Endzeit (2012) vs. Endzeit (2018)

Heute möchte ich euch, bevor ich das Review zur Verfilmung auf meinem Blog noch vor Kinostart online bringen werde, wenn jetzt hoffentlich nichts mehr dazwischen kommt, die beiden bisher erschienenen „Endzeit“-Comicveröffentlichungen vorstellen. Die 2018er Neuauflage habe ich bereits vor einigen Monaten hier auf dem Blog veröffentlicht, aber nun habe ich mit etwas Glück auch die Urfassung von 2012, aus dem Verlag Schwarzer Turm, relativ günstig auftreiben können. Daher wollte ich es mir auch nicht nehmen lassen und beide Versionen einmal gegenüberstellen.

Endzeit [Juni 2012]

Autor: Olivia Vieweg
Zeichnungen: Olivia Vieweg
Farben:
Olivia Vieweg

Format: Hardcover
Umfang: 80 Seiten
Verlag: Schwarzer Turm
ISBN: 3934167616
Ursprünglicher Coverpreis: 16,80 Euro

Vor drei Jahren wurde Deutschland und die Welt von einem Zombievirus überrannt. Komischerweise hatten ausgerechnet die beiden thüringischen Provinzstädte Weimar und Jena Unmengen an Elektrozaun, um sich gegen die Zombies zu schützen. Seitdem pendelt ein automatisierter Zug zwischen den beiden Städten. Und hier treffen sich Eva und Vivi, zwei junge Frauen mit einem Ziel aber unterschiedlichen Beweggründen. Während Vivi Saatkartoffeln, ein seltenes und wertvolles Gut, nach Jena bringen soll, will Eva dort eine neue Zeitung gründen, um der Menschheit ein Stück Vernetzung und Information zurückzubringen. Doch alles ändert sich, als der Zug auf halber Strecke zum Stillstand kommt und die beiden ihren weiteren Weg zu Fuss, durch die Horden der Zombies bestreiten müssen …

Zuerst einmal muss ich sagen, dass diese Veröffentlichung nicht nur die erste und ursprüngliche Fassung von Olivia Viewegs Endzeit darstellt, sondern auch ihre Abschlussarbeit an der Weimarer Bauhaus-Universität. Die Geschichte ist spannend, die Figuren charakterlich sehr gut ausgearbeitet und als Leser freundet man sich auch sehr schnell mit Vivi und Eva an. Die Beweggründe der Beiden für ihre Reise sind nachvollziehbar. Auch wenn ich die Geschichte recht schnell durchgelesen hatte, was hier aber keinerlei Indiz für eine flache Handlung sein soll, sondern mehr dafür steht, dass ich so richtig schön in die Handlung eintauchen und mitfiebern konnte, dass ich den Band einfach nicht weglegen wollte, bevor ich fertig war.
Zwar hatte Olivia Vieweg zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung schon einige Arbeiten bei den verschiedensten Verlagen untergebracht, wie zum Beispiel bei Egmont und Carlsen, dennoch merkt man der Arbeit einen gewissen „unfertigen“ Zeichenstil an. Wobei unfertig hier nichts negatives suggerieren soll, oder das etwas fehlen würde. Vielmehr ist es so, dass man spürt, dass hier noch eine Entwicklung stattfindet. Dies spiegelt sich vor allem in den Gesichtern der beiden Protagonistinnen wieder, die sich recht ähnlich sind. Würde man die Haare weglassen, wäre eine Unterscheidung sogar noch schwieriger.

Dieser Band macht in meinen Augen schon sehr viel richtig, und würde auch heute noch gut funktionieren. Die Handlung hat mich von Beginn an begeistert, auch wenn ich noch einige Fragen hierzu hätte, dafür wurden wiederum andere sehr ausführlich beantwortet. Und dann sieht das Ganze auch noch sehr gut aus und das Hardcover besitzt sogar einige Skizzen und Konzeptzeichnungen, auch wenn es sich nur auf eine Seite am Schluss beschränkt.

Endzeit [März 2018]

Autor: Olivia Vieweg
Zeichnungen: Olivia Vieweg
Farben:
Ines Korth, Adrian vom Bauer

Format: Hardcover
Umfang: 292 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 9783551761699
Ursprünglicher Coverpreis: 22,00 Euro

Statt das ganze Review und meine Bewertung hier noch einmal abzuschreiben, oder auch neu zu verfassen, verweise ich stattdessen lieber auf das ursprüngliche Review mit diesem LINK, und widme mich nun den Unterschieden der beiden Veröffentlichungen.

Zuerst fällt auf, dass die 2012er Version wesentlich dünner ist. Mit 80 Seiten ist diese knapp dreieinhalb mal schmaler, als die 2018er Veröffentlichung. Dies liegt aber nicht am Papier, das bei der 2018er Fassung nur unmerklich kräftiger ausfällt und im Gegensatz zur 2012er Fassung matt statt seidenglänzend ist, sondern vor allem in der erweiterten Handlung. Olivia hat der Handlung einige ergänzende Szenen spendiert und sogar teils tiefgreifende Änderungen in der Charakterisierung ihrer beiden Heldinnen vorgenommen. Eines, welches ich erwähnen möchte, ohne hoffentlich zu viel zu spoilern ist, dass Vivi in der 2012er Fassung ihre Tochter an die Zombies verliert, während es in der 2018er Version ihre jüngere Schwester ist. Dennoch gibt es mit der Gärtnerin Übereinstimmungen, auch wenn diese anders verlaufen. Zudem setzt die Geschichte in der Neuveröffentlichung schon einige Tage vor dem Treffen von Vivi und Eva ein. Mehr möchte ich auch schon nicht verraten. Beide Handlungen haben meiner Meinung nach ihre Berechtigung und während die 2018er Version viel der Fantasie des Lesers überlässt, werden in der 2012er Version viele der Fragen direkt beantwortet.

Zeichnerisch verhält es sich fast schon ähnlich. Die 2012er Veröffentlichung ist zwar stiltechnisch noch nicht so sicher wie die 2018er Version von Carlsen, wirkt dafür aber cleaner und hat nicht ganz so einen sketchy Look, wie die Carlsen-Fassung. Mir persönlich gefällt das skizzenhafte zwar ein Stück weit besser, aber auch die Fassung vom Schwarzen Turm hat ihre Vorteile. Was die Farbgebung angeht, so fällt die Neuveröffentlichung um einiges bunter und greller aus, als die Erstveröffentlichung. Hier sind zwar mehr und sattere Farben zu sehen, die aber allesamt nicht ganz so leuchtend und grell ausfallen und mehr dem Endzeit-Charakter Rechnung tragen. Aber, und das ist durchaus ein wenig merkwürdig, passt die neue Farbgebung auch wieder sehr gut zur Carlsen-Fassung. Mit ganzseitigen Splash- Action- und Detailpanels geizen zum Glück beide Fassungen nicht, sodass es hier kaum nennenswerte Unterschiede gibt.

Tja, und welches ist nun meine bevorzugte Fassung?
Ganz ehrlich?
Die gibt es nicht!
Beide Versionen haben ihre Vor- und Nachteile und beide Fassungen haben mich gleichermaßen begeistert. Dass dennoch sechs Jahre dazwischenliegen lässt sich nicht verleugnen, da Olivia sichtbare Fortschritte in ihrem Zeichenstil und dem Storytelling gemacht hat.
Wer bereits eine der beiden Fassungen besitzt, egal welche, sollte dennoch versuchen sich die andere zu besorgen. Allerdings wird es mit der 2012er Fassung sehr schwer, da diese inzwischen zu horrenden Preisen auf den Gebrauchtplattformen angeboten wird. Preise ab 100 Euro sind da keine Seltenheit. Wer jedoch ein wenig Geduld hat und das Internet zu nutzen weiß, der wird sicherlich auch die Chance haben ein druckfrisches Exemplar zu einem fairen Preis zu ergattern.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2012-2019 Schwarzer Turm, Carlsen Verlag, Olivia Vieweg, Thomas „Mueli77“ Mülbradt

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Ein Kommentar zu “Endzeit (2012) vs. Endzeit (2018)

  1. Pingback: Endzeit (2018) - Geht ins Kino

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