60 Jahre „Die Schlümpfe“ – 6-Tage-Special (4): Die Schlümpfe Mini Nr. 4: Der falsche Schlumpf [Toonfish/Splitter, November 2011]

Original-Mini-Récit

60 Jahre sind natürlich ein Grund zum Feiern, nicht nur für uns Menschen. Die Schlümpfe selbst, sollen ja laut Peyo schon wesentlich älter sein, immerhin wird Papa Schlumpfs Alter mit stolzen 542 Jahren angegeben, und wäre somit mehr als neun Mal so alt, wie die Schlümpfe seit ihrer Erfindung sind. Dennoch, oder gerade deswegen, sind 60 Jahre andauernder Erfolg nicht zu verachten, gerade in unserer schnelllebigen Zeit. Zwar ist die Hauptzeit mit der TV-Serie und regelmäßigen Comicpublikationen in den 80er und frühen 90er Jahren anzusiedeln, aber das das Interesse an den kleinen blauen Kobolden nach wie vor vorhanden ist, und zwar weltweit, zeigen auch die 2011 und 2013 entstandenen Realfilme. Mit dem heutigen Review stelle ich euch das im original als viertes „Die Schlümpfe“-Mini-Recit erschienene Abenteuer vor …

Die Schlümpfe Mini Nr. 4: Der falsche Schlumpf

Für die Niederlage bei dem Versuch mithilfe eines Schlumpfs Gold herzustellen will sich Gargamel nun rächen. Hierfür hat er einen Zauber entdeckt, mit dem er selbst zum Schlumpf wird. In dieser Form will er das Dorf der Schlümpfe aufsuchen. Doch leider hat der Zauber einen Haken, denn seinem Schlumpfkörper fehlt das Schwänzchen. Aber der lässt sich dank einem kleinen Stück Holz nachbilden. Schnell findet der Schlumpf Gargamel im Wald einen Schlumpf, der ihn auch prompt ins Schlumpfdorf begleitet …

Eine Schlumpfbrücke …

Im letzten Review hatte ich bereits angekündigt, dass ich heute auf die Farbe der Schlümpfe eingehen wollte. Denn Peyo wollte nicht nur, dass die Schlümpfe eben nicht wie kleine Menschen aussehen, sondern sich auch grundsätzlich von den anderen Comicfiguren der frankobelgischen Comicszene abheben. Ähnlich wie bei den Simpsons, bestechen die Schlümpfe besonders durch ihre auffallende Hautfarbe, die übrigens auf Nine Culliford, Peyos Frau zurückgeht. Die Farbe der Schlümpfe fand sich dabei ganz simpel per Ausschlussverfahren. Nine bemerkte, dass sich Grün nicht genug vom Waldhintergrund abheben würde. Rot war ihr zu auffällig und Gelb würde ihr einfach nicht gefallen und somit war nur noch Blau übrig. Eigentlich eine recht einfache und simple Lösung.
Ähnlich simpel könnte auch die deutsche Namensfindung für Gargamel gewesen sein, der bis 1995, zumindest in den deutschen Comics, Gurgelhals hieß. Aufgrund des französischen Originalnamens und dessen Verbindung zum Wort „gargarism“, was Gurgel, bzw. gurgeln, bedeutet hat man sich Ende der 60er Jahre beim Kauka-Verlag für den Namen „Gurgelhals“ entschieden. Außerhalb der Comics war Gargamel jedoch schon immer unter seinem Originalnamen bekannt, weshalb man sich entschloss, diesen dann schlussendlich auch in den Comics zu übernehmen. Dieser beruht im übrigen ganz simpel auf einer „Erfindung“ Franquins, der allerdings nicht wirklich stolz darauf war und hierzu sagte: „Allzu stolz bin ich nicht darauf, denn es ist eine Anlehnung an Gargamelle, die Mutter Rabelais‘ Riesen Gargantua.“

Peyo mit seiner Frau Nine

Wie bereits früher erwähnt, entwickelte Gargamel seine Obsession sich an den Schlümpfen zu rächen, erst durch die Niederlage in „Der gefangene Schlumpf“ und festigt diese Rache mit der vorliegenden Ausgabe. Aber nicht nur Gargamel wird weiter charakterisiert. Auch ein paar andere Schlümpfe, wie der mürrische Schlumpf, der alles hasst, haben ebenfalls weitere Auftritte und spalten sich dadurch von der breiten Masse der eigentlich gesichtslosen Schlümpfe ab. Merkwürdig ist allerdings, dass in dieser Ausgabe ein Schlumpf gegen den falschen Schlumpf Gargamel gezielt körperliche Gewalt einsetzt, und auch kurze Zeit später ein weiterer Schlumpf (oder eventuell der Gleiche?) bei der Prüfung über die Echtheit des Schlumpfschwanzes, erneut zuschlägt. In späteren Abenteuern wird auf solche „Gewalttätigkeiten“ übrigens weitgehend verzichtet. Auch, dass die Schlümpfe den vermeintlich falschen Schlumpf nicht erkennen impliziert, dass es Schlümpfe geben muss, die sich nicht wirklich von anderen abzeichnen und daher eine Art „Allerweltscharakter/gesicht“ haben müssen.
Insgesamt sind die Zeichnungen in diesem Band deutlich besser geworden und wirken „sicherer“ als noch in den vorangegangenen Bänden. Schlümpfe mit kleinen schwarzen Punktaugen sind wesentlich seltener geworden und vermitteln hierdurch auch wesentlich mehr Gefühl.

Körperliche Gewalt unter Schlümpfen?

Gargamel als falscher Schlumpf ist ebenfalls eine der Geschichten, die für die TV-Serie umgesetzt wurden. Doch nur in den Grundzügen in der Folge „Der falsche Schlumpf“. Denn in der TV-Serie ist es nicht Gargamel, der als falscher Schlumpf auftritt, sondern die böse Hexe Hoghata. Das Gargamel in einer weiteren Folge dennoch Schlumpfgestalt annimmt hat andere gründe. Denn als falsches Schlumpfbaby in „Das Kuckucksei“ (1. Staffel) wurde die Handlung noch bereits etwas abgeändert und diente nur grob als Vorlage. Somit kann man dieses Abenteuer durchaus als Inspirationsquelle für zwei Folgen sehen.
Natürlich hat auch dieses Abenteuer wieder sehr viel Spaß gemacht, was einfach am Charme der Schlümpfe liegt, dem man sich nur schwer widersetzen kann, wobei man doch noch deutlich merkt, dass die anfänglichen Abenteuer thematisch und dramaturgisch einfacher gehalten sind, als spätere Storys. Aber dies ist auch eine normale Entwicklung.

Franquin und Peyo bei einem ihrer vielen Gespräche

Copyright aller verwendeten Bilder (soweit nicht anders angegeben) © 1958-2018 Peyo / Dupuis / Splitter / Toonfish

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