Das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry [17. Auflage, 2012 – Fischer Taschenbuch]

Dominik_AVAEs ist schon lange her, dass ich mich so sehr von einem Buch habe fesseln lassen. Dieses Buch wirkt bei dem Leser anhaltend im Gedächtnis nach. Das Gleichgewicht der Welt erscheint bereits in der 17. Auflage und hat derzeit 114 fünf Sterne Rezensionen bei Amazon. Allein dieser Umstand kann eigentlich nur bedeuten, dass dieses Buch keineswegs schlecht oder auch nur mittelmäßig ist.

 

Rohinton Mistry - Das Gleichgewicht der WeltRohinton Mistry – Das Gleichgewicht der Welt

Klappentext:

Dieser Roman ist ein großes Fest. Er schlägt den Bogen von einer heiteren Komödie bis zum bewegenden Porträt einer Familie. Rohinton Mistry ist wahrhaftig ein literarischer Kartograph. Er schafft es, in einem Stadtviertel die Schattenseiten, den Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents einzufangen“
Michael Ondaatje Weiterlesen

Crossed Nr. 4: Badlands [Panini, November 2013]

Dominik_AVAIch hätte es eigentlich nicht für möglich gehalten, dass mich diese Reihe so sehr zu fesseln vermag. Im Angesicht der Tatsache, dass es hier sehr gewaltsam und blutig zur Sache geht und ich aufgrund dessen immer wieder befürchtet habe, die Story wird zur Nebensache, – aber dem ist meines Erachtens nicht so. Im vierten Sammelband ist Autor Garth Ennis wieder mit von der Partie. Im Grunde versammelt dieser Band die Geschichte Badlands und Homo Superior. Jacen Burrows zeichnet sich für Badlands verantwortlich und Leandro Rizzo für Homo Superior. Garth Ennis ist der Autor von Badlands und Jamie Delano von Homo Superior.

Crossed Nr. 4: Badlands

Klappentext:

Outdoor – Overkill

Die Zivilisation wurde überrollt und ist einem postapokalyptischen Albtraum gewichen. Wer nicht in einen blutrünstigen Irren verwandelt wurde, kämpft jeden Tag in der irdischen Hölle ums nackte Überleben. Doch nicht nur in den Städten ist die Lage übel – in den entlegeneren Gegenden der Welt geht es keineswegs friedlicher zu! Überall in dieser hässlichen neuen Welt lauern Grauen, Terror und Tod auf jene, die nicht von der Infektion betroffen sind …

Garth Ennis kehrt zu seinem Endzeit – Schocker „Crossed“ zurück! Dieser gewohnt brutale Sammelband enthält die US – Hefte Crossed: Badlands 1 – 9, geschrieben von Garth Ennis und Jamie Delano, mit Artwork von Jacen Burrows ( Die Chroniken von Wormwood) und Leandro Rizzo (DV8).

Gregory trifft auf Steve

Gregory trifft auf Steve

Die Reihe Crossed wird in verschiedenen Formaten von Panini auf dem Markt zum Verkauf angeboten. Es gibt die Möglichkeit sich die reguläre Softcover Ausgabe (19,95€), die auf 222 limitierte Hardcover Variante (39,95€) oder die streng limitierte (66 Ausgaben) Hardcover Variante zum Preis von 66,00 Euro zu kaufen.
Ich muss ganz ehrlich gestehen, mir sind knapp 20,00 Euro für diese Ausgabe mehr als genug. Wer sich welche Ausgabe leisten mag, das ist jedem Leser selbst überlassen und sicherlich auch eine Frage des Geldbeutels.

In Crossed #2 und #3 habe ich den Eindruck bekommen, dass sich der Fokus stark auf die Gewaltdarstellung konzentriert. Zwischendurch hatte ich immer wieder das Gefühl, man hätte mehr aus der Handlung herausholen können, aber die Gewalt, das Blut, das Morden, das Eklige steht einfach im Vordergrund. Stellenweise hat mich das dann doch ein wenig abgeschreckt und ich dachte mir, hoffentlich wird Crossed #4 etwas anders.

Es gibt Stress in den Sümpfen

Es gibt Stress in den Sümpfen

Nun, es befinden sich 2 Geschichten in diesem Band und die erste Geschichte Badlands hat mir richtig gut gefallen.
Die zweite Geschichte Homo Superior war verhältnismäßig etwas länger aber keineswegs schlecht. Sie wirkt nur nicht so auf den Punkt gebracht wie die erste. Bei Badlands hat mir das Ende besonders gut gefallen, wohingegen bei Homo Superior mir das Ende etwas lasch vorkam.

Badlands:

Die Geschichte Badlands unterteilt sich in drei Kapitel.

  • 1. Von der Welt in ihrer Entstehung
  • 2. Im kargen Land der Christenheit
  • 3. Und formte die dunkle Schale der Welt

In dieser Geschichte ist eine kleine Gruppe durchweg auf der Flucht vor den Gefirmten. Die Gefirmten werden diejenigen genannt, die mordlustig, brutal und ohne ihresgleichen durch die Welt ziehen und morden. Dabei gehen diese dermaßen brutal zur Sache, dass Köpfe, Gedärme, abgehackte Gliedmaßen, Gehirne, oder auch perverse Sexualpraktiken durchaus keine Seltenheit sind. Nicht selten grunzen die Gefirmten Wörter wie zum Beispiel „Fotzenpimmel“ oder „kleiner Penis“ Die Gefirmten sind leicht zu erkennen anhand eines Kreuzes im Gesicht. Dieses mag durchaus als ihr Erkennungsmerkmal verstanden werden.
In Rückblenden erfährt der Leser einiges über die Geschichte von Ian, dem Anführer der Gruppe.
Aufgrund dessen, dass die Gruppe einige Mitglieder verliert und die Gefirmten ihr weiterhin dicht auf den Fersen sind, entsteht eine unglaubliche Spannung. Bis hin zum Ende fragt der Leser sich, wer mag wohl als nächstes Sterben oder die Gruppe verlassen müssen? Zu guter Letzt kann das Ende mit einem sehr interessanten Schluss aufwarten, mit dem man so nicht gerechnet haben mag. An sich hat es die Gruppe schon schwer genug zu überleben, aber das es dann zum Schluss soweit kommt, das ist schon gut gemacht und weiß ungemein zu unterhalten.

Lüsterne Blicke...

Lüsterne Blicke…

Die Zeichnungen von Jacen Burrows gefallen mir in Kombination mit der Farbgebung sehr gut. Ein klarer Strich definiert die Story. Die Zeichnungen sind allesamt hervorragend zu erkennen, Charaktere und Hintergründe sind konsequent gleichmäßig ausgearbeitet. Dabei muss man jedoch sagen, Detailverliebtheit sieht anders aus, wäre aber auch nicht unbedingt passend für diese Story. Hintergründe und Charaktere sind auf das Nötigste für diese Story passend gezeichnet. Egal ob am helllichten Tag oder in der Nacht, die Zeichnungen Wissen zu gefallen und der rote Blutfarbton sticht immer hervor.

In Homo Superior sieht das Ganze dann schon wieder etwas anders aus:

Die Geschichte ist nicht in kleinere Kapitel unterteilt, der Leser sollte diese dementsprechend auch am Stück lesen.

Gregory John Costello ist allein unterwegs auf der Flucht vor den Gefirmten. Sein Leben ändert sich rasch, als er auf die hübsche Steve trifft. Nach und nach erfährt man deren Hintergründe bzw. einige Ausschnitte aus deren Lebensgeschichte. Zwei weitere Handlungsbogen werden parallel zu Steve und John aufgebaut. Leon hat sich mit seiner „Familie“ auf einem Sicherheitsgelände verbarrikadiert. Dort leben sie alle gemeinsam und es ergeben sich allerhand seltsame Vorfälle.
Die jungen Zwillinge Ashley und Ashynne kommen ebenfalls durch diese Gegend. Es kommt alles, wie es kommen muss und alle Gruppierungen treffen irgendwie aufeinander. Dass alles geschieht in Anbetracht der drohenden Gefahr der Gefirmten. Die Gewaltdarstellungen sind meines Erachtens in diesem Teil noch eine Nummer größer als in Badlands. Man sollte bedenken, dass die beiden Teenager Ashley und Ashynne nicht erwachsen sind. Es gibt eine Stelle, da kommen die Gruppierungen an einer Art „Super Diät Camp“ für Kinder vorbei. Es ist meinem Empfinden nach noch mal eine andere Hausnummer, wenn Kinder, auch in Comics, in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei spielt es für mich keine Rolle, dass sie bereits zu den Gefirmten zählen. Generell habe ich den Eindruck bekommen, dass diese Geschichte mit den Geschlechtern freizügiger umgeht als noch die Erste. Nackte Haut wird hier öfters gezeigt, die Gefirmten üben ihre sexuellen Praktiken etwas expliziter aus, als man es vielleicht sehen möchte. Ich möchte dies nicht zu weit ausführen, hier sollte sich der Erwachsene Leser selbst eine Meinung bilden, aber es ist stellenweise für meinen Geschmack doch schon sehr nah an der Schmerzgrenze des erträglichen. Am meisten irritiert haben mich wirklich die Geschehnisse im „Super Diät Camp“. Die schonungslose Darstellungsweise von dicken Kindern, allesamt nackt.

Gefirmte sind nah...

Gefirmte sind nah…

Die Story an sich ist aufgrund dessen, dass hier mehrere Geschehnisse parallel verlaufen etwas vertrackter. Immer wieder wird von einzelnen Charakteren die Vergangenheit etwas näher beleuchtet. Das führt stellenweise zu leichten Verwirrungen. So wusste ich zu Beginn manchmal nicht, welche Vergangenheit hier näher beleuchtet wird. Alles in allem ist die Handlung spannend, aber mit der ersten Geschichte kann diese meinem Empfinden nach nicht mithalten. Diese Geschichte ist auch wesentlich länger als Badlands. Sie kommt meines Erachtens nicht auf den Punkt gebracht einher. Wie ich bereits oben erwähnt habe, hat mich das Ende nicht wirklich befriedigen können, es hat mir der gewisse Überraschungseffekt gefehlt.

Zeichnerisch macht Leandro Rizzo jedoch gute Arbeit. Seine Zeichnungen wirken stets dynamisch und nicht steif. Der Strich in Kombination mit der Farbgebung ist nicht ganz so klar wie bei Badlands. Die Zeichnungen von Jacen Burrows haben mir diesbezüglich besser gefallen.

Gefährliche Diskussionen...

Gefährliche Diskussionen…

Alles in allem kann ich Badlands #4 empfehlen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Leser erwachsen sind, härtere Sachen bereits gewöhnt sind, Blut, Gedärme, Gehirn, abgetrennte Körperteile und insbesondere seltsame sexuelle Praktiken sich anschauen können, ohne das sich den Lesern der Magen umdreht.

Wer auf abgeschlossene kurzweilige, harte und blutige Unterhaltung mit einer sehr spannenden und einer etwas weniger spannenderen Geschichte sich anfreunden kann, dem sei die Reihe Crossed, insbesondere Crossed #4, ans Herz gelegt.

Copyright aller verwendeten Bilder © 2011-2013 Avatar Press / Panini.

Diesen Comic könnt ihr hier bei Amazon bestellen.

Abschied von einem Helden – Requiem für Robin!

In den aktuellen Comics der Batman-Reihen trauern Helden und Fans um den Sidekick des Dunklen Ritters

Vor einigen Jahren hatte Grant Morrison den Charakter Damien Wayne als Sohn von Batman und Ra’s Al Ghuls Tochter Talia in die Saga des Dunklen Ritters eingeführt und ihn zum neuen Robin an Batmans Seite aufgebaut. Nun schreibt der Starautor auch die Story des Todes seiner Figur. In den aktuellen und kommenden Heften der Panini-Batman-Reihen (Batman Inc. 4, Batman 20, Batman The Dark Knight 20, Batman & Robin 4, Worlds’ Finest – Huntress & Power Girl 2) finden die dramatischen Ereignisse statt, an deren Ende im Februar 2014 das neue DC-Universum um einen Helden ärmer sein wird.

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Der Tod von Superhelden ist ja oftmals eine relative Angelegenheit und bereits ein anderer Robin, Jason Todd, wurde nach einer recht langen aber eben doch nicht ewigen Ruhe wieder ins Leben zurückgeholt, um zunächst als schurkischer, dann geläuterter Red Hood die Batman-Familie zu bereichern. Doch der gewaltsame Tod von Damien Wayne im Robin-Kostüm könnte tatsächlich final sein. Dafür spricht, dass das Schicksal der Figur von Beginn an in der Hand von Grant Morrison lag, der den wildesten aller Batman Sidekicks erschuf. Da er ihn nun auch wieder aus dem Heldenuniversum hinausschreibt, erscheint eine Wiederkunft eher unwahrscheinlich … obwohl dem Enkel Ra’s Al Ghuls im Falle eines Falles wohl immer ein Bad in der Lazarusgrube bleibt, um wieder aktiv zu werden.

Die dramatischen Ereignisse, die zum Tod des jungen Kämpen führen, beginnen in diesem Monat unter dem Titel Requiem für Robin im Batman Incorporated Sammelband #4 und werden in weiteren Serien fortgeführt, bis zum Abschluss im Februar. Dabei geben die einzelnen Storys immer einen anderen Blickwinkel auf die sich zum Teil überschneidenden Ereignisse – eine komplexe Geschichte in bester Grant Morrison-Manier.

Darüber, wer die Nachfolge des Jung-Helden im Rotkehlchenkostüm antritt, wird derzeit wild spekuliert. Unter anderem kursiert das Gerücht, dass die Kreativen überlegen, die von Frank Miller in The Dark Knight Returns als Robin eingeführte Carrie Kelly in das neue DC-Universum einzugliedern. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre sie nach Stephanie Brown, die derzeit wieder als ihr Superhelden-Alias Spoiler gegen das Verbrechen kämpft, die zweite weibliche Robin.

Aber wer auch immer als nächstes in das Traditionskostüm (die Figur trat immerhin bereits 1940 erstmals an Batmans Seite auf) schlüpft, wird einen schwierigen und gefährlichen Job zu bewältigen haben. Noch kein Robin hatte bisher ein leichtes Leben – doch auch die Karrierechancen sind nicht schlecht: Dick Grayson, das erste Rotkehlchen, ist bereits aus dem Schatten seines Mentors herausgetreten und hat als Nightwing sogar eine eigene, erfolgreiche Serie und Damiens Vorgänger, Tim Drake, darf inzwischen als Red Robin die Teen Titans anführen.

Alle eingebundenen Ausgaben im Überblick:

BATMANINCORPORATED4Batman Incorporated Nr. 4

Dies ist der Batman-Kracher des Jahres – eine Ausgabe, die auch auf alle anderen Batman-Serien Auswirkungen haben und die Welt des Dunklen Ritters radikal verändern wird. Schon jetzt ist klar, dass diese Story ein Bestseller und Klassiker werden wird. Geschrieben von Comic-Ikone Grant Morrison!

Diese Ausgabe wird das Batman-Universum verändern!

Erscheint am: 17.12.2013
Seiten: 140
Format: SC
Original-Storys: Batman Incorporated 7-13
Autor: Grant Morrison
Zeichner: Chris Burnham
Preis: 16,99 €

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BATMAN20Batman Nr. 20

Der Tod hat die Batman-Familie heimgesucht! Wie wird Bruce Wayne mit dem schrecklichen Verlust fertig, der ihn ereilte? Gnadenlos schlägt er zu – um den Pinguin eiskalt abzuservieren!

Erscheint am: 14.01.2014
Seiten: 60
Format: Heft
Original-Storys: Batman 18, Detective Comics 18 (I)
Autor: Scott Snyder, John Layman
Zeichner: Andy Kubert, Jason Fabok
Preis: 4,99 €

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BATMANTHEDARKKNIGHT20Batman – The Dark Knight Nr. 20

Gleich zweimal erschüttert der Tod die Welt des Dunklen Ritters. Nicht nur Batman wird vom Schicksal schwer getroffen, auch Nightwing treibt ein schwerer Verlust an den Rand des Abgrunds.

Die Folgen von Batman Inc. 4

Erscheint am: 28.01.2014
Seiten: 52
Format: Heft
Original-Storys: Batman – The Dark Knight 20, Nightwing 18
Autor: Gregg Hurwitz, Kyle Higgins
Zeichner: Szymon Kudranski, Juan JosRyp
Preis: 4,99 €

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BATMAN26ROBIN4Batman & Robin Nr. 4

Batman scheint am Ende. Grausam und brutal hat der Tod zugeschlagen und dem Leben von Bruce Wayne jeden Sinn genommen. Doch dann kommt Batman auf eine wahnwitzige Idee: Er will den Tod überlisten – mithilfe des Monsters Superagent Frankenstein! – Außerdem Gaststars: Red Robin, Red Hood, Batgirl, Catwoman und Nightwing!

Fettes Gaststar-Aufgebot!
Mit Red Robin, Catwoman und Batgirl!

Erscheint am: 11.02.2014
Seiten: 132
Format: Softcover
Original-Storys: Batman and Robin 18-23
Autor: Peter J. Tomasi
Zeichner: Pat Gleason, Cliff Richards
Preis: 14,99 €

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WORLDSFINESTHUNTRESS26POWERGIRL2World’s Finest – Huntress & Power Girl Nr. 2

Eigentlich suchen Kara und Helena noch immer nach einem Weg zurück in ihre Welt. Doch nun muss Helena, die auf Erde-2 Robin war und neuerdings als Huntress unterwegs ist, erst einmal mit Damian Wayne klarkommen, dem garstigen Robin dieser Realität! Bleibt es jedoch beim Wunderknaben oder steht auch eine Konfrontation mit ihrem Vater Batman an?

Die Heldinnen von Erde-2!
Huntress trifft auf Robin!

Erscheint am: 14.01.2014
Seiten: 116
Format: Softcover
Original-Storys: Worlds‘ Finest: Huntress & Power Girl 6-10
Autor: Paul Levitz
Zeichner: George Pérez, Kevin Maguire, Cafu
Preis: 12,99 €

Du bist immer noch bei mir – Mariko Kikuta [Carlsen, 2003]

Es gibt Themen im Leben, die sind nicht so einfach. Eines dieser Themen ist der Tod. Mag es schon für uns Erwachsene ein schwieriges und sensibles Thema sein, so ist es für Kinder um vieles schwieriger. Wie soll man einem Kind den Tod erklären, ohne es zu traumatisieren? Wie kann man ihm verständlich machen, das der Tod etwas Endgültiges ist? Der Verlust unwiederbringlich? Diesem sehr schweren Unterfangen hat sich die japanische Autorin und Künstlerin Mariko Kikuta angenommen und es bereits 1998 zu Papier gebracht. 2003 erschien die Ausgabe dann auch in Deutschland bei Carlsen, und auch wenn ich den Band seit dem Erscheinen hier stehen habe, wurde er auf diesem Blog noch nicht berücksichtigt. Das soll sich nun hiermit ändern.

Bei mir 000Du bist immer noch bei mir
(See you anytime I want/Itsudemo Aero)

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Nichtlustig Folge 1 ist auf Youtube online!

Josch Sauer ist vor allem durch seine Nichtlustig Cartoons bekannt. Im November letzten Jahres ging er mit seiner Idee an die Öffentlichkeit, Nichtlustig in bewegten Bildern veröffentlichen zu wollen. Aber ein solches Projekt ist nicht billig und so brauchte Joscha die Hilfe seiner Fans um die benötigten 250.000 Euro zusammenzubekommen. Davon hatte er zwar schon 150.000 Euro selbst finanzieren können, aber um die erste Episode beenden zu können, fehlten noch 100.000 Euro.

Jetzt sind diese auch zusammengekommen und die erste Episode ist fertig und auf Youtube online. Joscha ist darauf verständlicherweise sehr stolz und bittet alle seine Fans, das Video so oft zu teilen und zu verlinken, wie es nur geht. Die komplette Folge findet ihr jetzt auch hier unter dem Text.

Viel Spaß damit!

Keiji Nakazawa – Zum Tode von Gens Vater

Am 19. Dezember 2012 verstarb Keiji Nakazawa an Lungenkrebs in seinem Geburtsort Hiroshima, die seine größte Tragödie und sein größter Erfolg zugleich war. Entgegen anderslautenden Meldungen starb er aber nicht an den direkten Spätfolgen der Strahlung durch die Atombombe. Auch sein Diabetes Mellitus ist keine direkte Folge durch den Bombenabwurf auf Hiroshima. Vielmehr beruht diese auf der Mangelernährung vor und nach der Tragödie, welche nur durch rohe Kartoffeln begünstigt wurde. Daraus resultierten auch seine Netzhautschädigung des linken Auges, in direkter Folge durch die Diabetes, genau wie sein grauer Star auf dem rechten Auge, die ihn beide dazu zwangen, 2009 das Zeichnen aufzugeben. Die einzige Krankheit, welche direkt auf die Strahlung zurückzuführen wäre, ist die Leukämie, unter der Nakazawa seitdem litt.

Nakazawa AltAls viertes von sechs Kindern wurde Nakazawa am 14. März 1939 in Hiroshima als Sohn des Kunstmalers Harumi und seiner Frau Kimiyo geboren. Während zwei seiner Brüder nicht in Hiroshima weilten, als die Bombe fiel, fanden sein jüngerer Bruder Susumu der unter einem Balken eingeklemmt war, und seine ältere Schwester Eiko, die von einem Pfosten erschlagen wurde, zusammen mit dem Vater den Tod im brennenden Haus der Familie. Seine Mutter überlebte den Abwurf und gebar wenig später seine jüngere Schwester Tomoko. Aber auch sie sollte nur 4 Monate später durch die Strahlung und an den Folgen der Mangelernährung den Tod finden.
1961 zog Nakazawa, nachdem er eine Lehre als Schildermaler abgeschlossen hatte, nach Tokio und veröffentlichte dort mehrere Mangas, welche sich hauptsächlich um Sport, Science Fiction oder Samurais drehten. Nur 5 Jahre später verstarb auch Nakazawas Mutter im A-Bomben Hospital in Hiroshima. Bei der Aushändigung der sterblichen Überreste seiner Mutter, welche vorher verbrannt wurden, überkam Nakazawa unbändige Wut. Das radioaktive Cäsium hatte die Knochen seiner Mutter so stark zersetzt, das ihm nichts übrig blieb, außer einem Häufchen Asche. Normalerweise bleiben nach dem Verbrennungsprozess noch immer kleinere Knochenfragmente übrig, doch in diesem Fall leider nicht. Ab diesem Tag begann er, sich mit dem Thema Hiroshima und dem Bombenabwurf auseinanderzusetzen.

Nakazawa Neu

Es entstand eine sechsteilige Mangareihe, welche er selbst die „Schwarze Serie“ nannte. Zu diesen gehörte unter anderem „Kuroi ame ni utarete“ („Vom schwarzen Regen gepeitscht“). Nach einem Verlagswechsel begann Nakazawa erneut sich die Erlebnisse von der Seele zu schreiben. Es entstanden „Aru hi totsuzen“ („Plötzlich eines Tages“), „Nanika ga okiru“ („Es geschieht etwas“) und „Heiwa no kane“ („Friedensläuten“). Doch erst mit „Ore ha mita“ („Ich habe es gesehen“), einer autobiografischen Erzählung auf 45 Seiten erhielt Nakazawa die Chance, dieses Thema ausführlich darzulegen.

Nakazawa I Saw It

Und so entstand „Hadashi no Gen“ („Der barfüßige Gen“). Nakazawa entschied sich für den Namen Gen, weil dieser im japanischen mehrere Bedeutungen hat, welche aber alle perfekt zu seiner Erzählung und seinem Helden passten. Zum Einen steht das Schriftzeichen von Gen für „Ursprung“ oder „Wurzel“ aber auch für „Element“ und „Quelle“. Die eigentliche Intention war aber die Hoffnung, dass sein Gen einmal für das „gen“ in Ningen (Mensch) stehen würde. So erschien „Hadashi no Gen“ über einen Zeitraum von 12 Jahren von 1973 bis 1985, und wurde bisher in 10 Japanischen und englischen Bänden mit zusammen über 2500 Seiten, sowie als stark gekürzte Version in 4 Bänden, in Deutschland veröffentlicht. Der erste Versuch „Barfuss durch Hiroshima“ in Deutschland zu veröffentlichen, wurde 1982 vom Rowohlt Verlag unternommen, und stellte somit den ersten Manga in deutscher Sprache dar. Doch leider war damals das Interesse an diesem Augenzeugenbericht noch zu gering und es blieb bei nur einer Ausgabe. Doch wer jetzt Angst hat oder sich Sorgen macht, dass ihm bei der deutschen Ausgabe etwas entgeht, denn kann ich beruhigen. Carlsen hat sich bewusst auf die wesentlichen Elemente aus „Hadashi no Gen“ berufen, und nur die unwesentlichen Sachen herausgelassen. Denn Nakazawa führte den Manga weiter bis in die 50er Jahre, und wurde nicht müde, die Atomkraft, die unnötigen Kriege weltweit, und die Drogenproblematik anzuprangern. Unter dieser „Propaganda“ litt auch zusehendst sein Werk, und Carlsen tat gut daran, sich nur auf den Kern der Erzählung zu beschränken.

Nakazawa Kuppel

Zeit seines Lebens kämpfte Nakazawa gegen die Atomkraft, gegen die Kriege und auch immer wieder gegen die Lügen, welche weltweit jede Regierung ihren Bürgern auftischte. 1996 besuchte er außerdem die ebenfalls atomgeplagte Stadt Tschernobyl und ging sogar bis zum Block 4 vor, um dort die Radioaktivität mittels eines Geigezählers zu messen. Als Carlsen von 2004 bis 2005 die Vier Bände von „Barfuss durch Hiroshima“ veröffentlichte, reiste auch Nakazawa nach Deutschland. Dort stellte er bei einer Ausstellung zum Jahrestag des Abwurfes in Hannover einige seiner Werke aus.

Nachfolgend möchte ich euch mit seinem größten Werk, den vier Bänden von Carlsen, sowie den beiden Anime vertraut machen:

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges [Carlsen, November 2004]
Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach [Carlsen, Februar 2005]
Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben [Carlsen, Mai 2005]
Barfuss durch Hiroshima Nr. 4: Hoffnung [Carlsen, August 2005]
Barfuss durch Hiroshima (2-DVD Deluxe Edition) [Anime Virtual, April 2006]

KeijiNakazawaNakazawas „Barfuss durch Hiroshima“ ist ein Meisterwerk, welches auf einer Stufe mit Art Spiegelmans „Maus“ steht, und sich seinen Platz dort auch redlich verdient hat. Mit eindringlichen Bildern und ebenso gefühlvollen Worten vermittelt er jene Angst, welche ihn persönlich in seiner Kindheit begleitet hat. Noch viel mehr als in „Maus“, stehen hier die Emotionen im Vordergrund und dennoch entsteht durch die von ihm gewählte Erzählweise ein Stück weit Distanz. In meinen Augen gehört „Barfuss durch Hiroshima“ mit zu jenen Werken, welche unbedingt auch in Schulen genutzt werden sollten, um Geschichte interessanter und anschaulicher zu gestalten. Denn Schulbücher an sich mögen zwar informativ sein, aber es fehlen die Emotionen und die Spannung durch Einzelschicksale. Und nur wenn diese vermittelt werden, dann besteht die Chance, das Gelernte zu verarbeiten und aus diesen Fehlern zu lernen. Selbst wenn es irgendwann dazu kommt, Nakazawa wird es nicht mehr erleben dürfen. Sein Tod mit nur 73 Jahren ist tragisch.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Special, welches zu großen Teilen meine eigene Meinung widerspiegelt, es geschafft habe, weitere Leser für dieses Meisterwerk zu begeistern. Des Weiteren wünsche ich mir natürlich auch, dass sich solch eine Gräueltat nicht wiederholen wird, und das Nakazawa mit seiner Erzählung das Bewusstsein gegen die Entwicklung und den Einsatz von Atomwaffen bestärkt. Es wäre wirklich ein ganz großer Schritt nach vorne, wenn die Menschheit erkennen würde, dass Kriege niemals eine Lösung für einen Konflikt darstellen, sondern immer, und wirklich immer, nur Opfer fordert. Es kann nie einen Sieger geben, solange Menschenleben dafür geopfert werden müssen.

Nakazawa Banner

Keiji Nakazawa hat nun seinen Frieden hoffentlich gefunden und ist wieder vereint mit seiner Familie. Möge er in Frieden ruhen, und mögen seine Erlebnisse und Erzählungen nicht ungehört verhallen, sondern die Menschen berühren und zum Umdenken bewegen.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges [Carlsen, November 2004]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 1: Kinder des Krieges

Gen Nakaoka ist ein ganz normaler Junge. Seine Eltern lieben ihn, auch wenn sein Vater eine seltsame Art und Weise hat, dies zu zeigen. Und dann sind da noch seine drei Brüder und eine Schwester. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges wären. Und da insbesondere die Auseinandersetzungen Japans mit Amerika und England.
Denn wie auch ganz Japan, leidet Gens Familie unter der ständigen Angst der Bombenangriffe und der fehlenden Lebensmittel. Der Kaiser hat seine Untertanen darauf eingeschworen, dass nur ein echter Japaner, welcher zu seinem Land steht, auch die Entbehrungen ehrenhaft durchstehen würde, damit Japan siegreich aus diesem Krieg hervorgehen würde. Doch Gens Vater kennt die Wahrheit und scheut sich auch nicht, diese offen auszusprechen. Das führt aber wiederum nur dazu, dass die Familie Nakaoka ab sofort als Verräter gebrandmarkt sind, und sich die Situation noch weiter verschlechtert.
Dennoch beißen sich die Nakaokas tapfer durch ihr Leben, und es scheint gerade ein wenig aufwärtszugehen, als die bekannte B-52 Maschine mit dem Namen Enola Gay und ihrer noch bekannteren Fracht Little Boy am Himmel von Gens Heimatstadt Hiroshima auftaucht …

Das allererste, was einem bei diesem Band auffällt, ist die Art und Weise wie die Japaner untereinander, auch innerhalb der Familien, miteinander umgehen. Denn nicht nur, dass unbedingter Gehorsam gegenüber dem Kaiser und dem japanischen Reich ein Muss ist, sondern auch die Art und Weise, wie Gens Vater seine Liebe zeigt, ist alles andere als verständlich für uns Europäer. Gut, man kann jetzt sagen, dass dies eine Ausnahme innerhalb Gens Familie darstellen kann, aber im Verlauf der Geschichte erkennt man immer wieder, das Japan ganz andere Regeln und Moralvorstellungen hat, die Nakazawa auch offen darstellt. Erst als gegen Ende im Nachwort klargemacht wird, dass es sich bei Gen um den jungen Keiji handelt, wird der Blick auf das eben gelesene nochmals verändert. Denn in der Einleitung spricht Nakazawa noch sehr distanziert von seiner Hauptfigur, deren Name er bewusst aus den verschiedensten Gründen gewählt hat. Dann folgt die Geschichte, einer Berichterstattung aus einem Krisengebiet gleich, nur um dann am Ende mit eben jenem Nachwort zu einem persönlichen Familiendrama, fast schon erweitert zu werden.

Der tragische Moment.

Der tragische Moment.

Visuell ragt der Band, auch nicht an Mangas seiner Entstehungszeit, sonderlich positiv heraus. Es ist eher wie bei „Maus“, zweckdienlich und dennoch auf eine einfache und trotzdem außergewöhnliche Art faszinierend. Das heißt aber nicht, dass die Bilder hässlich oder gar schlecht sind, sondern eher im Gegenteil. Sie zeigen teilweise sogar mit erschreckenden Details das Grauen, welches zum Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte. Ähnlich wie auch bei Art Spiegelmans Epos „Maus“ wird hier ganz bewusst mit starken und dominanten Strichen, aggressiven Schraffuren und teilweise grellen und großen weißen Flächen gespielt, wobei dies kein wirkliches Spiel mehr ist. Die Landschaften sind erschrecken realistisch, wohingegen die Menschen oftmals wie Karikaturen wirken. Das ist aber auch von Nakazawa gewollt, denn trotz allen Ernstes, scheint es so leichter zu sein, das Geschehene zu verarbeiten, wie es auch Spiegelman mit seinen Mäusen und Katzen getan hat. Gen ist genau wie sein Vater und sein Bruder immer ein wenig überspitzt dargestellt. Einzig seine Mutter wirkt noch ein wenig reeller, als der Rest der Familie: zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als Little Boy einschlägt. Denn ab dann überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, sondern auch förmlich die Bilder. Sie wirken chaotisch und verzweifelt. Hilflos und von Angst durchzogen. Hier hat Nakazawa seine ganzen Erlebnisse einfließen lassen. Dies spürt man, auch ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, wie nah Nakazawa der Tragödie wirklich war.

FAZIT:

„Barfuss durch Hiroshima“ ist nicht umsonst ein weltweit anerkanntes Meisterwerk. Keiji Nakazawa erzählt eindrucksvoll aus seiner eigenen Vergangenheit, schafft es aber dennoch so viel Distanz, zwischen sich und seiner Hauptfigur Gen, aufzubauen, dass es nicht wie ein persönliches Drama, sondern eher wie ein journalistischer Augenzeugenbericht wirkt. Dennoch sind die Emotionen in Nakazawas Erzählung immer präsent, genau wie die blutrote Sonne, das Zeichen auf Japans Flagge, die ständig und unbarmherzig über den Menschen prangt.
Das Nakazawa hier etwas geschaffen hat, das ungehindert in allen Bevölkerungsschichten und Regionen auf der ganzen Welt, verbreitet werden muss, hat auch Art Spiegelman erkannt, der ein Vorwort zu diesem Band verfasst hat. Denn wie Nakazawa, hat auch Spiegelman seine Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg machen müssen, auch wenn dies in seinem Fall „nur“ indirekt war.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach [Carlsen, Februar 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 2: Der Tag danach

Hiroshima liegt in Schutt und Asche. Überall streifen schwer verwundete umher. Verwirrt, verletzt und auf der Suche nach Wasser und Hilfe. Gen kann das Ausmaß der Tragödie noch gar nicht begreifen, als seine Mutter Kimie ihn bittet, sich auf die Suche nach ein wenig Reis zu machen. Denn wenn er keinen Reis auftreiben kann, dann würde seine gerade erst geborene Schwester sterben müssen. Also nimmt Gen all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach etwas Nahrung.
Unterwegs trifft er dabei auf einen Soldaten, der erst ihn retten will, aber binnen kürzester Zeit selber Hilfe benötigt. Auch ein Mädchen, welches Gens Schwester Eiko verblüffend ähnlich sieht, kreuzt seinen Weg, und abermals hilft Gen bereitwillig. Doch auch diesmal ist dem Mädchen nicht ganz so einfach zu helfen, wie es anfangs scheint. Aber Gen hat noch immer keinen Reis und so geht seine Reise weiter. Immer mehr Opfer dieses feigen Anschlages begegnen ihm dabei und noch viel mehr Tragödien …

In der Einleitung und auch im abschließenden ersten Teil des Interviews macht Keiji Nakazawa deutlich, dass „Hadashi no Gen“, so der originale Titel, nicht einfach nur eine Bewältigung mit der eigenen Vergangenheit ist, sondern auch ein Mahnmal und eine Warnung. Nie wieder soll eine solche Massenvernichtung stattfinden und nie wieder, sollen unschuldige Menschen unter der Gier und dem falschen Stolz einer machtbesessenen Regierung leiden müssen. Das war und ist der Hauptgrund für sein Werk gewesen. Er hat immer wieder, ganz bewusst, Stellen eingebaut, in denen Gen gegen die Tat der Amerikaner und das Verhalten der japanischen Regierung schimpft und diese an den Pranger stellt. Und trotzdem schwingt in dieser Ausgabe sehr viel Hoffnung und auch Freude mit, da Gen niemals aufgibt und selbst in den schlimmsten Situationen noch die Kraft aufbringt, anderen zu helfen.

Hiroshima nach dem Abwurf von Little Boy.

Hiroshima nach dem Abwurf von Little Boy.

Was das Grauen angeht, legt Nakazawa in diesem zweiten Band noch eine ganze Schippe drauf. Denn die Bilder haben sich dem Künstler in sein Gehirn gebrannt und dieser brennt sie erneut in das Papier. Es ist überwältigend, wie schlimm die Ereignisse und die nahe Begegnung mit dem nunmehr alltäglichen Tod von Keiji Nakazawa geschildert werden. Und alles, ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Denn Nakazawa hat trotz allem und auch der Tatsache, dass dies seine eigene Vergangenheit ist, eine fast schon erschreckend distanzierte Erzählweise. Aber, und das muss man anerkennen, ist auch dies beste Wahl gewesen, um diese Erlebnisse umzusetzen. Denn durch diese Entscheidung fällt das Augenmerk nicht alleine auf Gen, auch wenn dieser die Hauptfigur ist, sondern wird immer wieder, auch visuell, von ihm reflektiert und in die Umgebung gelenkt. Oftmals ist Gen nur mit einem Arm, Bein oder dem Hinterkopf im Bild zu sehen, und der Blick wird nur von ihm getragen, aber nicht auf ihn gelenkt.

FAZIT:

Auch „Der Tag danach“, der zweite Band von Keiji Nakazawas monumentalen Epos um das tragischste Ereignis Japans im 20. Jahrhundert, begeistert wieder auf voller Linie. Und das, obwohl sich dieser Band eher ruhig gibt. Er ist nachdenklich und verstörend, und vermittelt dennoch so viel Lebenskraft und Energie, dass es einen im Innersten trifft. Der Autor und Überlebende von Hiroshima schafft es fast, eine Art Tagebuch zu schreiben, und dies spannend und mitreißend zu präsentieren, ohne das Wesentliche aus dem Blickfeld zu verlieren. Die Tragödie und die Vorwürfe gegen zwei Regierungen, die den Krieg und die Auseinandersetzung ganz bewusst und zielgerichtet auf dem Rücken von Unschuldigen ausgetragen haben.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben [Carlsen, Mai 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 3: Kampf ums Überleben

Was bleibt einem übrig, wenn die halbe Familie tot und das Haus in dem man bis dahin aufgewachsen ist, nur noch ein Haufen Schutt und Asche? So denkt auch Gen und deshalb zieht er mit seiner Mutter nach Ebo zu Freunden. So sollte es zumindest sein. Denn die Freundin seiner Mutter heißt die stark dezimierte Familie zwar willkommen, aber deren Familienangehörige, die sich aus zwei Kindern und der Schwiegermutter zusammensetzt, hat ganz andere Pläne mit den „Schmarotzern“. So kommt es auch, dass sich die Drei binnen kürzester Zeit auf der Straße wiederfinden.
Aber Gen lässt sich nicht unterkriegen. Und obendrein hat er noch genug Energie um anderen zu helfen. Auch zum Leidwesen seiner Mutter. Denn als Gen mit einem Jungen auftaucht, der seinem verstorbenen Bruder Seiji zum Verwechseln ähnlich sieht, und der ebenfalls keine weitere Familie hat, muss sie sich entscheiden. In ihrem sicheren Zuhause zu bleiben und den Jungen zu verstoßen, oder ihn aufnehmen und dafür ihr Heim zu riskieren …

Erneut stellt Keiji Nakazawa nicht das alleinige Schicksal von Gen in den Mittelpunkt, sondern vielmehr das seines Umfeldes. Gen ist zwar auch hier wieder ständig präsent und motiviert mit seinem fast schon naiven Gemüt auch noch die letzten Energiereserven, aber dennoch wirkt er nie dominant. Vielmehr ist Gen der gute Geist, der irgendwo in uns allen innewohnt, und manchmal auch heraus darf. Doch was steckt dahinter? Nakazawa ist nicht der Typ Mensch, der subtile Botschaften in seinen Werken versteckt. Vielmehr sagt er klar und deutlich, was ihn stört. Und diese deutliche Sprache, sowohl in Wort als auch in Bild, nutzt er bei „Barfuss durch Hiroshima“. Am deutlichsten zeigt sich dies, als Gen erneut das Wohl eines anderen Menschen über das eigene stellt. Zwar wird diese Situation aus einer Notlage heraus geboren, aber zum wiederholten Male kann der Held nicht anders, als vorrangig anderen und nicht sich selbst zu helfen. Hier wirkt es teilweise so, als würde Nakazawa etwas darstellen wollen, was er vielleicht in seiner eigenen Vergangenheit verpasst hat?!

Die Toten stapeln sich.

Die Toten stapeln sich.

In diesem Band wandelt sich die Darstellung weg vom visuellen Grauen, durch die Bilder eines zerstörten Hiroshima, und den vielen verstrahlten und entstellten Leichen, hin zu einem unterschwelligen, aber dennoch ständig fühlbar präsenten Grauen. Die Angst vor den Auswirkungen der Bombe, die Strahlung, die Vergiftung, das nicht offensichtliche Leiden, sind immerzu spürbar und verbreiten stellenweise mehr Angst, als jede verkohlte Leiche, mit herabhängender Haut, die in den vorangegangenen Bänden zu sehen war. Dies erreicht Keiji Nakazwa vor allem durch die Mimik seiner Protagonisten. Auch wenn viele Gesichter manchmal stark überzeichnet wirken und fast schon slapstickartige Züge annehmen, steht ihnen dennoch die Emotion „ins Gesicht geschrieben“. Das schaffen nicht viele Zeichner. Mit wenigen Strichen so viele Gefühle umzusetzen. Fast wirkt es so, als wären Nakazawas Gefühle durch seine Hände, durch den Stift auf das Papier übertragen worden und hätten dort ganz intuitiv das geformt, was der Künstler gefühlt hat.

FAZIT:

Das wohl Aufregendste an „Barfuss durch Hiroshima“ sind nicht etwa die Erlebnisse und das Wissen um die Folgen und persönlichen Tragödien, sondern das Erlebnis, welches einem beim Lesen überkommt. Immer wieder spürt man als Leser, wie sich einem die Innereien umdrehen. Es ist wie ein brutaler Schlag genau in die Magengrube. Und dennoch kann man die Bände nicht mehr weglegen. So schwer, wie es auch sein mag, es trifft einen so sehr, auch wenn man nicht direkt betroffen ist, dass man das Gefühl erhält, den armen Gen und seine Familie im Stich zu lassen, wenn man die Geschichte zur Seite legt, oder lapidar und halbherzig versucht abzutun. Aufgrund seiner Erzählweise und der grafischen Umsetzung lässt es Nakazawa einfach nicht zu. Vielmehr überträgt er eine Verantwortung auf den Leser. Die Verantwortung aus diesen Ereignissen zu lernen, die Fehler eigenständig zu erkennen und sie keinesfalls zu wiederholen.

Barfuss durch Hiroshima Nr. 4: Hoffnung [Carlsen, August 2005]

Barfuss durch Hiroshima Nr. 4: Hoffnung

Seit dem Bombenabwurf über Hiroshima ist einige Zeit vergangen. Inzwischen sind die Amerikaner in Japan gelandet und machen sich als Besatzungsmacht breit. Dies bekommen auch Gen und seine Familie mehr als deutlich zu spüren. Schnell etablieren sich gewisse Regeln, die wie immer von den Stärkeren gemacht werden. Aber auch Gen ist nicht ohne. Immerhin hat er schon bewiesen, zu was ein Kind in seinem Alter fähig sein kann. Während sich, dank der Amerikaner und ihrer mitgebrachten Waren, ein blühender Schwarzmarkt entwickelt, kämpfen die Nakaokas noch immer um jedes Gramm Nahrung.
Besonders schlimm hat es dabei Gens kleine Schwester Tomoko erwischt. Nicht nur, dass ihre Unterernährung ihren noch jungen Körper massiv schwächt, so wird sie auch von verschiedenen Menschen als Kindsersatz benutzt, und damit auch zum Spielball starker Emotionen von Verlust, Trauer, und Besitzansprüchen. Das kleine Mädchen schafft es, selbst denen wieder Mut zu geben, welche sich schon lange aufgegeben, und ihren Körper dem Verfall durch die Strahlung kampflos überlassen haben.
Und so versuchen nicht nur Gen und seine Familie alles Mögliche, um zu überleben, sondern auch Freunde, neue Klassenkameraden sowie deren Angehörige und Verwandte, und finden so manche Möglichkeit, sich durch das harte Leben zu schlagen. Mal mehr, mal weniger erfolgreich, und manchmal auch unter dem Einsatz von Menschenleben, sofern es nicht das Eigene ist …

Die Hoffnung, welche noch im letzten Band so sehr im Vordergrund stand, wird dieses Mal immer wieder mit Füßen getreten. Dabei kommen einem, als Leser, immer wieder die Worte von Gens Vater aus dem ersten Band in den Kopf. „Gen. Du musst wie der Weizen sein. Treibe starke Wurzeln in die Wintererde … Trotze Wind und Schnee, so sehr man dich auch niedertritt, und wachse dick und gerade, wie der Weizen auf dem Feld!“ Und Gen trotzt allem, was ihm entgegenschlägt. Keine Tragödie, kein Schicksalsschlag kann ihn davon abbringen, doch noch irgendwo etwas Gutes in seinem Leben zu finden. Denkt man. Denn plötzlich passiert etwas, was den sonst so fröhlichen Jungen vollkommen aus der Bahn wirft. Nakazawa präsentiert dies, wie bereits in den vorangegangenen Ausgaben, mit einer Intensität die einfach nur unfassbar ist. Man spürt förmlich die Emotionen und wird trotz der Distanz an Zeit und Raum regelrecht mitgerissen und dabei von den Ereignissen gefangen genommen.

Auch Milch kann die kleine Tomoko nicht retten.

Auch Milch kann die kleine Tomoko nicht retten.

Diesem Band ist schon deutlich anzumerken, dass „Hadashi no Gen“ über einen Zeitraum von insgesamt 12 Jahren entstanden ist. Denn obwohl Nakazawa bereits zuvor eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Mangas, u.a. auch zum Thema Krieg und Hiroshima, veröffentlicht hat, steigert sich sein Stil sichtbar. Während die ersten Bände noch vorwiegend mit dominanten Strichen durchzogen waren, sind es nunmehr die filigranen Details, welche die Oberhand gewinnen. Außerdem ist die Bildsprache bis auf wenige Ausnahmen fast ausschließlich mit einer positiven Energie behaftet, so das selbst die Bilder von verbrannten Leichen nicht schrecklich und traurig, sondern eher hoffnungsvoll, mit einem energischen Blick in die Zukunft, wirken. Und noch etwas führt Energie mit sich, das sich durch alle Bände zieht: Denn es gibt ein Objekt, welches von Band eins bis zum vorliegenden Band über allem thront: Die Sonne. Von Beginn an ist sie ein ständiger Begleiter Gens und seiner Tragödie und steht hierbei nicht nur für den Lebensspender, sondern auch für die stilisierte Sonne auf der japanischen Flagge.

FAZIT:

Mit diesem letzten Band legt Carlsen den Kern von Keiji Nakazawas Werk auf Deutsch vor. Auf insgesamt 1128 Seiten schildert Nakazawa seinen Kampf gegen den Krieg, das Überleben und die Tragödie, die ihn für sein Leben prägte. Im Original ist „Hadashi no Gen“ über 2500 Seiten stark. Dennoch reicht bereits diese Version, um das Leiden zu verdeutlichen. Das vollständige Werk liegt bisher nur original in Japanisch, sowie in Englisch vor, und umfasst mehr als 10 Bände. Dennoch hat man als Leser niemals das Gefühl, dass etwas fehlt, wenngleich gewisse Sprünge in der Handlung schon erkennbar sind.
Insgesamt muss ich sagen, dass „Barfuss durch Hiroshima“ in meinen Augen ein Werk ist, welches man gelesen haben sollte. Mehr noch sollte es, ebenso wie „Maus“, zu einem Standardwerk in der Schulbildung werden, denn kaum ein anderes Werk zeigt die Auswirkungen und Ängste der Atombombe so deutlich und eindrucksvoll, wie dieses.