Sonic The Hedgehog Nr. 4 [Panini, Oktober 2013]

Diesmal hat es ein wenig länger gedauert, mit dem Review zum aktuellen Sonic-Comicheft, aber dafür habe ich mir wieder extra viel Mühe gegeben. 😉

Sonic The Hedgehog Nr. 4

Mobius konnte mit Hilfe von Ixis Naugus und Sonic vor dem Angriff des Dr. Robotnik und seines Titan Metal Sonic bewahrt werden. Doch nicht Sonic ist der strahlende Held, sondern Naugus. Dieser behauptet nun auch noch, schon seit langer Zeit der rechtmäßige König von Mobius zu sein, und erhält dank des Verräters Geoffrey St. John die Krone zurück. Während sich Naugus und die geretteten Untertanen von Mobius über diese Entwicklung freuen, sehen es Sonic und die Freedom Fighters ganz anders. Daher wollen sie auch Geoffrey St. John den Prozess wegen Hochverrates machen. Geoffrey jedoch behauptet nicht schuldig im Sinne der Anklage zu sein und fordert sich selbst zu verteidigen. Mit der Darlegung seines Werdeganges und Schicksals hofft er so, seine Unschuld zu beweisen.

Vom Erlöser von Mobius zum neuen König. Ixis Naugus und Geoffrey St. John.

Vom Erlöser von Mobius zum neuen König. Ixis Naugus und Geoffrey St. John.

War die letzte Ausgabe noch ganz schön wirr, so kommt es diesmal alles schon viel stimmiger daher. Die Handlung setzt direkt an der letzten Ausgabe an, und auch wenn sehr viel aus bisher nicht auf deutsch erschienenen Heften aufgegriffen wird, kann man dieser leicht folgen. Dabei bleibt es dennoch spannend und verliert sich nicht in vergangenen Details. Dazu muss ich aber auch anmerken, dass die letzte Ausgabe nicht nur damit zu kämpfen hatte, dass sie neue Handlungsstränge etablieren musste und, zumindest den US-Lesern, eine nachvollziehbare Brücke zur Handlung vor Genesis (zu finden in Sonic Nr. 1 und Sonic Nr. 2) zu schaffen. Auf Deutsch ging das leider ein ganzes Stück nach hinten los. Maßgeblich dazu beigetragen haben dann aber auch noch die zwei Kurzgeschichten, die in der letzten Ausgabe enthalten waren. Dieses Mal gibt es nur eine Kurzgeschichte, welche sich wiederum sehr gut in die Gesamthandlung einfügt. Während der erste Teil des Heftes noch massiv auf Action und Dramatik setzt, lebt der zweite Teil, mit der Verhandlung zum Prozess, von sehr vielen Rückblenden. Dennoch kommt auch hier keine Langeweile auf. Vielmehr ergibt sich so eine sehr schöne Charakterisierung einer zumindest in Deutschland eher unbekannten Figur. Trotzdem ist es sehr schnell möglich, sich in die Gedanken- und Handlungsgänge dieser Figur zu versetzen.

Bunny ist nach der Heilung durch Naugus sehr betrübt.

Bunny ist nach der Heilung durch Naugus sehr betrübt.

Das Artwork dieser Ausgabe bleibt dafür auf dem gleich guten Niveau, wie die Vorgängerausgaben. Hier gibt es nichts auszusetzen. Die Zeichnungen von Ben Bates und Terry Austin passen perfekt zu Sonic und seiner abgedrehten Welt. Mit dynamischen Bildern und einer rasanten Panelanordnung ergibt sich so eine spannende und mitreisende Geschichte. Das einzige Manko, mit dem Sonic aber schon seit der ersten deutschen Ausgabe zu kämpfen hat, ist, dass die Seiten manchmal sehr überladen wirken und so schnell die Übersicht verloren geht. Auch die Koloration von Matt Herms, die hier und da versucht noch Grenzen zu setzen, schafft es nicht dies zu verbergen. So kommt es dann schon einmal vor, dass manche Seiten zu einem Brei aus Farben, Strichen und Buchstaben mutieren. Davon abgesehen ist aber ein Großteil des Artworks sehr gelungen. Zwar werden nach wie vor die Details hauptsächlich über die Farben erzeugt, aber dennoch wissen selbst die Grundzeichnungen schon mit vielen Kleinigkeiten aufzuwarten.

Geoffrey vor Gericht.

Geoffrey vor Gericht.

FAZIT:

Nach der letzten eher mäßigen Ausgabe, macht diese wieder wesentlich mehr spaß, was vor allem am Gesamteindruck und die durchgehend nachvollziehbare Handlung erklären lässt. So ist Sonic nicht nur wieder der schnellste Igel der Welt, sondern auch erneut ein spannendes Comicheft. Dazu kommt, dass Panini einiges an Extras bietet. Neben einem Poster, mit dem Covermotiv der zweiten Ausgabe, gibt es drei Rätsel, eine Übersicht der Bösewichte, einen Steckbrief zu Geoffrey St. John und Leserbiefe samt Leserzeichnungen. Auch wenn es streng genommen nur eine Leser-E-Mail und drei Bilder sind. Aber ich finde es, wie bei den Simpsons Comics, eine schöne Bereicherung.
Somit erhält Heft Nummer vier von mir wieder eine klare Kauf- und Leseempfehlung für alle Fans des blauen Igels und Freunde kurzweiliger Funcomics.

Eines der redaktionellen Extras. Der Steckbrief von Geoffrey.

Eines der redaktionellen Extras. Der Steckbrief von Geoffrey.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2011 – 2013 Archie Comics / Panini Comics

Die Übertragung [avant–verlag, April 2013]

Heute möchte ich über eine sensationelle Entdeckung meinerseits berichten, nämlich über den hervorragenden Comic von Manuele Fior: „Die Übertragung“.

Aufmerksam geworden auf Manuele Fior bin ich durch den meiner Meinung nach sehr gelungenen Comic: Fünftausend Meter in der Sekunde“. Dieser hat mir so gut gefallen, dass ich bereits mit einer enormen Vorfreude auf sein neuestes Werk gewartet habe. Haben mich in “Fünftausend Meter in der Sekunde” die schönen Zeichnungen und allem voran die Farbgebung maßgeblich umgehauen in Kombination mit einer hervorragenden Story, so sieht es auf den ersten Blick bei „Die Übertragung“ ganz anders aus.

Die Übertragung

Zeichnerisch ist der gesamte Band in schwarz – weiß gehalten. Bereits das Cover enthält dementsprechend keine Farbgebung. Zeichnerisch hat mir dieser Band auch ohne Farbe äußerst gut gefallen. Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind allerdings die Gesichter und deren Formen. Diese wirken durchaus etwas unpassend zum gesamten Körper der Figuren, was aber in Bezug auf die Story und deren Verlauf nicht weiter tragisch ist. Die Gesichter wirken teils etwas rund, teils etwas lang gezogen, wahrscheinlich verstärkt die enorme Ausdrucksweise der gezeichneten Augen diesen Eindruck. Die Zeichnungen sind nicht zu sehr detailverliebt im Hintergrund sowie an den Charakteren selber. Alles ist schön zu erkennen und für den Leser wahrzunehmen. Dennoch, etwas mehr Detailverliebtheit würde meiner Meinung nach nicht schaden. Richtig gut zur Geschichte passend gelingt es Manuele Fior die Zeichnungen so zu gestalten, dass durch diese die Spannung stellenweise bis ins Unermessliche steigt. So gibt es in einer Szene auf knapp 2 Seiten nahezu nur Dunkelheit zu sehen. Die Zeichnungen skizzieren ein Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, zwischen Tag und Nacht. Immer wieder aufgelockert durch beeindruckende panoramaartige Ansichten, die den Leser in den Seiten schwelgen lassen. Eine lockere und durchaus erschwingliche Atmosphäre wird am Tag unter anderem durch gekonnt in Szene gesetzte Aquarelltupfer erzeugt. Dies geschieht vornehmlich in wichtigen Gesprächen der einzelnen Charaktere.

Die Aufmachung dieses Bandes kann sich ohne Kompromisse sehen lassen. Im Hardcover-Format (Maße: 22,8 x 30,7 cm ) auf 176 Seiten macht der Berliner Avant – Verlag absolut nichts falsch.

Ohne ein Vorwort geht es direkt mit der Geschichte auch schon los:

KLAPPENTEXT

In einer nahen Zukunft ist die gesellschaftliche Entwicklung erstarrt. Während sich die reiche Oberschicht in Enklaven auf dem Land absondert, übernehmen die jungen Menschen die aufgegebenen Stadtzentren und suchen dort nach einem anderen Leben. Raniero, ein Psychologe in den 50ern, kriegt mit der enigmatischen Dora, einem Mitglied der Bewegung „Die Neue Konvention“, eine neue Patientin, die ihn aus seinem schematischen Alltag reißt. Dora behauptet, telepathische Fähigkeiten zu haben und seltsame Formen am Himmel zu sehen – Zeichen einer außerirdischen Zivilisation. Visionen, die auch Raniero teilt …

Das Szenario mag vielleicht den ein oder anderen vom Klappentext her etwas irritieren, jedoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Die Story weiß von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln.
Der anfängliche Autounfall und der erste Kontakt mit den schier unerklärlichen Phänomenen sind wahrhaftig gut in Szene gesetzt. Allein nach dieser Anfangssequenz möchte man schon unbedingt Wissen, wie es den hier weitergeht. Und all die entstehenden Fragen werden zumindest im Ansatz letztendlich auch beantwortet, wobei dem Leser zum Ende hin genügend Spielraum für seine eigenen Gedanken bleiben. In erster Linie geht es hier zum einen um die seltsamen unerklärlichen Phänomene am Himmel aber ebenso um die Beziehungen der Menschen untereinander. Generationenübergreifende Fragen und Verhaltensweisen werden angesprochen und thematisiert, so zum Beispiel die Ehe und das Thema Familie. Raniero hatte einen Autounfall, und seine Frau ist gerade dabei, ihn zu verlassen. Auf der Arbeit begegnet Raniero seiner neuen Patientin, die anscheinend dieselben mysteriösen Zeichen am Himmel sehen kann. Es entwickelt sich eine äußerst spannende Geschichte, die vorwiegend auch die Beziehungskonflikte der einzelnen Charaktere behandelt. So gehört Ranieros Patientin der neuen Konvention an, was bedeutet: Im Artikel 1 steht, die neue Konvention gründet sich auf dem Prinzip der Nichtexklusivität. Es scheint Raniero schon abstoßend genug, dass sich zwei Personen gleichzeitig von jemandem angezogen fühlen können.
Diese auftretenden Konflikte zwischen jungen andersdenkenden Menschen und der älteren Generation werden von Manuele Fior gekonnt thematisiert, ohne letztendlich den Bezug zu den seltsamen Phänomenen zu verlieren. Zum Ende der Geschichte rücken diese seltsamen Phänomene wieder in den Vordergrund und entwickeln ein überraschendes durchaus befremdliches Ende. Über das gesamte Album hinweg entsteht beim Leser eine Art Faszination und Befremdlichkeit dem übernatürlichen gegenüber. Einerseits meint der Leser durchaus alles schon Mal so oder ähnlich anderswo gelesen zu haben, um dann im selben Augenblick Raum und Boden unter den Füßen zu verlieren. Dieses Wechselspiel von Vertrautheit und Faszination gepaart mit Fremdheit entfalten eine enorme Spannung, die sich wahrhaftig bis zum Ende zieht. Einzig und allein eben dieses Ende könnte dem ein oder anderen missfallen, was aber meiner Meinung nach Geschmackssache ist.

Dominik_AVAAlles in allem habe ich mich sehr gefreut, dieses Werk lesen zu dürfen. Auch wenn mir „Fünftausend Meter in der Sekunde“ etwas besser gefallen hat, aber das mag wohl wirklich größtenteils an der tollen Farbgebung liegen, die hier einfach „fehlt“ (was nicht weiter schlimm ist, da die Zeichnungen wirklich gut zur Geschichte passen auch ohne „Farbe“). Die Story mag auf den ersten Blick unspektakulär oder auch belanglos klingen, aber ich kann wirklich nur noch mal sagen: Lasst euch davon nicht irritieren.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2013 Avant – Verlag & Manuele Fior

Dieser Comic ist in jedem gut sortierten Comicladen oder direkt bei Amazon zu bestellen.

Gratis Comic Tag 2013 Review (30): Holzhof Comix 3 [Holzhof Verlag, Mai 2013]

GCT 2013Was lange währt, wird endlich gut. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall liegt die Ausgabe schon eine ganze Weile hier rum, und das obwohl ich eigentlich versprochen hatte, sie so schnell, wie möglich nachzuliefern. Asche auf mein Haupt. Aber hiermit erfülle ich meine Pflicht schlussendlich doch noch …

Holzhof Comix 3
(Gratis Comic Tag 2013)

Der letzte Kobold reist in die Vergangenheit und das nur, weil er sich in den Katakomben Roms verlaufen hat, während die Virtonauten von Remory in kurzen Abenteuern quer durch die Weltgeschichte reisen. Den prozentual Größten Anteil an dieser Ausgabe haben die kurzen Zeitungsstrips von Bogomil des Ostberliner-Künstlers Willy Moese. Derweil muss Alwin seine verlorenen Koffer aus dem zweiten Gratis Comic Tag Heft, von 2012, wiederfinden und macht sich nicht gerade unbemerkt auf den Weg, diese wiederzufinden. Den Abschluss bilden dann noch Lutz Molch und Ali Gator, in kurzen zweiteiligen Comicstrips.

Inhaltlich konnte mich diese Ausgabe leider überhaupt nicht überzeugen. Comicstrips funktionieren meines Erachtens sowieso nur wohldosiert, und die restlichen Storys können mangels fehlender Tiefe nicht wirklich überzeugen. Egal ob die verquere und wirre Story mit dem letzten Kobold, die aber zeichnerisch wenigstens noch überzeugen kann, oder die Virtonauten von Remory, die nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell wir ein Laiencomic wirken. Weder ist die Handlung gut ausgearbeitet noch die Bilder einigermaßen professionell gezeichnet. Alles wirkt einfach nur so, als wäre ein Freizeitcomicmacher hier am Werk. Oder es soll nur so aussehen. Egal, was nun davon. Überzeugen konnte es mich kein Stück. Ähnlich ist es mit dem Molch und dem Krokodil. Auch hier wirkt alles sehr unausgereift und merkwürdig. Otto und Alwin sind zwar Kult, aber meine zeit mit den beiden ist vorbei. Im Moment können sie mich nicht reizen. Weder inhaltlich noch vom Artwork her. Auch wenn J. Günther seinen Stil durchaus verbessert hat. Über die Strips von Willy Moese und seinen Bogomil kann man sagen, was man will. Die funktionieren auch heute noch, aber alle am Stück, wird dann doch langweilig. Lieber wohl dosiert und in Häppchen.

Alles in allem kann mich diese Gratis Comic Tag-Ausgabe nicht davon überzeugen, etwas aus dem Verlagsprogramm des Holzhof Verlages zu erwerben. Alles ist mir zu nichtssagend und zeichnerisch zu unausgegoren, und die einzigen Dinge, die gefallen sind nur in kleinen Dosen genießbar, sodass ich mir kein vollständiges Buch davon anschaffen würde. Zumindest vorerst nicht.

Sonic the Hedgehog Nr. 3 [Panini, August 2013]

Nachdem in den ersten beiden Ausgaben der Genesis-Vierteiler den Weg für neue Abenteuer geöffnet hat, geht es diesmal mit einem „neuen“ Abenteuer weiter. Irgendwie zumindest …

Sonic Nr. 3

Die Welt ist gerettet und Sonic hat seinen Freunden ein neues Leben ermöglicht. Doch zum Ausruhen ist keine Zeit. Denn plötzlich finden er und seine Freundin Sally sich im Death Egg (dem Transportschiff von Dr. Eggman) wieder und müssen sich nun gegen ihn und seine Droiden wehren. Noch immer will dieser den Heimatplaneten von Sonic, Mobius, robotisieren, ihn also komplett in Maschinen und Roboter umwandeln. Hierfür hat er extra einen kosmischen Resetknopf, mit dem er das ganze Universum zurücksetzen will. Aber irgendetwas scheint nicht so recht zu funktionieren. Gerade als Sonic und Sally Eggman aufhalten passiert das Unglück. Sally schafft es, im letzten Moment den Strahl des Robotisierers auf das Death Egg zu lenken. Eggman ist stark angeschlagen und Sonic und seine Freunde sind siegreich. Doch zu welchem Preis. Sally war ungeschützt und ist nun robotisiert. Jetzt liegt es an Sonic und seinen Freunden, Sally aus den Klauen von Eggman zu befreien …

Sally nach dem Angriff des Robotisierers.

Sally nach dem Angriff des Robotisierers.

Selbst wenn man, wie ich, die vorangegangenen Hefte gelesen hat, wirkt die Geschichte wirr und zusammenhanglos. Das Ende der letzten Ausgabe hat zwar den Weg für neue Geschichten geöffnet, aber was Autor Ian Flynn hier den Lesern vorsetzt, empfinde ich persönlich als eine Frechheit. Aber vielleicht ist auch nicht Flynn der Schuldige, sondern Panini? Denn bei meinen Recherchen im Netz habe ich herausgefunden, dass die Genesis-Storyline aus den ersten beiden Heften noch eine Vorgeschichte besitzt und „Genesis“ sozusagen nur einen Mittelteil darstellt. Doch leider besitze ich diese Ausgaben nicht, um dies nachzuprüfen. Ein weiterer Punkt, der die Verwirrtheit bestärkt, sind die beiden enthaltenen Kurzgeschichten. Während die Zweite noch einen tieferen Einblick in die Geschehnisse der Hauptgeschichte gewährt, stellt die erste Kurzgeschichte einen Prolog zum PC und Videospiel Sonic Generations dar. Als Dreingabe ganz positiv, in der Positionierung innerhalb des Heftes eher unglücklich.

Mobius wird von einem Riesen-Sonic-Titan angegriffen.

Mobius wird von einem Titan Metal Sonic angegriffen.

Das Artwork reiht sich auch diesmal wieder nahtlos in das bekannte Design der bisherigen Ausgaben und auch Sonic-Spiele ein. Bunt, schnell und sehr dynamisch kommen die einzelnen Panels daher. Maßgeblich an dieser Dynamik ist, wie auch bei den vorangegangenen Ausgaben, neben Zeichner Ben Bates, der talentierte und renommierte Tuscher Terry Austin. Dieser konnte bereits bei Marvel an diversen Superhelden sein Talent unter Beweis stellen. Auch Zeichner Evan Stanley, der die zweite Kurzgeschichte umsetzte, passt sich dem Gesamtstil an, wenngleich seine Zeichnungen ein wenig abweichen. Vor allem wenn es um die Proportionen der Figuren geht.

Ixis Naugus, nachdem er aus dem Death Egg geschleudert wurde.

Ixis Naugus hat eine multiple Persönlichkeit.

FAZIT:

Wie auch die Ausgaben 1 und 2, bleibt dieses Heft kurzweilig und spannend -wenn man sich denn mal in das Wirr-Warr eingefunden hat. Dazu braucht man dann doch schon etwas mehr Zeit, als bei den ersten beiden Heften und es tut dem Lesespaß einen ganz schönen Abbruch, wenn man immer wieder einmal zurückblättern muss, weil man das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben, was dann aber doch nicht passiert ist. Von daher fällt diese Ausgabe im direkten Vergleich mit den ersten beiden etwas ab. Dennoch bleibt Sonic ein unschlagbar günstiger Fun-Comic mit Videospiel-Background, der auch beim zweiten und dritten Durchblättern noch Spaß macht. Erst recht mit den gelungenen Zeichnungen, in denen man immer wieder kleine Details aus den Spielevorbildern entdeckt.

Zwei Sonics? Die Antwort gibts in Sonic Generations.

Zwei Sonics? Die Antwort gibts in Sonic Generations.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2011-2013 Archie Comics / Panini

17. Juni – Die Geschichte von Armin und Eva [Metrolit, Mai 2013]

Heute gibt es eine ganz besondere Review. Besonders, in mehrfacher Sicht. Denn zum einen behandelt sie ein Thema, welches gerade in Ostdeutschland viele Menschen bewegt hat, oder sogar noch bewegt. Zum anderen stammt die hier besprochene Ausgabe von einem kleinen Verlag, der bisher noch nicht wirklich für Graphic Novels, oder auch Comics genannt, bekannt war. Doch nachdem ich diesen Band auf Nachfrage als Rezensionsexemplar erhalten habe, kann ich ihn auch euch nur wärmstens ans Herz legen, wenn ihr etwas außergewöhnliches sucht …

17. Juni – Die Geschichte von Armin und Eva

Westberlin 1990. Der Fall der Mauer liegt gerade ein paar Monate zurück, als es an der Tür von Eva Katz läutet. Verwundert darüber, dass sie eigentlich keinen Besuch erwartet, öffnet sie die Tür. Vor ihr steht ein ihr Unbekannter, der sich als Artjom Semjonow zu erkennen gibt. Er überreicht Eva ein Foto, welches in ihr sofort Bilder aus der Vergangenheit hervorruft. Auf dem Bild sind sie und ihr damaliger Verlobter Armin Mahlke zu sehen. Und eigentlich wollten die beiden heiraten. Doch dazu kam es nie, denn Armin verschwand kurz nach dem 17. Juni 1953. An diesem Tag fanden in der gesamten DDR die Arbeiteraufstände statt, und Armin wurde als einer der Rädelsführer verhaftet. Erst jetzt erfährt Eva aber die gesamte Wahrheit, die damals ihr Cousin, der Reporter Eddi Kahlow nicht vollständig aufdecken konnte …

Alles beginnt und endet hier: Westberlin

Alles beginnt und endet hier: Westberlin

2013 jährte sich der Jahrestag der blutig niedergeschlagenen Aufstände bereits zum 60. Mal. Und noch immer gibt es Menschen, die von den damaligen Unruhen nichts wussten, oder es aber einfach nicht wahrhaben wollen und lieber verschweigen. Deshalb und um diesen Teil der ostdeutschen Geschichte nicht irgendwann zu verlieren haben sich Alexander Lahl, Tim Köhler und Max Mönch zusammengetan und diese zwar fiktive, aber auf historisch wahren Begebenheiten beruhende Geschichte zu Papier gebracht. Mit dramatischen Worten und einer eindringlichen Erzählweise werden die Ereignisse aus dem Sommer 1953 aufgearbeitet. Dabei gleitet die Story niemals in den Kitsch ab und arbeitet auch historische Fakten ein, ohne zu langweilen.

Der Beginn des Aufstandes.

Der Beginn des Aufstandes.

Für das Artwork, welches durchaus gewöhnungsbedürftig ist, zeichnet sich die 1960 geborene, Berliner Künstlerin Kitty Kahane verantwortlich. Kahane hat bereits einige Ausstellungen und Veröffentlichungen vorzuweisen und war unter anderem auch als Produktdesignerin für Volkswagen tätig. Für „17. Juni“ wählte sie einen skizzenhaften Stil aus Bleistift und Kohlezeichnungen. Die Figuren sind minimalistisch und besitzen gerade genug Details um sie wiederzuerkennen und auseinanderhalten zu können. Gleiches gilt für die Szenarien und Landschaften. Auch diese kommen mit gerade einmal so wenigen Details daher, dass sie dennoch aus dem Berliner Stadtbild wieder erkannbar sind. Und trotzdem fügt sich das Artwork nahtlos in das Gesamtbild ein.

Massen werden mobilisert.

Massen werden mobilisert.

FAZIT:

Ein außergewöhnliches Buch über ein geschichtliches Ereignis, welches wohl leider nur sehr wenig Anklang finden wird. Die Geschichte an sich betrifft in der Gesamtheit zu wenig Menschen, auch wenn sie spannend inszeniert ist und mit historischen Fakten aufwarten kann. Anders als so manche Hollywoodverfilmung, wie zum Beispiel Pearl Harbour oder Titanic, die sich einem geschichtlichen Thema annimmt und dann im eigenen Pathos ertrinkt, versucht dieser Band authentischer und geradliniger zu sein. Das Ziel ist damit auch durchaus erreicht, nur leider ist er dadurch auch weniger ansprechend für eine größere Zielgruppe.
Dennoch sollte jeder, der sich auch nur annähernd mit der Geschichte des geteilten Deutschlands auseinandersetzt, dem Buch eine Chance geben. Denn dieses hat weitaus mehr zu bieten, als ein robustes Hardcover und eine solide Verarbeitung. Nämlich eine Geschichte, die Schicksale widerspiegelt, aus einer Zeit, die bald schon vergessen sein wird. Und die nicht die mediale Präsenz eines zweiten Weltkrieges hat, und auch niemals haben wird, aber dennoch genug Menschen, zumindest im Ostteil Deutschlands, betroffen hat, und so manche noch immer betrifft.

Gealt ist keine Lösung. Doch damals schien das keiner zu wissen.

Gewalt ist keine Lösung. Doch damals schien das keinen zu stören.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2013 Walde + Graf bei Metrolit

Kleine Welt (#1) [THENEXTART Verlag, Mai 2013]

Auf dem Comicfestival in München habe ich mich mit den Künstlern beim THENEXTART Verlag unterhalten. „Kleine Welt“ von Steven Grau habe ich mir signieren lassen und für 5.00 Euro gekauft.

Kleine Welt

Interessant ist, dass bereits auf dem Cover der Zusatz „Graphic Novel“ steht.
Bisher war mir gar nicht so geläufig, dass auch bereits 24 seitige Hefte im Prestige Format (Klebebindung) unter die Kategorie „Graphic Novel“ fallen können.  Doch bei Wikipedia kann man nachlesen, dass  durchaus auch Comics (Hefte) als „Graphic Novel“ bezeichnet werden können. Wie dem auch sei, ich finde den Zusatz „Graphic Novel“ bei  „Kleine Welt“  etwas irreführend bzw. irritierend.  Preislich finde ich fünf Euro für 24 Seiten etwas zu viel. Vergleicht man hier das Preis Leistungsverhältnis mit anderen Heften, so sieht man das der Leser teilweise mehr Umfang für weniger Geld geboten bekommt.

Rocko und Riko auf dem Weg zum Deponie

Rocko und Riko auf dem Weg zum Deponie

Was lässt sich über die Geschichte schreiben?
Rocko und Riko leben mit ihren Familien am Rande der Stadt in Plattenbauten. Hinter diesen Plattenbauten gibt es noch den Wald. Rocko und Riko lieben den Wald und verbringen viel ihrer freien Zeit dort, doch eines Tages scheint sich auf einmal alles zu ändern.
Gemeinsam versuchen sie ihren schönen Wald am Leben zu erhalten. Muss der Wald sterben aufgrund des Mülls und der Umweltverschmutzung? Rocko und Riko setzten ihren Gegnern alles entgegen was sie zu bieten haben, bis einer von den beiden erschossen wird.

Lange Nase

Lange Nase

Die Charaktere sind allesamt proportioniert dargestellt, einzig und allein ihre Nasen werden überzogen gezeichnet. Auf den ersten Blick  mag dies vielleicht etwas komisch wirken, ist aber für den Verlauf der Geschichte und der Handlung nicht weiter störend. Ich finde eine normale Charakterisierung der Personen wäre ebenso in Ordnung gewesen wie diese hier. Die Farbgebung gestaltet sich anders als erwartet bunt in kräftigen Farben. So sticht der graue Beton der Plattenbauten heraus, das Grün des Walds, oder das Blau des Himmels. Im Hintergrund findet sich nur das nötigste. Manchmal wird durch eine grelle Farbe (Orange, Rot) ein Panel gefüllt. Nette Anspielungen auf die Volksbank oder auf eine mögliche Biersorte lassen den Leser schmunzeln.

Dominik_AVAFAZIT:

Die Geschichte ist an sich vorhersehbar, jedoch ist das Ende nicht befriedigend genug für mich. Ohne zu viel vorweg zu nehmen sei gesagt, dass durch diesen Kniff in der Handlung letztendlich das Ende offen ist. Das alles ist schön und gut, aber auf nur  24 Seiten  ist es äußerst schwierig zu den Protagonisten auch nur ansatzweise eine „Beziehung“ aufzubauen. Der Leser erfährt eigentlich gar nichts persönliches über Riko und Rocko.  Einige Szenen für die Handlung werden meinem Empfinden zu schnell auf nur wenige Panels begrenzt abgehandelt. So zum Beispiel bei der Verfolgungsjagd von Riko und Rocko oder die Umweltverschmutzung des Waldes. Für eine „Graphic Novel“ fehlt hier eindeutig eine tiefgründigere Charakterisierung. Wichtige Handlungsszenen benötigen mehr Spielraum um dem Leser die Geschichte besser begreiflich darstellen zu können. Somit ist diese Geschichte meiner Meinung nach sehr kurzweilig, durchaus aber interessant zu lesen.

Mein Fazit ist dementsprechend durchwachsen. Eine klare Kaufempfehlung kann ich beim besten Willen aber nicht geben.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2013 by THENEXTART

Dieses Heft kann bei jedem gut sortierten Comic Händler, oder direkt bei THENEXTART bestellt werden.

Malcolm Max Nr. 1: Body Snatchers [Splitter, März 2013]

Die Gratis Comic Tag Ausgaben sollen ja eigentlich die Leser anspornen und neue Comicleser gewinnen. Dass dies funktionieren kann, haben die vergangenen Jahre bereits gezeigt. Bei manchen Titeln ist es jedoch so, dass man nach der Gratis Comic Tag-Ausgabe immer noch unschlüssig ist. Ein solcher Titel war in meinen Augen auch Malcolm Max. Also habe ich bei Splitter nachgefragt, ob man mir den kompletten Band als Rezensionsexemplar zukommen lassen würde, um zu prüfen, ob sich die begonnene Spannung aus dem GCT-Heft auch in dem Album fortsetzt. Oder ob man sich hier bewusst für das erste Drittel entschieden hat. Das Ergebnis könnt ihr nun hier lesen:

Malcolm Max Nr. 1: Body Snatchers

London, im ausklingenden 19. Jahrhundert. Mysteriöse Morde erschüttern die Stadt. Morde die so grausam, wie auch rätselhaft sind. Immer wieder werden junge Frauen mit 13 Messerstichen übel zugerichtet, und danach medienwirksam präsentiert. Doch diese Morde rufen nicht nur die Polzei auf den Plan, sondern auch eine geheime Organisation namens „Custodes Lucis“, der auch der Agent des übernatürlichen Malcolm Max angehört. Zusammen mit seiner reizenden Begleiterin Charisma Myskina macht er sich auf, die Morde aufzuklären. Doch im Verlaufe dessen stellt sich heraus, das der mutmaßliche Täter nicht nur bereits ermittelt und gefasst, sondern bereits hingerichtet und begraben wurde. Hat sich hier ein Nachahmer eingefunden, oder ist der Mörder aus dem Reich der Toten zurückgekehrt …?

Action auf dem Friedhof.

Action auf dem Friedhof.

Malcom Max könnte die Neuheit des Jahres werden, wenn da nicht bereits die vorangegangenen Hörspiele wären. Denn wenn man genau nachprüft, dann kann der mysteriöse Agent bereits eine beachtliche Anzahl an Abenteuern vorweisen. Und diese stammen ebenfalls aus dem Kopf des geistigen Vaters Peter Mennigen. Dieser hat aber nicht nur Erfahrungen mit Malcom Max, sondern auch mit Comics im Allgemeinen. Immerhin hat er bereits Abenteuer für die Bastei-Serien „Gespenster Geschichten“, „Bessy“, „Silberpfeil“, „Lasso“, „Conny“ und „Phantom“ verfasst. Außerdem durfte er auch mit Maroto an „Manos“, mit Morris an „Lucky Luke“ und mit Jean Tabari an „Isnogud“ zusammenarbeiten. Was das Erzählen von Geschichten der unterschiedlichsten Helden betrifft, ist Mennigen also ein wahres Chamäleon. Dies zeigen auch seine Erfahrungen als Hörspielautor für Egmont, den WDR, RTL, den WWF und den Kindersender Nickelodeon.
Für Malcolm Max: Body Snatchers hat sich Mennigen das viktorianische London im späten 19. Jahrhundert ausgesucht. Eine Zeit der Veränderung, des Umbruchs und des technischen Fortschritts. Und dennoch auch eine Zeit der Mysterien, skrupellosen Gewalt und krassen Gegensätze. Eine Stadt, die einerseits für Glamour und Reichtum steht und andererseits gnadenlose und verkommene Armut in den Slums im East End beherbergt. Mittendrin platziert Mennigen einen Mörder, der Jack The Ripper in nichts nachsteht. Ebenso mysteriös und genauso gewalttätig. Doch Malcolm und Charisma, die auch noch eine Halbvampirin ist, sind nicht auf den Kopf gefallen. Beide Figuren sind interessant und facettenreich charakterisiert. Während Malcolm ein Edelmann der alten Schule und dennoch ein Playboy sondergleichen ist, ist Charisma eine wunderschöne Dame, die aber wiederum ihr Mundwerk und auch ihre Fäuste gekonnt einzusetzen weiß.

London im Aufbau. Die Abwasserrohre werden verlegt.

London im Aufbau. Die Abwasserrohre werden verlegt.

Für die grafische Umsetzung hat man sich mit Ingo Römling einen ebenfalls bekannten Namen in der deutschen Comicbranche geangelt. Und dennoch stellt Malcolm Max, sein erstes eigenes Comicalbum dar. Denn neben Plattencovern für L’Ame Imortelle, sowie andere Gothic und Metalbands hat er vorrangig als Designer für Kunden wie EMI, die Deutsche Bank und Ubisoft gearbeitet. Dennoch ist er comictechnisch nicht unbedarft. Er zeichnete bereits einige Cover und Abenteuer zu Zwerchfells Top-Zombie-Serie „Die Toten“.
Und auch hier sehen Römlings Tote einfach nur grauenhaft eklig aus. Und das ist nicht auf seinen Zeichenstil gemünzt, sondern seine wirklich fantastische Darstellung des „Nichtlebens“. Dem gegenüber stehen wunderschöne Damen wie Charisma Myskina, Fiona Pankhurst und die Opfer des Mörders, bevor dieser zuschlägt. Am faszinierendsten ist aber für mich, die Vielzahl der Gesichter, die Römling auf das Papier zaubert. Keine der Damen gleicht einer anderen. Auch die Landschaften, wie der Londoner Friedhof, ein düsteres und monumentales Fabrikgebäude und die Innenstadt von London, weiß Römling mit viel Liebe und einer unvergleichlichen Detailfülle zum Leben zu erwecken. Das hier dennoch die Farben Rot und Braun dominieren und dadurch wirken, wie als wenn Mann alte Fotos mit ihrem Sepiafarbton betrachtet, vermittelt ein mitreißendes Feeling.

Eine von vielen mysteriösen Kulissen.

Eine von vielen mysteriösen Kulissen.

FAZIT:

Der vollständige erste Band setzt nicht nur die Spannung des Gratis Comic Tag-Heftes fort, sondern legt noch eine Schippe oben drauf. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Malcolm mit Charisma durch die Straßen, dunklen Gassen, auf Friedhöfen und sogar verlassenen Fabrikgeländen auf Ermittlungstour geht. Ebenfalls sehr positiv, im Vergleich zur Gratis-Ausgabe, fällt das Format dieses Bandes auf. Dadurch, dass dieser fast doppelt so groß ist, wirken die Zeichnungen um einiges fantastischer, als in der „geschrumpften“ Version. Noch mehr Details kommen zum Tragen und jedes Panel lädt zum neuen Entdecken ein.
Die einzige große Enttäuschung dieses wunderschön aufgemachten Hardcovers mit dem tollen Bonusmaterial, wie Biografien, Entstehungsgeschichte, Skizzen und Artworks, ist der massive Cliffhanger. Wie lange muss man jetzt warten, bis man erfährt, wie es mit Malcom Max und Charisma Myskina weitergeht, nachdem sie am Ende so dramatische Entwicklungen durchmachen müssen.

Charisma Myskina, Skizze von Ingo Römling.

Charisma Myskina, Skizze von Ingo Römling.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2012/2013 Ingo Römling/Splitter

„Malcolm Max #1: Body Snatchers“ bei Splitter bestellen.
„Malcolm Max #1: Body Snatchers“ bei Amazon bestellen.

Gratis Comic Tag 2013 Review (23): Doppeltes Glück mit dem Roten Affen [Avant Verlag, Mai 2013]

GCT 2013Dieser Gratis Comic Tag-Beitrag vom Avant-Verlag wurde bereits im Vorfeld mit vielen Vorschusslorbeeren überschüttet. Das kann zwei Dinge bedeuten. Entweder der Comic ist wirklich sehr gut, oder die Marketingmaschine funktioniert einfach nur bestens. Meine Meinung dazu gibt es jetzt hier:

Doppeltes Glück mit dem Roten Affen
(Gratis Comic Tag 2013)

Dave ist ein ziemlich erfolgloser Zeichner mitten in der südafrikanischen Metropole Kapstadt. Seine künstlerischen Ambitionen werden von seinem Auftraggeber nicht gewürdigt und seine Wohnung ist nur eine billige Absteige. Zu allem Überfluss hat er am Morgen auch noch vergessen das Wasser abzudrehen, was zu einer Überschwemmung führte, seine Freundin hat mit ihm Schluss gemacht und sein Freund, ein merkwürdiger Hippie, erleichtert ihn nur um sein Geld und sein Müsli. Als dann auch noch ein aggressiver Mexikaner über ihm einzieht und Dave durch nervigen Lärm belästigt, wird es richtig ungemütlich …

Doppeltes Glück mit dem Roten Affen ist außergewöhnlich. Das Setting, die Figuren, einfach alles bietet einen ungewöhnlichen Charme. Stellenweise wirkt es wie ein Film. Und andererseits wieder wie ein skurriler Traum. Trotzdem schwingt ein gewisser Realismus mit, der Ironie, Enttäuschung und auch Hoffnung in sich vereint. Dennoch fehlt dem Ganzen ein gewisser Reiz, der mich auffordern würde, dranzubleiben.

Ähnlich ist es mit den Zeichnungen. Joe Dalys Artwork war mir bereits vorher ein Begriff. Vor allem seine Art Gesichter zu zeichnen verursachte schon immer ein seltsames Gefühl. Denn irgendwie sehen alle seine Gesichter sehr stark überzeichnet aus und sind immer an Tiere angelehnt. Vorrangig an Affen. Dafür kann er Städte, Landschaften und Autos sehr gut zeichnen. Und hiermit transportiert er auch sehr viele Emotionen. Die wilde, wuselnde Stadt vermittelt Nervosität, ähnlich wie Daves Apartementhaus. Das Cover hingegen, mit Dave und seinem Freund im eigenen Oldtimer wirkt sehr friedlich. Gänzlich anders, als das, was der Inhalt dann bietet.

Sonic The Hedgehog Nr. 2 [Panini, Mai 2013]

Vor fast genau 2 Monaten, habe ich euch die erste Ausgabe von Paninis neuer Comicserie Sonic vorgestellt. In der heutigen zweiten Ausgabe endet der vor 2 Monaten begonnene Story-Arc.

Sonic The Hedgehog Nr. 2

Kaum das Dr. Eggman in der letzten Ausgabe flüchten konnte, drohen schon wieder neue Gefahren. Doch Sonic und seine Freunde wissen, was zu tun ist. Aber zuerst müssen sie einen alten Freund von Sonic aufsuchen. Miles Prower, auch als Tails bekannt. Zusammen machen sich die Fünf nun auf den Weg, Eggman davon abzuhalten, den Planeten zu zerstören. Doch immer wieder plagen Sonic und auch Sally Acorn Visionen davon, wie der jeweils andere stirbt. Also entscheidet sich Sonic nur noch mit Tails weiterzuziehen, um seine neuen Freunde nicht in Gefahr zu bringen. Aber Sally hat ihren eigenen Kopf und macht sich mit Antoine Depardieu und Boomer Walrus alleine auf den Weg um Eggmans Energienachschub abzuschneiden. Währenddessen dringt Sonic immer weiter in die Zentrale von Eggman vor, ohne zu wissen, worauf er sich wirklich eingelassen hat, und in welcher Gefahr er schwebt …

Vage Erinnerungen oder Fantasie?

Vage Erinnerungen oder Fantasie?

Mit den letzten beiden Teilen des Vierteilers Genesis, beschließt Panini den Start der neuen Sonic-Comicserie. Was jetzt vielleicht wie ein Ende klingt, stellt aber genaugenommen den perfekten Einstieg in die Abenteuerwelt des blauen Igels dar. Ian Flynn hat einen Zyklus geschaffen, der sowohl langjährige Leser als auch Neueinsteiger sehr gut unterhält. Denn mit diesem auch für sich alleinstehenden Abenteuer befreit er sich vom Ballast der vergangenen über 200 US-Ausgaben. Wie auch schon im ersten Heft werden Figuren und eine Welt präsentiert, die neu, frisch und trotzdem vertraut wirken. Dennoch gibt es auch etwas zu bemängeln. Flynn schafft Momente, wie die Visionen von Sonic und Sally, die den Leser neugierig machen, über dass, was geschehen ist. Aber diese Neugierde bleibt ungestillt. Flynn hetzt stattdessen zum nächsten Problem und lässt den Leser etwas ratlos zurück. Auch das Finale ist nicht wirklich zufriedenstellend. Zwar wird ein weitestgehend offenes Ende präsentiert, welches weitere Abenteuer ermöglicht, aber trotzdem wirkt es abschließend. Ich persönlich hatte ein wenig das Gefühl, von Unzufriedenheit und ungelösten Fragen. Daher werde ich zähneknirschend auf die nächste Ausgabe warten, die in zwei Monaten erscheint und schauen, inwieweit die Handlung dort fortgesetzt wird.

Was ist wahr und was nur Illusion?

Was ist wahr und was nur Illusion?

Bei den Zeichnungen gibt es zu den Aussagen für das erste Heft nicht viel hinzuzufügen. Erneut erschafft Tracy Yardley eine Umgebung, die den Spielern der Sonic-Abenteuer sofort bekannt vorkommt. Mit klarem minimalistischem Strich und dennoch detailverliebten Bildern, dynamischem Panelaufbau entsteht so auch eine gewisse Geschwindigkeit, für die Sonic auch bekannt ist. Ebenfalls positiv zu dem Gesamteindruck tragen Terry Austin als Tuscher und Matt Herms mit der Farbgebung bei.
Aber auch hier gibt es an der deutschen Ausgabe etwas zu bemängeln. Denn die vier US-Hefte warteten im original mit sehr schönen, an die Spieleverpackungen angelehnten, Covermotiven auf. Diese hat Panini weder für das Titelbild verwendet, noch irgendwo im Heft untergebracht, wie es bei den Superheldentiteln des Verlages der Fall ist. Dadurch entgehen dem deutschen Leser wunderschön gestaltete Hommagen. Einzig das Motiv dieser Ausgabe ist ein Teilausschnitt des dritten Teils der US-Hefte. Hier kann man sehr schön auch die wirklich gute Qualität der Motive erkennen.

Die vier Cover der vier US-Ausgaben.

Die vier Cover der vier US-Ausgaben.

FAZIT:

Am Ende des ersten Heftes war ich noch ein wenig unsicher, ob und wie gut mir die Serie weiterhin gefallen könnte. Doch mit dieser Ausgabe sind die Zweifel verschwunden. Sonic macht Spaß und unterhält sehr gut. Die Abenteuer sind dicht, spannend und rasant. Das zusammen mit den tollen Zeichnungen, die auch ein wenig Nostalgie wecken und dem günstigen Preis von 2,70 Euro für zwei US-Ausgaben, sind ein ganz klarer Punkt für mich, um an der Serie dranzubleiben. Gut gemacht Panini. Wenn ihr jetzt noch die Sache mit den Covermotiven in den Griff bekommt, bin ich rundum zufrieden.

High Speed Sonic, wie man ihn kennt.

High Speed Sonic, wie man ihn kennt.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2011-2013 Archie Comics / Panini

Gratis Comic Tag 2013 Review (21): Koma #1 – Die Stimme der Schlote [Reprodukt, Mai 2013]

GCT 2013Mit Kleiner Strubbel hat Reprodukt für diesen Gratis Comic Tag aus meiner Sicht schon mit einer positiven Überraschung aufwarten können. Von daher sind die Erwartungen an Koma – Die Stimme der Schlote dementsprechend hoch. Die Frage ist nur noch, ob und wie weit mich der Band beeindrucken wird und für welche Alterszielgruppe, der Comic geeignet ist …

Koma #1 – Die Stimme der Schlote
(Gratis Comic Tag 2013)

Ein kleines Mädchen, dass in der großen Stadt mit ihrem Vater lebt. Einer Stadt, die von Schornsteinen in allen Größen nur so wimmelt. Ein Mann, mit seiner Tochter, der seine Frau auf tragische aber geheimnisvolle Weise verloren hat und nun davon lebt, die vielen Schornsteine seines Revieres zu säubern. Ein Mädchen, das seinen Vater übr alles liebt, in die kleinsten Schlote hineinkriechen kann und so für ihren Vater eine unentbehrliche Hilfe ist. Aber auch ein Mädchen mit einem großen Problem. Sie heißt Addidas und fällt regelmäßig in Ohnmacht. Und immer wenn sie in Ohnmacht fällt, sieht sie seltsame Monster und eine Welt, die düster und dennoch faszinierend auf sie ist. Ihr Vater st verzweifelt, aber Addidas sieht es ganz locker. Bis ihr etwas Merkwürdiges passiert …

Koma – Die Stimme der Schlote ist ein außergewöhnliches Werk. Spannend, faszinierend und sehr einfühlsam. Schon von der ersten Seite an, beginnt man als Leser mit der kleinen Addidas mitzuleiden. Nicht nur wegen ihrer „Krankheit“, sondern vor allem wegen ihrer Lebensumstände. Alleine mit einem Vater, der ebenfalls nicht mehr der Jüngste ist und in einer Stadt, die eher lebensfeindlich, statt gastfreundlich ist. Autor Pierre Wazem erschafft ein traurige, gefühlskalte und krankmachende Welt, der man einfach nur entfliehen möchte.

Auch visuell ist der Comic etwas ganz Besonderes. Vom Stil her ein wenig an die US-Independent Comicszene angelehnt und dennoch ganz anders und eigenständig wird man in die Geschichte förmlich eingesaugt. Zeichner Frederik Peeters spielt mit dem Leser und seinen Erwartungen. Die Bilder vermitteln mit ihren düsteren Farben eine Hoffnungslosigkeit, die sich so in der Geschichte selbst nicht widerspiegelt. Vielmehr ist die kleine Addidas mit ihren freundlichen Kulleraugen ein Quell der Hoffnung und Zuversicht. Vor allem dann, wenn Addidas ihre Ohnmachtsanfälle bekommt und die Visionen sieht, ist man als Leser erst einmal erschrocken. Denn Peeters leitet nicht mit Zeichnungen zu den Ohnmachtsvisionen hinüber, sondern lässt den Leser sofort sehen, was Addidas sieht. Vom einen Panel zum nächsten wird man so aus der Rolle des Beobachters gerissen und in die Rolle der kleinen Addidas versetzt. Dies ist ein faszinierender und spannender Kniff, der die Dramatik weiter erhöht.

Reprodukt beweist erneut, dass sie ein Händchen für gute Comics haben. Und Koma ist ein solcher Comic. Faszinierend, spannend und mitfühlend. Aber dennoch keine leicht Kost. Und trotzdem sollte man als Comicfan, der guter Comickost nicht abgeneigt ist, auf jeden Fall einen Blick riskieren. Denn so gute Geschichten und Figuren gibt es nicht allzu oft in der riesigen Auswahl an grafischen Publikationen.