Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges [Carlsen, November 2004]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges

Gen Nakaoka ist ein ganz normaler Junge. Seine Eltern lieben ihn, auch wenn sein Vater eine seltsame Art und Weise hat, dies zu zeigen. Und dann sind da noch seine drei Brüder und eine Schwester. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges wären. Und da insbesondere die Auseinandersetzungen Japans mit Amerika und England.
Denn wie auch ganz Japan, leidet Gens Familie unter der ständigen Angst der Bombenangriffe und der fehlenden Lebensmittel. Der Kaiser hat seine Untertanen darauf eingeschworen, dass nur ein echter Japaner, welcher zu seinem Land steht, auch die Entbehrungen ehrenhaft durchstehen würde, damit Japan siegreich aus diesem Krieg hervorgehen würde. Doch Gens Vater kennt die Wahrheit und scheut sich auch nicht, diese offen auszusprechen. Das führt aber wiederum nur dazu, dass die Familie Nakaoka ab sofort als Verräter gebrandmarkt sind, und sich die Situation noch weiter verschlechtert.
Dennoch beißen sich die Nakaokas tapfer durch ihr Leben, und es scheint gerade ein wenig aufwärtszugehen, als die bekannte B-52 Maschine mit dem Namen Enola Gay und ihrer noch bekannteren Fracht Little Boy am Himmel von Gens Heimatstadt Hiroshima auftaucht …

Das allererste, was einem bei diesem Band auffällt, ist die Art und Weise wie die Japaner untereinander, auch innerhalb der Familien, miteinander umgehen. Denn nicht nur, dass unbedingter Gehorsam gegenüber dem Kaiser und dem japanischen Reich ein Muss ist, sondern auch die Art und Weise, wie Gens Vater seine Liebe zeigt, ist alles andere als verständlich für uns Europäer. Gut, man kann jetzt sagen, dass dies eine Ausnahme innerhalb Gens Familie darstellen kann, aber im Verlauf der Geschichte erkennt man immer wieder, das Japan ganz andere Regeln und Moralvorstellungen hat, die Nakazawa auch offen darstellt. Erst als gegen Ende im Nachwort klargemacht wird, dass es sich bei Gen um den jungen Keiji handelt, wird der Blick auf das eben gelesene nochmals verändert. Denn in der Einleitung spricht Nakazawa noch sehr distanziert von seiner Hauptfigur, deren Name er bewusst aus den verschiedensten Gründen gewählt hat. Dann folgt die Geschichte, einer Berichterstattung aus einem Krisengebiet gleich, nur um dann am Ende mit eben jenem Nachwort zu einem persönlichen Familiendrama, fast schon erweitert zu werden.

Der tragische Moment.

Der tragische Moment.

Visuell ragt der Band, auch nicht an Mangas seiner Entstehungszeit, sonderlich positiv heraus. Es ist eher wie bei „Maus“, zweckdienlich und dennoch auf eine einfache und trotzdem außergewöhnliche Art faszinierend. Das heißt aber nicht, dass die Bilder hässlich oder gar schlecht sind, sondern eher im Gegenteil. Sie zeigen teilweise sogar mit erschreckenden Details das Grauen, welches zum Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte. Ähnlich wie auch bei Art Spiegelmans Epos „Maus“ wird hier ganz bewusst mit starken und dominanten Strichen, aggressiven Schraffuren und teilweise grellen und großen weißen Flächen gespielt, wobei dies kein wirkliches Spiel mehr ist. Die Landschaften sind erschrecken realistisch, wohingegen die Menschen oftmals wie Karikaturen wirken. Das ist aber auch von Nakazawa gewollt, denn trotz allen Ernstes, scheint es so leichter zu sein, das Geschehene zu verarbeiten, wie es auch Spiegelman mit seinen Mäusen und Katzen getan hat. Gen ist genau wie sein Vater und sein Bruder immer ein wenig überspitzt dargestellt. Einzig seine Mutter wirkt noch ein wenig reeller, als der Rest der Familie: zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als Little Boy einschlägt. Denn ab dann überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, sondern auch förmlich die Bilder. Sie wirken chaotisch und verzweifelt. Hilflos und von Angst durchzogen. Hier hat Nakazawa seine ganzen Erlebnisse einfließen lassen. Dies spürt man, auch ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, wie nah Nakazawa der Tragödie wirklich war.

FAZIT:

„Barfuss durch Hiroshima“ ist nicht umsonst ein weltweit anerkanntes Meisterwerk. Keiji Nakazawa erzählt eindrucksvoll aus seiner eigenen Vergangenheit, schafft es aber dennoch so viel Distanz, zwischen sich und seiner Hauptfigur Gen, aufzubauen, dass es nicht wie ein persönliches Drama, sondern eher wie ein journalistischer Augenzeugenbericht wirkt. Dennoch sind die Emotionen in Nakazawas Erzählung immer präsent, genau wie die blutrote Sonne, das Zeichen auf Japans Flagge, die ständig und unbarmherzig über den Menschen prangt.
Das Nakazawa hier etwas geschaffen hat, das ungehindert in allen Bevölkerungsschichten und Regionen auf der ganzen Welt, verbreitet werden muss, hat auch Art Spiegelman erkannt, der ein Vorwort zu diesem Band verfasst hat. Denn wie Nakazawa, hat auch Spiegelman seine Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg machen müssen, auch wenn dies in seinem Fall „nur“ indirekt war.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach [Carlsen, Februar 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach

Hiroshima liegt in Schutt und Asche. Überall streifen schwer verwundete umher. Verwirrt, verletzt und auf der Suche nach Wasser und Hilfe. Gen kann das Ausmaß der Tragödie noch gar nicht begreifen, als seine Mutter Kimie ihn bittet, sich auf die Suche nach ein wenig Reis zu machen. Denn wenn er keinen Reis auftreiben kann, dann würde seine gerade erst geborene Schwester sterben müssen. Also nimmt Gen all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach etwas Nahrung.
Unterwegs trifft er dabei auf einen Soldaten, der erst ihn retten will, aber binnen kürzester Zeit selber Hilfe benötigt. Auch ein Mädchen, welches Gens Schwester Eiko verblüffend ähnlich sieht, kreuzt seinen Weg, und abermals hilft Gen bereitwillig. Doch auch diesmal ist dem Mädchen nicht ganz so einfach zu helfen, wie es anfangs scheint. Aber Gen hat noch immer keinen Reis und so geht seine Reise weiter. Immer mehr Opfer dieses feigen Anschlages begegnen ihm dabei und noch viel mehr Tragödien …

In der Einleitung und auch im abschließenden ersten Teil des Interviews macht Keiji Nakazawa deutlich, dass „Hadashi no Gen“, so der originale Titel, nicht einfach nur eine Bewältigung mit der eigenen Vergangenheit ist, sondern auch ein Mahnmal und eine Warnung. Nie wieder soll eine solche Massenvernichtung stattfinden und nie wieder, sollen unschuldige Menschen unter der Gier und dem falschen Stolz einer machtbesessenen Regierung leiden müssen. Das war und ist der Hauptgrund für sein Werk gewesen. Er hat immer wieder, ganz bewusst, Stellen eingebaut, in denen Gen gegen die Tat der Amerikaner und das Verhalten der japanischen Regierung schimpft und diese an den Pranger stellt. Und trotzdem schwingt in dieser Ausgabe sehr viel Hoffnung und auch Freude mit, da Gen niemals aufgibt und selbst in den schlimmsten Situationen noch die Kraft aufbringt, anderen zu helfen.

Hiroshima nach dem Abwurf von Little Boy.

Hiroshima nach dem Abwurf von Little Boy.

Was das Grauen angeht, legt Nakazawa in diesem zweiten Band noch eine ganze Schippe drauf. Denn die Bilder haben sich dem Künstler in sein Gehirn gebrannt und dieser brennt sie erneut in das Papier. Es ist überwältigend, wie schlimm die Ereignisse und die nahe Begegnung mit dem nunmehr alltäglichen Tod von Keiji Nakazawa geschildert werden. Und alles, ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Denn Nakazawa hat trotz allem und auch der Tatsache, dass dies seine eigene Vergangenheit ist, eine fast schon erschreckend distanzierte Erzählweise. Aber, und das muss man anerkennen, ist auch dies beste Wahl gewesen, um diese Erlebnisse umzusetzen. Denn durch diese Entscheidung fällt das Augenmerk nicht alleine auf Gen, auch wenn dieser die Hauptfigur ist, sondern wird immer wieder, auch visuell, von ihm reflektiert und in die Umgebung gelenkt. Oftmals ist Gen nur mit einem Arm, Bein oder dem Hinterkopf im Bild zu sehen, und der Blick wird nur von ihm getragen, aber nicht auf ihn gelenkt.

FAZIT:

Auch „Der Tag danach“, der zweite Band von Keiji Nakazawas monumentalen Epos um das tragischste Ereignis Japans im 20. Jahrhundert, begeistert wieder auf voller Linie. Und das, obwohl sich dieser Band eher ruhig gibt. Er ist nachdenklich und verstörend, und vermittelt dennoch so viel Lebenskraft und Energie, dass es einen im Innersten trifft. Der Autor und Überlebende von Hiroshima schafft es fast, eine Art Tagebuch zu schreiben, und dies spannend und mitreißend zu präsentieren, ohne das Wesentliche aus dem Blickfeld zu verlieren. Die Tragödie und die Vorwürfe gegen zwei Regierungen, die den Krieg und die Auseinandersetzung ganz bewusst und zielgerichtet auf dem Rücken von Unschuldigen ausgetragen haben.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben [Carlsen, Mai 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben

Was bleibt einem übrig, wenn die halbe Familie tot und das Haus in dem man bis dahin aufgewachsen ist, nur noch ein Haufen Schutt und Asche? So denkt auch Gen und deshalb zieht er mit seiner Mutter nach Ebo zu Freunden. So sollte es zumindest sein. Denn die Freundin seiner Mutter heißt die stark dezimierte Familie zwar willkommen, aber deren Familienangehörige, die sich aus zwei Kindern und der Schwiegermutter zusammensetzt, hat ganz andere Pläne mit den „Schmarotzern“. So kommt es auch, dass sich die Drei binnen kürzester Zeit auf der Straße wiederfinden.
Aber Gen lässt sich nicht unterkriegen. Und obendrein hat er noch genug Energie um anderen zu helfen. Auch zum Leidwesen seiner Mutter. Denn als Gen mit einem Jungen auftaucht, der seinem verstorbenen Bruder Seiji zum Verwechseln ähnlich sieht, und der ebenfalls keine weitere Familie hat, muss sie sich entscheiden. In ihrem sicheren Zuhause zu bleiben und den Jungen zu verstoßen, oder ihn aufnehmen und dafür ihr Heim zu riskieren …

Erneut stellt Keiji Nakazawa nicht das alleinige Schicksal von Gen in den Mittelpunkt, sondern vielmehr das seines Umfeldes. Gen ist zwar auch hier wieder ständig präsent und motiviert mit seinem fast schon naiven Gemüt auch noch die letzten Energiereserven, aber dennoch wirkt er nie dominant. Vielmehr ist Gen der gute Geist, der irgendwo in uns allen innewohnt, und manchmal auch heraus darf. Doch was steckt dahinter? Nakazawa ist nicht der Typ Mensch, der subtile Botschaften in seinen Werken versteckt. Vielmehr sagt er klar und deutlich, was ihn stört. Und diese deutliche Sprache, sowohl in Wort als auch in Bild, nutzt er bei „Barfuss durch Hiroshima“. Am deutlichsten zeigt sich dies, als Gen erneut das Wohl eines anderen Menschen über das eigene stellt. Zwar wird diese Situation aus einer Notlage heraus geboren, aber zum wiederholten Male kann der Held nicht anders, als vorrangig anderen und nicht sich selbst zu helfen. Hier wirkt es teilweise so, als würde Nakazawa etwas darstellen wollen, was er vielleicht in seiner eigenen Vergangenheit verpasst hat?!

Die Toten stapeln sich.

Die Toten stapeln sich.

In diesem Band wandelt sich die Darstellung weg vom visuellen Grauen, durch die Bilder eines zerstörten Hiroshima, und den vielen verstrahlten und entstellten Leichen, hin zu einem unterschwelligen, aber dennoch ständig fühlbar präsenten Grauen. Die Angst vor den Auswirkungen der Bombe, die Strahlung, die Vergiftung, das nicht offensichtliche Leiden, sind immerzu spürbar und verbreiten stellenweise mehr Angst, als jede verkohlte Leiche, mit herabhängender Haut, die in den vorangegangenen Bänden zu sehen war. Dies erreicht Keiji Nakazwa vor allem durch die Mimik seiner Protagonisten. Auch wenn viele Gesichter manchmal stark überzeichnet wirken und fast schon slapstickartige Züge annehmen, steht ihnen dennoch die Emotion „ins Gesicht geschrieben“. Das schaffen nicht viele Zeichner. Mit wenigen Strichen so viele Gefühle umzusetzen. Fast wirkt es so, als wären Nakazawas Gefühle durch seine Hände, durch den Stift auf das Papier übertragen worden und hätten dort ganz intuitiv das geformt, was der Künstler gefühlt hat.

FAZIT:

Das wohl Aufregendste an „Barfuss durch Hiroshima“ sind nicht etwa die Erlebnisse und das Wissen um die Folgen und persönlichen Tragödien, sondern das Erlebnis, welches einem beim Lesen überkommt. Immer wieder spürt man als Leser, wie sich einem die Innereien umdrehen. Es ist wie ein brutaler Schlag genau in die Magengrube. Und dennoch kann man die Bände nicht mehr weglegen. So schwer, wie es auch sein mag, es trifft einen so sehr, auch wenn man nicht direkt betroffen ist, dass man das Gefühl erhält, den armen Gen und seine Familie im Stich zu lassen, wenn man die Geschichte zur Seite legt, oder lapidar und halbherzig versucht abzutun. Aufgrund seiner Erzählweise und der grafischen Umsetzung lässt es Nakazawa einfach nicht zu. Vielmehr überträgt er eine Verantwortung auf den Leser. Die Verantwortung aus diesen Ereignissen zu lernen, die Fehler eigenständig zu erkennen und sie keinesfalls zu wiederholen.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 4: Hoffnung [Carlsen, August 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 4: Hoffnung

Seit dem Bombenabwurf über Hiroshima ist einige Zeit vergangen. Inzwischen sind die Amerikaner in Japan gelandet und machen sich als Besatzungsmacht breit. Dies bekommen auch Gen und seine Familie mehr als deutlich zu spüren. Schnell etablieren sich gewisse Regeln, die wie immer von den Stärkeren gemacht werden. Aber auch Gen ist nicht ohne. Immerhin hat er schon bewiesen, zu was ein Kind in seinem Alter fähig sein kann. Während sich, dank der Amerikaner und ihrer mitgebrachten Waren, ein blühender Schwarzmarkt entwickelt, kämpfen die Nakaokas noch immer um jedes Gramm Nahrung.
Besonders schlimm hat es dabei Gens kleine Schwester Tomoko erwischt. Nicht nur, dass ihre Unterernährung ihren noch jungen Körper massiv schwächt, so wird sie auch von verschiedenen Menschen als Kindsersatz benutzt, und damit auch zum Spielball starker Emotionen von Verlust, Trauer, und Besitzansprüchen. Das kleine Mädchen schafft es, selbst denen wieder Mut zu geben, welche sich schon lange aufgegeben, und ihren Körper dem Verfall durch die Strahlung kampflos überlassen haben.
Und so versuchen nicht nur Gen und seine Familie alles Mögliche, um zu überleben, sondern auch Freunde, neue Klassenkameraden sowie deren Angehörige und Verwandte, und finden so manche Möglichkeit, sich durch das harte Leben zu schlagen. Mal mehr, mal weniger erfolgreich, und manchmal auch unter dem Einsatz von Menschenleben, sofern es nicht das Eigene ist …

Die Hoffnung, welche noch im letzten Band so sehr im Vordergrund stand, wird dieses Mal immer wieder mit Füßen getreten. Dabei kommen einem, als Leser, immer wieder die Worte von Gens Vater aus dem ersten Band in den Kopf. „Gen. Du musst wie der Weizen sein. Treibe starke Wurzeln in die Wintererde … Trotze Wind und Schnee, so sehr man dich auch niedertritt, und wachse dick und gerade, wie der Weizen auf dem Feld!“ Und Gen trotzt allem, was ihm entgegenschlägt. Keine Tragödie, kein Schicksalsschlag kann ihn davon abbringen, doch noch irgendwo etwas Gutes in seinem Leben zu finden. Denkt man. Denn plötzlich passiert etwas, was den sonst so fröhlichen Jungen vollkommen aus der Bahn wirft. Nakazawa präsentiert dies, wie bereits in den vorangegangenen Ausgaben, mit einer Intensität die einfach nur unfassbar ist. Man spürt förmlich die Emotionen und wird trotz der Distanz an Zeit und Raum regelrecht mitgerissen und dabei von den Ereignissen gefangen genommen.

Auch Milch kann die kleine Tomoko nicht retten.

Auch Milch kann die kleine Tomoko nicht retten.

Diesem Band ist schon deutlich anzumerken, dass „Hadashi no Gen“ über einen Zeitraum von insgesamt 12 Jahren entstanden ist. Denn obwohl Nakazawa bereits zuvor eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Mangas, u.a. auch zum Thema Krieg und Hiroshima, veröffentlicht hat, steigert sich sein Stil sichtbar. Während die ersten Bände noch vorwiegend mit dominanten Strichen durchzogen waren, sind es nunmehr die filigranen Details, welche die Oberhand gewinnen. Außerdem ist die Bildsprache bis auf wenige Ausnahmen fast ausschließlich mit einer positiven Energie behaftet, so das selbst die Bilder von verbrannten Leichen nicht schrecklich und traurig, sondern eher hoffnungsvoll, mit einem energischen Blick in die Zukunft, wirken. Und noch etwas führt Energie mit sich, das sich durch alle Bände zieht: Denn es gibt ein Objekt, welches von Band eins bis zum vorliegenden Band über allem thront: Die Sonne. Von Beginn an ist sie ein ständiger Begleiter Gens und seiner Tragödie und steht hierbei nicht nur für den Lebensspender, sondern auch für die stilisierte Sonne auf der japanischen Flagge.

FAZIT:

Mit diesem letzten Band legt Carlsen den Kern von Keiji Nakazawas Werk auf Deutsch vor. Auf insgesamt 1128 Seiten schildert Nakazawa seinen Kampf gegen den Krieg, das Überleben und die Tragödie, die ihn für sein Leben prägte. Im Original ist „Hadashi no Gen“ über 2500 Seiten stark. Dennoch reicht bereits diese Version, um das Leiden zu verdeutlichen. Das vollständige Werk liegt bisher nur original in Japanisch, sowie in Englisch vor, und umfasst mehr als 10 Bände. Dennoch hat man als Leser niemals das Gefühl, dass etwas fehlt, wenngleich gewisse Sprünge in der Handlung schon erkennbar sind.
Insgesamt muss ich sagen, dass „Barfuss durch Hiroshima“ in meinen Augen ein Werk ist, welches man gelesen haben sollte. Mehr noch sollte es, ebenso wie „Maus“, zu einem Standardwerk in der Schulbildung werden, denn kaum ein anderes Werk zeigt die Auswirkungen und Ängste der Atombombe so deutlich und eindrucksvoll, wie dieses.

Barfuss durch Hiroshima (2-DVD Deluxe Edition) [Anime Virtual, April 2006]

DVD Barfuss durch HiroshimaBarfuss durch Hiroshima (2-DVD Deluxe Edition)

Neben dem Manga widerfuhr „Hadashi no gen“ auch noch die Ehre, als Anime adaptiert zu werden. Zwei Filme wurden hierbei vom renommierten Studio MadHouse (u.a. „Perfect Blue“, „Metropolis“, „Tokyo Godfathers“) realisiert.

Gen, noch unbeschwert.

Gen, noch unbeschwert.

Der erste Film orientiert sich dabei noch sehr stark am gleichnamigen Manga, welcher auch in gekürzter Fassung auf deutsch vom Carlsen Verlag vorliegt. Dies bedeutet aber auch, dass in den knapp 90 Minuten sehr vieles, sehr stark gerafft wird. Die Vorgeschichte, die sich um die Familie Nakaoka dreht, wurde vereinfacht. Einige Familienmitglieder, welche Leser der Vorlage bekannt sind, wurden erst gar nicht erwähnt. Auch wurden Handlungsbögen ersatzlos gestrichen. Diese sind zwar für die Geschichte an sich nicht essenziell, geben dem Manga aber eine ganz andere Aussage. Nakazawa gibt in der Vorlage nicht alleine den Amerikanern die Schuld an der Tragödie, sondern gleichermaßen dem japanischen Kaiser und dem Militär. Diese haben mit ihrer Sturheit und falschen Nationalstolz die Reaktion der Amerikaner nur herausgefordert. Im Anime jedoch wird die Schuld alleinig den Amerikanern zugeschoben.

Gen schwört seinem Vater, dass er kämpfen und leben wird.

Gen schwört seinem Vater, dass er kämpfen und leben wird.

Dass Gens Vater auch ein Antikriegs-Verfechter war, bleibt unerwähnt. Die Persönlichkeiten der Familie werden somit nicht einmal ansatzweise so ausgeprägt dargestellt, wie es in der Mangavorlage der Fall ist. Vielmehr liegt der Fokus des Anime auf der eigentlichen Tragödie. Dem Bombenabwurf. Dieser wird auch so eindringlich umgesetzt, dass es einem beim Zusehen die Sprache verschlägt. Grelle Farben, absolute Stille und Zeitlupen, in denen den Menschen das Fleisch von den Knochen geschält wird.

Nach der Detonation...

Nach der Detonation…

Und auch nach dieser Tat liegt der Fokus nur auf den Auswirkungen. Während Gen im Manga immer wieder Situationen erlebte, welche ihn aufmunterten, oder seine eigene Kraft herausforderten dreht sich hier alles nur um die Strahlenopfer und deren langsames Sterben. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass einem zum Ende hin die Tränen kommen. Auch wenn es wenige emotionale Elemente gibt, sind diese dafür umso gelungener umgesetzt.

Tomoko ist tot.

Tomoko ist tot.

Film Nummer zwei setzt wenige Jahre nach dem Abwurf ein. Gen lebt noch immer mit seiner Mutter und dem jungen Waisenkind Ryûta in einer provisorischen Hütte. Nahrungsmittel sind nach wie vor knapp, auch wenn die Amerikaner die stark dezimierten Bewohner inzwischen mit Lebensmitteln zu versorgen versuchen. Dieser Film an sich ist qualitativ zwar besser als sein Vorgänger, aber die Story ist dafür umso ausgewaschener. Wenn man von Gen, seiner Mutter und Ryûta absieht, finden sich kaum Bezugspunkte zu Teil eins. Auch die im Manga so oft vertretenen GI’s und Yakuza tauchen nur gelegentlich, und auch dann nur am Rande auf. Die Abenteuer, welche Gen erlebt, werden auf ein Minimum reduziert, und beschränken sich lediglich auf eine Gruppe mit Kindern.
Dem Gegenüber steht aber noch immer die möglichst detaillierte Darstellung des Grauens nach dem Abwurf. Das Leiden der Menschen, aber nur in ihren sichtbaren Auswirkungen. Verbrennungen und Verstümmelungen sind an der Tagesordnung. Die innere Zerrissenheit und die psychische Belastung hingegen werden kaum thematisiert.

Die Amerikaner sind an allem schuld.

Die Amerikaner sind an allem schuld.

Auch hat man ständig das Gefühl, dass der Film sich nicht wirklich mit Nakazawas Grundwerk, sondern mehr mit einer propagandistischen Antiamerika-Thematik auseinandersetzt. Als dann der Film sehr schnell zu einem Ende kommt, hat man auch als Zuschauer nicht wirklich das Gefühl etwas verpasst zu haben. Zu sehr ist aus dem zweiten Film ein typischer Zweiter Weltkriegsfilm geworden, ohne jegliche Intention eine persönliche Tragödie erzählen zu wollen. Stattdessen wird einem von der ersten bis zur letzten Minute eingetrichtert, dass Amerika schlecht und Japan nur ein unschuldiges kleines Land. Niemand, auch ich nicht, will die Thematik herunterspielen, und die Unschuldigsten sind in diesem Fall noch immer die Menschen der Zivilbevölkerung gewesen, aber nur einer Nation, in diesem Fall den Amerikanern, die Schuld zuzuweisen, ist blauäugig und fern jeglicher Wahrheit.

Das Beseitigung der Opfer mit Maschinen.

Das Beseitigung der Opfer mit Maschinen.

„Barfuss durch Hiroshima“ Teil 1 und Teil 2 sind so verschieden, wie sie es kaum sein könnten. Während Teil 1 wenigstens noch einen Hauch von Nakazawas Erzählung beherbergt, schwimmt Teil 2 nur auf der Welle seines Vorgängers mit. Zwar wurde im Gegensatz zum ersten Teil ein Fortschritt in der Animationstechnik gemacht, aber das rettet den Film bei Weitem nicht. Leider liegen beide Filme auch nur im Original japanischem Stereoton auf den DVDs vor. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht und wird es wohl auch nicht geben. Der Grund ist so einfach wie traurig: Es gibt keinen Master mehr mit getrennten Bild- und Tonspuren. Dadurch ist es nicht, oder nur mit sehr schwierigem und kostenintensivem Aufwand möglich, den Film nachzusynchronisieren.

Gens Mutter stirbt in seinen Armen.

Gens Mutter stirbt in seinen Armen.

Doch dank der sehr gelungenen und mit viel Herzblut übersetzten Untertitel ist er für den deutschen Markt lokalisiert worden. Besonders hervorzuheben ist noch das 56 Seiten starke Booklet, welche der DVD-Box beiliegt. Darin werden nicht nur die beiden Filme und die Mangavorlage ausführlich beschrieben, sondern es wird auch auf die Geschichte von Hiroshima eingegangen. Auch wie sich diese Tragödie in Wort und Bild niederschlug, wird ausführlich thematisiert. Ebenfalls bekommt der Autor Keiji Nakazawa einen umfassenden Artikel spendiert. Abgerundet wird das Booklet mit einem Auszug aus dem Original Manga.

Vor der Bombenkuppel.

Vor der Bombenkuppel.

Wer sich vorsichtig an Nakazawas Meisterwerk herantasten möchte, wird mit der DVD gut unterhalten. Danach sollte aber zwingend der Manga als Lektüre auf dem Nachttisch landen, denn dieser ist im direkten Vergleich um Längen besser. Hat man aber bereits die Vorlage gelesen, wird man von diesen beiden Filmen mehr als enttäuscht. Das Einzige, was der Film, in diesem Fall der Erste, der Printversion voraus hat, ist die eindringliche Darstellung des Bombenabwurfs und deren Detonation. Alles andere bleibt weit hinter dem Originalwerk zurück.

Der tägliche Simpsons-Gag #347

Und der zum gestrigen Couchgag gehörige Abspann beschließt diese Woche …

Viel Spaß damit!

© Copyright Matt Groening & 20th Century Fox

© Copyright Matt Groening & 20th Century Fox

Man sieht Moes Bar und davor steht Homers Auto.

Der tägliche Simpsons-Gag #346

Das Wochenende beginnt ganz erholsam mit einem weiteren Couchgag …

Viel Spaß damit!

© Copyright Matt Groening & 20th Century Fox

© Copyright Matt Groening & 20th Century Fox

Nachdem sich alle Simpsons auf der Couch platziert haben, drängt Homer einen nach dem anderen wieder herunter und macht es sich selbst gemütlich..

Danger Girl: Revolver [Dani Books, Februar 2013]

Heute möchte ich mich einem neuen Verlag und seiner ersten deutschsprachigen Publikation widmen. Der Verlag von Jano Rohleder hört auf den schönen Namen DaniBooks und hat sich doch glatt die Lizenz der Danger Girls von IDW Publishing geschnappt …

Danger Girl: Revolver

Weiterlesen

Der tägliche Simpsons-Gag #345

Zum Ende der Woche gibt es wieder einen neuen Abspann …

Viel Spaß damit!

© Copyright Matt Groening & 20th Century Fox

© Copyright Matt Groening & 20th Century Fox

Homer und Marge betrachten Michelangelos David.

JL8 Episode #38

Batman ist die Dunkelheit ja gewohnt, aber das Hal so seltsame Rituale hat…?

Viel Spaß damit!

(für eine größere Ansicht auf das Bild klicken)

Characters © DC Comics, Creative Content © Yale Stewart.

JL8 im Web:
Tumblr, Facebook, Twitter

© 2013 Copyright der Übersetzung by „Mueli77’s Feine Welt“. Jegliche Weiterverwendung ohne ausdrückliche Genehmigung untersagt.