlich gefällt sein Artwork bereits seit Langem. Die dominanten Striche, die Mischung zwischen Realismus und Comicstrip und die außergewöhnliche Farbgebung, die ein klein wenig an Jean-Francois Beaulieu erinnert, konnte mich sofort überzeugen. Für den nötigen Realismus sorgen die sehr detailgetreuen Hintergründe. Hannes Radke verwendet hier eine Methode, die ich bei anderen Projekten kritisiert habe, die in „NiGuNeGu“ jedoch hervorragend implementiert wurden und so nur schwer vom restlichen Artwork zu unterscheiden sind. Was ich meine ist, dass auch hier Fotos von Hildesheim verwendet wurden, die mittels Filtern und weiteren Arbeiten an das Gesamtbild angepasst wurden. Und hier liegt für mich auch der Unterschied. Denn während es bei anderen Comicprojekten, wie den „Austrian Superheroes“, oder der „Liga Deutscher Helden“ etwas befremdlich aussieht, fügt es sich bei „NiGuNeGu“ homogen in das Gesamtartwork.

Nun werden sicher einige sagen „Ach, das kenne ich doch schon als Webcomic. Da kommen doch regelmäßig neue Seiten. Das kenne ich schon. Warum soll ich mir denn den Band überhaupt noch kaufen?“ In Teilen kann ich diese Gedanken nachvollziehen, aber all jenen kann ich sagen, dass auch ich die neuen Seiten regelmäßig verfolge und es gibt deutliche Veränderungen gegenüber der Webveröffentlichung. So wurden einige Seiten neu angeordnet und sogar neue Panels und Seiten gestaltet. Andere Szenen wurden komplett neu arrangiert und wieder andere wurden entfernt, um die Handlung etwas „runder“ zu gestalten. Somit erhalten auch diejenigen einen Mehrwert, die „NiGuNeGu“ bereits als Webcomic verfolgen. Außerdem ist die Aufmachung als Taschenbuch mit den Maßen 14,8×20,9cm sehr gelungen und die 132 Seiten aus etwas stärkerem Papier sind die 12 Euro, die der Band kostet ohne Zweifel wert. Insgesamt wirkt der Band sehr hochwertig und kann sich in seiner Verarbeitung qualitativ durchaus mit den großen erfolgreichen Verlagen messen. Und wenn man dann den Band in der Hand hält, erkennt man auch, warum „NiGuNeGu“, und Oliver Mielke mit Hannes Radke, nun schlussendlich den „Max und Moritz-Publikumspreis“ auf dem diesjährigen Comicsalon in Erlangen erhalten haben. Wer schnell ist und direkt über den Onlineshop von Pyramond bestellt, der bekommt den Band mit einer Signierkarte, die jedoch nur in der ersten Auflage enthalten ist.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2013-2018 Oliver Mielke / Hannes Radke / Pyramond Verlag

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