Gratis Comic Tag 2013 Review (30): Holzhof Comix 3 [Holzhof Verlag, Mai 2013]

GCT 2013Was lange währt, wird endlich gut. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall liegt die Ausgabe schon eine ganze Weile hier rum, und das obwohl ich eigentlich versprochen hatte, sie so schnell, wie möglich nachzuliefern. Asche auf mein Haupt. Aber hiermit erfülle ich meine Pflicht schlussendlich doch noch …

Holzhof Comix 3
(Gratis Comic Tag 2013)

Der letzte Kobold reist in die Vergangenheit und das nur, weil er sich in den Katakomben Roms verlaufen hat, während die Virtonauten von Remory in kurzen Abenteuern quer durch die Weltgeschichte reisen. Den prozentual Größten Anteil an dieser Ausgabe haben die kurzen Zeitungsstrips von Bogomil des Ostberliner-Künstlers Willy Moese. Derweil muss Alwin seine verlorenen Koffer aus dem zweiten Gratis Comic Tag Heft, von 2012, wiederfinden und macht sich nicht gerade unbemerkt auf den Weg, diese wiederzufinden. Den Abschluss bilden dann noch Lutz Molch und Ali Gator, in kurzen zweiteiligen Comicstrips.

Inhaltlich konnte mich diese Ausgabe leider überhaupt nicht überzeugen. Comicstrips funktionieren meines Erachtens sowieso nur wohldosiert, und die restlichen Storys können mangels fehlender Tiefe nicht wirklich überzeugen. Egal ob die verquere und wirre Story mit dem letzten Kobold, die aber zeichnerisch wenigstens noch überzeugen kann, oder die Virtonauten von Remory, die nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell wir ein Laiencomic wirken. Weder ist die Handlung gut ausgearbeitet noch die Bilder einigermaßen professionell gezeichnet. Alles wirkt einfach nur so, als wäre ein Freizeitcomicmacher hier am Werk. Oder es soll nur so aussehen. Egal, was nun davon. Überzeugen konnte es mich kein Stück. Ähnlich ist es mit dem Molch und dem Krokodil. Auch hier wirkt alles sehr unausgereift und merkwürdig. Otto und Alwin sind zwar Kult, aber meine zeit mit den beiden ist vorbei. Im Moment können sie mich nicht reizen. Weder inhaltlich noch vom Artwork her. Auch wenn J. Günther seinen Stil durchaus verbessert hat. Über die Strips von Willy Moese und seinen Bogomil kann man sagen, was man will. Die funktionieren auch heute noch, aber alle am Stück, wird dann doch langweilig. Lieber wohl dosiert und in Häppchen.

Alles in allem kann mich diese Gratis Comic Tag-Ausgabe nicht davon überzeugen, etwas aus dem Verlagsprogramm des Holzhof Verlages zu erwerben. Alles ist mir zu nichtssagend und zeichnerisch zu unausgegoren, und die einzigen Dinge, die gefallen sind nur in kleinen Dosen genießbar, sodass ich mir kein vollständiges Buch davon anschaffen würde. Zumindest vorerst nicht.

Gratis Comic Tag 2013 Review (29): Marvel Now! [Panini, Mai 2013]

GCT 2013Mit diesem Review enden vorerst die Gratis Comic Tag-Reviews. Das letzte noch fehlende Heft wird nachgeliefert, sobald ich meine Junilieferung von meinem Stammshop „Comic Attack“ in Erfurt erhalten habe. Aber es kommt. Versprochen!

Marvel Now!
(Gratis Comic Tag 2013)

Avengers versus X-Men ist vorbei und es gab einige Veränderungen. Opfer und Täter, Beteiligte und Betroffene. Sieger gibt es wie immer keinen, wenn Menschen, egal ob Mutant oder Normalsterbliche, ihr Leben lassen müssen. Am Ende kann es nur Verlierer geben. Seien es die Hinterbliebenen, oder diejenigen, die trotzdem sie ihre Fehler einsehen und dafür büssen wollen, nicht mehr anerkannt werden. Missachtung und Verzeiflung, Ratlosigkeit und Angst. Nichts ist mehr, wie es war, und dennoch muss es weitergehen. Einer der dies, wie immer erkennt, ist Steve Rogers. Und er muss sich beeilen, denn die nächste Bedrohung steht unmittelbar bevor …

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, war ich, was den Inhalt betrifft, sehr zurückhaltend. Dies liegt vor allem daran, dass ich zum einen selbst noch nicht so weit beim Lesen bin und Avengers vs. X-Men noch ungelesen hier liegt. Dennoch wollte ich euch dieses Heft nicht vorenthalten. Und das zum Anderen niemand, der wie ich noch im Rückstand ist, gespoilert wird.
Dennoch denke ich, dass ich es geschafft habe ein wenig Spannung aufzubauen und denen die auf dem aktuellen Stand sind, genug Infos mitgegeben zu haben, von dem was Rick Remender in diesem Teil der ersten Ausgabe von Uncanny Avengers präsentieren wollte. Und er fährt einiges auf. Verknüpfungen zu alten Storylines wie House of M, Freundschaften und Familienbande, die auf die Probe gestellt werden und Helden, die sich auf eine neue Aufgabe konzentrieren müssen.

Auch Zeichner John Cassaday fährt scharfe Geschütze auf. Die bekannten Helden in teilweise neuen Kostümen wirken dennoch vertraut. Seine filigranen Zeichnungen, die ein wenig an die aktuellen Werke von Deodato erinnern, sind faszinierend. Wenngleich ihm Deodatos Dynamik fehlt. Auch erwähnen sollte ich. Dass wie schon bei Avengers vs. X-Men Marvel AR an Bord des Gratis Comic Tag Heftes ist. Marvel AR steht für Marvel Augmented Reality, und ermöglicht erweiterte Infos zum Comic abzurufen. Alles, was man dazu benötigt ist, eine kostenlose App, die es für Android und Apple gibt und ein passendes Gerät mit Kamera, wie ein Handy oder Tablet. Dann braucht man nur noch die App starten, das Bild mit dem kleinen AR-Logo anvisieren und schon gibt’s Videos, Interviews, Skizzen und vieles mehr.

Als alter Fan und Marvel-Hase ist Marvel Now natürlich ein Muss für mich. Auch wenn ich bedingt durch begrenzte finanzielle Mittel und mangelnde Zeit nur auf die Sachen schauen werde, wo mein Liebling Spider-Man vertreten ist. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt?

Weitere Reviews gibt’s bei Crayton und ElTofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (27): Suske und Wiske – Meister Klecks [Salleck Publications, Mai 2013]

GCT 2013Wie so ziemlich jedes Jahr, ist auch dieses Jahr wieder der Eckart Schott Verlag vertreten. Unter seinem Label Salleck Publications hat man sich diesmal für einen Klassiker entschieden. Die Serie vom flämischen Walt Disney Willy Vandersteen …

Suske und Wiske – Meister Klecks
(Gratis Comic Tag 2013)

Die Liebe, die Liebe. Nicht immer so einfach und darum hat es Lambik, ein Freund der Tante von Suske und Wiske, auch auf eine ganz besondere Dame abgesehen. Es handelt sich dabei um Agostina Segatori, die einmal für Vincent van Gogh Modell stand. Zum Glück gibt es ja Professor Barabas, und dieser hat eine Zeitmaschine erfunden. Und so reist Lambik in die Zeit zurück, um der Liebe seines Lebens nahe zu sein. Doch damit schafft er erst recht Probleme, als ein Antiquitätenhändler von der Reise zu Van Gogh erfährt …

Die Handlung ist klassisch und fast schon banal. Und so richtig will bei mir persönlich auch keine Freude und Spannung aufkommen. Kein Teil kann wirklich überzeugen und selbst für Kinder dürfte dieses trotzdem extrem textlastige Abenteuer keine Freude werden. Die Figuren sind flach, die Zeichnungen nur zweckdienlich. Das Suske und Wiske dennoch eine große Fangemeinde hat, muss sich wohl in einer gewissen Nostalgie begründen lassen. Auch Gastauftritte wie die von Struppi aus Tim und Struppi können nicht viel retten.
Das die Zeichnungen teilweise an diesen Klassiker angelehnt sind und eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen, hilft da auch nicht viel. Denn obwohl Zeichner Paul Geerts handwerklich gute Arbeit leistet, will der Funke bei mir nicht so richtig überspringen.

Am Ende bleibt nur ein mittelmäßiger und über große Strecken zäher frankobelgischer Fun-Comic für Kids übrig, der für die Kleinen zu textlastig ist und für die Großen, ohne Nostalgiefaktor, wohl eher zu langweilig ist.

Weitere Reviews gibt’s bei Crayton und ElTofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (26): Barracuda #1 – Sklaven [Egmont, Mai 2013]

GCT 2013Langsam aber sicher nähere ich mich dem Ende der Gratis Comic Tag-Reviews. Nach diesem hier habe ich jetzt aktuell noch 3 Ausgaben liegen und das letzte fehlende „Holzhof Comix #3“ bekomme ich erst mit meiner nächsten Abolieferung. Das wird dann also nachgereicht. Doch jetzt erstmal zu Barracuda:

Barracuda#1 – Sklaven
(Gratis Comic Tag 2013)

Blackdog ist der Kapitän der Barracuda. Einem Piratenschiff, das Männer beherbergt, die keinerlei Gnade kennen. Ohne Reue meucheln sie die Männer der überfallenen Schiffe nieder, entführen Frauen und Kinder, um diese dann auf dem Sklavenmarkt zu verkaufen und rauben Wertgegenstände. Und so kommt es, dass Blackdog und sein Sohn Raffy die ehrenwerte Dona Emilia Sanchez Del Scuebo, ihrer Tochter Maria und dem Beichtvater der Familie. Ebenfalls mit an Bord des Schiffes war auch ein junger Mann. Lady Emilia schaffte es aber gerade noch, diesen in ein Kleid zu hüllen, um ihm das Leben zu retten. Kaum jedoch, dass die Barracuda Festland erreicht, wird es für die Gefangenen erst richtig gefährlich. Und auch Blackdogs Sohn Raffy, lernt eine Lektion für das Leben …

Bekannte Elemente, eine spannende Geschichte und interessante Figuren ergeben eine faszinierende Mischung. Und das sage ich, obwohl ich Piratengeschichten nicht wirklich viel abgewinnen kann. Selbst die Blockbuster der „Fluch der Karibik“-Reihe können mich nicht überzeugen. Und dennoch könnten mich diese insgesamt drei Bände reizen. Woran das liegt? Ganz einfach. Die Mischung macht es. Denn in dieser Ausgabe liegt der Fokus nicht alleine auf den Piratenabenteuern, sondern auch auf den Schicksalen der einzelnen Figuren. Auch wenn das von Dona Emilia und ihrem Beichtvater bereits hier besiegelt ist, scheint das der drei Kinder, Maria, dem jungen Mann und Raffy, miteinander verwoben zu sein.

Einen ganz entscheidenden Teil dazu tragen auch die Bilder des Zeichners Jérémy bei. Seine detaillierten Zeichnungen und die ausdrucksstarken Gesichter der Figuren vermitteln eine unglaubliche Spannung und transportieren auch die kleinsten Emotionen spürbar. Jérémy verwendet zudem sanfte Farben und setzt hauptsächlich auf warme rot- und brauntöne, die trotz der Spannungen eine gewisse Ruhe vermitteln.

Somit ist neben Koma und Der Narwal auch Barracuda eine erfreuliche Neuentdeckung des diesjährigen Gratis Comic Tages. Ich bin einmal gespannt, ob sich dies in den weiteren Bänden fortsetzt.

Weitere Reviews gibt’s bei Crayton und ElTofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (25): Der Narwal [Carlsen, Mai 2013]

GCT 2013Wie jedes Jahr, versucht Carlsen auch dieses Mal mit seinen Beiträgen ein möglichst breites Spektrum abzudecken. Mit dem bereits vorgestellten Ferdinand – Der Reporterhund wurden die Kids bedient, und heute sind die erwachseneren Leser an der Reihe:

Der Narwal
(Gratis Comic Tag 2013)

Napoleon und Robert Narwal betreiben gemeinsam die Tauchagentur Bloodshift. Während Napoleon als Chef und Vater die Aufträge annimmt und das Geld verwaltet, darf sein Sohn Robert die Aufträge ausführen. Obwohl beide sehr gut voneinander profitieren, ist das Verhältnis zueinander alles andere als freundlich. Dies offenbart sich zum einen, bei einem Auftrag, in dem Robert eine umweltgefährdende Substanz namens N515 birgt und zum anderen, als er für einen früheren Nazi-Oberst mitten in der Wüste nach versteckten Kunstschätzen aus dem Zweiten Weltkrieg tauchen soll …

Autor Olivier Supiot präsentiert zwei faszinierende aber leider sehr kurze Geschichten. In der ersten werden Robert und sein Vater auf ungewöhnliche Weise vorgestellt, und auch ihr Tätigkeitsbereich geschildert. Die zweite Geschichte setzt sogar noch einen obendrauf. Er bringt, nicht ganz authentisch, aber mit viel Fantasie, einen geschichtlichen Background mit. Was aber beide Geschichten gemeinsam haben, ist eine immense Spannung mit einigen Überraschungsmomenten, Twists und faszinierenden Handlungssträngen.

Visuell erinnert das Artwork von Boris Beuzelin an eine Mischung frankobelgischer Comics mit der amerikanischen Indieszene, a’la Scott Pilgrim. Kräftige und dominante Linien, die großflächige Farbfelder einrahmen. Ohne aufwendige Färbverläufe oder filigrane Spielereien. Und dennoch ergibt sich eine unglaubliche Detailvielfalt in den Bildern. Sei es die Unterseelandschaften vor der französischen Küste oder die arabischen Wüstenebenen. Beide Landschaften sehen einfach imposant aus. Auch die Figuren haben einen klaren und leicht wiedererkennbaren Stil. Einzig die Mimiken geben nicht sehr viel Ausdruckskraft her. Das ist es manchmal schon ein Rätselraten, was denn gemeint sein könnte.

Weitere Reviews gibt’s bei Crayton und ElTofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (24): Welten des Schreckens [Weissblech, Mai 2013]

GCT 2013Weissblech Comics ist einer der Verlage, die seit dem Start des Gratis Comic Tages 2010 jedes Jahr dabei sind. Und auch dieses Jahr lies es sich Verleger Levin Kurio nicht nehmen, sein Verlagsprogramm in Form von einigen außergewöhnlichen Geschichten zu präsentieren …

Welten des Schreckens
(Gratis Comic Tag 2013)

Eine rauhe Wirklichkeit. Eine Welt in der Menschen, menschenähnliche Wesen und Dinosaurier existieren. Dies ist die Welt von Kala. Ihr Kampf gegen die kräftigen aber wesentlich dümmeren Menschenaffen des Stammes der „Glu“ sind nur eines ihrer täglichen Probleme. Denn da gibt es auch noch hungrige Dinos. Es wird nicht einfach, aber sie hat nicht nur die Waffen einer Frau, sondern auch andere Argumente, die für ihre Spezies sprechen …
Es sollte ein friedlicher Rückzugsort sein. Doch die Bewohner dieser kleinen Stadt, welche von Tulpenfeldern umsäumt wird, werden von mysteriösen Männern heimgesucht. Lautlos tauchen sie überall auf und verbreiten Angst und Schrecken. Was wollen sie hier und wieso sind sie überhaupt gekommen? Der ehemalige Polizist Henk geht der Sache auf den Grund …
Die Menschheit hat sich selbst dem Untergang geweiht und findest sich am Ende dort wieder, wo vor Urzeiten alles begonnen hat. Keine Technologie, nur noch vereinzelte Stämme und kaum Waffen, um den Kampf gegen die monströsen Geschöpfe aufzunehmen. Das Wissen wird von Ältesten weitergegeben und die Errungenschaften der Menschheit sind nur noch Geschichte. Doch es gibt auch noch Menschen wie Krogan, der versucht die Vergangenheit zu entschlüsseln und zu verstehen. Er ist auf der Suche nach Büchern, die das frühere Leben offenbaren könnten …

Wie immer sind die Weissblech Gratis Comics ein buntes Sammelsurium an Geschichten. Und wie auch schon die letzten Jahre kann mich auch dieses Jahr nur der Horrorbeitrag wirklich überzeugen. Für Urzeit-Action und Erotik bin ich einfach nicht zu haben. Dafür aber für mysteriöse und geheimnisvolle Horrorgeschichten. Dennoch sind alle drei Beiträge nicht schlecht. Kala ist dabei nur leidlich spannend, kann aber mit tollen Zeichnungen der Dinosaurier und Landschaften aufwarten. Dem gegenüber ist bei Krogans Buch die Geschichte wirklich interessant, wenngleich es alles nichts Neues ist. Dafür gefallen mir hier die Zeichnungen nicht ganz so gut, und das, obwohl sie in beiden Fällen von Levin Kurio sind. Bei Krogan wirkt es einfach noch ein wenig kantiger und ungeschliffener. Und passt dadurch nicht so ganz zur Geschichte. Die zweite und in meinen Augen gelungenste Geschichte stammt aus der Feder und dem Bleistift von Kolja Schäfer und ist eine klassische Horrorstory. Das Artwork ist dazu sehr passend und auch die Farbgebung überzeugt mich. Alles ist sehr kontrastreich und in gedeckten Farben gehalten. Hinzu kommt ein Filtereffekt, der das Gesamtbild noch einmal aufwertet.

So langsam sollte ich wirklich beginnen und mir ein paar der Horrorschocker-Ausgaben des Verlages zulegen. So sehr, wie mich die Geschichten bei den letzten Gratis Comic Tagen überzeugt haben, muss ich da einfach mal tiefer reinschnuppern.

Weiter Reviews zu diesem Heft gibt es auch bei Crayton und ElTofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (23): Doppeltes Glück mit dem Roten Affen [Avant Verlag, Mai 2013]

GCT 2013Dieser Gratis Comic Tag-Beitrag vom Avant-Verlag wurde bereits im Vorfeld mit vielen Vorschusslorbeeren überschüttet. Das kann zwei Dinge bedeuten. Entweder der Comic ist wirklich sehr gut, oder die Marketingmaschine funktioniert einfach nur bestens. Meine Meinung dazu gibt es jetzt hier:

Doppeltes Glück mit dem Roten Affen
(Gratis Comic Tag 2013)

Dave ist ein ziemlich erfolgloser Zeichner mitten in der südafrikanischen Metropole Kapstadt. Seine künstlerischen Ambitionen werden von seinem Auftraggeber nicht gewürdigt und seine Wohnung ist nur eine billige Absteige. Zu allem Überfluss hat er am Morgen auch noch vergessen das Wasser abzudrehen, was zu einer Überschwemmung führte, seine Freundin hat mit ihm Schluss gemacht und sein Freund, ein merkwürdiger Hippie, erleichtert ihn nur um sein Geld und sein Müsli. Als dann auch noch ein aggressiver Mexikaner über ihm einzieht und Dave durch nervigen Lärm belästigt, wird es richtig ungemütlich …

Doppeltes Glück mit dem Roten Affen ist außergewöhnlich. Das Setting, die Figuren, einfach alles bietet einen ungewöhnlichen Charme. Stellenweise wirkt es wie ein Film. Und andererseits wieder wie ein skurriler Traum. Trotzdem schwingt ein gewisser Realismus mit, der Ironie, Enttäuschung und auch Hoffnung in sich vereint. Dennoch fehlt dem Ganzen ein gewisser Reiz, der mich auffordern würde, dranzubleiben.

Ähnlich ist es mit den Zeichnungen. Joe Dalys Artwork war mir bereits vorher ein Begriff. Vor allem seine Art Gesichter zu zeichnen verursachte schon immer ein seltsames Gefühl. Denn irgendwie sehen alle seine Gesichter sehr stark überzeichnet aus und sind immer an Tiere angelehnt. Vorrangig an Affen. Dafür kann er Städte, Landschaften und Autos sehr gut zeichnen. Und hiermit transportiert er auch sehr viele Emotionen. Die wilde, wuselnde Stadt vermittelt Nervosität, ähnlich wie Daves Apartementhaus. Das Cover hingegen, mit Dave und seinem Freund im eigenen Oldtimer wirkt sehr friedlich. Gänzlich anders, als das, was der Inhalt dann bietet.

Gratis Comic Tag 2013 Review (22): Benni Bärenstark #10 – Benni macht das Rennen [Splitter/Toonfish, Mai 2013]

GCT 2013Wie schon letztes Jahr mit den Schlümpfen, trumpft das Imprint Toonfish, des Splitter Verlages auch dieses Jahr mit einem Werk von Pierre Culliford, alias Peyo auf. Doch diesmal sind es keine kleinen blauen Fabelwesen, sondern ein bärenstarker kleiner Junge …

Benni Bärenstark #10 – Benni macht das Rennen
(Gratis Comic Tag 2013)

Benni ist klein, und stark. Bärenstark sogar. Und als sein Freund, der Taxifahrer, Herr Piepke mit seinem Mechaniker Viktor an dem prestigeträchtigen Rennen, dem „Großen Preis des Südens“ teilnehmen will, muss Benny dabei sein. Viele Rennfahrer werden sich durch die Serpentinen schlängeln und durch malerische Landschaften streifen. Doch es gibt auch eine ganze Menge Nervenkitzel. Denn zwei der Teilnehmer verhalten sich sehr merkwürdig und auch der nach einem Autounfall zurückgekehrte Vince Ferraro scheint ein Geheimnis zu haben …

Mit Benni Bärenstark verfasste Peyo seinen Gedanken, was wäre, wenn Menschen im ganz normalen Leben Superkräfte hätten. Dies ist ihm mit dem kleinen sympathischen und immer hilfsbereiten Jungen auch sehr gut gelungen. Und wie es sich gehört, findet sich in jedem Benni-Abenteuer auch ein Schlumpf.
Auch diesmal ist Benni mit seiner Kraft und Geschwindigkeit eine große Hilfe. Das Abenteuer ist nicht nur aufgrund der vielen schnellen Autos rasant, sondern auch dank der im Hintergrund ablaufenden Geschichte sehr spannend. Zwar ist das alles nicht neu, aber dafür sehr gut erzählt und verpackt.

Einen nicht unwesentlichen Teil, tragen auch die typischen Zeichnungen bei. Und auch wenn Peyo schon lange nicht mehr selbst zeichnet (er verstarb 1992), ist sein Stil unverkennbar. Doch muss man hier auch anmerken, dass er selber Benni nie wirklich gezeichnet hatte, sondern immer nur als Autor fungierte. Nach Pierre Cullifords Tod übernahm sein SohnThierry das Zepter und führte die Arbeiten seines Vaters weiter. Und das nicht nur bei den Schlümpfen, sondern auch bei Benny. Ebenfalls ganz in der Tradition, in jedem Peyo-Abenteuer einen Schlumpf zu verstecken und mit charmanten Zeichnungen eine spannende und dennoch leicht verständliche Geschichte zu erzählen.

Weitere Reviews findet ihr bei Crayton und ElTofu.

Gratis Comic Tag 2013 Review (21): Koma #1 – Die Stimme der Schlote [Reprodukt, Mai 2013]

GCT 2013Mit Kleiner Strubbel hat Reprodukt für diesen Gratis Comic Tag aus meiner Sicht schon mit einer positiven Überraschung aufwarten können. Von daher sind die Erwartungen an Koma – Die Stimme der Schlote dementsprechend hoch. Die Frage ist nur noch, ob und wie weit mich der Band beeindrucken wird und für welche Alterszielgruppe, der Comic geeignet ist …

Koma #1 – Die Stimme der Schlote
(Gratis Comic Tag 2013)

Ein kleines Mädchen, dass in der großen Stadt mit ihrem Vater lebt. Einer Stadt, die von Schornsteinen in allen Größen nur so wimmelt. Ein Mann, mit seiner Tochter, der seine Frau auf tragische aber geheimnisvolle Weise verloren hat und nun davon lebt, die vielen Schornsteine seines Revieres zu säubern. Ein Mädchen, das seinen Vater übr alles liebt, in die kleinsten Schlote hineinkriechen kann und so für ihren Vater eine unentbehrliche Hilfe ist. Aber auch ein Mädchen mit einem großen Problem. Sie heißt Addidas und fällt regelmäßig in Ohnmacht. Und immer wenn sie in Ohnmacht fällt, sieht sie seltsame Monster und eine Welt, die düster und dennoch faszinierend auf sie ist. Ihr Vater st verzweifelt, aber Addidas sieht es ganz locker. Bis ihr etwas Merkwürdiges passiert …

Koma – Die Stimme der Schlote ist ein außergewöhnliches Werk. Spannend, faszinierend und sehr einfühlsam. Schon von der ersten Seite an, beginnt man als Leser mit der kleinen Addidas mitzuleiden. Nicht nur wegen ihrer „Krankheit“, sondern vor allem wegen ihrer Lebensumstände. Alleine mit einem Vater, der ebenfalls nicht mehr der Jüngste ist und in einer Stadt, die eher lebensfeindlich, statt gastfreundlich ist. Autor Pierre Wazem erschafft ein traurige, gefühlskalte und krankmachende Welt, der man einfach nur entfliehen möchte.

Auch visuell ist der Comic etwas ganz Besonderes. Vom Stil her ein wenig an die US-Independent Comicszene angelehnt und dennoch ganz anders und eigenständig wird man in die Geschichte förmlich eingesaugt. Zeichner Frederik Peeters spielt mit dem Leser und seinen Erwartungen. Die Bilder vermitteln mit ihren düsteren Farben eine Hoffnungslosigkeit, die sich so in der Geschichte selbst nicht widerspiegelt. Vielmehr ist die kleine Addidas mit ihren freundlichen Kulleraugen ein Quell der Hoffnung und Zuversicht. Vor allem dann, wenn Addidas ihre Ohnmachtsanfälle bekommt und die Visionen sieht, ist man als Leser erst einmal erschrocken. Denn Peeters leitet nicht mit Zeichnungen zu den Ohnmachtsvisionen hinüber, sondern lässt den Leser sofort sehen, was Addidas sieht. Vom einen Panel zum nächsten wird man so aus der Rolle des Beobachters gerissen und in die Rolle der kleinen Addidas versetzt. Dies ist ein faszinierender und spannender Kniff, der die Dramatik weiter erhöht.

Reprodukt beweist erneut, dass sie ein Händchen für gute Comics haben. Und Koma ist ein solcher Comic. Faszinierend, spannend und mitfühlend. Aber dennoch keine leicht Kost. Und trotzdem sollte man als Comicfan, der guter Comickost nicht abgeneigt ist, auf jeden Fall einen Blick riskieren. Denn so gute Geschichten und Figuren gibt es nicht allzu oft in der riesigen Auswahl an grafischen Publikationen.

Gratis Comic Tag 2013 Review (20): Toriko [Kazé Manga, Mai 2013]

GCT 2013Mit Toriko wäre dann auch schon der letzte Mangabeitrag des diesjährigen Gratis Comic Tages vorgestellt. Nach Soulless und Skull Party von Carlsen gab es noch Resident Evil, ebenfalls von Kazé Manga. Die bisherigen Manga waren leider nur „okay“. Mal sehen wie Toriko ausfällt …

Toriko
(Gratis Comic Tag 2013)

Ein neues Zeitalter ist angebrochen. Es ist das Gourmet-Zeitalter. Eine Ära in der Essenscouts auf der Suche nach immer neuen Lebensmitteln und Leckereien sind. Einer dieser Scouts ist Toriko. Doch er ist nicht einfach nur einer davon. Nein. Er ist eine Legende. Ein Kämpfer, der auch die außergewöhnlichsten Tiere zur Strecke bringt. Sei es eine Teufelsschlange, ein Elefantosaurus, ein Hydra-Strauss, ein Tigerwalross, ein Silberrücken oder der Klon eines Kampfwolfes, welcher vor Äonen bereits eine ganze Rasse ausgerottet hat. Doch dieser scheint weiblich und auch noch trächtig zu sein. Deshalb kann Toriko nicht dabei zusehen, wie die Bestien in einer Arena zur Belustigung der Menge auf den Wolf losgelassen werden.

Manga über das Essen sind nichts Neues. Immer wieder greifen diverse Manga-ka dieses Thema auf. Ob nun wie hier bei Toriko oder der bei EMA erschienene Manga Yakitate Japan, in dem es um die Kunst des Backens ging. Doch hier wird das Thema Essen noch mit Fantasy, Kampfsport und japanischer Mythologie gemischt. Zusammen ergibt sich eine krude Mischung, die mir persönlich nicht so wirklich schmecken möchte. Alles wirkt als hätten zu viele Köche zu viele Zutaten zusammengekippt, in der Hoffnung am Ende eine schmackhafte Suppe zu bekommen. Stattdessen bleibt eine schwer verdauliche Geschichte mit zu vielen Zutaten, rohen Figuren und zu kurzer Garzeit.

Auch die Zeichnungen sind nicht wirklich mein Fall. Toriko sieht in fast jedem Panel anders aus. Da stellt sich mir die Frage, wie viele Zeichner hier parallel gearbeitet haben. Womit wir wieder bei den vielen Köchen wären. Das Einzige, was einigermaßen gleich aussieht, sind die Tiere, oder besser gesagt die Tierkreationen. Denn da hat jemand echt übles Zeug geraucht, um sich so etwas einfallen zu lassen. Einige der Kreationen sind so was von einfallslos und auch der Kampfwolf erinnert mich persönlich eher an Amaterasu aus dem Videospiel Ókami von Capcom. Da wurde also nicht nur simpel zusammengemischt, sondern auch noch dreist geklaut. Für mich ist daher Toriko die bisher größte Enttäuschung des diesjährigen Gratis Comic Tages.