Aufzeichnungen aus Jerusalem (Guy Delisle) [Reprodukt, März 2012]

Ich möchte euch erneut im  Rahmen meiner Beschäftigungen mit dem Land Israel ein grandioses Comic-Werk vorstellen. „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ ist eindeutig dem Comic-Genre zuzuordnen, möchte aber weitaus mehr sein, als bloß hübsch erzählt und gezeichnet. Dieser (journalistische) Comic-Bericht gibt dem Leser die Möglichkeit, eine viel präzisere  Sicht auf die Umstände in und um Israel zu bekommen. Mit „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ beweist Guy Delisle erneut nach seinen bisherigen großartigen Reportagen („Shenzhen“, „Pjöngjang“ und „Aufzeichnungen aus Birma“), dass im Medium des Comics die drängende Gegenwart  sowie vor allem auch politische Themen, bearbeitet werden können und auch sollten.

Aufzeichnungen aus Jerusalem

Im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen reist die frankokanadische Ärztin Nadège mit ihrem Mann und zwei Kindern für ein Jahr nach Jerusalem, wo sie im Gasastreifen in einer Station für Nachsorge, Betreuung, Kinderheilkunde und psychologische Beratung arbeiten wird. Ihr Mann Guy betreut tagsüber die Kinder und kümmert sich um den Haushalt. Jegliche freie Zeit nutzt er aus, um Land und Leute kennen zu lernen.  Guy Delisle beobachtet in gewohnt lakonisch-humorvoller Manier den Alltag in Jerusalem. Ein sehr persönliches Bild eines Landes entsteht, welches wie kein zweites von jahrzehntelangen blutigen Konflikten geprägt ist.

Bist du ein Jude?

Bist du ein Jude?

Selten wurden in einem Comic die politischen Verhältnisse in Israel so genau beschrieben. Dazu gehören nicht nur die Karten und Grafiken des Landes, auch illustrierte lexikalische Einträge, Worterklärungen, Schilderungen von Begegnungen und Begebenheiten bzw. allgemein die bekannten Sachverhalte zu erwähnen. So zum Beispiel, dass Israel die einzige Demokratie in der Region sei, allerdings die demokratischen Grundrechte nur seinen Staatsbürgern vorbehalten werde…

Der Leser erfährt auf eine ganz einfache Art und Weise eine ganze Menge über das Land Israel, die Israelis und die Palästinenser. Sehr schön sind die vielen Einzelheiten, die jeweils in kleinen Episoden eingefangenen Beobachtungen von Guy Delisle. So zum Beispiel die voll verhüllten muslimischen Frauen, die in den Supermärkten der jüdischen Siedler einkaufen gehen, oder die Siedler wiederum lassen ihre Autos in den billigen Werkstätten von Wadi AI – Joz reparieren, einem arabischen Viertel in Ost – Jerusalem. Sehr interessant ist allerdings, dass gerade dort als besondere Dienstleistung der Einbau von Kunststoff Fenstern zum Schutz gegen palästinensische Stein Werfer angeboten wird.

Checkpoints an der Klagemauer

Checkpoints an der Klagemauer

All diese feinen Beobachten lassen sich in keinem Nachrichtenbericht wiederfinden. Es sind persönliche Aufzeichnungen und Beobachtungen des Zeichners. Die vielen Absurditäten des Lebens zwischen Israel und dem Westjordanland sind der rote Faden dieses  334 dicken Comic Tagebuches.  Ironisch, lustig und zwischendurch auch erschreckend erfährt der Leser ohne Pathos aber mit poetischem Humor, wie Guy Delisle ein Jahr lang in Israel verbracht hat. Es geht nicht um eine Analyse von Israel oder gar eine Anklage den Palästinensern oder Israelis gegenüber, ganz im Gegenteil, die Beobachtungen des Zeichners, seine gemachten Erfahrungen stehen im Vordergrund.

Zeichnerisch lässt Guy all diese absurden Momente in ruhigen, reduzierten Schwarzweißzeichnungen aufscheinen. Hin und wieder gehen diese in Blau Töne über wenn es Nacht wird, andere Farben kommen zwar vor, aber selten.  Der Lesefluss dieses Bandes zieht sich meinem Empfinden nach nicht in die Länge, auch wenn dieser Band weitaus über 300 Seiten enthält. Durch die einzelnen Episoden und der einfachen Darstellungsweise lässt es sich sehr angenehm lesen.  Die einzelnen  Panels enthalten an sich niemals zu viel Text. Einige Episoden kommen sogar  fast gänzlich ohne Text aus.

Dieses Buch hat mir persönlich einen sehr guten Einblick in die Verhaltensweisen der Israelis und Palästinenser geben können. Es liest sich durchgehend  interessant, beinhaltet doch fast jede Episode einen interessanten (fragwürdigen) oder auch lustigen  Aspekt. Die politischen Wirren werden dem Leser umso erschreckender begreiflich dargestellt, wenn Bomben fallen, geschossen wird oder Menschen sterben.  Und alles dies geschieht in teilweise unmittelbarer Nähe des Zeichners. Dadurch entsteht beim Leser eine Art beklemmendes Gefühl. Ein erstaunlich differenziertes Bild bekommt der Leser nach dieser Lektüre des Landes Israels, in dem man sich wohl als Ausländer ohne Ansprechpartner oder Reiseführer wohl kaum zurechtfinden würde.

Ein Schwimmbad auch für Frauen..

Ein Schwimmbad auch für Frauen..

Dominik_AVAFAZIT:

Mit den Augen von Guy Delisle sieht man das Nahost – Problem nicht neu, aber um einiges schärfer und differenzierter.
Comic Reportagen sind derzeit ja im Kommen. Wer noch nie eine Comic-Reportage gelesen hat und sich darauf einlassen möchte, macht mit diesem Comic Buch überhaupt nichts falsch. Und all die  Leute unter uns, die bereits Erfahrungen mit Comic Reportagen oder auch Berichten gemacht haben, euch kann ich nur sagen, liest dieses Buch. Es ist wahrlich eines der besten Comic-Reportagen über Israel, absolut lohnenswert!

Diesen Comic könnt ihr bei Amazon oder in jedem gut sortierten Comic Laden ordern.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2012 Reprodukt

Israel Verstehen – In 60 Tagen oder weniger [Panini Comics, Juni 2011]

Diesesmal stelle ich euch eine sehr interessante Graphic Novel über Israel vor. Viel Spass mit der Besprechung dieses Buches.

Israel Verstehen – In 60 Tagen oder weniger

Im Original lautet der Titel dieser Graphic Novel „How to Understand Israel in 60 Days or less“
Wer bereits schon einmal eine Auslandsreise über eine Reiseagentur angetreten hat, in einer Größenanordnung von ungefähr 20 fremden Menschen aufwärts, der kann sich sehr gut  hineinversetzten wie es Sarah auf dieser Reise ergangen sein muss.

Die Wohltätigkeitsorganisation „Taglit – Birthright Israel“ bietet Reisen für Juden an, die bisher noch nicht in ihrem Heimatland gewesen sind.  Sarah und ihre Freundin Melissa gehen auf diese geführte „Taglit – Birthright  Israel“ Tour. Dieser Besuch in Israel ermöglicht den beiden die Entdeckung der jüdischen Kultur, der Geschichte und ihrer eigenen Identität.
Diese Reise hat die aus Amerika stammende Comic – Zeichnerin in sehr farbenfrohen Bildern nachhaltig dokumentiert. Der Zeichenstil von Sarah Glidden ist kräftig, ruhig und subtil. Die aquarelliert schmutzigen Farben, sowie die hellen Wüsten und harten Kinolichtszenen, transportieren hervorragend die einzelnen Stimmungen der jeweiligen Stationen auf ihrer Reise in Israel. Sarahs Gedankengänge werden meinem Empfinden nach besonders gut umgesetzt. So etwa, wenn winzige Soldaten aus einem Modell der Golanhöhen herausklettern, oder der Krieg mit Flammenwerfern auf Dinosauriern weitergeführt wird. Diese Darstellungsweise lockert das Geschehen auf und man vergisst zwischenzeitlich, wie ernst und schwierig das gesamte Thema rund um Israel eigentlich ist.

Durch den kritischen Geist und der Offenheit (obwohl sich Sarah im Vorfeld viel mit der Geschichte über Israel beschäftigte und eine mögliche „Gehirnwäsche “ in Erwägung gezogen hat) gelingt es Sarah, diesen Comic journalistisch interessant zu  dokumentieren.
Einprägsame Momente in diesem Comic sind zum Beispiel die jungen Gesichter der israelischen Wehrpflichtigen, ebenso wie die Klagemauer, an der Sarah beinahe aufgrund der Verfahrenheit des Nahost – Konfliktes zusammenbricht.

Da Sarah sich bereits über Israel informiert hatte, machte sie sich auf eine Propaganda Tour gefasst. Dies wird einem beim Lesen dieser Graphic Novel immer wieder verdeutlicht. Die Erfahrungen, die sie auf dieser Reise bekommt sind jedoch weitaus weniger Eindeutig. So  trifft sie zum Beispiel auf einen Reiseleiter, der die Trennungsmauer zu den Palästinensergebieten kritisiert, oder auf einen israelischen Friedensaktivisten, der teilweise selbst nicht an einen Palästinenserstaat glaubt.  Die Tour geht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, von Ort zu Ort.  Vom Flughafen in Israel zu den Golanhöhen, über den See Genezareth, über Tel Aviv, entlang der Wüste und über Jerusalem. Dies entspricht der Reiseroute von „Taglith – Birthright Israel“. Ebenso bekommt der Leser die Möglichkeit zu erfahren, was vor und nach der Rundreise in Israel passiert.

Dieses Buch enthält eine wahre Flut an Informationen rund um Israel.
Aus genau diesem Grund habe ich mir dieses Buch auch gekauft, weil bei mir selber dieses Jahr eine Rundreise in Israel und Jordanien (geführt) auf dem Programm steht. Das Buch ist in erster Linie ein Reisebericht ebenso wie die Identitätssuche der Protagonisten.  Der subtile Einsatz visueller Mittel, die reportagenhafte Spannung und die parabolischen Momente, sowie die geschichtlichen Einzelheiten zu den jeweiligen Orten an denen sich Sarah aufhält, machen es dem Leser nicht gerade einfach. Am Ende bekommt der Leser ein Bild von Israel, ein Psychogramm der israelischen Gesellschaft, eine ganze Menge für einen Comic.

Die Ereignisse die Sarah Glidden beschreibt haben im März 2007 stattgefunden.

Die Aufmachung dieser Graphic Novel ist sehr schön. Eine Gebunde Ausgabe, sie liegt zum Lesen sehr gut in der Hand. Zu jedem Kapitel ist eine gemalte Karte beigefügt, sie verdeutlicht dem Leser die jeweiligen Stationen in Israel. Mit einem Glossar, sowie einer unvollständigen Zeitachse der Geschichte Israels, endet dieses Buch.

Dominik_AVAFAZIT:

Diese Graphic Novel bietet eine Unterhaltsame Geschichte über Israel, witzig, einfühlsam und von großer Tiefe entsteht eine Geschichte über das Erwachsenenwerden, komplexe hoch politische Themen werden mit Herz und Humor erforscht und eine einfache Antwort ist nicht in Sicht.

Alles das erfährt der Leser in Form eines Reiseberichtes. Eine sehr schöne Graphic Novel.

Bei Mycomics gibt es eine gute Leseprobe. Schaut einfach mal rein.

Diese Graphic Novel könnt ihr unter anderem bei Amazon oder bei Panini Comics direkt bestellen.

Copyright © 2010 Sarah Glidden und Panini Comics. All rights reserved.

Gratis Comic Tag 2012 (Reviews Teil 10) – Die Comics von Holzhof und Schreiber&Leser

Heute gibt es die vorletzte Review zu den Gratis Comic Tag Ausgaben dieses Jahres. Morgen folgt dann das große Finale und noch immer gilt, wenn ihr wollt das ich eine Zusammenfassung mache (oder eben auch nicht) dann postet es einfach unten in die Kommentare oder mailt mir (Mailadresse findet ihr im Impressum dieses Blogs). Aber nun geht es erstmal um die Ausgaben vom Holzhof Verlag und von Schreiber & Leser…

Holzhof Comix #2 (Gratis Comic Tag 2012)

Alwin arbeitet als Page in einem Hotel und verursacht durch seinen Arbeitseifer leider ein kleines Missgeschick, als er drei Koffer verliert und diese dummerweise auf einem Mülllaster landen. Nun muss Alwin die Koffer schnellstens wiederbesorgen…
Als nächstes erwacht durch eine Reihe von Zufällen der kleine Kobold Gabelfuss und findet sich in einer Welt wieder die er nicht mehr wiedererkennt. Eine Müllhalde, ein Stausee und was er aber noch gar nicht weiß, ist die Tatsache das er der letzte seiner Art ist…
Danach gibt es ein paar Abenteuer von Rolf und Robert die ihr Leben in der DDR schildern. Sei es das Altstoffsammeln um eine Angelrute kaufen zu können, oder die Vorbereitungen auf einen Fahrradausflug mit der gesamten Klasse…
Als letztes tauchen (wie schon im Gratis Comic von 2011) die Virtonauten von Remory auf. Diesmal im England Ende des 19 Jahrhunderts. Jack the Ripper ist gerade verschwunden und die drei entdecken durch Zufall das Labor von Professor Phillius Wombelrata, dem Erfinder des Virtomaten…
Die allerletzte Seite ist diesmal Schwarwels Schweinevogel gewidmet der glaubt einen neuen unbekannten Planeten entdeckt zu haben…
FAZIT:
Auch dieses Jahr ist das Heft vom Holzhof-Verlag eine bunte Mischung an klassischem Material aus DDR-Zeiten und aktuellem Material. Dabei gefällt vor allem das neben den Abenteuern von Rolf und Robert auch die beiden klassischen DDR-Figuren Otto und Alwin wieder neue Abenteuer erleben. Für mich als alter Ossi ist es immer wieder sehr schön zu sehen wie Sachen die früher in der „Zone“ erfolgreich waren, noch immer ihre Liebhaber finden.
Aber auch das neue Material ist sehr humorvoll und weiß mit gelungenen Zeichnungen zu überzeugen. Wobei mir davon der kleine Kobold Gabelfuss noch am besten gefiel. Mit den Virtonauten von Remory werde ich irgendwie nicht so richtig warm, auch wenn sowohl Story als auch Zeichnungen nicht schlecht sind.
Zusammenfassend wieder ein gelungenes Heft mit ein paar kleinen Längen und sehr viel Humor, den man stellenweise aber auch mögen muss.

Cosa Nostra: Die schwarze Hand (Gratis Comic Tag 2012)

Es ist Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. East Side von Manhattan, New York. Später würde dieses Viertel als Little Italy bekannt werden. Leonardo Teresi, den alle nur Bricks nennen wegen seiner roten Haare, ist ein aufgeweckter Junge der alles was auf der Strasse passiert mitbekommt. Und so entgeht es ihm auch nicht als ein verzweifelter Kupferschmied, Alfredo Morici, den Block regierenden Don Giuseppe aufsucht, weil er einen Brief erhalten hat in dem er 2000 Dollar zahlen soll, oder seine Familie würde ermordet werden.
Doch nicht nur Bricks hat Interesse an dem Geld. Diese Information macht sehr schnell die Runde und bald gibt es kaum jemanden der es nicht auf das Geld abgesehen hat…
Danach wird in einer sehr eindrucksvollen 6-seitigen Kurzgeschichte geschildert wie schnell die amerikanische Mafia Probleme lösen kann. Diesmal ist Louis „Pretty“ Amberg an der Reihe „gelöst“ zu werden…
FAZIT:
„Cosa Nostra“ schildert auf sehr eindrucksvolle Weise und mit sehr bewegenden Bildern wie es im Amerika (vorrangig New York) des beginnenden 20 Jahrhunderts voranging, als sich die verschiedensten Völker in diesem Land der Träume und Hoffnungen niederliessen. Das es nicht immer freundlich war und sehr oft nur rohe Gewalt regierte wird ebenso schonungslos geschildert wie die kleinen fröhlichen Momente des Erfolges oder Sieges. Manchmal bedarf es auch einfach nur eines bisschen Glücks.
David Chauvel und Erwan Le Saëc bilden die damalige Zeit sehr naturgetreu wieder. Die Zeichnungen sind gelungen und stimmungsvoll und die Farbgebung, welche sich vorrangig im roten und braunen Spektrum bewegt, untermalt die Emotionen sehr gut. Gewalt wird zwar ebenso nicht ausgeklammert, aber es wird wenigstens nicht explizit dargestellt. So wird einiges noch der Fantasie des Lesers überlassen.
Zusammenfassend ist „Cosa Nostra“ ein tolles Heft das ein eindrucksvolles Zeugnis der Zeit um die vorletzte Jahrtausendwende und den Beginn der italienisch/amerikanischen Mafiakultur darstellt.

Meine vorletzte Gratis Comic Tag-Review und auch heute danke ich nochmals dem Comic Attack in Erfurt für die freundliche Bereitstellung dieser 30 Gratis Comic Tag-Hefte.

Gratis Comic Tag 2012 (Reviews Teil 7) – Die Comics von Avant und Underground Comix

In diesem siebten Teil meiner Gratis Comic Tag-Reviews widme ich mich den Comicbeiträgen vom Avant Verlag und von Underground Comix…

Die Katze des Rabbiners (Gratis Comic Tag 2012)

Eine ganz normale Katze, die bei einem ganz normalen Rabbiner und seiner ganz normalen Tochter wohnt ist ja nichts besonderes. Und dennoch ist diese Katze aussergewöhnlich. Sie ist intelligent, liebt ihre Herrin und hasst den verdammten  und geschwätzigen Papageien. Also entschließt sie sich kurzerhand den Papagei zu fressen und kann wie durch ein Wunder plötzlich sprechen.
Ab da wird es für den Rabbiner kompliziert. Denn die Katze will vieles wissen und trumpft aber auch gleichzeitig schon mit einem enormen Wissen auf. Denn als die Katze eine Bar-Mizwa fordert um ein anerkanntes jüdisches Gemeindemmitglied zu werden, sucht der Rabbiner mit der Katze seinen Meister auf. Doch leider ist dieser weder von der Idee begeistert einer Katze eine Bar-Mizwa zu spendieren, noch davon das ihm die Katze in Fragen seines Glaubens und seiner Weltanschauung die Stirn bietet und mit Fragen konfrontiert auf welche er keine Antworten hat…
FAZIT:
Die Katze des Rabbiners ist eine nette Überraschung zu diesem Gratis Comic Tag. Anfangs ist noch nicht ganz klar was die Geschichte vermitteln möchte (und auch am Ende bin ich noch ein wenig am zweifeln) aber es ist wirklich unterhaltsam mit welchen Mitteln und Fragen die Katze die beiden überzeugten Rabbiner ins wanken bringt. Ihre Aussagen sind dabei nicht nur provokant sondern haben auch Substanz.
Und während die Katze ein wenig der Provokateur in diesem Comic ist, ist der Rabbiner ein Mensch mit Herz und Verstand wohingegen sein Meister einfach nur verbohrt und engstirnig wirkt. Fast ist es so als wolle der Autor den kleinkarierten und unbelehrbaren den Spiegel vorhalten und mit einem kleinen Augenzwinkern sagen „Ja. Damit seid ihr gemeint!“.

Piratengold (Gratis Comic Tag 2012)

Mit vier kurzen Piratengeschichten will sich der Underground Comix-Verlag auf dem diesjährigen Gratis Comic Tag präsentieren:
In der ersten Geschichte geht es um einen blutrünstigen Piraten den alle fürchten. Bloody Noggin. Dieser soll Schiffe kapern und sich dann die Gesichter seiner Opfer überziehen um damit dann weitere Überfälle zu begehen. So ist jedenfalls die Legende welche sich auf dem Schiff von Kapitän Morgan verbreitet. Als auch noch die Wasservorräte auf mysteriöse Weise knapp werden schlägt die Stimmung der Mannschaft um…
Die zweite Geschichte handelt von der Suche nach der heiligen Mutter die ewiges Leben schenken soll und wie ein Kapitän alles daran setzt diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Sogar einen geistlichen misshandelt er dafür ohne zu wissen was für ein Schatz ihn am Ende erwartet…
Bei der dritten Geschichte erfährt ein Pirat was es bedeutet eine Kirche zu bestehlen und welche Macht Flüche haben können, selbst wenn man sie nicht ernst nimmt. Und auch das alles irgendwie wieder dort hinkommt wo es hingehört…
Zum Schluss wird noch ein wenig „musikalisch“ erzählt was richtige Männer sind, was sie so erleben, und womit sie ausgestattet sein sollten umd „richtige“ Männer zu sein…
FAZIT:
Nichts Ganzes und auch nichts so wirklich Halbes wird in diesem Heft geboten. Schon die Aufschrift „Auf Kaperfahrt mit Deutschlands besten Zeichnern“ finde ich persönlich ein wenig vermessen. Zwar sind einige der Zeichnungen wirklich gelungen und können auch überzeugen, aber die Geschichten wirken großteils wie von Weissblechs Horrorschockern abgekupfert und dies auch noch schlecht.
So richtig warm werde ich mit diesem Heft nicht und wenn Underground Comix sonst nichts weiter im Repertoire hat wird es mich auch nicht wirklich begeistern können. Schade drum, denn einige der Zeichner hätten es wohl verdient ihre Karriere weiter zu verfolgen und erfolgreich zu werden.

Eine Woche gibt es nun schon meine Gratis Comic Tag-Reviews und auch heute möchte ich wieder dem Comic Attack in Erfurt danken.