Marlene Dietrich [Panini Comics, Januar 2022]

Sie gilt als die deutsche Schauspielikone des 20. Jahrhunderts. Marlene Dietrich hat in weit über 50 Filmen mitgespielt, und das, obwohl für sie eigentlich ein anderer Weg vorgesehen war. Die Grand Dame des deutschen Theaters und Kinos konnte mit ihrer Rolle als Lola, in Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ internationale Erfolge erzielen, bevor sie Deutschland während des Zweiten Weltkrieges den Rücken kehrte und sich weigerte, die Propaganda der Nationalsozialisten zu unterstützen. Der erste von zwei Bänden, den ich euch heute vorstellen möchte, widmet sich Marlene Dietrichs Leben bis zu ihrem internationalen Durchbruch und der Reise nach Amerika …

Marlene Dietrich

Autor/in: Alessandro Ferrari
Zeichner/in:
Flavia Scuderi
Format:
Hardcover Album (23x33cm)
Umfang:
64 Seiten
Inhalt:
Marlene Dietrich 1
Verlag:
Panini Comics
Preis:
17,00 Euro

Sommer 1921. Marie Magdalene Dietrich sitzt mit ihrer Mutter im Zug von Weimar nach Berlin, nachdem sie an der Franz List-Schule in Weimar eine Affäre mit Professor Robert Reitz gehabt haben soll. Ihre Mutter beschließt daher, die weitere Ausbildung ihrer Tochter in Berlin fortzusetzen. Doch Marlene, wie sich die junge Dietrich selbst nennt, hat bereits andere Pläne. Sie bewirbt sich als erste Geige, um die Stummfilme von Henny Porten mit Orchester zu begleiten, doch insgeheim will sie selber auf die große Leinwand. Nach ein paar schwierigeren Jahren, in denen sie diverse Jobs, unter anderem als Varieté-Tänzerin, Theater- und Filmschauspielerin ausübte und sich nicht nur mit Männern vergnügte, sondern auch mit Frauen ihre Sexualität auslebte, heiratete sie dann Rudolph Sieber, mit dem sie auch eine gemeinsame Tochter hatte. Ende der „goldenen“ 20er Jahre war Marlene Dietrich eine einfache Hausfrau, die zu Hause ihr berühmtes Spiel auf der „singenden“ Säge, welches sie in Weimar erlernte, vorführte. Aber so richtig glücklich war sie nie. Dann bekam sie von Josef von Sternberg die Rolle der Lola in „Der blaue Engel“ angeboten und ihre weltweite Karriere begann …

Sie war wohl die erste große Diva der deutschen Filmgeschichte. Marlene Dietrich gehört zu jenen Frauen, die nicht nur eine Generation geprägt und beeinflusst hat. Und das nicht nur durch ihr Schauspiel, sondern auch ihr Verhalten und ihren Lebensstil.
Autor Alessandro Ferrari widmet sich in diesem Band den frühen Jahren, den bekannten „Goldenen Zwanzigern“ und dem beginnenden Star „Marlene Dietrich“. Allerdings vermeidet Ferrari hier Details, die zwar bekannt, aber auch teilweise umstritten sind. Stattdessen skizziert er das Bild einer „Ikone“ mit einem sehr großen Selbstbewusstsein, die auch vor unangenehmen Entscheidungen nicht zurückschreckt. Schon recht früh zeigt Ferrari hier das divenhafte Verhalten „der Dietrich“ und dass es sicher nicht immer einfach war, mit ihr auszukommen. Dennoch bleibt er dabei immer respektvoll und zeigt ebenso eine liebevolle und fürsorgliche Mutter.

Das in meinen Augen eigentliche Highlight sind jedoch die Zeichnungen der 1974 in Rom (Italien) geborenen Zeichnerin Flavia Scuderi, die seit 2008 in Berlin lebt und arbeitet. Scuderi hat nicht nur bereits für Disney an diversen Animationsserien gearbeitet, sondern hat ein umfangreiches und sehr abwechslungsreiches Portfolio an Arbeiten vorzuweisen.
Mit ihrem Stil schafft sie es, nicht nur das mädchenhafte, was Marlene Dietrich immer irgendwie umgab, sondern auch ihre kühle Erotik darzustellen, ohne dass dies im Konflikt stehen könnte. Das vorwiegend in Rot und Brauntönen gehaltene Artwork wirkt manchmal etwas karikativ, ohne die dargestellten Personen dabei ihrer Glaubwürdigkeit zu berauben. Scuderi geizt auch nicht mit mangelnder Freizügigkeit, um die sexuellen Fantasien Dietrichs darzustellen. Seien es die Liebesakte mit Männern oder Frauen, als auch die Erotik, welche Marlene Dietrich gerne auf der Bühne inszenierte. Trotz aller Erotik und Nacktheit schafft es Flavia Scuderi, „die Dietrich“ nicht zu einer „billigen Nutte“ zu degradieren. Scuderis „Marlene Dietrich“ ist eine Frau von Ehre, die aber genau weiß, was sie will.

Diesen Band zu bewerten fällt mir sehr schwer, da ich sowohl die Arbeit von Autor Alessandro Ferrari, als auch die von Flavia Scuderi als Zeichnerin sehr schätze und auch die Aufmachung in Form eines Hardcoveralbums mit mattem Druck sehr edel wirkt. Dennoch ist es vor allem der Preis von 17 Euro bei einem Umfang von 64 Seiten, der es Käufern schwer machen wird, sich für ihn zu entscheiden. Mir ist bewusst, dass die Zielgruppe hier die ältere Leserschaft ab 40 aufwärts ist, die meist über ein besser ausgestattetes Portemonnaie verfügt, aber dies gilt leider nicht für alle. Zudem ist Marlene Dietrich zwar durchaus bekannt, aber nicht mehr in den Interessengebieten vieler noch lebender Menschen verankert. Aus meiner persönlichen Erfahrung denke ich, dass es der Band trotz seiner unbestreitbaren Qualität sehr schwer haben wird. Das ändert bedauerlicherweise auch das angehängte Interview mit Flavia Scuderi nicht, auch wenn die sympathische Zeichnerin viele Einblicke in ihre Arbeit an diesem Band gewährt.
Mit dem Wunsch, dass dieser Band dennoch seine Aufmerksamkeit erhält, die er verdient, empfehle ich ihn besonders an jene, die mit dem Werk von Marlene Dietrich vertraut sind, und all jene, die gerne mehr über „die Dietrich“ erfahren möchten.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2021-2023 Panini Comics / Alessandro Ferrari / Flavia Scuderi

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