Barfuss durch Hiroshima (2-DVD Deluxe Edition) [Anime Virtual, April 2006]

DVD Barfuss durch HiroshimaBarfuss durch Hiroshima (2-DVD Deluxe Edition)

Neben dem Manga widerfuhr „Hadashi no gen“ auch noch die Ehre, als Anime adaptiert zu werden. Zwei Filme wurden hierbei vom renommierten Studio MadHouse (u.a. „Perfect Blue“, „Metropolis“, „Tokyo Godfathers“) realisiert.

Gen, noch unbeschwert.

Gen, noch unbeschwert.

Der erste Film orientiert sich dabei noch sehr stark am gleichnamigen Manga, welcher auch in gekürzter Fassung auf deutsch vom Carlsen Verlag vorliegt. Dies bedeutet aber auch, dass in den knapp 90 Minuten sehr vieles, sehr stark gerafft wird. Die Vorgeschichte, die sich um die Familie Nakaoka dreht, wurde vereinfacht. Einige Familienmitglieder, welche Leser der Vorlage bekannt sind, wurden erst gar nicht erwähnt. Auch wurden Handlungsbögen ersatzlos gestrichen. Diese sind zwar für die Geschichte an sich nicht essenziell, geben dem Manga aber eine ganz andere Aussage. Nakazawa gibt in der Vorlage nicht alleine den Amerikanern die Schuld an der Tragödie, sondern gleichermaßen dem japanischen Kaiser und dem Militär. Diese haben mit ihrer Sturheit und falschen Nationalstolz die Reaktion der Amerikaner nur herausgefordert. Im Anime jedoch wird die Schuld alleinig den Amerikanern zugeschoben.

Gen schwört seinem Vater, dass er kämpfen und leben wird.

Gen schwört seinem Vater, dass er kämpfen und leben wird.

Dass Gens Vater auch ein Antikriegs-Verfechter war, bleibt unerwähnt. Die Persönlichkeiten der Familie werden somit nicht einmal ansatzweise so ausgeprägt dargestellt, wie es in der Mangavorlage der Fall ist. Vielmehr liegt der Fokus des Anime auf der eigentlichen Tragödie. Dem Bombenabwurf. Dieser wird auch so eindringlich umgesetzt, dass es einem beim Zusehen die Sprache verschlägt. Grelle Farben, absolute Stille und Zeitlupen, in denen den Menschen das Fleisch von den Knochen geschält wird.

Nach der Detonation...

Nach der Detonation…

Und auch nach dieser Tat liegt der Fokus nur auf den Auswirkungen. Während Gen im Manga immer wieder Situationen erlebte, welche ihn aufmunterten, oder seine eigene Kraft herausforderten dreht sich hier alles nur um die Strahlenopfer und deren langsames Sterben. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass einem zum Ende hin die Tränen kommen. Auch wenn es wenige emotionale Elemente gibt, sind diese dafür umso gelungener umgesetzt.

Tomoko ist tot.

Tomoko ist tot.

Film Nummer zwei setzt wenige Jahre nach dem Abwurf ein. Gen lebt noch immer mit seiner Mutter und dem jungen Waisenkind Ryûta in einer provisorischen Hütte. Nahrungsmittel sind nach wie vor knapp, auch wenn die Amerikaner die stark dezimierten Bewohner inzwischen mit Lebensmitteln zu versorgen versuchen. Dieser Film an sich ist qualitativ zwar besser als sein Vorgänger, aber die Story ist dafür umso ausgewaschener. Wenn man von Gen, seiner Mutter und Ryûta absieht, finden sich kaum Bezugspunkte zu Teil eins. Auch die im Manga so oft vertretenen GI’s und Yakuza tauchen nur gelegentlich, und auch dann nur am Rande auf. Die Abenteuer, welche Gen erlebt, werden auf ein Minimum reduziert, und beschränken sich lediglich auf eine Gruppe mit Kindern.
Dem Gegenüber steht aber noch immer die möglichst detaillierte Darstellung des Grauens nach dem Abwurf. Das Leiden der Menschen, aber nur in ihren sichtbaren Auswirkungen. Verbrennungen und Verstümmelungen sind an der Tagesordnung. Die innere Zerrissenheit und die psychische Belastung hingegen werden kaum thematisiert.

Die Amerikaner sind an allem schuld.

Die Amerikaner sind an allem schuld.

Auch hat man ständig das Gefühl, dass der Film sich nicht wirklich mit Nakazawas Grundwerk, sondern mehr mit einer propagandistischen Antiamerika-Thematik auseinandersetzt. Als dann der Film sehr schnell zu einem Ende kommt, hat man auch als Zuschauer nicht wirklich das Gefühl etwas verpasst zu haben. Zu sehr ist aus dem zweiten Film ein typischer Zweiter Weltkriegsfilm geworden, ohne jegliche Intention eine persönliche Tragödie erzählen zu wollen. Stattdessen wird einem von der ersten bis zur letzten Minute eingetrichtert, dass Amerika schlecht und Japan nur ein unschuldiges kleines Land. Niemand, auch ich nicht, will die Thematik herunterspielen, und die Unschuldigsten sind in diesem Fall noch immer die Menschen der Zivilbevölkerung gewesen, aber nur einer Nation, in diesem Fall den Amerikanern, die Schuld zuzuweisen, ist blauäugig und fern jeglicher Wahrheit.

Das Beseitigung der Opfer mit Maschinen.

Das Beseitigung der Opfer mit Maschinen.

„Barfuss durch Hiroshima“ Teil 1 und Teil 2 sind so verschieden, wie sie es kaum sein könnten. Während Teil 1 wenigstens noch einen Hauch von Nakazawas Erzählung beherbergt, schwimmt Teil 2 nur auf der Welle seines Vorgängers mit. Zwar wurde im Gegensatz zum ersten Teil ein Fortschritt in der Animationstechnik gemacht, aber das rettet den Film bei Weitem nicht. Leider liegen beide Filme auch nur im Original japanischem Stereoton auf den DVDs vor. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht und wird es wohl auch nicht geben. Der Grund ist so einfach wie traurig: Es gibt keinen Master mehr mit getrennten Bild- und Tonspuren. Dadurch ist es nicht, oder nur mit sehr schwierigem und kostenintensivem Aufwand möglich, den Film nachzusynchronisieren.

Gens Mutter stirbt in seinen Armen.

Gens Mutter stirbt in seinen Armen.

Doch dank der sehr gelungenen und mit viel Herzblut übersetzten Untertitel ist er für den deutschen Markt lokalisiert worden. Besonders hervorzuheben ist noch das 56 Seiten starke Booklet, welche der DVD-Box beiliegt. Darin werden nicht nur die beiden Filme und die Mangavorlage ausführlich beschrieben, sondern es wird auch auf die Geschichte von Hiroshima eingegangen. Auch wie sich diese Tragödie in Wort und Bild niederschlug, wird ausführlich thematisiert. Ebenfalls bekommt der Autor Keiji Nakazawa einen umfassenden Artikel spendiert. Abgerundet wird das Booklet mit einem Auszug aus dem Original Manga.

Vor der Bombenkuppel.

Vor der Bombenkuppel.

Wer sich vorsichtig an Nakazawas Meisterwerk herantasten möchte, wird mit der DVD gut unterhalten. Danach sollte aber zwingend der Manga als Lektüre auf dem Nachttisch landen, denn dieser ist im direkten Vergleich um Längen besser. Hat man aber bereits die Vorlage gelesen, wird man von diesen beiden Filmen mehr als enttäuscht. Das Einzige, was der Film, in diesem Fall der Erste, der Printversion voraus hat, ist die eindringliche Darstellung des Bombenabwurfs und deren Detonation. Alles andere bleibt weit hinter dem Originalwerk zurück.

Marias letzte Reise [Drama, Deutschland, 2005]

Mein Blog ist eigentlich eher für unterhaltsame Sachen bekannt. Comics, Filme, Games und Musik. Doch immer wieder einmal kommen die Augenblicke, wo man den Spaß des Lebens, ein wenig beiseite räumen muss, um sich den wirklich ernsten Themen zu widmen. Eines dieser Beispiele ist bereits mein Artikel zum Mahnmal Buchenwald gewesen, und auch heute möchte ich ein nicht so freudiges Thema anschneiden, welches mir aber auch persönlich sehr am Herzen liegt.

Der Tod.

Im Rahmen meiner Weiterbildung als Altenpfleger und Altenbetreuer bin ich in Berührung mit dem Film „Marias letzte Reise“ gekommen. Denn im Ethikunterricht kamen wir auf die Pflegeethik zu sprechen, wobei die Ausbilderin eben auf diesen Film zurückgriff. Leider hatten wir nicht die Möglichkeit den Film zu beenden, doch ich war fasziniert vom Schauspiel der leider inzwischen verstorbenen Monica Bleibtreu. Deshalb habe ich die Chance ergriffen und mir den Film nun in voller Länge zu Gemüte geführt.

Marias letzte Reise

Land: Deutschland
Jahr: 2005
Laufzeit: 90 min
Regie: Rainer Kaufmann
Darsteller: Monica Bleibtreu, Nina Kunzendorf, Günther Maria Halmer, Michael Fitz, Nikolaus Paryla, Philipp Moog, Gundi Ellert, Hubert Mulzer

Maria leidet an Krebs, doch im Krankenhaus will sie nicht bleiben. Auch eine weitere Chemotherapie will sie nicht über sich ergehen lassen. Doch was sie so richtig wütend macht, ist wie das Personal im Krankenhaus mit den Patiente, insbesondere ihr, umgeht. Also lässt sie sich auf eigenen Wunsch entlassen. Aber ihr behandelnder Arzt will dem nicht tatenlos zusehen, und stellt seine beste Krankenschwester, Andrea, ab, damit diese die sture Patientin doch noch bewegen kann, ins Krankenhaus zurückzukehren. Was der Arzt aber nicht ahnt, ist das sich alle seine Bemühungen als nutzlos herausstellen. Schwester Andrea entwickelt eine Beziehung, nicht nur zu Maria, sondern auch zu ihrem noch ledigen Sohn Simon. Zusammen gehen die beiden den letzten und beschwerlichen Weg der schwer kranken Dame …

Marias letzte Reise ist ein dramatisches Meisterwerk, mit so vielen Emotionen und außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen, wie ich sie bisher nur selten erlebt habe. Den ganzen Film über kommt man nicht umhin, einen Kloß im Hals zu spüren und den Tränen nahe zu sein. Besonders am Schluss, als es dann unumkehrbar wird, bekommt man selbst als Zuschauer Gänsehaut und kann sich nur noch schwer beherrschen.
Am Anfang, so muss ich ehrlich zugeben, zeichnet sich dies noch nicht so stark ab. Maria ist eher die Art von Mensch, die man nur allzu gerne von hinten sieht, weil sie doch so ein sturer Bock ist, und nichts außer ihrem eigenen Willen zulässt. Doch mit jeder Minute wächst einem diese Person näher ans Herz und man versteht, warum sie so geworden ist, wie sie nunmal nach außen hin scheint. Das ist vor allem der grandiosen Leistung, der leider viel zu früh verstorbenen Monica Bleibtreu und ihrer Filmpartnerin Nina Kunzendorf zu verdanken. Am tragischsten ist dies aber erst dann, wenn man bedenkt, dass Monica Bleibtreu ihr eigenes Schicksal vorausgespielt hat.

Am 13. Mai 2009 verstarb die am 4. Mai 1944 in Wien geborene Schauspielerin nach einem zweieinhalbjährigen Lungekrebsleiden in Hamburg. Das der Film aber schon vor diesem persönlichen Drama für Aufsehen gesorgt hat, zeigen auch die Preise, die er und auch Monica Bleibteu hierfür erhalten haben. Dazu zählen der deutsche Fernsehpreis, für die Rolle der todkranken Bäuerin Maria, der bayrische Fernsehpreis als Sonderpreis für Marias letzte Reise sowie der Adolf-Grimme-Preis für das gesamte Schauspielensemble des Filmes. Monica Bleibtreu wurde unter großer Anteilnahme auf dem Friedhof im Hamburgers Ortsteil Ohlsdorf beigesetzt.

FAZIT:

Der Film „Marias letzte Reise“ ist ein Film, den man gesehen haben muss. Egal was man von deutschen Filmen, Dramen oder was auch immer halten mag. Dieser Film geht an keinem spurlos vorbei, oder sollte es wenigstens nicht. Monica Bleibtreu hat sich mit diesem Film und der darin verkörperten Rolle, in meinen Augen ein eigenes Denkmal gesetzt. Noch nie habe ich eine Darstellerin so überzeugend, und das in allen Handlungssituationen, spielen sehen wie in diesem Drama.

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Halloween Special Review (3): Crossed #1 [Panini, September 2012]

Die letzte Halloween Special Review für heute ist Garth Ennis Version von The Walking Dead. Doch kann man diese beiden Werke überhaupt miteinander vergleichen?

Crossed #1

Die Gesellschaft ist am Arsch. Ganz gehörig sogar. Und alles beginnt in einem kleinen Diner mitten in Amerika. Ist dies der Ausgangspunkt? Keine Ahnung. Wo hat es denn dann begonnen? Woher soll ich das wissen!

Ein „Infizierter“…

So oder so ähnlich müssen sich die Protagonisten in Garth Ennis neuestem „Meisterwerk“ wohlfühlen, als ihnen das Schicksal direkt vor die Füße kotzt. Von jetzt an heißt es nur noch überleben. Die Menschheit, oder das, was von ihr übrig ist, hat sich verändert. Alle, die „infiziert“ wurden, tragen nun ein Kreuz im Gesicht und verhalten sich, als würden sämtliche Dämme der Vernunft brechen. Doch was ist die Ursache für diese „Mutation“, wie verbreitet sie sich und was kann man gegen diese „Monster“ tun? Diese Frage stellt sich auch eine kleine Gruppe Überlebender aus eben jenem Diner, rund um die alleinerziehende Mutter Cindy, ihren Sohn und die Dinergäste Thomas, Kelly und Stan. Schnell wächst du Gruppe, aber so schnell wie sie wächst, dezimiert sie sich auch wieder. Doch wo sollen sie hin, und was wird sie auf dem Weg dahin erwarten?

Ist wirklich der Weg das Ziel?

Was will Garth Ennis‘ Crossed sein? Eine härtere Version von The Walking Dead? Ein eigenständiges Hardcore-Splatter-Gore-Drama? Oder ist es eine Therapie für Ennis und seine zweifelhaften Fantasien? Das ist schwer zu sagen, denn was dem Leser hier präsentiert wird, ist schon „ziemlich kranke Scheiße“, um es mal klar auszudrücken. Ennis legt eine Geschichte vor, die vor kranken Ideen nur so überquillt. Da ist es kein Wunder, das Panini bisher gezögert hat, den Band in Deutschland zu veröffentlichen. Dass dies aber nun nicht nur auf Deutsch erscheint, sondern auch noch uncut kommt, überrascht mich persönlich schon. Ja, der Band wird nur eingeschweißt verkauft und auch auf das empfohlene Alter von mindestens 18 Jahren wird hingewiesen, aber eine gewisse Indizierungsgefahr besteht dennoch.

Alles Gute kommt von oben…
… oder auch nicht.

Schuld daran sind neben den Ideen aus Ennis Kopf natürlich auch die fabelhaften und sehr expliziten Bilder von Jacen Burrows. Beide hatten bereits an den Chroniken von Wormwood zusammengearbeitet, und auch diesmal schaffen sie eine eigenständige und faszinierende Welt. Burrows minimalistischer Strich wird hierbei durch die kongeniale Koloration von Greg Waller und Juanmar unterstützt. Zwar sind diese an manchen Stellen zu steril und computertechnisch perfekt, um „echt“ zu sein, aber im Großen und Ganzen ergänzen sich die Bleistift- und Tuschezeichnungen und die Koloration hier perfekt. Manchmal sind zwar auch mir hartgesottenen Horror und Splatter-Fan die dargestellten Szenen zu heftig, aber wenn man diese auf die 260 Seiten hochrechnet, halten sie sich in Maßen, und wer jetzt denkt, hier seine Geilheit befriedigen zu können, den muss ich enttäuschen. Denn viele Bilder sind zwar schon sehr explizit, aber dennoch werden die meisten Szenen gekonnt verdeckt und das „Schlimmste“ spielt sich im Kopf des Lesers ab, wenn er es denn zulässt.

FAZIT:

Crossed ist storytechnisch kein Meisterwerk. Meiner Meinung nach hat Ennis seinen Zenit bereits überschritten, und wenn er auffallen möchte, dann tut er es auf eben jene Art, wie sie hier bei Crossed angewandt wird. Dennoch muss ich gestehen, dass ich extrem fasziniert bin, gerade weil es immer wieder kleine psychische Kniffe in der Handlung gibt, die von den Gewaltfantasien ablenken und die Psyche der Protagonisten offen legen. Und genau diese Art der Unterhaltung ist es, die mich wieder neugierig stimmt. Es ist fast schon so, als wolle man unterbewusst ein Psychodrama präsentieren, aber mit dem Wissen, dass sich dies ohne die Gewalt und die Sexpraktiken nicht verkaufen würde.
Wenn man sich den Band unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, dann steckt doch wesentlich mehr hinter Crossed, als es augenscheinlich auf den ersten Eindruck wirkt. Ennis spielt hier wohl ganz bewusst mit den Erwartungen der Leser und erfüllt diese auch größtenteils, ohne dabei sein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren. Den Menschen und seine Überlebensinstinkte offenzulegen.

Mahlzeit …

Copyright aller verwendeten Bilder © 2008-2012 Avatar Press / Panini

Halloween Special Review (1): Whoa! Horror #1 [Plem Plem Productions, Mai 2012]

Heute ist Halloween und was liegt da näher, als sich mit ein wenig Horror und Grusellektüre zu befassen. Deshalb bekommt ihr heute die volle Dosis, in Form von drei Halloween Reviews …

Whoa! Horror #1

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Pandämonium [Ehapa Comic Collection, April 2012]

Heute wird es mysteriös und dramatisch. Denn Egmont hat mir ein weiteres Rezensionsexemplar zukommen lassen. Diesmal aus der Ehapa Comic Collection… Weiterlesen

Ultimate Comics: Spider-Man #1 [Panini, Juni 2012]

Nachdem ich nun in den letzten Tagen nochmal die zweite Ultimative Spider-Man-Serie, welche Panini in fünf Trades aufgelegt hat, zusammengefasst habe, widme ich mich heute der nagelneuen Serie. Wer also weder Ultimate Spider-Man #4 und #5, sowie Ultimate Fallout gelesen hat, sollte jetzt vorsichtig sein, denn es werden mit Sicherheit Begebenheiten genannt die euch spoilern werden. Deshalb, lesen nur auf eigene Verantwortung. 😉

Ultimate Comics: Spider-Man #1

Eigentlich ist Miles Morales ein ganz normaler Junge, oder wenigstens möchte er dies sein. Doch wie so oft hat das Schicksal andere Pläne. Denn Miles Onkel Aaron ist niemand anderes als der Kleinkriminelle Dieb namens Prowler und dieser hat nichts besseres zu tun als bei Oscorp einzubrechen um ein wenig Beute zu machen. Doch was Aaron nicht weiß, ist das er neben der Beute auch noch einen kleinen blinden Passagier mit an Bord hat.

Aber auch Miles hat es nicht einfach. Um in seinem Leben weiterzukommen hat er die Chance auf die ultimative Schullaufbahn an der Brooklyn Visions Academy. Das einzige Problem ist das hierfür keine Leistungen zählen, sondern Glück. Denn die Plätze werden nach dem Losverfahren ermittelt. Wie es das Schicksal nunmal will, ist Miles der allerletzte der ein Ticket hierfür lösen darf, was den jungen Schüler aber nicht wirklich glücklich stimmt.

Natürlich will Miles dies auch seinem Onkel Aaron erzählen, doch dann passiert es. Der kleine blinde Passagier aus dem Raubzug der letzten Nacht erwählt Miles als neues Opfer und beisst den Jungen, der daraufhin zusammenbricht. Als Aaron dann Miles Vater (der auch Aarons Bruder ist) kontaktiert damit dieser Miles abholt, kommt es zwischen den beiden Brüdern zum Streit, woraufhin Miles flieht…

Schnell bemerkt Miles aber das etwas nicht stimmen kann. Er fühlt sich anders und seine neuen Fähigkeiten zeigen sich in ein paar kritischen Situationen. Miles kann natürlich auch nicht anders als seinem besten Freund Ganke davon zu erzählen, der dies natürlich „Voll Cool!“ findet. Doch Miles will diese Kräfte nicht, vor allem weil es bereits einen Spider-Man gibt und diesem sein Job wohl auch Spaß macht. Aber Miles lernt sehr schnell das er sich dieser Verantwortung nicht entziehen kann.

Miles beginnt ein neues Kapitel in seinem Leben, als er mit Ganke endlich das neue Schuljahr an der Brooklyn Visions Academy beginnt. Aber eines Nachts gibt es eine Notfallübung die immer abgehalten wird, wenn Superwesen in der Nähe kämpfen. Als Miles erfährt das Spider-Man dabei schwer verletzt wurde, kann er nicht anders und muss einfach zum Schauplatz nur um dort vor Ort den Tod von Peter Parker live mitzuerleben. Ab sofort weiß er das er eine Bestimmung hat, und das auch weil Gwen Stacy im Peters Beweggründe für sein Handeln mitgeteilt hat.

Schon in den nächsten Nächten geht Miles auf Streife auch um seine Fähigkeiten zu trainieren und trifft dabei auf alte Bekannte, neue Freunde, neue Feinde und die Möglichkeit sich zu beweisen um die schwere und verantwortungsvolle Erbschaft von Peter Parker anzutreten. Mitsamt neuem Kostüm…

FAZIT:

Brian Michael Bendis macht auch beim dritten Start vom ultimativen Spider-Man irgendwie alles richtig. Die Verankerung von Miles in die Geschehnisse um die letzten Tage von Peter Parker, sowie die Charakterisierung des Hauptprotagonisten und seines persönlichen Umfeldes. Zuerst wird man sich fragen, warum überhaupt ein schwarzer Spider-Man und dazu noch aus so ärmlichen Verhältnissen. Und die Antwort ist klar und deutlich. Warum nicht?
Die damit einhergehende Designantwort in Form des schwarzen Kostümes welches ein wenig die Hautfarbe des Helden nauch aussen trägt finde ich fast schon ein wenig übertrieben und gewagt, aber vom Designstandpunkt sieht das neue „kleine Schwarze“ einfach nur elegant aus.
Nicht ganz unbeteiligt an dem tollen Auftreten von Miles als Spider-Man ist die italienische Zeichnerin Sara Pichelli. Ihr Stil ist dem von David Lafuente nicht ganz unähnlich, aber dennoch frisch und neu. Fast schon wie eine Mischung aus Lafuente und Bagley. Wunderschön und vor allem dynamisch. Denn auch wenn Comics in erster Linie stille Momentaufnahmen von Ereignissen sind, da ihnen die sanften Bewegungen einer Animation fehlen, so sind Bilder mit eigener Dynamik inzwischen sehr wichtig geworden. Pichelli vereint dies sehr gut, und auch die Farbgebung von Ponsor weiß wieder zu überzeugen und führt zu einem Gefühl der Bekanntheit, des „sich heimisch fühlens“.
Die neueste Inkarnation vom ultimativen Spider-Man ist wieder rundum gelungen und macht einfach einen Riesenspaß. Es ist frisch, es ist spannend und es ist witzig, woran vor allem die kleinen Seitenhiebe und Gags schuld sind, wie Miles Freund Ganke und seine immer wechselnden Marvel-Hommagen in Form von T-Shirts oder Internetavataren.

Alternativ gab und gibt es auch noch dieses wunderschöne Variantcover des Bandes, welches ich auch mein eigen nennen darf. Sara Pichellis wunderbare und dynamische Zeichnung gefällt mir einfach einen Tick weit besser als Kaare Andrews (ebenfalls nicht schlechtes) Covermotiv.

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Lenore #1: Kopfnüsse [Panini, April 2012]

Bereits Ende Mai hat mein Blogkollege Zerodeadeye, sich diesem Band angenommen, weil es ihm auch eine Herzensangelegenheit war. Was mein geschätzter Kollege damals noch nicht wusste, war dass ich bereits bei Panini wegen eines Rezensionsexemplares dieses Bandes angefragt hatte.
Diese Woche kam dann besagter Band an und ich habe überlegt, ob es sich überhaupt noch lohnt einen Artikel über dieses Werk zu machen, wo es doch schon mein Kollege getan hat. Letzten Endes kam ich zu dem Entschluss, dass es doch sein muss. Immerhin kann eine zweite Meinung dazu noch unschlüssige Käufer überzeugen oder vom Kauf abhalten.

Daher könnt ihr hier nun meine Meinung zu dem Band lesen…

Lenore #1: Kopfnüsse

„Kopfnüsse“, der erste Band von Roman Dirges „Lenore“ sammelt die ersten vier (vollständig kolorierten) Originalausgaben der inzwischen über 14 Jahre alten Serie um das kleine tote Mädchen, welches an Edgar Ellen Poes Gedicht „Lenore“ angelehnt ist. Lenor erlebt nicht nur aussergewöhnliches und lässt den Leser daran teilhaben wie sie „wiedergeboren“ wurde, sondern zeigt auch wie sie sich den Widrigkeiten des alltäglichen Lebens entgegensetzt.
Sei es das Babysitten, welches trotz aller gutgemeinten Handlungen so überhaupt nicht gelingen will, oder aber wie sie sich den liebestollen Avancen eines aufdringlichen Charmeurs namens Mr. Gosh. Aber Lenore ist nicht alleine in ihrer skurrilen und schaurig schönen Welt. Sie hat Freunde, Feinde und Bekannte, wie Soylent Green, Lumpenkarl, Georgie Porgie oder Mr. Puffy.
FAZIT:
Lenore ist einfach nur liebenswert. Sie ist fast kindlich naiv und hat dennoch eine gewissen Berechenbarkeit in ihren Handlungen. So ist es für sie selbstverständlich, das wenn eine nette Frau sie mit dem typischen Kinderspiel „Ich habe deine Nase“, als Konter mit dem Messer deren Nase aneignet. Sie denkt dabei an nichts böses. Sie ist einfach so.  Ausserdem scheint sie das Unglück irgendwie magisch anzuziehen was sehr oft zu unfreiwillig komischen Einlagen führt.
Was Lenore auch nicht so wirklich kann, ist mit hilfsbedürftigen Lebewesen umgehen. Seien es Kinder oder Tiere. Irgendwie schafft es keiner ihren übermäßig liebevollen Anwandlungen lebend zu entkommen. Roman Dirge präsentiert diese und auch Einblicke in sein eigenes Leben mit einer Mischung aus Tim Burtons verrückten Wunderwelten wie „Sleepy Hollow“ und „Nightmare before Christmas“ mit den humorvollen und lehrreichen Büchern von Dr. Seuss.
Die Zeichnungen sind von minimalistisch bis extremst detailliert, aber immer passen zur jeweiligen Geschichte und werden nur ein wenig von dem gelegentlich unpassenden Einsatz von zu viel Computereffekten getrübt. Doch zum Glück kommt dies nicht allzu oft vor.
Jeder der auch nur ein wenig Gefallen an schwarzem Humor findet, und auch mit Edgar Ellen Poe keinerlei Probleme hat, sowie sich in den verrückten Filmwelten von Tim Burton wohl fühlt, ist mit Lenore bestens bedient. Wie mein Kollege schon schrieb wächst einem das kleine tote Mädchen sehr schnell ans Herz, wobei man aber auch auf sein eigenes Leben aufpassen sollte. Denn wer Lenore zu nahe kommt… 😉

ZUSATZINFO:
Im Februar 1998 erschien die erste Ausgabe von Lenore beim amerikanischen SLG Publishing-Verlag zu dem auch das Imprint Slave Labor Graphics gehört. Dort erschienen in unregelmäßigen Abständen bis zum Juli 2007, 13 Ausgaben von denen die ersten 12 in drei Trades gesammelt und neu aufgelegt wurden. Bereits 1 Jahr nach dem Start von Lenore wurde die Serie für den Will Eisner Comic Industry Award als „Best Humor Publication“ und „Best New Series“ nominiert. Leider musste sich die Serie dann Marvels „Inhumans“ von Paul Jenkins und Jae Lee (Best New Series) und Sergio Aragones „Groo“ (Best Humor Publication) geschlagen geben.
Seit August 2009 erscheint eine zweite Serie beim britischen Titan Books-Verlag die noch immer, wenn auch wieder unregelmäßig, läuft und dessen bisher letzte Ausgabe (Nummer 5) im Frühjahr diesen Jahres veröffentlicht wurde.
Ausserdem gibt es von Lenore auch eine inzwischen 26 Folgen umfassende Animationsserie die auf den Namen „Lenore: The Cute Little Dead Girl“ hört und von Adelaide Productions produziert und Sony Pictures Entertainment vertrieben wird. Da die Serie eigentlich eine Webserie ist, kann sie auch auf der Seite von Spookyland online angesehen werden. Dort stehen alle 26 Episoden ganz legal und kostenlos zur Verfügung.

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GEWINNSPIEL:
Wer jetzt „Blut“ geleckt hat und das kleine tote Mädchen unbedingt kennenlernen möchte hat hier die Gelegenheit das mir von Panini zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar zu gewinnen. Was ihr dafür tun müsst? Ganz einfach.

„Welches Gedicht stand Pate für Roman Dirges kleine Lenore?“

Schickt mir das vollständige Gedicht (in der deutschen Sprachfassung) per Mail an:
Blogmail

Unter allen richtigen Einsendungen die neben dem Gedicht auch ihre vollständige Anschrift angegeben haben, wird der Gewinner ermittelt.

Das Gewinnspiel ist ein freiwilliges und rechtlich nicht bindendes Angebot des Blogbetreibers. Eine Teilnahme ist freiwillig und unverbindlich. Jegliche Daten werden nach Ablauf des Gewinnspiels sofort gelöscht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Teilnahmeschluss ist der 21. Juli 2012.

Das Selbstmordparadies (Dōmu, 童夢) [Alpha Comic Verlag, 1994-1995]

ACHTUNG!
Dieser Artikel sollte nicht von Jugendlichen unter 16 Jahren gelesen werden!

Heute möchte ich mich einem besonderen Werk von einem besonderen Künstler widmen. Es handelt sich um den Manga-ka und Regisseur (u.a. „Akira“, „Manie-Manie“, „Robotic Angel“, „Steamboy“ und „Memories“) Katsuhiro Otomo (jap. 大友 克洋, Ōtomo Katsuhiro), der vor allem durch sein großes und umfangreiches Werk Akira Weltruhm erlangt hat. Doch schon vorher hat er mit Dōmu (童夢) erste Anerkennung erhalten.
Dōmu erschien von 1980 bis 1981 in vier Kapiteln im Schwestermagazin „Action Deluxe“ der „Manga Action“. In Deutschland wurde das Werk unter dem Namen „Das Selbstmordparadies“ in drei Bänden innerhalb der Reihe „Schwermetall präsentiert“ beim Alpha Comic Verlag von 1994 bis 1995 veröffentlicht. Doch wie gut oder schlecht ist dieses Frühwerk…?

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Gratis Comic Tag 2012 (Reviews Teil 8) – Die Comics von Reprodukt und Tokyopop

Im heutigen Gratis Comic Tag-Review-Artikel sind die Mädels/Damen an der Reihe. Ich habe mir die beiden Ausgaben „Comic Girls“ von Tokyopop und „Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An“ von Reprodukt zur „Brust“ genommen und möchte euch nun hier mein Fazit dazu präsentieren…

Comic Girls (Gratis Comic Tag 2012)

Bei Tokyopop wird es rosa und Girlielike.
In „Lou“ erleben wir wie ein 12-jähriges Mädchen, welches für ihr Alter viel zu klein ist, sich den alltäglichen Irrungen und Wirrungen der Liebe und Romantik entgegenstellt. Dabei ist es nicht gerade hilfreich das ihre Mama ebenfalls solo ist und mehr Interesse an Videospielen als an ihrem zukünftigen, möglichen Freund hat…
Die zweite Geschichte handelt von Rebecca. Ein kleines Mädchen das mit einer schwachen Immunabwehr zu kämpfen hat und deshalb ebenfalls (wie auch Lou) etwas zu klein für ihr Alter ist. Auch das ihre Eltern sich immer streiten nagt an dem kleinen Mädchen. Aber Rebecca lässt sich nicht unterkriegen und findet dennoch ihren Spaß im alltäglichen Leben. Als sie sich dann auch noch mit einem sehr alten, intelligenten und widerstandsfähigen Virus infiziert, die durch die Super-Mikrobe Ernest hervorgerufen wird, entsteht eine gefährliche aber sehr lustige Freundschaft…
In den Sommerferien haben sich Ninas Eltern getrennt und deshalb beginnt ihr neues Schuljahr alles andere als glücklich. Als dann auch noch ein kleines Monster und eine Fee in ihrem Schulranzen auftauchen und ihr niemand so richtig glauben will, wird es erst richtig mysteriös und verzwickt…
Zuletzt geben sich noch die beiden Schwestern Marine und Wendy die Ehre, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Allerhand turbulente Abenteuer erleben die beiden wenn sie sich den alltäglichen Problemen stellen müssen. Ob es nun die kleinen Problemchen unter Schwestern sind, die Liebe oder auch Paparazzi. Die beiden werden irgendwie mit allem fertig.
FAZIT:
Eine lustige, bunte und auch manchmal nachdenkliche Mischung legt Tokyopop mit diesem Heft vor, an dem nicht nur Mädchen ihren Spaß haben werden. Auch Jungs und Männer werden an diesen kleinen Geschichten ihren Spaß haben, wenn sich Schwestern zoffen, ihrem Liebestaumel ergeben, oder verzweifelt versuchen ihren Lieben irgendwelche ausgefallenen Präsente zukommen zu lassen.
Die Zeichnungen sind stilsicher, bunt und immer irgendwie niedlich, auch wenn die Ereignisse so überhaupt nicht zum lachen sind. Manches wirkt ein wenig „Manga-Like“ was einige abschrecken könnte, aber dennoch passt genau diese Charakterisierung sehr gut zu den Geschichten. Immerhin soll es sich im Großen und Ganzen um Mädels handeln und die sehen nun mal nicht wie ein Vollweib aus.
Aber eben genau die Tatsache das die Protagonisten oftmals auch ein wenig naiv handeln macht einen Großteil des Charmes aus. Und genau deshalb ist Comic Girls unterhaltsame Comicunterhaltung nicht nur für Mädchen.

Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An: Die Jungfrau im Freudenhaus (Gratis Comic Tag 2012)

Agathe und Blanche sind Schwestern und Hausmädchen in Paris. Doch eines Tages wird Agathe ermordet und das nur weil Blanche beobachtet hat wie der berüchtigte Schlächter der Guinguettes ein Mädchen ermordet. Doch als die Polizei eintrifft sieht es so aus als hätte Agathe Selbstmord begangen. Niemand will Blanche glauben und so beginnt die einsame Jungfrau ihre eigenen Nachforschungen. Die Spur führt dabei ein eines der edelsten Bordelle von Paris. Als sich Blanche dort als Hausmädchen bewirbt, wird sie abgelehnt, aber sie bekommt die Chance als unnahbare Gouvernante in das Hurenbusiness einzusteigen. Schnell macht Blanche Entdeckungen die sie ihre ganze Kraft kosten…
FAZIT:
Dieser Comic ist bisher wirklich die Überraschung des Gratis Comic Tages für mich. Was Anfangs wie ein einfaches Drama klingt (Jungfrau kommt durch widrige Umstände in das älteste Gewerbe der Welt) entwickelt sich sehr schnell zu einem düsteren und verzwickten Kriminalfall. Dadurch das die Protagonisten so gut charakterisiert sind, fällt es dem Leser auch nicht schwer mit den Damen mitzufühlen und deren Freud und Leid nachzuempfinden. Unterstützt wird dies durch die sehr stimmungsvollen Bilder, die zwar vorwiegend in verschiedenen Rottönen gehalten sind, aber auch durch den klaren Strich und die emotionalen Mimiken der Figuren.
„Fräulein-Rühr-Mich.Nicht-An“ ist ein dichter und atmosphärischer Thriller der von Anfang an überzeugen kann und sicher schnell seine Fans finden wird.

Mein Dank geht auch heute wieder nach Erfurt zum Comic Attack für die Bereitstellung dieser Hefte.

Marvel Exklusiv #96: Carnage – Familienfehde [Panini, Januar 2012]

Im heutigen Artikel sehen wir einen altbekannten Störenfried aus dem Spider-Man Universum wieder. Aber wie konnte er nach seinem Tod in „Spider-Man und die neuen Rächer“ #1 (2. Story) durch den Sentry wieder auf die Erde zurückkommen und wie hat er seine Zweiteilung überlebt. Diese und weitere Antworten liefert dieser Band…

Marvel Exklusiv #96: Carnage – Familienfehde

Eigentlich beginnt alles ganz harmlos. Peter Parker will sich einen gerusamen Morgen zu Hause machen mit einer Schüssel voll Frühstücksmüsli und Tony Stark ist Gast auf einer Ausstellung medizinischer Geräte wo gerade der PC-Hersteller Micheal Hall eine nagelneue Armprothese vorstellt die nicht nur von elektrischen Impulsen in Form von Nullen und Einsen (sprich An und Aus) gesteuert wird, sondern die direkt auf die Gefühle des menschlichen Gehirns reagiert.

Doppelgänger beim Bummeln in der City.

Als Tony nach der Ausstellung auf dem Weg nach Hause ist sieht er einen Netzschwinger mit sechs Armen der Jagd auf einen gepanzerten Transporter macht. Sofort verständigt er seinen Miträcher Spider-Man, der sich auch umgehend (mitsamt seiner Müslischüssel) auf den Weg macht. Was noch niemand weiß, ist das der Transporter eine gefährliche und altbekannte Fracht beherbergt. Als Spider-Man dann endlich eintrifft und sieht mit wem sie es zu tun haben, werden Erinnerungen an die Ereignisse von vor ein paar Jahren (Maximum Carnage in „Die Spinne“-Magazin #226 bis #233) in denen er seinen „Doppelgänger“ zuletzt sah.
Während Iron Man und Spider-Man nun versuchen das Schlimmste zu verhindern indem sie versuchen den Doppelgänger vom gepanzerten Fahrzeug fernzuhalten, taucht nicht nur eine mysteriöse Frau auf die helfend zu Seite stehen möchte, sondern auch zwei gepanzerte Kämpfer die Iron Man gar nicht so unähnlich sind. Zumindest was die Kampfausstattung betrifft haben sie definitiv Ähnlichkeit mit dem eisernen Ritter. Aber moralisch spielen die neuen Helden auf einem ganz anderen Level.

Manchmal ist man wenn man helfen will eben nicht nur arm dran.

Bei dem Versuch den Doppelgänger vom Transporter fern zu halten setzt einer der beiden Kämpfer scharfe Waffen ein und tötet nicht nur fast den Doppelgänger, sondern trennt der mysteriösen Frau auch den Arm ab. Endlich lüftet sich somit auch das Geheimnis der mysteriösen Fracht. Es handelt sich um niemand geringeres als Frances Louis Barrison alias Sandra Deel auch bekannt als Shriek. Deshalb hat Doppelgänger versucht den Transporter anzugreifen. Und auch gelöst ist das Geheimnis um die mysteriöse Frau die helfen wollte, denn diese ist einfach nur Shrieks Ärztin, Dr. Tanis Nieves.
Kurz darauf besucht Spider-Man Dr. Nieves im Krankenhaus nur um dort von ihr zu erfahren das sie bereits einen neuen Arm besitzt und deshalb auch keinerlei Aussagen machen wird. Als dann auch noch eine Anwältin auftaucht sucht Spidey das Weite, und Dr. Nieves lernt endlich den Grund für Shrieks Überführung kennen. Shriek soll helfen von einer ihr unbekannten Biomasse Abkömmlinge zu „züchten“ welche Michael Hall biotechnisch weit nach vorne bringen sollen. Was Nieves jedoch noch nicht weiß, ist das es sich bei dieser Biomasse um die Reste von Carnage handelt, welche Hall aus dem All „geborgen“ hat.

Der Symbiont auf der Flucht nutzt alles mögliche als Wirt. Sogar eine Ärztin.

Doch wie nicht anders zu erwarten, passiert was passieren muss. Es kommt zu Komplikationen. Und zwar reagiert Dr. Nieves neuer Arm auf die Nähe zur Biomasse und gerät ausser Kontrolle. Dr. Nieves‘ Arm tötet alle anwesenden Personen und verschafft sich dann Zugang zur Biomasse um dann mit ihr zu verschmelzen. Heraus kommt ein neuer, weiblicher, Carnage der auf der Suche ist. Doch was kann er suchen. Spürt er die Nähe von seiner ehemaligen „Partnerin“ Shriek?
Nein. Denn was bisher keiner wusste ist, dass Cletus Kasady überlebt hat. Zwar nur sein Oberkörper, aber der Symbiont hat unter Aufbietung aller seiner Kräfte versucht seinen Wirt zu beschützen. Kasady ist nun ein Gefangener von Michael Hall und hat einen neuen Biomechanischen Unterkörper erhalten. Nun ist die Biomasse mit ihrem neuen Wirt auf dem Weg seinen alten „Kameraden“ wiederzufinden um sich mit ihm zu vereinen.

Shriek mit neuer Ausstattung.

Auch Shriek hat inzwischen wieder Anschluss gefunden. Und zwar hat sie nicht nur ihren „Sohn“ Doppelgänger gefunden, und die inzwischen vom Symbionten verlassene Dr. Tanis Nieves, sondern auch den inzwischen zu neuer Größe auferstandenen Carnage der sich mit Cletus Kasady wieder zusammengeschlossen hat und schon sehr beschäftigt ist Spider-Man und Iron Man ein paar Lehren beizubringen. Aber Schriek hat auch noch eine Überraschung parat. Denn in dem neuen Arm von Dr. Tanis Nieves, hat sich ein weiterer Symbiontenableger niedergelassen, den sich Frances natürlich sofort zu Eigen macht.

Rache ist süß!

Aber so einfach geben sich weder Spider-Man noch Iron Man geschlagen und auch Dr. Nieves hat sich noch lange nicht aufgegeben. Sie holt sich ihren Arm wieder zurück und gibt sich auch dem Symbiontenableger hin um so zur neuen „Heldin“? Scorn zu werden. Sie schnappt sich Shriek und richtet deren Schallkraft gegen Carnage um dem Kampf endgültig ein Ende zu setzen, aber ist Carnage der mit der neuen Heldengruppe aus Symbiontenrüstungen verschmolzen ist, so leicht zu schlagen…?

FAZIT:
Carnage – Familienfehde ist einfach nur schön. Die Story schlägt einen Bogen zurück zu einem wirklich tollen (aber weitgehend sinnfreien) Event (oder besser gesagt Prügelorgie) und sorgt somit auch für alteingesessene Leser für einen wunderbaren Erinnerungsbonus ohne dabei aber neue Leser (oder die die Maximum Carnage damals verpasst haben) etwas vermissen würden. Zeb Wells (seines Zeichens Ex-Mitglied der Web-Head-Crew rund um Amazing Spider-Man bis zu Big Time) liefert eine spannende und actionreiche Stoy ab die mit detailreichen und imposanten Zeichnungen von Clayton Crain abgerundet werden.
Aber es gibt auch negatives. Die Story ist actionreich und macht Spaß, hat aber auch nicht wirklich etwas neues zu bieten. Das Carnage nicht auf ewig tot sein konnte, dürfte inzwischen jedem klar geworden sein, der auch nur wenige Jahre Superheldencomics liest. Niemand bleibt wirklich lange tot (Ausnahme Onkel Ben bei Spider-Man und Bruce Waynes Eltern) und so war es nur eine Frage der Zeit bis Carnage wieder auf die Leserschaft losgelassen wird. Aber immerhin haben Wells und Crain es nicht langweilig werden lassen.

Keine Zeit mehr oder so gewollt?

Und da wären wir auch beim nächsten Problem. Crain ist ein detailverliebter und extrem aussergewöhnlicher Künstler. Aber an einigen Stellen in diesem Band wirken seine Zeichnungen schlampig und gehetzt. Wo Anfangs teilweise noch einzelne Haarsträhnen und kleinste Hautfalten gezeigt wurden werden später sogar ganze Figuren mit wenigen Strichen dargestellt. Und dies betrifft nicht mal kleinste Zeichnungen im Hintergrund. Das dargestellte Bild füllt von seiner Größe fast eine viertel Seite des Bandes und wirkt ehrlich schon ganz schön hingeschludert. Dabei kann man nicht einmal von bewegungsbedingter Darstellung sprechen, da diese auch bei ruhigen Passagen anzufinden sind.
Wenn man aber einmal von diesen beiden Mankos absieht, bietet sich dem Leser ein sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Band mit sehr viel Action und schönen Bildern, vorausgesetzt man kann mit dem Stil von Clayton Crain warm werden.

Neben dem hier vorgestellten Softcover erschien der Band noch in der etwas teureren Hardcoverversion welche aber bereits verlagsvergriffen ist.

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