Endzeit [Carlsen Verlag, März 2018]

Es gibt manchmal Dinge, die dauern einfach ein bisschen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. So habe ich den Band schon vor dem diesjährigen Comicpark zum ersten Mal durchgelesen, und ihn auch extra dann mitgenommen, um ihn mir von Olivia signieren zu lassen. Doch dann, als ich mich kurz darauf daran setzen wollte, um das Review zu schreiben, gab es wieder zu viele andere Dinge zu tun, und zu wenig Zeit, das Review in der dem Band entsprechenden Qualität zu verfassen. Und einfach nur schnell etwas hinschlunzen wollte ich auch nicht. Also habe ich mir den Band kurzerhand einfach noch einmal zur Hand genommen und präsentiere euch nun das längst überfällige Review dazu. Und am Schluss gibt es noch einen Hinweis und die Zeichnung von Olivia in dem Band …

Endzeit

Autor: Olivia Vieweg
Zeichner: Olivia Vieweg
Format: Hardcover
Umfang: 288 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag
Preis: 22,00 Euro

Die Zombiapokalypse hat die Erde überrannt. Zwei Jahre ist dies nun her. Viele Menschen sind gestorben. Doch einige Städte, so auch Weimar und Jena, konnten sich rechtzeitig abschirmen und haben Schutzmauern gegen die Zombies errichtet. Hier in Weimar lebt Vivi, eigentlich relativ behütet. Bis sie eines Tages zu Arbeiten am Zaun abkommandiert wird und es zu einem Zwischenfall kommt. Dabei lernt sie Eva kennen. Die Ereignisse am Zaun wühlen Vivi derart auf, dass sie wenige Tage später aus Weimar flieht. Ihr Weg soll sie nach Jena führen. Und da ist auch Eva wieder. Gemeinsam machen sie sich nun auf den Weg in eine ungewisse Zukunft …

Zombies überall …

Wir schreiben das Jahr 2018 und Zombiegeschichten sind beileibe nichts Besonderes mehr. Allen voran der Genreprimus „The Walking Dead“ von Robert Kirkman, der seit 2003 fast ununterbrochen erfolgreich erscheint. Doch als Olivia Vieweg 2011 ihre Diplomarbeit an der Weimarer Bauhaus-Universität mit „Endzeit“ ablieferte, war das noch anders. Zwar war „The Walking Dead“ schon erfolgreich und auch kurz zuvor als TV-Serie angelaufen, aber das Zombiethema war bei Weitem noch nicht so übersättigt, wie es heute mitunter der Fall ist.
2012 erschien die erste Veröffentlichung von „Endzeit“ beim Weimarer Verlag „Schwarzer Turm“ und war relativ schnell verlagsvergriffen.
Nun, sechs Jahre später, hat sich der Carlsen Verlag dieses Stoffes erneut angenommen und eine Neuauflage, passend zur dezeitigen Verfilmung von ZDF und arte, in den Handel gebracht. Neben einem neuen Cover wurde der Band gegenüber der Erstveröffentlichung aber nicht einfach nur neu koloriert, sondern komplett neu gezeichnet und ist nun sogar ein ganzes Stück länger. Hier standen Olivia, neben dem freiberuflichen Illustrator Adrian vom Baur („Hipsters“) auch Ines Korth („Massu, Schmiedstochter“) zur Seite, mit der Olivia bereits des Öfteren zusammengearbeitet hat.

Vivi und Eva in Gefahr …

Anders als bei anderen Zombiegeschichten wird hier keine Erklärung für die Apokalypse geliefert. Erst im Verlauf der Story wird eine Möglichkeit konstruiert, aus der der Leser seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Denn Olivias Zombies sind keine Kreation eines Virus, oder Ähnlichem, sondern scheinen von Pflanzen, von einer Spore vielleicht, hervorgerufen worden zu sein. Das ändert zwar nicht viel an der eigentlichen Handlung, auch nicht an der Ausgangslage von Vivi und Eva. Aber in meinen Augen verändert es den Umgang mit den „Zombies“. In einem kleinen Moment, im Verlauf der Geschichte, wird auch genau dieser Umstand teilweise aufgegriffen. Das Hauptaugenmerk allerdings liegt nicht auf den Zombies, sondern auf der Beziehung zwischen Vivi und Eva, während die Zombies nur eine allgegenwärtige Bedrohung darstellen, die ständig im Hintergrund und im Hinterkopf des Lesers schwelt. Ist es Freundschaft? Ist es Liebe? Was ist es, dass die beiden Mädchen miteinander verbindet? Auch hier lässt Olivia sehr viel Interpretationsspielraum, obwohl es durchaus einige Hinweise gibt, die aber, wie so oft Auslegungssache sind.

Weimar, die abgeschirmte Stadt

Wer bereist andere Arbeiten von Olivia Vieweg kennt, zum Beispiel ihre Strips aus dem Tagesspiegel, oder eines der zahlreichen Katzenbücher, „Huck Finn“, „Antoinette kehrt zurück“ und vieles mehr, der wird sich sofort wohlfühlen. Doch wie erkläre ich das Artwork jemanden, der ihre Arbeiten noch nicht kennt? Bei dieser Frage fällt mir die Diskussion am zweiten Comicpark-Tag ein, welche ihr als Podcast beim Telestammtisch findet. Und damit verbunden die Aussage, ob es einen typischen deutschen Comic gibt. Gibt es deutsche Comics? Gibt es deutsches Artwork? Im Grunde würde ich diese Aussage verneinen, da jeder Künstler von verschiedenen Stilrichtungen beeinflusst wird. In Olivias Fall waren es vorrangig Manga. Und dennoch würde ich behaupten, dass Olivias Stil durchaus Deutsch ist. Einflüsse aus Japan sind dabei ebenso erkennbar, wie aus anderen Ländern und dennoch ergibt sich dadurch etwas vollständig Eigenständiges. Auf den ersten Blick sehen die Protagonisten eher niedlich, ja, fast schon typisch Japanisch aus. Große Augen, runde Gesichter, eher kindliche Körper mit nur wenigen Anzeichen für Weiblichkeit. Daher lässt sich das Alter der beiden Hauptfiguren auch nur sehr schwer wirklich festlegen. Soweit also der japanische Einfluss. Die Hintergründe dagegen stellen einen weitaus größeren Grad an Realismus dar. Die Ansichten aus Weimar sind teilweise sehr detailliert erinnern an bekannte frankobelgische Klassiker oder auch deutsche Arbeiten, was im Übrigen auch auf die Farbgebung zutrifft.

Skizze und fertiges Panel

Ist der typisch deutsche Comic also eher eine Mischung aus vielen Stilen und Einflüssen? Wenn ja, dann können wir durchaus stolz darauf sein, wenn Werke wie dieses dabei entstehen. Ja, ich bin begeistert von Endzeit und ja, ich schäme mich dafür, dass ich trotz der Nähe zur Künstlerin und auch dem Verlag, ich erst jetzt darauf aufmerksam wurde. Ich schäme mich, weil ich zu oft und zu lange auf meine bekannten Comics konzentriert habe. Dabei gibt es abseits davon so viele schöne Arbeiten, wie eben jenes hier. Aber wie sagt man so schön? Man ist nie zu alt, um etwas dazu zu lernen. Und genau das ist auch einer der Gründe, warum ich Olivias neuestes Projekt „Kleiner Trottel Axolotl“ sofort auf Kickstarter unterstützt habe. Alle Infos dazu findet ihr hier und nun kann ich euch nur noch empfehlen „Endzeit“ ebenfalls zu kaufen und zu lesen, und vielleicht auch „Kleiner Trottel Axolotl“ zu unterstützen.

Zeichnung von Olivia in meiner Ausgabe, entstanden am 01. September 2018 auf dem Comicpark in Erfurt

Copyright aller verwendeten Bilder © 2011-2018 Olivia Vieweg / Schwarzer Turm / Carlsen Verlag

Partnerlinks:

„Endzeit“ im Freibeutershop des Schwarzen Turm Verlags bestellen. (Signierte Exemplare möglich)
„Endzeit“ beim Carlsen Verlag bestellen.
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