60 Jahre „Die Schlümpfe“ – 6-Tage-Special (6): Die Schlümpfe Mini Nr. 6: Der hundertste Schlumpf [Toonfish/Splitter, November 2011]

Original Mini-Récit

„Der hundertste Schlumpf“ stellte damals das letzte und auch 100. Mini-Album dar. Danach ging es ab 4. April 1963 in „Spirou“ Nr. 1303 mit „Der fliegende Schlumpf“ endlich im Großformat weiter. Doch damit war natürlich noch lange nicht Schluss. Immer weiter entwickelten sich nicht nur die Schlümpfe, sondern auch das Interesse an den kleinen blauen Kobolden. Schon bald reichten die Comicabenteuer nicht mehr aus und es wurden weitere „Bereiche“ erobert. Film und Fernsehen, Spielzeug, und noch vieles mehr wurde mit Peyos Kreationen geschmückt. Da das alles unglaublich viel und umfangreich ist, werde ich in wenigen Tagen ein zusätzliches Abschlussspecial präsentieren …

Die Schlümpfe Mini Nr. 6: Der hundertste Schlumpf

In wenigen Tagen steht das Mondfest an, welches nur alle 654 Jahre stattfindet. Das wäre eigentlich nichts Besonderes, wenn nicht einhundert Schlümpfe an diesem Tag den Mondtanz tanzen müssten. Nachdem Papa Schlumpf alle Schlümpfe durchgezählt hat, muss er leider feststellen, dass sie nur 99 Schlümpfe sind und einer fehlt. Nachdem der eitle Schlumpf vom Witzbold-Schlumpf geärgert wird, weil dieser ihn beim Betrachten seines Spiegelbildes im Wasser stört, entschließt er sich einen Spiegel aus einer Silberplatte herzustellen, nichts ahnend, dass dies weitreichende Folgen haben wird …

Die ersten sechs Abenteuer erschienen innerhalb von ca. zweieinhalb Jahren. „Die schwarzen Schlümpfe“ am 2. Juli 1959, „Der gefangene Schlumpf“ am 17. Dezember 1959. Etwas weniger als vier Monate später, am 7. April 1960, erschien „Das Zauberei und die Schlümpfe“ und wiederum etwas mehr als 1 Jahr und 2 Monate später, am 26. Juni 1961 „Der falsche Schlumpf“. Die letzten beiden Mini-Alben erschienen am 14. Dezember 1961 „Die Schlümpfe in Not“ und zuletzt „Der hundertste Schlumpf“ am 15. Februar 1962. Ab Spirou 1303 vom 4. April 1963, also über ein Jahr nach „Der hunderteste Schlumpf“ schafften die Schlümpfe den Sprung ins Großformat, mit dem Abenteuer „Der fliegende Schlumpf“ eine neue 20-seitige Geschichte. Doch warum nur 20 Seiten? Dies resultiert aus einer Änderung, auf die ich im Special näher eingehen möchte und hier stattdessen lieber das Augenmerk auf ein späteres Abenteuer, aber sehr wichtiges Abenteuer lenken möchte. Es ist das Jahr 1966, als Peyo beschließt die Schlumpfgemeinschaft, um einen weiteren Schlumpf zu erweitern. Vorankündigungen lassen die Leser bereits aufhorchen. „Non ceci n’est pas la schtroumpfette bientôt dans spirou“ heißt es da, neben Figuren mit Schlumpfmützen. Ja, peyo führte einen weiblichen Schlumpf ein, der als perfider Plan von Gargamel entstand. Im Zaubertrank für Schlumpfine heißt es, abweichend vom normalen Schlumpfzauber: „Ein Hauch Koketterie… eine feste Schicht Voreingenommenheit… drei Krokodilstränen… eine Prise Gerissenheit […] Dummheit und List zu gleichen Teilen…“. Dieses Rezept will Delporte nicht mit verantworten und schiebt alle Schuld auf Peyo. Der wiederum versucht sich aus der Verantwortung zu ziehen, indem er einen Zusatzhinweis zum Zauber ergänzt: „Verantwortlich für diesen Text ist ausschließlich der Autor des Zauberbuchs „Magicae Formulae“, Beelzebub Verlag“. Dies schützt ihn jedoch nicht vor den Konsequenzen. Seine Frau Nine spricht vierzehn Tage lang nicht mit ihm und nennt ihn sogar einen Frauenfeind. Doch es gab ein noch größeres Problem. Wie sollte die Schlumpfine aussehen? Er fand keine Lösung, was sogar dazu führte, dass er nachts aufwachte und weinend auf der Bettkante saß, angesichts des immer näher rückenden Abgabetermins und so wendete er einen Kniff an, um noch etwas Zeit zu schinden. Auf der zwanzigsten Seite des Abenteuers präsentiert Papa Schlumpf die neue Schlumpfine einer wie vom Donner gerührten Schlumpfschar. In Panik kreiert er eine blonde Schlumpfine ist aber selbst von seiner Kreation nicht überzeugt. Die eher verhaltenen Reaktionen seiner Kollegen bestätigte ihn darin. Also zeichnete er weiter, korrigierte, zeichnete neu, änderte und verwarf vieles wieder. Peyo war verzweifelt und bat seinen Freund Franquin um Rat. Der sah sich den ersten Entwurf an und fand ihn hervorragend. Peyo veröffentlichte eher widerwillig die neue Schlumpfine, die zum Erfolg wurde. Doch auch Nine bestätigte „André hat ihn ein bisschen beruhigt, Pierre ließ diese Schlumpfine erscheinen, aber widerstrebend, denn er mochte sie nicht. Und mir war sie hässlich, mit ihren schwarzen Haaren lieber gewesen: Sie hatte viel mehr Charakter!“

Nein. Das ist nicht Schlumpfine.

Erstmals werden die Schlümpfe auf eine feste Anzahl datiert, nämlich 99 Stück. Dabei werden sogar viele der Schlümpfe aufgrund deutlich sichtbarer Charaktereigenschaften dargestellt. Der naschhafte Schlumpf (Torty), der mürrische Schlumpf (Muffi), der rechthaberische Schlumpf (Schlaubi), der Faulpelz (Fauli), der Bastler (Handy), der naive Schlumpf (Clumsy), der Witzbold (Jokey), der eitle Schlumpf (Beauty) und so weiter. Peyo hat also deutliche begonnen seine Schlümpfe voneinander zu unterscheiden, ohne sie wirklich mit sichtbaren Details abzugrenzen. Dies folgt erst später, beginnend mit Schlaubi, der als erster Schlumpf, neben Papa Schlumpf, ein Accessoire erhält, welches ihn sichtlich von den anderen Schlümpfen abhebt, und zwar seine überdimensionale Brille.
So gibt es aber auch noch ein paar „Ungereimtheiten“ bezüglich des Inhalts und der Darstellung. So ist zwar von 99 Schlümpfen die Rede, das Schlumpfdorf aber zeigt maximal ein gutes Dutzend Häuser, was bedeuten würde, dass sich bis zu 9 Schlümpfe, mit Ausnahme von Papa Schlumpf, ein Haus teilen würden. Allerdings sieht man im fünften Abenteuer, als die Schlümpfe ihr Dorf verlassen müssen, dass es so wirkt, als hätte jeder Schlumpf sein eigenes Häuschen. Ein Widerspruch, der bis heute nicht wirklich erklärt oder aufgehoben wurde. Sieht man einmal davon ab, zeigt sich erneut ein durchdachtes, leicht verständliches und dennoch durchaus komplexes Abenteuer, welches die Entwicklung und den Erfolg der Schlümpfe maßgeblich vorangetrieben hat.

Somit endet heute bereits das letzte Geburtstagsspecial mit einem Album, welches als 100. Mini-Album selbst schon ein Jubiläum darstellen sollte, auch wenn die Zählweise nicht ganz korrekt war, da 10 Mini-Alben außerhalb dieser „Reihe“ erschienen, so auch das erste Schlumpf-Mini-Album. Da mir aber diese sechs Reviews unglaublichen Spaß gemacht haben und ich vieles noch nicht unterbringen konnte, wird es in den nächsten Tagen noch das in der Einleitung erwähnte Abschlussspecial geben, in dem ich genauer auf das Format der neuen Mini-Alben, die Verarbeitung und Qualität sowie die Haptik beim Lesen eingehen werde. Natürlich gibt es zusätzlich noch ein paar hübsche Infos aus der Frühzeit der Schlumpf-Alben und Peyos Arbeit nach den Mini-Alben.

Peyo mit seiner Frau Nine, seinem Sohn Thierry und seiner Tochter Véronique.

Copyright aller verwendeten Bilder (soweit nicht anders angegeben) © 1958-2018 Peyo / Dupuis / Splitter / Toonfish

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