Cheers, Staffel 1, Episode 4 [CBS Studios / Paramount Pictures, 21.10.1982 (US)]

Heute folgt Episode vier der Cheers Episodenreview. Und diesmal muss Sam als Lückenbüßer herhalten. Aber nicht etwa für eine Dame, sondern für einen Sportreporter. Wie und warum, und was daraus wird, erfahrt ihr jetzt hier …

Cheers Logo

„Der Lückenbüßer“
(Sam At Eleven)

Ein bekannter Sportreporter (Fred Dryer) kommt in die Bar und möchte gerne mit Sam ein Interview machen. Was Sam jedoch nicht weiß, ist, dass er eigentlich nur ein Ersatz sein soll, weil bekanntere Sportler abgesagt haben. Während Sam sich tierisch darauf freut endlich wieder die Luft der weiten Welt und Anerkennung zu schnuppern, entdeckt Diane an dem Reporter viele Kleinigkeiten, die ihr nicht so recht passen. Als dann die Nachricht kommt, dass John McEnroe ein Interview geben möchte, ist Sam schnell vergessen. Aber Diane leidet mit ihm.

Wird Sam das Interview geben?

Wird Sam das Interview geben?

Und wieder spielt der Sport eine große Rolle in Cheers. Das ist aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Cheers um eine Sportsbar handelt, auch nicht verwunderlich. Darum ziehen sich die Boston Red Sox, Baseball und Sams frühere Profitätigkeit wie ein roter Faden durch die gesamte Serie und alle elf Staffeln. Hier wird aber auch erstmals angedeutet, dass sich zwischen dem ehemaligen Profispieler und der ewigen Studentin eine Beziehung anbahnen könnte. Zwar wird es schon ab der zweiten Folge klar, dass hier irgendwann etwas passieren muss, aber hier zeigt Sam erstmals, wie sehr ihn Diane als „Trophäe“ interessieren könnte. Somit wird auch Sams Ruf als Frauenheld une Eroberer weiter untermauert.

Alle wollen ins Fernsehen.

Alle wollen ins Fernsehen.

FAZIT:

Insgesamt ist diese Folge eher schwächer, was vor allem an der relativ dünnen Geschichte liegt. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass ich weniger ein Sportlertyp bin. Bis auf wenige Momente zünden auch die Gags nicht so richtig, und wenn dann stammen sie meist aus Carlas oder Coachs Mund. Und auch die Beziehung zwischen Sam und Diane bietet hier noch nicht wirklich Humorpotenzial. So bleibt die Folge zwar unterhaltsam aber auch ziemlich flach.

Sam küsst Diane. Doch das bleibt nicht ohne Folgen.

Sam küsst Diane. Doch das bleibt nicht ohne Folgen.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1982-2013 CBS Studios / Paramount Pictures

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Cheers, Staffel 1, Episode 3 [CBS Studios / Paramount Pictures, 14.10.1982 (US)]

Auch diese Woche habe ich wieder eine kurze Episodenreview zu nächsten Cheers-Folge. Diesmal bekommen es die Bostoner Stammgäste mit einem echten Ekel aus new York zu tun …

Cheers Logo„Wer ist hier das Ekel?“
(The Tortelli Tort)

Gerade ist das Baseballspiel der Boston Red Sox gegen die New York Yankees eher unrühmlich für das Bostoner Team ausgegangen, als Fred (John Fiedler) in der Bar auftaucht. Fred ist ein Yankees-Fan und kann es sich nicht nehmen lassen gegen die Red Sox zu wettern. Als er dann auch noch Sam als ehemaligen Profispieler erkennt und über ihn herzieht, platzt Carla der Kragen. Sie greift Fred an, der daraufhin droht Sam zu verklagen, wenn er Carla nicht entlässt. Was soll Sam jetzt machen? Er kann Carla nicht entlassen, aber wenn er es nicht tut, könnte er alles verlieren. Besonders seine Bar.

Fred ist ein echter Yankees -Fan.

Fred ist ein echter Yankees -Fan.

Für eine Bar wie das Cheers stellt der Sport der örtlichen Mannschaften ein nicht unerhebliches Merkmal dar. Die Spiele vereinen Fans und Freunde und führen zu neuen Freundschaften, oder wie in diesem Fall auch Feindschaften. Neben dieser Festsetzung einer Eigenschaft wird auch Coach Ernie Pantusso (Nicholas Colasanto) weiter charakterisiert. Sein bescheidener Intellekt, der durch zu viele Bälle an seiner Birne verursacht wurde, wird hier durch seinen leichten Humor und seine beschränkten wirtschaftlichen Fähigkeiten verdeutlicht.
Auch Carla wird mit ihrem aufbrausenden Charakter dem Zuschauer nähergebracht. Immerhin wird Carla mit ihren witzigen und frechen Wutausbrüchen regelmäßig für brenzliche Situationen sorgen. Hier wurde der Grundstein für ihren, nicht immer psychisch stabilen, Charakter gelegt.

Coach hat tausende von Servietten mit dem gleichen langweiligen Witz gekauft. Sam findet das überhaupt nicht komisch.

Coach hat tausende von Servietten mit dem gleichen langweiligen Witz gekauft. Sam findet das überhaupt nicht komisch.

FAZIT:

Der Streit zwischen Carla und Fred ist einfach nur witzig und erinnert ein klein wenig an die klassischen Cartoons der Looney Tunes. Und auch Diane sorgt mit ihrem studentischen Lebenslauf und dessen Reihenfolge der Studiengänge und Semester zum ersten Mal für richtige Lacher. Dies wird auch weiterhin für regelmäßige Running Gags sorgen. Und genau das macht auch einen großen Teil des Charmes von Cheers aus.

Carla rastet aus und greift Fred an.

Carla rastet aus und greift Fred an.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1982-2013 CBS Studios / Paramount Pictures

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Cheers, Staffel 1, Episode 2 [CBS Studios / Paramount Pictures, 07.10.1982 (US)]

Seit letztem Samstag versuche ich allen die es noch nicht kennen Cheers näherzubringen und denen, die es wie ich schon seit langer Zeit kennen, eine kleine Freude zu machen. Mit den wöchentlichen Cheers-Reviews. Jetzt muss nur noch Paramount mitspielen und die DVD-Boxen bis zur finalen 11. Staffel veröffentlichen.

Cheers Logo„Sams dumme Frauen“
(Sam’s Women)

Eine atemberaubende und wunderschöne Frau betritt das Cheers. Leider ist sie dumm, wie das sprichwörtliche Brot. Somit passt sie aber auch genau in das Beuteschema von Barkeeper Sam Malone. Mit seinem Erfolg bei Frauen genießt Sam hohe Anerkennung bei seinen Angestellten und Stammgästen, nur die Neue im Team, Diane Chambers, kann dem nicht viel abgewinnen. Stattdessen macht sie sam klar, dass er nur bei dummen Frauen landen kann, weil eine intelligente Frau seine Anmachen viel zu leicht durchschauen würde. Sam ist verzweifelt und versucht Diane zu beweisen, dass er auch intelligente Frauen daten kann …

Die ersten zaghaften Schritte als Kellnerin.

Die ersten zaghaften Schritte als Kellnerin.

In der ersten Folge war Sam noch der einfache Barkeeper und Diane nur die sitzengelassene Geliebte. Hier in der zweiten Episode wird deutlich gemacht, dass Sam weitaus mehr ist. Auch wenn es sich streng genommen nur um einen alternden Schürzenjäger handelt und somit bestenfalls ein Klischee erfüllt, was ehemalige Sportler in den USA betrifft. Zumindest zur damaligen Zeit. Auch Diane ist ein Klischee. Doch nicht etwa die eines naiven und blonden Dummchens, sondern das einer Langzeitstudentin, die sich für Klüger als ihre Mitmenschen hält und dieses auch offen auslebt. Somit werden in dieser Folge zwei Charakterisierungen weiter vorangetrieben, um deren Persönlichkeiten auszubauen und sie für spätere Folgen besser nutzen zu können. Immerhin bietet es enorm viel Potenzial, wenn ein Schürzenjäger mit einem Faible für dumme Naivchen auf eine selbst überschätzte Dame mit gewissen Komplexen trifft.

Bei dieser Frau bleibt sogar Diane die Luft weg.

Bei dieser Frau bleibt sogar Diane die Luft weg.

FAZIT:

Eine sehr gute Episode, die beide Hauptfiguren in das (zumindest für die Serie) richtige Licht rückt. Hier werden die Weichen gestellt für spätere Konflikte und auch Liebesbeziehungen, und wenn man es genau nimmt, beginnt hier die eigentliche Beziehung zwischen Sam und Diane. Auch wenn sie nur knappe 5 Staffeln anhält.

Sam macht einen auf "gebildet".

Sam macht einen auf „gebildet“.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1982-2013 CBS Studios / Paramount Pictures

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Cheers, Staffel 1, Episode 1 [CBS Studios / Paramount Pictures, 30.09.1982 (US)]

Ab sofort möchte ich euch jeden Samstag, solange es mir die DVD-Boxen ermöglichen und Paramount diese weiter veröffentlicht, die Serie Cheers in kurzen Episodenreviews ein wenig näherbringen.

Cheers Logo„Keine Hochzeit auf Barbados“

(Give Me A Ring Sometime)

Sam Malone (Ted Danson) ist ein ehemaliger Baseballstar und trockener Trinker. Aber er ist auch Besitzer einer Bar, des Cheers. Eines Abends betritt Diane Chambers (Shelley Long) mit ihrem Verlobten und Professor Sumner Sloan die Bar. Sie wollen nur einen kurzen Halt einlegen, bevor es zur Hochzeit nach Barbados geht. Aber ihr zukünftiger Ehegatte hat noch eine Kleinigkeit zu erledigen. Er will den Ring seiner Großmutter besorgen, der aktuell noch am Finger seiner Ex-Frau steckt. Diane soll währenddessen auf ihn warten. Die Wartezeit gestaltet sich jedoch länger als ihr lieb ist, und nach und nach lernt sie nicht nur die Mitarbeiter des Cheers, sondern auch einige der Stammgäste und deren Eigenheiten kennen …

Diane und Sumner frisch verliebt.

Diane und Sumner frisch verliebt.

Mit dieser ersten Episode wird das Schicksal mehrerer Figuren begonnen von denen einem als Zuschauer fast alle sofort ans Herz wachsen. Zwar sind die charakteristischen Ausarbeitungen dieser ersten Folge noch sehr einfach gehalten, aber der Humor strahlt schon sehr viel Charme aus.
Man merkt der Serie zwar sein Alter in gewissem Maße an, immerhin ist diese Episode aus dem Jahr 1982. Dennoch ist sie irgendwie auch zeitlos. Klar, die Kleidung und Frisuren sind gewöhnungsbedürftig, aber welche Serie oder auf Film aus dieser Zeit hat nicht mit diesem Problem zu kämpfen. Wenn man jedoch über diese augenscheinlichen Mankos hinwegsieht, erhält man eine wunderbare, witzige Serie mit liebevollen Figuren.

Die ewig lange Wartezeit inmitten der Stammgäste.

Die ewig lange Wartezeit inmitten der Stammgäste.

FAZIT:

„Willkommen im Cheers. Der Bar in der jeder deinen Namen kennt.“ Das ist das Motto der Bar und dies spürt man auch sofort. Witzige Dialoge, krude und abgedrehte Persönlichkeiten und ein Setting mit Wohnzimmeratmosphäre. Cheers ist ein Geheimtipp unter den Sitcoms und verdient es, einer breiteren Basis zugänglich gemacht zu werden. Mit der erneuten DVD-Veröffentlichung und der aktuellen Ausstrahlung auf RTL Nitro könnte es der Serie endlich gelingen, bekannter zu werden.

Sam versucht Diane zu überzeugen, für ihn zu arbeiten.

Sam versucht Diane zu überzeugen, für ihn zu arbeiten. Ganz zum Leidwesen von Carla.

Copyright aller verwendeten Bilder © 1982-2013 CBS Studios / Paramount Pictures

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Iron Man: Rise of Technovore (DVD) [Sony Pictures Home Entertainment, Mai 2013]

Am 2. Mai erscheint Iron Man: Rise of Technovore in Deutschland auf DVD und Blu-ray. Ich habe bereits die Chance gehabt, diesen Film zu sehen und präsentiere euch hier nun die zugehörige Review:

Iron Man DVD

  • Regisseur: Hiroshi Hamazak
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch
  • Bildseitenformat: 16:9 (1.78:1)
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Sony Pictures Home Entertainment
  • Erscheinungstermin: 2. Mai 2013
  • Produktionsjahr: 2013
  • Spieldauer: 84 Minuten (DVD), 88 Minuten (Blu-ray)

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Der Start von Howard, dem neuen Überwachungssatelliten, der nach Tony Starks Vater benannt ist, sollte ein Highlight für Tony und die gesamte Menschheit werden. Doch der Besuch eines mysteriösen Fremden macht diesen Augenblick zunichte. Den Start des Satelliten kann der Fremde zwar nicht mehr aufhalten, aber auf seinem Weg zum Kontrollzentrum tötet er alle Menschen, die ihm begegnen. Auch Iron Man wird bei der anschließenden Zerstörung des Control-Towers stark angeschlagen und sein bester Freund Lt. Colonel James „Rhodey“ Rhodes, der als War Machine ebenfalls anwesend war, scheint sogar tot zu sein.
Da Iron Man zu diesem Zeitpunkt als einziger Überlebender dieses Vorfalls gilt, wird er kurz darauf von S.H.I.E.L.D. verhört. Doch es kommt noch schlimmer, als der Fremde sich nicht nur als Sohn eines alten Bekannten entpuppt, sondern auch noch mit einer Art Techno-Organischem Virus verbunden zu sein scheint. Ab sofort ist nicht nur das Leben von Iron Man in Gefahr. Denn der Fremde, Technovore, will die gesamte Menschheit auslöschen …

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Iron Man: Rise of Technovore bildet die Fortsetzung zur Iron Man Anime-Serie. Brandon Auman liefert einen dichten, spannenden und actionreichen Plot ab, bei dem Kenner des Marvel Universum einige Ereignisse und Personen wiedererkennen werden. Ezekiel Stane tritt zwar auch hier als Sohn von Obadiah Stane auf, doch anders als im Comic ist er nicht Iron Monger oder Iron Man 2.0. Stattdessen ist er der Träger des Technovore, der im Comic ein technologischer Parasit ist. Ezekiel wirkt hier wie ein kleines verstörtes Kind, das von seinem Vater abgewiesen wurde, und deshalb auf Rache sinnt. Tony, der mit Ezekiels Vater eng befreundet war, ist auch gleichermaßen fast so etwas wie ein Familienangehöriger. Und dennoch schafft er es nicht, den Jungen von seinem Vorhaben abzubringen. Es gibt aber auch kleinere Andeutungen, die auf Ereignisse im klassischen Marvel Universum anspielen. So wirft Rhodey in einem persönlichen Duell zwischen Iron Man und War Machine seinem Chef und Freund vor, etwas zu viel Alkohol zu sich genommen zu haben. Tony hingegen verharmlost diese Beschuldigung. Bereits in dem inzwischen klassischen Story-Arc „Demon in a Bottle“ aus US-Iron Man #120 bis #128, wurde dem Milliardär und Playboy dieses Laster vom Starautor David Michelinie auferlegt. Seitdem hat Tony immer wieder mit dem Teufel Alkohol zu kämpfen.

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Das Aussehen der Figuren bleibt dem Anime-Stil der Vorgängerserie treu. Gleiches gilt für die Gastauftritte des Punisher, der Black Widow und von Hawkeye. Diese orientieren sich, genau wie Nick Fury, stark an den Versionen aus dem ultimativen Marvel Universum und haben dadurch für die Kenner der Comics einen sehr hohen Wiederereknnungswert. Die Black Widow ist geheimnis- und reizvoll, wie eh und je, und Hawkeye kann seine vorlaute und freche Klappe nicht richtig halten. Der Punisher hingegen ist so wortkarg wie immer, während der Nick Fury hier um einiges aktiver ist, als im klassischen Marvel Universum. Nicht nur dass er wie der ultimative Nick Fury optisch an Samuel L. Jackson angelehnt ist, auch seine Handlungsweise ist wesentlich offensiver. Dieser Nick hat keine Skrupel anzupacken und sich selbst die Hände schmutzig zu machen.
Ein ganz großes Plus an der Zusammenarbeit mit dem Studio MadHouse ist die gesamte Umsetzung des Filmes. Das inzwischen weltweit bekannte Animestudio ist unter anderem für die Animeumsetzungen von „Barfuss durch Hiroshima„, sowie für Animeklassiker wie „Perfect Blue„, „Tokyo Godfathers“, „Paprika“, „Summer Wars“, „Robotic Angel“ und „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ verantwortlich. Klare Bilder, actionreiche Szenen und rasante Kamerafahrten, die oftmals mit gut eingebetteten CGI-Sequenzen angereichert werden, zeigen die Erfahrungen des Animationsstudios. Hier wird klar, weshalb sich Marvel ausgerechnet dieses renommierte Studio für die Zusammenarbeit ausgesucht hat. Das Anime-Studio versteht es, sowohl Technik und Action, als auch Drama und stille Momente glaubhaft umzusetzen.

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FAZIT:

Mit Iron Man: Rise of Technovore legt Marvel in Zusammenarbeit mit Studio MadHouse einen weiteren gelungenen Ausflug in das Marvel Anime-Universum vor. Der Film hat meiner Meinung nach nur mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Erste ist, die direkte Konkurrenz und der Vergleich mit dem zeitgleich startenden Iron Man 3 in den deutschen Kinos. Mit Iron Man 3 kann und, so denke ich persönlich, will Rise of Technovore sich nicht messen. Vielmehr will er die Geschichte aus Marvel Anime: Iron Man fortführen. Und hier liegt auch die zweite Schwierigkeit. Brandon Auman tritt als Autor in die Fußstapfen von Warren Ellis. Und diese sind nicht einfach auszufüllen. Aber Auman macht seine Arbeit gut, und liefert er eine gelungene Story ab, die spannend ist und mit reichlich Anspielungen aufwarten kann. Er definiert weder Iron Man, noch Tony Stark oder irgendeine andere Figur neu. Auch bereichert er diese nicht um neue Facetten. Stattdessen nutzt er das, was ihm die Anime-Serie Iron Man an Charakterisierungen der Figuren hinterlassen hat, um eine actionreiche Geschichte zu präsentieren.
Zusammenfassend ist Iron Man: Rise of Technovore ein rundum gelungener, actionreicher und spannender, neuer Ausflug in das Marvel Anime-Universum, der schon alleine wegen der persönlichen Beziehung und den rasanten Dogfights zwischen Tony Stark als Iron Man und James Rhodes als War Machine, sehenswert ist.

Einen Charaktervideoclip gibt es hier
Und einen Mash Up-Clip hier

Copyright aller verwendeten Bilder © 2013 Sony Pictures Home Entertainment/Marvel & Subs./Studio Madhouse

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Iron Man: Rise of Technovore auf DVD und Blu-ray

2013 scheint das Jahr für Tony Stark, alias Iron Man, zu werden. Am 1. Mai startet Iron Man 3 in den deutschen Kinos und nur einen Tag später erscheint mit Iron Man: Rise of Technovore der neueste Marvel Anime auf DVD und Blu-ray.

Das krachende, neue Kapitel im weltberühmten
Marvel Universum

IRON MAN: RISE OF
TECHNOVORE

Poster

Pressetext:

Marvels Iron Man kehrt zurück – komplett neu, animiert und in Spielfilmlänge! IRON MAN: RISE OF TECHNOVORE – ab 02. Mai 2013 auf Bluray ™, DVD und als Video on Demand von Marvel Entertainment und Sony Pictures Home Entertainment. Produziert von Madhouse mit den Marvel Superhelden, wie zum Beispiel „War Machine“, „Nick Fury“, „Black Widow“, „Hawkeye“ und „The Punisher“. IRON MAN: RISE OF TECHNOVORE ist das neue und explosive Kapitel des weltberühmten Iron Man-Franchise. Nach einem tödlichen, terroristischen Angriff, gerät Iron Man in die Schusslinie und begibt sich, gejagt von „S.H.I.E.L.D.“ auf die Suche nach dem Bösewicht „Ezekiel Stane“, der u.a. eine neue Waffe mit dem Namen „Bio Tech“ entwickelt hat, die sogar den Anzug von Iron Man vernichten kann. Die Originalstimmen kommen von Matthew Mercer („Resident Evil Damnation“) als Iron Man und Norman Reedus („The Boondock Saints II: All Saints Day“, „The Walking Dead“) in der Rolle des Punisher.

Iron Man Konzept Art

Iron Man Conzept Art

Pressetext:

Exklusiv auf Blu-ray™ – das Featurette „Konzeptkunst – Art Galerie“, welches die konzeptionelle Umsetzung der Produktion von Madhouse zeigt. Darüber hinaus enthalten DVD und Blu-ray™ die beiden Featurettes „Tale of Technovore“ und „S.H.I.E.L.D.: Protecting the Marvel Universe“.

Ezekiel Stane Conzept Art

Ezekiel Stane Conzept Art

Handlung (Pressetext):

Der Multimilliardär Tony Stark wehrt in seiner Iron-Man-Rüstung den Angriff eines mysteriösen neuen Gegners ab. Dabei sterben unschuldige Menschen, darunter sein bester Freund War Machine, Lt. Colonel James Rhodes. Als S.H.I.E.L.D. Iron Man verhören will, entkommt dieser, um den Drahtzieher des Anschlags zu entlarven. Von Black Widow und Hawkeye verfolgt, bittet Iron Man den skrupellosen Ordnungshüter Punisher um Hilfe. Doch wie reagiert der Armored Avenger, als er nicht nur den Verantwortlichen findet, sondern auch die tödlichste Waffe überhaupt: Biotechnologie namens Technovore, die den gesamten Planeten auslöschen könnte…

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Zum Abschluss hier noch der deutsche Trailer, und haltet die Augen offen. Denn es folgen noch zwei weitere Specials zu „Iron Man: Rise of Technovore“.

Pressetext:

IRON MAN: RISE OF TECHNOVORE ist von Regisseur Hiroshi Hamasaki („Paranoid Agent”, “Highlander”) und dem Drehbuch von Brandon Auman (“The Avengers: Earth’s Mightiest Heroes”, Iron Man: Armored Adventures”). IRON MAN: RISE OF TECHNOVORE hat eine ungefähre Laufzeit von 84 Minuten (DVD) bzw. ca. 88 Minuten (Blu-ray™) und ist mit FSK 12 gekennzeichnet.

IRON MAN: RISE OF TECHNOVORE erscheint am 02. Mai 2013 auf Blu-ray™, DVD und als Video on Demand!

Keiji Nakazawa – Zum Tode von Gens Vater

Am 19. Dezember 2012 verstarb Keiji Nakazawa an Lungenkrebs in seinem Geburtsort Hiroshima, die seine größte Tragödie und sein größter Erfolg zugleich war. Entgegen anderslautenden Meldungen starb er aber nicht an den direkten Spätfolgen der Strahlung durch die Atombombe. Auch sein Diabetes Mellitus ist keine direkte Folge durch den Bombenabwurf auf Hiroshima. Vielmehr beruht diese auf der Mangelernährung vor und nach der Tragödie, welche nur durch rohe Kartoffeln begünstigt wurde. Daraus resultierten auch seine Netzhautschädigung des linken Auges, in direkter Folge durch die Diabetes, genau wie sein grauer Star auf dem rechten Auge, die ihn beide dazu zwangen, 2009 das Zeichnen aufzugeben. Die einzige Krankheit, welche direkt auf die Strahlung zurückzuführen wäre, ist die Leukämie, unter der Nakazawa seitdem litt.

Nakazawa AltAls viertes von sechs Kindern wurde Nakazawa am 14. März 1939 in Hiroshima als Sohn des Kunstmalers Harumi und seiner Frau Kimiyo geboren. Während zwei seiner Brüder nicht in Hiroshima weilten, als die Bombe fiel, fanden sein jüngerer Bruder Susumu der unter einem Balken eingeklemmt war, und seine ältere Schwester Eiko, die von einem Pfosten erschlagen wurde, zusammen mit dem Vater den Tod im brennenden Haus der Familie. Seine Mutter überlebte den Abwurf und gebar wenig später seine jüngere Schwester Tomoko. Aber auch sie sollte nur 4 Monate später durch die Strahlung und an den Folgen der Mangelernährung den Tod finden.
1961 zog Nakazawa, nachdem er eine Lehre als Schildermaler abgeschlossen hatte, nach Tokio und veröffentlichte dort mehrere Mangas, welche sich hauptsächlich um Sport, Science Fiction oder Samurais drehten. Nur 5 Jahre später verstarb auch Nakazawas Mutter im A-Bomben Hospital in Hiroshima. Bei der Aushändigung der sterblichen Überreste seiner Mutter, welche vorher verbrannt wurden, überkam Nakazawa unbändige Wut. Das radioaktive Cäsium hatte die Knochen seiner Mutter so stark zersetzt, das ihm nichts übrig blieb, außer einem Häufchen Asche. Normalerweise bleiben nach dem Verbrennungsprozess noch immer kleinere Knochenfragmente übrig, doch in diesem Fall leider nicht. Ab diesem Tag begann er, sich mit dem Thema Hiroshima und dem Bombenabwurf auseinanderzusetzen.

Nakazawa Neu

Es entstand eine sechsteilige Mangareihe, welche er selbst die „Schwarze Serie“ nannte. Zu diesen gehörte unter anderem „Kuroi ame ni utarete“ („Vom schwarzen Regen gepeitscht“). Nach einem Verlagswechsel begann Nakazawa erneut sich die Erlebnisse von der Seele zu schreiben. Es entstanden „Aru hi totsuzen“ („Plötzlich eines Tages“), „Nanika ga okiru“ („Es geschieht etwas“) und „Heiwa no kane“ („Friedensläuten“). Doch erst mit „Ore ha mita“ („Ich habe es gesehen“), einer autobiografischen Erzählung auf 45 Seiten erhielt Nakazawa die Chance, dieses Thema ausführlich darzulegen.

Nakazawa I Saw It

Und so entstand „Hadashi no Gen“ („Der barfüßige Gen“). Nakazawa entschied sich für den Namen Gen, weil dieser im japanischen mehrere Bedeutungen hat, welche aber alle perfekt zu seiner Erzählung und seinem Helden passten. Zum Einen steht das Schriftzeichen von Gen für „Ursprung“ oder „Wurzel“ aber auch für „Element“ und „Quelle“. Die eigentliche Intention war aber die Hoffnung, dass sein Gen einmal für das „gen“ in Ningen (Mensch) stehen würde. So erschien „Hadashi no Gen“ über einen Zeitraum von 12 Jahren von 1973 bis 1985, und wurde bisher in 10 Japanischen und englischen Bänden mit zusammen über 2500 Seiten, sowie als stark gekürzte Version in 4 Bänden, in Deutschland veröffentlicht. Der erste Versuch „Barfuss durch Hiroshima“ in Deutschland zu veröffentlichen, wurde 1982 vom Rowohlt Verlag unternommen, und stellte somit den ersten Manga in deutscher Sprache dar. Doch leider war damals das Interesse an diesem Augenzeugenbericht noch zu gering und es blieb bei nur einer Ausgabe. Doch wer jetzt Angst hat oder sich Sorgen macht, dass ihm bei der deutschen Ausgabe etwas entgeht, denn kann ich beruhigen. Carlsen hat sich bewusst auf die wesentlichen Elemente aus „Hadashi no Gen“ berufen, und nur die unwesentlichen Sachen herausgelassen. Denn Nakazawa führte den Manga weiter bis in die 50er Jahre, und wurde nicht müde, die Atomkraft, die unnötigen Kriege weltweit, und die Drogenproblematik anzuprangern. Unter dieser „Propaganda“ litt auch zusehendst sein Werk, und Carlsen tat gut daran, sich nur auf den Kern der Erzählung zu beschränken.

Nakazawa Kuppel

Zeit seines Lebens kämpfte Nakazawa gegen die Atomkraft, gegen die Kriege und auch immer wieder gegen die Lügen, welche weltweit jede Regierung ihren Bürgern auftischte. 1996 besuchte er außerdem die ebenfalls atomgeplagte Stadt Tschernobyl und ging sogar bis zum Block 4 vor, um dort die Radioaktivität mittels eines Geigezählers zu messen. Als Carlsen von 2004 bis 2005 die Vier Bände von „Barfuss durch Hiroshima“ veröffentlichte, reiste auch Nakazawa nach Deutschland. Dort stellte er bei einer Ausstellung zum Jahrestag des Abwurfes in Hannover einige seiner Werke aus.

Nachfolgend möchte ich euch mit seinem größten Werk, den vier Bänden von Carlsen, sowie den beiden Anime vertraut machen:

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges [Carlsen, November 2004]
Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach [Carlsen, Februar 2005]
Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben [Carlsen, Mai 2005]
Barfuss durch Hiroshima Nr. 4: Hoffnung [Carlsen, August 2005]
Barfuss durch Hiroshima (2-DVD Deluxe Edition) [Anime Virtual, April 2006]

KeijiNakazawaNakazawas „Barfuss durch Hiroshima“ ist ein Meisterwerk, welches auf einer Stufe mit Art Spiegelmans „Maus“ steht, und sich seinen Platz dort auch redlich verdient hat. Mit eindringlichen Bildern und ebenso gefühlvollen Worten vermittelt er jene Angst, welche ihn persönlich in seiner Kindheit begleitet hat. Noch viel mehr als in „Maus“, stehen hier die Emotionen im Vordergrund und dennoch entsteht durch die von ihm gewählte Erzählweise ein Stück weit Distanz. In meinen Augen gehört „Barfuss durch Hiroshima“ mit zu jenen Werken, welche unbedingt auch in Schulen genutzt werden sollten, um Geschichte interessanter und anschaulicher zu gestalten. Denn Schulbücher an sich mögen zwar informativ sein, aber es fehlen die Emotionen und die Spannung durch Einzelschicksale. Und nur wenn diese vermittelt werden, dann besteht die Chance, das Gelernte zu verarbeiten und aus diesen Fehlern zu lernen. Selbst wenn es irgendwann dazu kommt, Nakazawa wird es nicht mehr erleben dürfen. Sein Tod mit nur 73 Jahren ist tragisch.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Special, welches zu großen Teilen meine eigene Meinung widerspiegelt, es geschafft habe, weitere Leser für dieses Meisterwerk zu begeistern. Des Weiteren wünsche ich mir natürlich auch, dass sich solch eine Gräueltat nicht wiederholen wird, und das Nakazawa mit seiner Erzählung das Bewusstsein gegen die Entwicklung und den Einsatz von Atomwaffen bestärkt. Es wäre wirklich ein ganz großer Schritt nach vorne, wenn die Menschheit erkennen würde, dass Kriege niemals eine Lösung für einen Konflikt darstellen, sondern immer, und wirklich immer, nur Opfer fordert. Es kann nie einen Sieger geben, solange Menschenleben dafür geopfert werden müssen.

Nakazawa Banner

Keiji Nakazawa hat nun seinen Frieden hoffentlich gefunden und ist wieder vereint mit seiner Familie. Möge er in Frieden ruhen, und mögen seine Erlebnisse und Erzählungen nicht ungehört verhallen, sondern die Menschen berühren und zum Umdenken bewegen.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges [Carlsen, November 2004]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges

Gen Nakaoka ist ein ganz normaler Junge. Seine Eltern lieben ihn, auch wenn sein Vater eine seltsame Art und Weise hat, dies zu zeigen. Und dann sind da noch seine drei Brüder und eine Schwester. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges wären. Und da insbesondere die Auseinandersetzungen Japans mit Amerika und England.
Denn wie auch ganz Japan, leidet Gens Familie unter der ständigen Angst der Bombenangriffe und der fehlenden Lebensmittel. Der Kaiser hat seine Untertanen darauf eingeschworen, dass nur ein echter Japaner, welcher zu seinem Land steht, auch die Entbehrungen ehrenhaft durchstehen würde, damit Japan siegreich aus diesem Krieg hervorgehen würde. Doch Gens Vater kennt die Wahrheit und scheut sich auch nicht, diese offen auszusprechen. Das führt aber wiederum nur dazu, dass die Familie Nakaoka ab sofort als Verräter gebrandmarkt sind, und sich die Situation noch weiter verschlechtert.
Dennoch beißen sich die Nakaokas tapfer durch ihr Leben, und es scheint gerade ein wenig aufwärtszugehen, als die bekannte B-52 Maschine mit dem Namen Enola Gay und ihrer noch bekannteren Fracht Little Boy am Himmel von Gens Heimatstadt Hiroshima auftaucht …

Das allererste, was einem bei diesem Band auffällt, ist die Art und Weise wie die Japaner untereinander, auch innerhalb der Familien, miteinander umgehen. Denn nicht nur, dass unbedingter Gehorsam gegenüber dem Kaiser und dem japanischen Reich ein Muss ist, sondern auch die Art und Weise, wie Gens Vater seine Liebe zeigt, ist alles andere als verständlich für uns Europäer. Gut, man kann jetzt sagen, dass dies eine Ausnahme innerhalb Gens Familie darstellen kann, aber im Verlauf der Geschichte erkennt man immer wieder, das Japan ganz andere Regeln und Moralvorstellungen hat, die Nakazawa auch offen darstellt. Erst als gegen Ende im Nachwort klargemacht wird, dass es sich bei Gen um den jungen Keiji handelt, wird der Blick auf das eben gelesene nochmals verändert. Denn in der Einleitung spricht Nakazawa noch sehr distanziert von seiner Hauptfigur, deren Name er bewusst aus den verschiedensten Gründen gewählt hat. Dann folgt die Geschichte, einer Berichterstattung aus einem Krisengebiet gleich, nur um dann am Ende mit eben jenem Nachwort zu einem persönlichen Familiendrama, fast schon erweitert zu werden.

Der tragische Moment.

Der tragische Moment.

Visuell ragt der Band, auch nicht an Mangas seiner Entstehungszeit, sonderlich positiv heraus. Es ist eher wie bei „Maus“, zweckdienlich und dennoch auf eine einfache und trotzdem außergewöhnliche Art faszinierend. Das heißt aber nicht, dass die Bilder hässlich oder gar schlecht sind, sondern eher im Gegenteil. Sie zeigen teilweise sogar mit erschreckenden Details das Grauen, welches zum Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte. Ähnlich wie auch bei Art Spiegelmans Epos „Maus“ wird hier ganz bewusst mit starken und dominanten Strichen, aggressiven Schraffuren und teilweise grellen und großen weißen Flächen gespielt, wobei dies kein wirkliches Spiel mehr ist. Die Landschaften sind erschrecken realistisch, wohingegen die Menschen oftmals wie Karikaturen wirken. Das ist aber auch von Nakazawa gewollt, denn trotz allen Ernstes, scheint es so leichter zu sein, das Geschehene zu verarbeiten, wie es auch Spiegelman mit seinen Mäusen und Katzen getan hat. Gen ist genau wie sein Vater und sein Bruder immer ein wenig überspitzt dargestellt. Einzig seine Mutter wirkt noch ein wenig reeller, als der Rest der Familie: zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als Little Boy einschlägt. Denn ab dann überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, sondern auch förmlich die Bilder. Sie wirken chaotisch und verzweifelt. Hilflos und von Angst durchzogen. Hier hat Nakazawa seine ganzen Erlebnisse einfließen lassen. Dies spürt man, auch ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, wie nah Nakazawa der Tragödie wirklich war.

FAZIT:

„Barfuss durch Hiroshima“ ist nicht umsonst ein weltweit anerkanntes Meisterwerk. Keiji Nakazawa erzählt eindrucksvoll aus seiner eigenen Vergangenheit, schafft es aber dennoch so viel Distanz, zwischen sich und seiner Hauptfigur Gen, aufzubauen, dass es nicht wie ein persönliches Drama, sondern eher wie ein journalistischer Augenzeugenbericht wirkt. Dennoch sind die Emotionen in Nakazawas Erzählung immer präsent, genau wie die blutrote Sonne, das Zeichen auf Japans Flagge, die ständig und unbarmherzig über den Menschen prangt.
Das Nakazawa hier etwas geschaffen hat, das ungehindert in allen Bevölkerungsschichten und Regionen auf der ganzen Welt, verbreitet werden muss, hat auch Art Spiegelman erkannt, der ein Vorwort zu diesem Band verfasst hat. Denn wie Nakazawa, hat auch Spiegelman seine Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg machen müssen, auch wenn dies in seinem Fall „nur“ indirekt war.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach [Carlsen, Februar 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach

Hiroshima liegt in Schutt und Asche. Überall streifen schwer verwundete umher. Verwirrt, verletzt und auf der Suche nach Wasser und Hilfe. Gen kann das Ausmaß der Tragödie noch gar nicht begreifen, als seine Mutter Kimie ihn bittet, sich auf die Suche nach ein wenig Reis zu machen. Denn wenn er keinen Reis auftreiben kann, dann würde seine gerade erst geborene Schwester sterben müssen. Also nimmt Gen all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach etwas Nahrung.
Unterwegs trifft er dabei auf einen Soldaten, der erst ihn retten will, aber binnen kürzester Zeit selber Hilfe benötigt. Auch ein Mädchen, welches Gens Schwester Eiko verblüffend ähnlich sieht, kreuzt seinen Weg, und abermals hilft Gen bereitwillig. Doch auch diesmal ist dem Mädchen nicht ganz so einfach zu helfen, wie es anfangs scheint. Aber Gen hat noch immer keinen Reis und so geht seine Reise weiter. Immer mehr Opfer dieses feigen Anschlages begegnen ihm dabei und noch viel mehr Tragödien …

In der Einleitung und auch im abschließenden ersten Teil des Interviews macht Keiji Nakazawa deutlich, dass „Hadashi no Gen“, so der originale Titel, nicht einfach nur eine Bewältigung mit der eigenen Vergangenheit ist, sondern auch ein Mahnmal und eine Warnung. Nie wieder soll eine solche Massenvernichtung stattfinden und nie wieder, sollen unschuldige Menschen unter der Gier und dem falschen Stolz einer machtbesessenen Regierung leiden müssen. Das war und ist der Hauptgrund für sein Werk gewesen. Er hat immer wieder, ganz bewusst, Stellen eingebaut, in denen Gen gegen die Tat der Amerikaner und das Verhalten der japanischen Regierung schimpft und diese an den Pranger stellt. Und trotzdem schwingt in dieser Ausgabe sehr viel Hoffnung und auch Freude mit, da Gen niemals aufgibt und selbst in den schlimmsten Situationen noch die Kraft aufbringt, anderen zu helfen.

Hiroshima nach dem Abwurf von Little Boy.

Hiroshima nach dem Abwurf von Little Boy.

Was das Grauen angeht, legt Nakazawa in diesem zweiten Band noch eine ganze Schippe drauf. Denn die Bilder haben sich dem Künstler in sein Gehirn gebrannt und dieser brennt sie erneut in das Papier. Es ist überwältigend, wie schlimm die Ereignisse und die nahe Begegnung mit dem nunmehr alltäglichen Tod von Keiji Nakazawa geschildert werden. Und alles, ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Denn Nakazawa hat trotz allem und auch der Tatsache, dass dies seine eigene Vergangenheit ist, eine fast schon erschreckend distanzierte Erzählweise. Aber, und das muss man anerkennen, ist auch dies beste Wahl gewesen, um diese Erlebnisse umzusetzen. Denn durch diese Entscheidung fällt das Augenmerk nicht alleine auf Gen, auch wenn dieser die Hauptfigur ist, sondern wird immer wieder, auch visuell, von ihm reflektiert und in die Umgebung gelenkt. Oftmals ist Gen nur mit einem Arm, Bein oder dem Hinterkopf im Bild zu sehen, und der Blick wird nur von ihm getragen, aber nicht auf ihn gelenkt.

FAZIT:

Auch „Der Tag danach“, der zweite Band von Keiji Nakazawas monumentalen Epos um das tragischste Ereignis Japans im 20. Jahrhundert, begeistert wieder auf voller Linie. Und das, obwohl sich dieser Band eher ruhig gibt. Er ist nachdenklich und verstörend, und vermittelt dennoch so viel Lebenskraft und Energie, dass es einen im Innersten trifft. Der Autor und Überlebende von Hiroshima schafft es fast, eine Art Tagebuch zu schreiben, und dies spannend und mitreißend zu präsentieren, ohne das Wesentliche aus dem Blickfeld zu verlieren. Die Tragödie und die Vorwürfe gegen zwei Regierungen, die den Krieg und die Auseinandersetzung ganz bewusst und zielgerichtet auf dem Rücken von Unschuldigen ausgetragen haben.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben [Carlsen, Mai 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben

Was bleibt einem übrig, wenn die halbe Familie tot und das Haus in dem man bis dahin aufgewachsen ist, nur noch ein Haufen Schutt und Asche? So denkt auch Gen und deshalb zieht er mit seiner Mutter nach Ebo zu Freunden. So sollte es zumindest sein. Denn die Freundin seiner Mutter heißt die stark dezimierte Familie zwar willkommen, aber deren Familienangehörige, die sich aus zwei Kindern und der Schwiegermutter zusammensetzt, hat ganz andere Pläne mit den „Schmarotzern“. So kommt es auch, dass sich die Drei binnen kürzester Zeit auf der Straße wiederfinden.
Aber Gen lässt sich nicht unterkriegen. Und obendrein hat er noch genug Energie um anderen zu helfen. Auch zum Leidwesen seiner Mutter. Denn als Gen mit einem Jungen auftaucht, der seinem verstorbenen Bruder Seiji zum Verwechseln ähnlich sieht, und der ebenfalls keine weitere Familie hat, muss sie sich entscheiden. In ihrem sicheren Zuhause zu bleiben und den Jungen zu verstoßen, oder ihn aufnehmen und dafür ihr Heim zu riskieren …

Erneut stellt Keiji Nakazawa nicht das alleinige Schicksal von Gen in den Mittelpunkt, sondern vielmehr das seines Umfeldes. Gen ist zwar auch hier wieder ständig präsent und motiviert mit seinem fast schon naiven Gemüt auch noch die letzten Energiereserven, aber dennoch wirkt er nie dominant. Vielmehr ist Gen der gute Geist, der irgendwo in uns allen innewohnt, und manchmal auch heraus darf. Doch was steckt dahinter? Nakazawa ist nicht der Typ Mensch, der subtile Botschaften in seinen Werken versteckt. Vielmehr sagt er klar und deutlich, was ihn stört. Und diese deutliche Sprache, sowohl in Wort als auch in Bild, nutzt er bei „Barfuss durch Hiroshima“. Am deutlichsten zeigt sich dies, als Gen erneut das Wohl eines anderen Menschen über das eigene stellt. Zwar wird diese Situation aus einer Notlage heraus geboren, aber zum wiederholten Male kann der Held nicht anders, als vorrangig anderen und nicht sich selbst zu helfen. Hier wirkt es teilweise so, als würde Nakazawa etwas darstellen wollen, was er vielleicht in seiner eigenen Vergangenheit verpasst hat?!

Die Toten stapeln sich.

Die Toten stapeln sich.

In diesem Band wandelt sich die Darstellung weg vom visuellen Grauen, durch die Bilder eines zerstörten Hiroshima, und den vielen verstrahlten und entstellten Leichen, hin zu einem unterschwelligen, aber dennoch ständig fühlbar präsenten Grauen. Die Angst vor den Auswirkungen der Bombe, die Strahlung, die Vergiftung, das nicht offensichtliche Leiden, sind immerzu spürbar und verbreiten stellenweise mehr Angst, als jede verkohlte Leiche, mit herabhängender Haut, die in den vorangegangenen Bänden zu sehen war. Dies erreicht Keiji Nakazwa vor allem durch die Mimik seiner Protagonisten. Auch wenn viele Gesichter manchmal stark überzeichnet wirken und fast schon slapstickartige Züge annehmen, steht ihnen dennoch die Emotion „ins Gesicht geschrieben“. Das schaffen nicht viele Zeichner. Mit wenigen Strichen so viele Gefühle umzusetzen. Fast wirkt es so, als wären Nakazawas Gefühle durch seine Hände, durch den Stift auf das Papier übertragen worden und hätten dort ganz intuitiv das geformt, was der Künstler gefühlt hat.

FAZIT:

Das wohl Aufregendste an „Barfuss durch Hiroshima“ sind nicht etwa die Erlebnisse und das Wissen um die Folgen und persönlichen Tragödien, sondern das Erlebnis, welches einem beim Lesen überkommt. Immer wieder spürt man als Leser, wie sich einem die Innereien umdrehen. Es ist wie ein brutaler Schlag genau in die Magengrube. Und dennoch kann man die Bände nicht mehr weglegen. So schwer, wie es auch sein mag, es trifft einen so sehr, auch wenn man nicht direkt betroffen ist, dass man das Gefühl erhält, den armen Gen und seine Familie im Stich zu lassen, wenn man die Geschichte zur Seite legt, oder lapidar und halbherzig versucht abzutun. Aufgrund seiner Erzählweise und der grafischen Umsetzung lässt es Nakazawa einfach nicht zu. Vielmehr überträgt er eine Verantwortung auf den Leser. Die Verantwortung aus diesen Ereignissen zu lernen, die Fehler eigenständig zu erkennen und sie keinesfalls zu wiederholen.