Gratis Comic Tag 2013 Review (17): Piccolo Großband [Edition Comics etc., Mai 2013]

GCT 2013Seit den frühen fünfziger Jahren erleben Figuren wie Sigurd, der tapfere Ritter; Nick, der Weltraumfahrer und Tibor, der Sohn des Dschungels ihre aufregenden Abenteuer. Damals schuf Hansrudi Wäscher eine ganze Menge von den sogenannten Piccolo Heften. Sowohl als Autor als auch als Zeichner. Die Hefte nannten sich aufgrund des Formates Piccolo. Denn sie waren im Querformat und nur 17 cm breit und 8 cm hoch. So tummelten sich auf den Seiten jeweils nur 1 bis 3 Panels und die Geschichten waren so konzipiert, dass sie mit einem Cliffhanger endeten, der zum Kauf der nächsten Ausgabe animieren sollte. Inzwischen haben viele der Helden zwei, drei und mehr Serien hinter sich, und erfreuen sich noch immer einer gewissen Beliebtheit. Dies liegt vor allem auch daran, dass dieses Piccolo-Format sich auch ideal für Smartphones und Tablets eignet. Die Storys mögen klassisch sein, die Vertriebswege sind es nicht mehr. Und so schickt sich der Verlag Edition Comics etc. an, die Helden früherer Tage auch jüngeren Lesern bekannt zu machen …

Piccolo Großband
(Gratis Comic Tag 2013)

Sigurd ist mit seinen Freunden Bodo und Cassim auf dem Weg zu einer Hochzeit. Seit Tagen schon segeln sie über die Meere, als sich deren Handelsreisende als Seeräuber entpuppen. Diese haben es auf den Schmuck und die Brautgeschenke abgesehen, welche zusammen mit den drei Freunden „reisen“. Während Sigurd und Bodo durch den Kapitän mittels eines Schlafmittels außer Gefecht gesetzt werden, wird Cassim von der Mannschaft gewaltsam überwältigt. Abschließend werden die Drei in einem Boot auf hoher See ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen …
Wir schreiben das Jahr 2008. Die Erde hat einige politische Bewegungen erlebt und teilweise tiefe Narben davongetragen. Die Menschheit hat den Mond erobert und mit dem Abbau von Erzen begonnen. Doch weiter konnte man bisher nicht vordringen. Das soll sich nun ändern. Und Nick ist eine der Personen, die dazu beitragen soll. Doch die Arbeiten werden beobachtet und von finsteren Schergen bedroht. Kann Nick die Pläne der Feinde vereiteln …?
Gary Swanson ist ein Millionenerbe, dem Tiere und deren Lebensräume alles bedeuten. Deshalb will er sich aufmachen und in Afrika einige der bedrohten Geschöpfe mit seiner Kamera begleiten. Seine Freundin ist hiervon allerdings überhaupt nicht begeistert. Viel lieber würde sie Gary zum Mann nehmen. Doch dieser verspricht ihr, sobald er zurück ist, würde er sie heiraten. Aber sein Cousin sieht das anders. Denn würde es Gary nicht geben, dann würden ihm die Millionen zustehen. Er verschweigt Gary, dass ein Gewitter aufzieht, und lässt ihn dann mit dem Flugzeug losziehen. Es dauert nicht lange, bis das Gewitter das kleine Motorflugzeug einholt und über dem Dschungel zum Absturz bringt. Aus Gary Swanson wird Tibor, Sohn des Dschungels.

Man merkt den Geschichten ihr Alter deutlich an. Nicht nur dass bei Nick, dem Weltraumfahrer, die Zeit die Fiktion bereits eingeholt hat, auch sonst sind sowohl Story als auch Bilder ganz klar 50/60er Jahre. Das mag an sich nichts Schlechtes sein, und sowohl Tibor als auch Sigurd machen einen gewissen Spaß, aber auch Dauer wäre dies für mich leider nichts. Ich empfand es ebenfalls als störend, dass die Bilder gerade bei Nick und Tibor wirkten, als hätte man diese etwas größer aufgezogen. Dadurch wirkten sie sehr verschwommen und das Lesen der verwaschenen Texte wurde eher unangenehm. Einzig bei Sigurd scheint es eine Überarbeitung gegeben zu haben. Dadurch wirken die Zeichnungen und auch Texte hier wesentlich deutlicher und auch detaillierter.

Dennoch können mich die drei Abenteuer nicht wirklich überzeugen. Ein Pluspunkt hat der Band jedoch. Drei Abenteuer auf so kleinem Raum zu versammeln ist ein interessanter Ansatz, wenngleich man immer wieder aus Gewohnheit verleitet wird, beim Umblättern in eines der anderen Abenteuer hineinzulesen. Als Leser hat mal daher die Wahl, jedes Abenteuer einzeln zu verfolgen und den Band somit dreimal in die Hand zu nehmen, oder alles gleichzeitig. Dann bekommt es fast den Charakter von 24 mit drei nebeneinander laufenden Handlungssträngen in drei separaten Bildausschnitten.

Gratis Comic Tag 2013 Review (16): Jimmy Beaulieu [Schreiber & Leser, Mai 2013]

Schreiber & Leser ist einer der Verlage, die seit dem Beginn des Gratis Comic Tages 2010, jedes Jahr einen Beitrag abgeliefert hat. Und jedes Jahr waren diese Ausgaben etwas ganz Besonderes. Doch kann der Verlag, zu denen auch die Imprints Alles Gute, shodoku und Edition Erotik gehören, diesmal überzeugen?

Jimmy Beaulieu
(Gratis Comic Tag 2013)

Drei Kurzgeschichten von Jimmy Beaulieu finden sich auf den insgesamt 32 Seiten. Zuerst wird der Leser nach Kanada entführt, mitten in die Protestbewegungen des Carré Rouge. Dort treffen sich zwei Verliebte wieder, doch die Freude ist nur kurz. Danach geht es in der zweiten Geschichte erneut um die Liebe, und auch diesmal gibt es kein Happy End. Zum Schluss wird es feucht. Und das kann man gerne auch doppeldeutig verstehen. Denn auch diesmal spielt die Liebe eine große Rolle, als zwei Jungs und zwei Mädchen ins Schwimmbad gehen. Dummerweise hat einer der beiden jungen Männer seine Badehose vergessen …

Jimmy Beaulieu hat einen sehr wechselhaften Stil, der dennoch immer wieder überzeugt. Ob mit wenigen, dafür aber klaren Linien oder im Bleistift-Sketch-Stil. Beaulieu beherrscht sein Handwerk sehr gut. Die Mimiken sind sehr intensiv und das trotz des eigentlich simplen Zeichenstils. Auch schafft es Beaulieu, seinen Stil ideal an die Geschichte anzupassen. Visueller Humor findet nur dort seinen Einsatz, wo er auch angebracht ist.

Mit dieser Ausgabe hat Schreiber & Leser erneut bewiesen, dass man auch mit außergewöhnlichen Titeln beim Gratis Comic Tag aufwarten kann, und sich nicht zwingend auf massenkompatiblen Mainstream verlassen muss.

Weitere Reviews zu dieser Ausgabe findet ihr bei Crayton und El Tofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (14): Ferdinand – Der Reporterhund [Carlsen, Mai 2013]

GCT 2013Ralph Ruthe und Flix sind bekannte Namen. Vor allem was humoristische Comicstrips betrifft. Doch auch ernste Themen können die beiden anpacken und mit Ferdinand – Der Reporterhund ist dieses Ziel auch erreicht. Denn dieser Strip erscheint monatlich in der Kinderversion des Spiegels „Dein Spiegel“ und soll die Jungleser nicht nur unterhalten, sondern auch ein wenig Wissenswertes vermitteln.

Ferdinand – Der Reporterhund
(Gratis Comic Tag 2013)

Ferdinand ist ein Hund. Und er arbeitet als Reporter. Deshalb erlebt er viele Abenteuer. Ob nun bei der Eröffnung eines Brotmuseums, bei der Feuerwehr, in der Eisdiele, im Urlaub oder auch beim Kochen. Ferdinand ist Reporter mit Leib und Seele. Und sein Chef ist irgendwie …
… ein typischer Chef eben. Dennoch schafft es der Reporterhund, seine Artikel immer fristgerecht abzuliefern. Manchmal kann es aber auch passieren, dass etwas schief geht und Ferdinand den Schulaufsatz seines siebenjährigen Neffen einreicht und dieser sogar in Druck geht.

Neben den insgesamt sechs dreiseitigen Episoden gibt es in dieser Gratis Comic Tag-Ausgabe auch noch ein Interview mit den beiden kreativen Köpfen hinter Ferdinand, Ralph Ruthe und Flix. Darin gehen die beiden nicht nur auf ihre Zusammenarbeit ein, sondern auch erzählen auch, wie sie Ferdinand kreierten.

Die Abenteuer des Reporterhundes sind witzig und informativ. Die Zeichnungen gefallen durch ihren klaren Strich und die lebhaften Farben. Flix versteht es, die einzelnen Panels sehr schön mit Details zu füllen, ohne dass diese überladen wirken. Auch die Mimik, die er seinen Figuren mitgibt, sind immer klar erkennbar, sodass sich die Gemütslage sehr leicht ablesen lässt. Einzig Ferdinands Chef, scheint nur einen Gesichtsausdruck zu haben. Aber darüber kann man wegen seiner sowieso sehr leicht aufbrausende Art und Weise, getrost hinwegsehen.

Gratis Comic Tag 2013 Review (10): Hägar der Schreckliche Gesamtausgabe 16 [Egmont, Mai 2013]

GCT 2013Carlsen hat die Peanuts und Egmont Hägar. Beides sind klassische Zeitungsstrips und beide haben eine große Fangemeinde. Was liegt also näher, diese Strips zu sammeln und in edlen Hardcovern zu veröffentlichen? Und nachdem die Peanuts bereits einen Gratis Comic Tag-Auftritt hatten, war dieses Jahr Hägar an der Reihe …

Hägar der Schreckliche Gesamtausgabe 16
(Gratis Comic Tag 2013)

Hägar ist ein erfolgreicher Wikinger. Der Anführer einer ganzen Horde an blutrünstigen, gewalttätigen, saufenden und mordenden Barbaren. Oder etwa nicht? Denn hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihn kontrolliert. Ihr Name ist Helga!

So richtig warm geworden, bin ich mit Hägar noch nie. Das heißt jedoch nicht, dass er schlecht ist, sondern das der Humor mich einfach nicht anspricht. Oder ich bin es einfach zu sehr gewohnt, da Hägar nämlich auch in regionalen Tageszeitungen fast täglich erscheint.

Es gibt zwar Strips die einen auch manchmal schmunzeln lassen, aber insgesamt sind sie kaum stimmungsaufhellend. Zumindest bei mir nicht.

Auch die Zeichnungen überzeugen mich persönlich nicht wirklich. Zu simpel ist der Strich, und zu einfach die Bildkompositionen. Die Szenarien wiederholen sich zu oft und auch die Figuren kennen nur wenig mimische Ausdrücke. Ganz davon abgesehen, dass, wenn man Hägar, seine Frau, seinen Sohn und Sven Glückspilz einmal ausnimmt, die restlichen Figuren zu einheitlich und austauschbar aussehen.

Für mich ist Hägar daher leider kein Kandidat zur Fortführung nach diesem Gratis Comic Tag.

Coco Fisch #1 – Fishing for Compliments [Edition Panel/Panel e.V., August 2010]

Dominik_AVADiesmal möchte ich euch ein kleines kurzweiliges Heft im praktischen DIN A6 Querformat vorstellen.

Dieses Comic Heft bietet dem Leser auf 28 schwarz-weiß Seiten gelungene kurzweilige Unterhaltung zum günstigen Preis von 2.50 Euro. Ich bin eigentlich eher zufällig auf diesen Fisch (Coco) aufmerksam geworden.  Michael Rautenberg alias Rautie bin ich beim damaligen Comic Saloon in Erlangen begegnet. Im Gespräch habe ich mir dann direkt seine Werke gekauft und auch gleich signieren lassen.

Coco der Fisch im Aquarium spricht mit uns.

Coco Fish #1: Fishing for Compliments

Alle unter uns, die Fische haben oder auch nur ansatzweise mögen, machen mit diesem Heft überhaupt nichts falsch. Das liegt einfach daran, dass der Fisch Coco unglaublich cool daherkommt. Coco hat es einfach drauf, er wirkt  sympathisch und schafft es den Leser immer wieder zum schmunzeln, wenn nicht auch zum Lachen zu bringen. Der Fisch Coco im Aquarium spricht mit seinem „Herrchen“. Ein Gag erstreckt sich mal auf 6 Panels, mal auf 3 Panels oder auch auf  4 oder 5 Panels. Rautie sein Strich ist klar und deutlich, im Hintergrund wird nur das nötigste wenn überhaupt dargestellt. Es macht einfach Spaß,  wenn Coco der Fisch die Toilette benutzt, Playstation zockt oder anderweitig seinem „Herrchen“ das Leben erschwert oder auch erleichtert. Sicherlich nicht umsonst geht Coco der Fisch bereits in die dritte Runde. Die dritte Ausgabe ist soeben erst erschienen.  Für den Preis von 2.50 Euro und die kurzweilige Freude die der Leser damit haben wird, von mir eine klare Kaufempfehlung.

Es klingelt an der Tür, wer macht den nun auf?

Wer mehr über Rautie und seine Werke erfahren möchte, kann gerne bei Edition Panel / Panel e.V. oder auf seiner Homepage mal vorbeischauen.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2010 by Rautie und Edition Panel

Gratis Comic Tag 2013 Review (4): Malcolm Max #1: Body Snatchers [Splitter, Mai 2013]

GCT 2013Heute habe ich mir für das erste Gratis Comic Tag Review des Tages den Band Malcom Max ausgesucht. Hier war es vor allem in erster Linie das Cover, welches mich ansprach. Doch kann der Inhalt dem Cover gerecht werden?

Malcolm Max #1: Body Snatchers
(Gratis Comic Tag 2013)

Mysteriöse Morde suchen die lebhafte und im Umbruch befindliche Stadt London am Ende des 19 Jahrhunderts heim. Das Seltsame ist jedoch die Handschrift der Morde. Denn diese tragen Anzeichen eines längst zum Tode verurteilten Serienmörders. Deshalb wird neben Scotland Yard auch der für die Custodes Lucies (Hüter des Lichts) arbeitende Malcom Max aktiv. Zusammen mit der Halbvampirin Charisma Myskina ermitteln sie nicht nur auf nebligen Friedhöfen, sondern auch in der direkten Öffentlichkeit. Immer weiter verdichten sich die Hinweise, das der Täter aus dem Reich der Toten zurückgekehrt sein könnte. Aber ist dies möglich?

Mit „Malcom Max“ legt nicht nur Ingo Römling seinen ersten eigenen Comicband vor, sondern hat auch noch die Ehre ein Skript von Peter Mennigen umsetzen zu dürfen. Mennigen ist in der deutschen Autorenbranche ein wahres Chamäleon. Begonnen hat er seine Arbeiten beim Basteiverlag um dort Abenteuer für die Serien „Gespenster Geschichten“, „Bessy“, „Lasso“, „Silberpfeil“, „Phantom“ oder „Conny“ zu verfassen. Im Laufe seines bisherigen Schaffens arbeitete er auch mit Maroto an „Manos“, mit Morris an „Lucky Luke“ und mit Jean Tabary an „Isnogud“ zusammen und war neben Hörspielen auch für Egmont, WDR, RTL, WWF und Nickelodeon tätig.
Aber auch Ingo Römling hat eine aufsehen erregende Produkt- und Kundenpalette vorzuweisen. neben diversen Cover Designs für Gothic und Metalbands wie unter anderem L’Ame Immortelle ist er auch für EMI, Sony Music, Deutsche Bank, Ubisoft und weitere Unternehmen tätig. Für die Serie „Die Toten“ aus dem Zwerchfell Verlag zeichnete Römling verschiedene Cover und Stories.

Diese ersten 37 Seiten, des eigentlich 80 Seiten umfassenden Originalbandes aus dem Splitter Verlag hat bei mir persönlich ein gemischtes Gefühl zurückgelassen. Die Grundgeschichte ist sehr spannend und auch die Zeichnungen sind stimmig und passen zum Grundtenor des Comics. Dennoch gab es zwischendurch immer wieder Längen in denen ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte auf der Stelle treten würde. Diese Passagen wirkten fast schon störend für den Lesefluss, da sie die Geschehnisse zu extrem ausgebremst haben. Dies kann aber auch daran liegen, dass die eingebrachten Figuren erst einmal etabliert werden müssen.
Eines ist jedoch sicher. Der Gratis Comic hat Appetit auf mehr gemacht, und ich werde mal schauen, ob ich nicht den vollständigen Band bekommen kann, um zu schauen, ob dieser hält, was die Gratis Comic Tag-Ausgabe zu versprechen scheint.

Gratis Comic Tag 2013 Review (2): Monster Allergy #1: Das Haus der Monster [dani books, Mai 2013]

GCT 2013Weiter geht es mit dem nächsten Gratis Comic. Diesmal habe ich mir die erste Episode der Monster Allergy von dani books zur Hand genommen. Zwar war mir die Serie vom Hören-Sagen bereits geläufig, aber ehrlich gesagt, hatte ich sie bisher als reine Kinderserie abgetan. Zu Recht, oder zu Unrecht, das lest ihr jetzt hier:

Monster Allergy #1: Das Haus der Monster
(Gratis Comic Tag 2013)

Elena ist gerade erst von Bigburg nach Oldmill Village gezogen. Dort lernt sie den merkwürdigen, aber echt interessanten Zick kennen. Und dieser hat nicht nur eine Menge an Allergien, sondern auch einen ganzen Haufen an Geheimnissen. Denn Zick kann Geister sehen. Und das nicht nur in seinem alten und äußerlich verfallenen Wohnhaus. Und so kommt es, dass die aufgeschlossene Elena und der merkwürdige Zick schnell Freunde werden und auch sogleich ein aufregendes Abenteuer erleben …

Die ersten 16 Abenteuer der Monster Allergy haben es bereits bei Egmont zu einer Veröffentlichung geschafft. Doch dann war Schluss. Nun aber hat sich der junge Verlag dani books, von Jano Rohleder, der Serie angenommen und veröffentlicht alle 29 Episoden in 8 Bänden. Und um den Leser darauf einzuschwören. Das klappt mit dem vorliegenden Band sehr gut, denn Elena und Zick sind sympathische Figuren, die man schnell in sein Herz schließt. Zusammen mit dem interessanten Setting und den liebevollen Monstern und Geistern ergibt sich eine spannende Mischung. Ich denke, dass ich mir den ersten Band bei Gelegenheit mal zulegen werde.

Gratis Comic Tag Review 2013 (1): Kleiner Strubbel: Kramik der Halunke [Reprodukt, Mai 2013]

GCT 2013Mit dem kleinen Strubbel beginne ich die Reviews der Comics, des Gratis Comic Tages 2013 hier auf dem Blog. In unregelmäßiger Folge werde ich in kleinen kurzen Reviews die Ausgaben vorstellen und meine Meinung kundtun.

Kleiner Strubbel: Kramik der Halunke
(Gratis Comic Tag 2013)

Der kleine Strubbel ist ein neugieriger und strubbeliger Zeitgenosse. Immer auf der Suche nach einem neuen Abenteuer. Und wenn er morgens sein Zuhause verlässt, weiß er oft noch nicht, was ihn erwartet. Und so trifft er in dieser Ausgabe auf Kramik, eine Katze auf einem Bauernhof, der sich als echter Stinkstiefel entpuppt. Anfangs ist Strubbel von seinem neuen „Freund“ noch begeistert, doch schnell merkt er, dass dessen Verhalten überhaupt nicht in Ordnung ist.

Mit „Kleiner Strubbel“ legt Reprodukt einen echten „Comics für Kids“-Band vor. Schon die kleinsten Leser (empfohlen wird Strubbel ab 3 Jahre), können schnell und einfach in die wortlosen Abenteuer eintauchen. Zusammen mit einer Moral, bunten Bildern und spannenden Abenteuern bildet Strubbel einen tollen Einstieg in die Comicwelt für die kleinsten Leser.
Und auch Erwachsene werden mit dem neugierigen Gesellen eine Menge Spaß haben. Wenn sie dabei dann noch ihre Kinder auf dem Schoß haben, multipliziert sich das Erlebnis sogar noch einmal.

Aufzeichnungen aus Jerusalem (Guy Delisle) [Reprodukt, März 2012]

Ich möchte euch erneut im  Rahmen meiner Beschäftigungen mit dem Land Israel ein grandioses Comic-Werk vorstellen. „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ ist eindeutig dem Comic-Genre zuzuordnen, möchte aber weitaus mehr sein, als bloß hübsch erzählt und gezeichnet. Dieser (journalistische) Comic-Bericht gibt dem Leser die Möglichkeit, eine viel präzisere  Sicht auf die Umstände in und um Israel zu bekommen. Mit „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ beweist Guy Delisle erneut nach seinen bisherigen großartigen Reportagen („Shenzhen“, „Pjöngjang“ und „Aufzeichnungen aus Birma“), dass im Medium des Comics die drängende Gegenwart  sowie vor allem auch politische Themen, bearbeitet werden können und auch sollten.

Aufzeichnungen aus Jerusalem

Im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen reist die frankokanadische Ärztin Nadège mit ihrem Mann und zwei Kindern für ein Jahr nach Jerusalem, wo sie im Gasastreifen in einer Station für Nachsorge, Betreuung, Kinderheilkunde und psychologische Beratung arbeiten wird. Ihr Mann Guy betreut tagsüber die Kinder und kümmert sich um den Haushalt. Jegliche freie Zeit nutzt er aus, um Land und Leute kennen zu lernen.  Guy Delisle beobachtet in gewohnt lakonisch-humorvoller Manier den Alltag in Jerusalem. Ein sehr persönliches Bild eines Landes entsteht, welches wie kein zweites von jahrzehntelangen blutigen Konflikten geprägt ist.

Bist du ein Jude?

Bist du ein Jude?

Selten wurden in einem Comic die politischen Verhältnisse in Israel so genau beschrieben. Dazu gehören nicht nur die Karten und Grafiken des Landes, auch illustrierte lexikalische Einträge, Worterklärungen, Schilderungen von Begegnungen und Begebenheiten bzw. allgemein die bekannten Sachverhalte zu erwähnen. So zum Beispiel, dass Israel die einzige Demokratie in der Region sei, allerdings die demokratischen Grundrechte nur seinen Staatsbürgern vorbehalten werde…

Der Leser erfährt auf eine ganz einfache Art und Weise eine ganze Menge über das Land Israel, die Israelis und die Palästinenser. Sehr schön sind die vielen Einzelheiten, die jeweils in kleinen Episoden eingefangenen Beobachtungen von Guy Delisle. So zum Beispiel die voll verhüllten muslimischen Frauen, die in den Supermärkten der jüdischen Siedler einkaufen gehen, oder die Siedler wiederum lassen ihre Autos in den billigen Werkstätten von Wadi AI – Joz reparieren, einem arabischen Viertel in Ost – Jerusalem. Sehr interessant ist allerdings, dass gerade dort als besondere Dienstleistung der Einbau von Kunststoff Fenstern zum Schutz gegen palästinensische Stein Werfer angeboten wird.

Checkpoints an der Klagemauer

Checkpoints an der Klagemauer

All diese feinen Beobachten lassen sich in keinem Nachrichtenbericht wiederfinden. Es sind persönliche Aufzeichnungen und Beobachtungen des Zeichners. Die vielen Absurditäten des Lebens zwischen Israel und dem Westjordanland sind der rote Faden dieses  334 dicken Comic Tagebuches.  Ironisch, lustig und zwischendurch auch erschreckend erfährt der Leser ohne Pathos aber mit poetischem Humor, wie Guy Delisle ein Jahr lang in Israel verbracht hat. Es geht nicht um eine Analyse von Israel oder gar eine Anklage den Palästinensern oder Israelis gegenüber, ganz im Gegenteil, die Beobachtungen des Zeichners, seine gemachten Erfahrungen stehen im Vordergrund.

Zeichnerisch lässt Guy all diese absurden Momente in ruhigen, reduzierten Schwarzweißzeichnungen aufscheinen. Hin und wieder gehen diese in Blau Töne über wenn es Nacht wird, andere Farben kommen zwar vor, aber selten.  Der Lesefluss dieses Bandes zieht sich meinem Empfinden nach nicht in die Länge, auch wenn dieser Band weitaus über 300 Seiten enthält. Durch die einzelnen Episoden und der einfachen Darstellungsweise lässt es sich sehr angenehm lesen.  Die einzelnen  Panels enthalten an sich niemals zu viel Text. Einige Episoden kommen sogar  fast gänzlich ohne Text aus.

Dieses Buch hat mir persönlich einen sehr guten Einblick in die Verhaltensweisen der Israelis und Palästinenser geben können. Es liest sich durchgehend  interessant, beinhaltet doch fast jede Episode einen interessanten (fragwürdigen) oder auch lustigen  Aspekt. Die politischen Wirren werden dem Leser umso erschreckender begreiflich dargestellt, wenn Bomben fallen, geschossen wird oder Menschen sterben.  Und alles dies geschieht in teilweise unmittelbarer Nähe des Zeichners. Dadurch entsteht beim Leser eine Art beklemmendes Gefühl. Ein erstaunlich differenziertes Bild bekommt der Leser nach dieser Lektüre des Landes Israels, in dem man sich wohl als Ausländer ohne Ansprechpartner oder Reiseführer wohl kaum zurechtfinden würde.

Ein Schwimmbad auch für Frauen..

Ein Schwimmbad auch für Frauen..

Dominik_AVAFAZIT:

Mit den Augen von Guy Delisle sieht man das Nahost – Problem nicht neu, aber um einiges schärfer und differenzierter.
Comic Reportagen sind derzeit ja im Kommen. Wer noch nie eine Comic-Reportage gelesen hat und sich darauf einlassen möchte, macht mit diesem Comic Buch überhaupt nichts falsch. Und all die  Leute unter uns, die bereits Erfahrungen mit Comic Reportagen oder auch Berichten gemacht haben, euch kann ich nur sagen, liest dieses Buch. Es ist wahrlich eines der besten Comic-Reportagen über Israel, absolut lohnenswert!

Diesen Comic könnt ihr bei Amazon oder in jedem gut sortierten Comic Laden ordern.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2012 Reprodukt

Gifted – The Great Party (Part One) [Yale Stewart, März 2013]

Mit meiner heutige Comic-Review möchte ich einen ganz besonderen Comic vorstellen. Der erste komplette Comic von JL8-Erfinder Yale Stewart …

Gifted 001 Bild 000Gifted – The Great Party (Part One)

Yale und sein bester Freund Jake wollten eigentlich nur Spaß auf einer Party haben. Feiern, Mädels aufreißen und natürlich ein wenig trinken. Doch kaum sind die Beiden am Ort des Geschehens angekommen, wird Yale auch schon fast von einer jungen Dame vollgekotzt und sein Freund verschwindet in der Masse an feierwütigen Menschen. Als Yale sich nun vorsichtig durch die Menge wuselt, berührt er versehentlich den Po einer jungen Dame und kassiert sofort einen Fausthieb mitten ins Gesicht. Nach kurzer Bewusstlosigkeit und dem darauf folgenden Versuch, sich für dieses Missgeschick zu entschuldigen, verzetteln sich die Beiden auch noch in einen handfesten Streit mit Beschimpfungen und Beleidigungen. Dabei findet Yale das Mädel eigentlich ganz süß. Aber in diesem Augenblick, und unter diesen Umständen, ist eine vernünftige Konversation nicht möglich. Also trennen sich die Wege wieder und Yale lernt eine neue Dame kennen. Aber Diese scheint ebenfalls ein kleines Problem mit Gewalt zu haben, jedoch anders, als es Yale lieb ist. Der Abend ist noch nicht vorbei und Yale stehen einige Überraschungen bevor …

Yale und sein Freund werden standesgemäß begrüßt.

Yale und sein Freund werden standesgemäß begrüßt.

Wenn man die Figuren betrachtet, dann werden schon gewisse Ähnlichkeiten zum Autor und Zeichner der Geschichte, Yale Stewart sichtbar. Offenbar hat Yale ganz bewusst sich selber zum Helden der Geschichte gemacht. Doch ganz egal, ob diese Geschichte autobiografisch ist oder nicht, sie macht Spaß und Sie unterhält. Mit dem wohldosierten Einsatz von kleinen Gags, Slapstickeinlagen und gezielten Pointen, einer emotionalen Liebesgeschichte und dramatischen Wendungen innerhalb der Geschichte fesselt Yale den Leser an die Schicksale seiner Figuren. Sehr schnell gelingt es, sich mit den Protagonisten zu identifizieren und mitzuleiden. So entwickelt sich auch fast ein Zwang, die Geschichte unbedingt weiterverfolgen zu wollen. Was wird aus Yale und Emma, wie wird die Party verlaufen und welche Überraschungen hält der Abend noch für Yale und seinen Freund bereit?

Es war doch nur ein Versehen ...

Es war doch nur ein Versehen …

Für die Zeichnungen ist Yale seinem eigenen Stil, den er bereits bei der JL8 einsetzt, treu geblieben. Aber anders als bei der JL8 nutzt Yale bei Gifted keinerlei Farben. Alle Stimmungen innerhalb der Szenen werden alleine durch Schwarz, Weiß und diverse Schraffuren transportiert. Keine Farben, keine Grautöne. Dennoch ergibt sich ein Artwork, dass mit sehr vielen Details das Auge des Betrachters erfreut. Realismus sucht man in den Zeichnungen zwar vergebens, und der Stil wirkt alles in allem sehr cartoony. Insgesamt unterstützt dies die Handlung aber sehr gut. Fast schon wirkt es so, als würde man das Grundlayout zu einer Animationsserie betrachten, da trotz der Schraffuren viele große und freie Flächen vorherrschen. Ebenfalls sehr gelungen sind die Emotionen, die Yale durch die Gestik und die Mimik seiner Figuren vermittelt. Es fällt immer leicht, die jeweilige Gefühlslage der Protagonisten zu erkennen und abzulesen.

Sich mal so richtig gehen lassen und Party machen.

Sich mal so richtig gehen lassen und Party machen.

FAZIT:

Mit Gifted legt Yale Stewart, der bisher vor allem mit seinen Comicstrips zur JL8 auf sich aufmerksam gemacht hat, einen eigenen „Creator Owned“ Comic vor. Dieser erste Teil umfasst 32 Seiten und ist exklusiv als PDF erhältlich. Mich persönlich hat Yale aber auf jeden Fall schon gewonnen, und ich werde an der Serie dranbleiben. Sollte es später zu einer gesammelten Printveröffentlichung kommen, werde ich auch da noch einmal zugreifen.
Bis es jedoch soweit ist, kann man das erste Kapitel auf http://gumroad.com/l/giftedlol käuflich erwerben. Bereits ab 1 US-Dollar bekommt man eine spannende und lustige Geschichte, die auch mit emotionalen Momenten glänzen kann. Der geneigte Käufer kann aber auch gerne etwas mehr als den Mindestbetrag von 1$ bezahlen, und so Yale und seine zukünftigen Projekte ein wenig unterstützen. So kann man Yale Stewart helfen und weitere Projekte ermöglichen, die sonst vielleicht in irgendeiner Gedankenschublade verstauben würden.

Neue nette Bekanntschaften machen.

Neue nette Bekanntschaften machen.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2013 Yale Stewart